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Genug gesehen. Dem Gesicht begegnet in allen Weisen.
Genug gehabt. Lärm der Städte, abends, und in der Sonne, und immer.
Genug erkannt. Die Haltestellen des Lebens.
- O Lärm und Gesichte!
Aufbruch voll Gefühl und Geschrei - neu!
A.Rimbaud: Leuchtende Bilder / Illuminations - Aufbruch / Départ
(übers. von Reinhard Kiefer und Ulrich Prill)
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Weisheiten von Stangen→ Lügen  → Songs

Der mir auf den Fuß schaut
Lautmalert
Der weiß nix
Lobhudelt
Der kann nix
Der mit der Kirche ums Dorf rennt
Beinausreißt
Der ist gebenedeit
Besserweiß
Der ist gottseibeiuns
Der an das Kreuz immer fest nagelt
Kleinbeigibt
Der hat sie nicht alle
Keinenmucksmacht
Der ist doch nicht ganz
Der gegen den Strom schwimmt
Aufmüpft
Der wird schon
Großtut
Der hat schon
Der mir ins Gesicht tritt
Hat Recht
Links schlägt das Herz
Das Auge sieht vorn

#1 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 01.09.2010 18:47 © by SuMuze
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#06 - Sich selbst verführen→ Südlicher Regen  → Soaps

Als ich aufwachte, hatte die Dämmerung gerade erst damit begonnen, zu mir ins Zimmer herein zu klettern. Ganz oben unter der Decke stahl sie gemächlich Schicht für Schicht das Dunkel aus der Nacht heraus. Der schleichende Wechsel im bläulichen Weiß dort lockte meinen Blick. Vielleicht wegen des leichten Schimmers von etwas Kommendem, der anfangs nur unendlich schwach aufscheinen und viel später dann fast übergangslos die ungeheure Macht des hellen Tages in sich aufblühen lassen würde. Das Zimmer kam mir im Halbschatten fremd vor, und mir war kalt. Ich hatte wohl schlafend die Bettdecke weg gestrampelt, woraufhin die Nachtluft sich umgehend beeilt hatte, meinen Körper auszukühlen. Träge überlegte ich, ob ich auf dem Fußboden nach der Decke angeln sollte, um mich wieder...
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#2 of 1728      [Backlink]      Posted at Monday 30.08.2010 23:05 © by SuMuze
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Das moderne Gedicht→ Avantgarde  → Songs

Ein modernes Gedicht
sagt von etwas gar nicht.
Es sagt nur von sich,
daß es von etwas
was sage,
und wie es das tue
(und 'und' wird zu &)
& wie an sich
doch wiederum nicht,
weil von etwas zu sagen
gilt nur, wenn das etwas
nicht ist, doch es ist,
das moderne Gedicht.
Also schweigt es,
spricht es von sich,
von etwas nicht.
                  Nur!
Von was schweigt es
denn dann?
Oder kann
es nicht sprechen davon,
wovon es doch spricht,
das moderne Gedicht?

#3 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 29.08.2010 10:57 © by SuMuze
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Sehr schwere Liebe→ Liebe usw.  → Soaps

Ich habe harten Sex mit dir.
Ich halte deine Eingeweide in der Hand.
Du dachtest, es ginge nur um meine Haut.
Gefehlt! Wer sich mir nähert, wird verbrannt.
Das sind die winzig kleinen Macken,
die aus dem starken Mann den Knaben
als weichen Kern aus festen Schneckenschalen locken.
Das ist das Keuchen, aufwärts und
das mit der Lunge gräßlich Pfeifen.
Vor Tische schien er noch gesund.
Das ist die Einsamkeit bei Nacht,
das sich in Ewigkeit Verlieren.
Das Wimmern, wegen Angst,
man würde umgebracht.
Das ohnmächtig ins ferne Stieren.
Der Schnodder aus der Nase,
wenn es gilt. Der Schleim.
Der Schweiß vor Fünf.
Der Harndrang, und der Krampf.
Ich habe harten Sex mit dir.
Und wehe, du wirst jetzt gemein!

#4 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 26.08.2010 23:18 © by SuMuze
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Herumkommen→ Leute  → Songs

Wir brachen auf, da war die Sonne noch kaum rausgekommen.
Ihr müdes Licht kitzelte mich, ich lernte deinen Führerschein.
Das Klo verdreckt, wir hatten Pampelmusensaft getrunken,
ich mochte nicht nach draußen sehn, ich suchte meine Kamera.
Der Zubringer zur Ausfallstraße glomm komplett in Gelb, ein
Affe auf 'ner fetten BMW schnitt uns haarscharf bei Grün. Ich
wühlte nach dem Ordner mit dem Plan, rief ärgerlich: „Halt doch
mal an!“ Wir hatten wieder Teile vom Gepäck nicht mit dabei,
mein Haar roch nach...
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#5 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 26.08.2010 18:48 © by SuMuze
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Verkleiderliebe→ Liebe usw.  → Songs

Um von den Perlen keinen neu Gebrauch zu machen,
die ich dir statt der Silber Augen für die Reise gab,
befragst du besser keinen Polizisten. Sein Horizont
kreist eng um seinen Bart. Er duldet nur Bouclé,
und stiehlt das Lichte aus dem Musselin. Danach
meldest du dich flüchtig ab. Im alten Herrenzimmer
stand mit gekrümmtem Rücken manches harte Herz,
zahlte die höchsten Preise für Jacquard. Wir bleiben gut,
uns eint die Gier. Der Wellensittich aber kam zu mir,
er klopfte einst im Souterrain ans Küchenfenster.
Dein Gabardine verkleidet über alle Maßen gut.
Ich habe Fernweh. Alles Liebe. Deine. Stop.

#6 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 22.08.2010 10:34 © by SuMuze
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Fahrt mit der Dampfeisenbahn→ Attraktionen  → Songs



Ich will den Schienen Schwelle sein,
damit dein Zug auf ihnen reisen kann,
die Schrauben in mir bergen fest,
daß sich das Paar der Linien niemals trifft.

Ich will dem Dampf der Mantel sein,
damit er seine Kraft entfalten darf,
das Treibgestänge führen eng,
daß sich der Schub nach vorne konzentriert.

Ich will das schrille Pfeifen sein,
mit dem du jedem Ohr von dir erzählst,
der Donner deiner Räder Wucht,
auf denen du Triumph der Nacht einträgst.

Ich will Kohle sein im Tender,
mit jeder Schaufel Opfer der Gewalt,
siedend heißem Wasser Kessel,
und die lange, weiße Wolke hinterwärts.

#7 of 1728      [Backlink]      Posted at Saturday 21.08.2010 14:48 © by SuMuze
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Nationalsozialismus #3→ Politik  → Songs

In einer Rinne liegt dein bleicher Körper,
ihre Enge wird die Hüterin der Scham.
Die Schar verirrter Kiesel unter deinen Gliedern
dringt wie die Feuchtigkeit nun ein.

Das Fahnentuch hat ausgedient. Es wellt
sich als ein Wölben süßer Hefe vor der Masse.
Die blanke Mordlust trägt es fort. An ihrer Schuld
besteht kein Zweifel. Im Norden droht ein neues Tief.

Zwei Finger um ein Glas. Die Kirsche
glänzt poliert. Rauch und ein Kuß.
Im Abendlicht wird Haut erst schön.
Das Federkissen trägt davon.

Wir haben unser Bett zerwühlt. Nacht war.
Tag ist. Auf Glas liegt Folie. Ein Buch. Und Staub.
Aus Tropenholz hast du ein Lager aufgeschlagen.
Zitierst das All. Und deklinierst sehr munter.

Man tanzt nicht ohne glatte Sohlen.
Niemand gräbt noch um Mitternacht im Park.
Nur ein Verrückter fragt den Transformator.
Einsam erst wird Fußabdruck zu stark.

Ich höre nicht dein Lob. Ich lausche.
Flüstern ersetzt den Schrei nach Milch.
Ich kann das Grinsen nicht ertragen.
Geteilt, vereint, wieder gefunden.

Jetzt wird bezahlt mit Großgedanken.
Die Rache sichert Besserwissen. Ist kein Scherz.
Vom Schwimmkörper reißt man die Planken,
und knickt die Flügel taumelnd unter Wind.

Die Brücke ist nur vorgetäuscht. Der Fluchtweg
bloß dahin gemalt. Die Lösung war ein Scherz.
Wir haben gut gelacht, gelebt, und angelandet
hat unser Herz fast fröhlich noch gebebt.

Sag 'Gute Nacht', verbeuge dich.
Ein Mensch senkt seine Lider.
Und fürchte dich. Die Burg ist schwach.
Dem einen Gott paßt jedes Mieder.

Im Dreck hat sich dein Leib erholt. Geschunden.
Mein Mund heilt deine Wunden. Du riechst nach Tod.
Ringsum droht Wüstenei. Im Lehm sind Reifenspuren.

#8 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 18.08.2010 22:32 © by SuMuze
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#05 - Den Hof kehren→ Südlicher Regen  → Soaps

Steve war ein Rothaariger mit blasser Haut und langen Gliedern und dem mageren Körper eines Radlers. Er hatte die flinken, kalten Augen eines Buchhalters und Hände, die nie still zu stehen schienen. Nach der langen Reise sollte er Hunger haben, dachte ich, und machte ihm in der Küche einen Imbiß. Auch damit Alesso und er vorne in Ruhe sich unterhalten oder einfach nur herum sitzen konnten. Ich hörte ihre Stimmen, ohne zu versuchen, ihre Sätze zu verstehen. Ich wollte nicht stören. Nach einer Weile kam Alesso herein und half mir. Steve folgte wenig später nach. Er mußte müde sein, dennoch faßte er unaufhörlich nach allem, das in seiner Reichweite lag. Mich regte das auf. Ich überlegte, ob ihn eine ähnliche Unsicherheit wie mich umtreiben mochte. Erst als ich die stille...
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#9 of 1728      [Backlink]      Posted at Tuesday 17.08.2010 19:49 © by SuMuze
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Nationalsozialismus #2→ Politik  → Songs

Am grauen, am schartigen Putz
hat ihr Finger gekratzt,
gleich vorne, am Eingang,
der Bunker war meistens noch fern.
Sie mochte die stickige Luft,
den Grund ihrer Leiber,
das weinerlich leise Gegreine,
den Knall,
wenn der Kalk auf sie fiel.
Sie kannte nicht Angst.
Ihre Glieder so glatt.
Hatte Haken versetzt,
das Mieder nun eng.
Sie radelten auswärts,
die Hilde hat schnell schlapp gemacht,
die Dunkle, die Augen so stumm,
ihre Fesseln wie Blumen,
gab niemals nicht nach.
Und am Himmel war Luft.
Und ein Trupp von Soldaten
saß rauchend ganz nah.
In den Büschen gepinkelt,
im Garten der Wirtschaft
unter Bäumen zum Bier.
Ihre Knie geschlossen,
ihr Geist trank nicht mit.
Jemand sprach von den Häusern,
den Gassen, dem Strom.
Einer lachte, ein Stiller,
die Hand dick verbunden,
hat nach ihr geschaut.
Sie wollte, das wäre so fern.
Zum Abend hat sie ihre Haare entflochten,
und dabei die Brust zart berührt.
Im Osten war Dunkel,
die Sonne floh es.
Sie hat sich einschlafend
Gedanken gemacht.
Das eiskalte Leinen,
der Geruch süßer Fäulnis,
und die Schatten vor ihr.
Oft schlief sie nicht ein,
oft wollte sie sein,
was sie gar nicht gut wußte,
nur anders, ein Wind.
Die Rollos fest geschlossen,
eine Kerze und Stolz.
Niemand hat sie gefragt,
dennoch war sie ein Teil.
Den Druck seiner Hand,
das Zittern dabei,
hat sie niemals vergessen.
Keiner durfte das sehen.
Und sollte es nicht.
Sie schloß es gut ein.
Raben hockten auf Ästen,
LKWs machten Lärm.
Nacht mied den Westen,
der Tag blieb ihr fern.
Sie hat immer gewartet,
ihre Haut wurde hart.

#10 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 15.08.2010 11:58 © by SuMuze
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Nationalsozialismus #1→ Politik  → Songs

Der Hackenmann hat seine Braut zerschlitzt,
sein küstennahes Schnalzen schlug gut ein.
Man gab ihm Zwanzig für die Schenkel,
lud seine Schwägerin noch ein.
Die Tochter eines
nudelfetten Nichtproleten
gebar dem Enkel des Eroberes
das alle Schöße sättigende Lied.
Darüber hat sich nicht nur Jesus aufgeregt.
Die goldenhaarig Büßende fiel ein.
Ihr Monatsblut verdickte sich.
Der Sohn aus ihrer ersten Ehe war ein Schwein,
Er konnte nichts dafür, das Elternhaus
und auch die Schule hatten ihn
verwirrt. Er liebte,
stummen Mädchen mit den Fingerspitzen
zwischen ihre weichen Schenkel
Anagramme einzuritzen,
oftmals falsch.
In seinen Augen war das Ferne immer nah.
Dann kam der Krieg.
Er schoß den Feinden in den Bauch.
Er hat ein Mädchen vergewaltigt.
Wie schrie ihr Mund, ihr Schoß tat gut.
Und später Rotationsmaschinen.
Ein Weißwandreifen und ein
fast zu allem leis bereiter Italienermund.
Das gab Prokura, zahlte aus.
Der Sonnengott erschien auch ihm.
Danach wurde die Frau zu fett.
Der Sohn war dumm, die Tochter,
ihre Hüften kaum vom Mieder
gut im Zaum gehalten, bieder,
er wünschte sich den Krieg zurück,
das Blutbad, in den Gräben Tod,
die Steuer brachte ihn zurück,
der Schnittermann hat ihn geküßt.
Aus Schweiß schien seine Brust.
Am Ende war es gleich.
Die selben Wehen, und der Pfad,
das Lachen, blond das Haar.
Er trug mit Ende Achtzig noch den Hut.
In seinem Licht war immer dunkel,
was mal war.
Man hat ihn nie gewollt.

#11 of 1728      [Backlink]      Posted at Saturday 14.08.2010 01:59 © by SuMuze
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Schwere Liebe→ Liebe usw.  → Songs

Ein Blassgewort.
Schleimhäutig unterziehtziend
zerschnitt Gestossenheit
das schame Donnerbein.
Ein Treppenschwur.
Belödigkeit im Mein.
Die Gendergier.
Der Lippenschluß.
Faßt andersein sich unterwärts.
Brachialgebrauch, Tarantelwein.
Dem Glätteholz verwichen hingeschmeißt.
Traum nur zertunnelt, war immerewig irden eingebüchst,
hinwiedernicht und still.
Der Eingedringlichkeil,
das Dummtagshorn.
Ich spreizte, grinste, greinte, griff.
Imwiederhopf der Widugrant,
das Kind,
geblökt, gebäumelt, aufgeschrammt.
Ich habe es geliebt.
Termitenhof und Imkerbraut,
zuenden mir und stanz.

#12 of 1728      [Backlink]      Posted at Saturday 14.08.2010 01:20 © by SuMuze
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#04 - Auf den Balkon klettern→ Südlicher Regen  → Soaps

Das Mädchen an der Espressomaschine hatte Haare von der Farbe siedenden Teers und passende Augen dazu. Die aber nur dem Kellner galten, der all die dickwandigen Tassen, die sie mit präzisen Bewegungen füllte, auf einem silbernen Tablett quer durch die Bar zu den Tischen schleppte. Ein weichhäutiger Junge, so aufreizend widerlich blasiert, wie sie nur hier im Süden gezüchtet werden. Er war gerade dabei, seinen Babyspeck zu verlieren und sein Interesse für das andere Geschlecht zu entdecken. Deswegen guckte er mir auf die Beine und dem Mädchen auf den Hintern, wenn er an der Theke auf Nachschub wartete. Meine Kniescheiben juckten wie wild, weshalb ich nicht weniger wild mit den Fingernägeln zurück kratzte. Das schien ihn zu interessieren. Vielleicht hätte er mir Kratzen...
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#13 of 1728      [Backlink]      Posted at Friday 13.08.2010 19:58 © by SuMuze
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Lustpartie nach Bethlehem→ Kirchen  → Songs

Ich werde mit meiner Haut die Pfade deiner Weisheit pflastern.
Der du in Ewigkeit mir unerreichbar bist.
Mein Blut wird deine Bäder tränken und mein Schweiß dich laben.
Der du in der Ferne auf mich nieder siehst.
Ich werde ganz gefällig deinen Augen im Glanz der Kerzen tanzen.
Der du mir Mond in heller Nacht stets bist.
Mein Leib wird dir das Lager fein bereiten und dir Träume geben.
Der du wie Kälte früh am Morgen gehst.

Es sind Probleme aufgetaucht.
Jemand ist nicht konform.
Es werden Fehler eingeräumt.
Jemand stellt sich krass quer.
Es stockt die Standardprozedur.

In den Weiden am Bach singen Vögel, als wären sie dort schon zu Haus.
Das Wasser im Wehr gurgelt mächtig, es schäumt und es rauscht immer mehr.
Gras hat sich zwischen den Steinen der Treppe zum Ufer von selbst ausgesamt.
Wenn der Wind aus Nordost früh am Abend auffrischt, wird es schnell bitter kalt.

Mein rechter Zeh ist angeschwollen.
Ich schwitze, meine Stirn ist heiß.
Die Thermoskanne leckt. Es riecht.
Ich klebe Pflaster auf den Ellenbogen.
Die Kette meines Rades braucht mehr Öl.

Im Auffangkorb des Rasenmähers hat sich ein Seil
als grüne Schlange um die Halme viel zu lang
ins Kraut geschossenen Grases fest gekrümmt. Es würgt
die glatten Fasern in ganz unbeweglich straffe Bunde.

Ich wäre eine Freundin dem Verlangen
eines Freundes, dessen Bangen meine Freude
nicht verdirbt, bevor sie freundlich wird.

Ich schäme mich
der einen Träne,
die ich einsam
nicht vergoß.
Genoß die Pein,
doch die zu sein,
die trotz des Leidens
leichten Herzens
übrig blieb.

Ich singe nur für mich.
Ich kenne keinen,
der mich besser trösten kann.

#14 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 12.08.2010 23:23 © by SuMuze
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Besuch bei Regen→ Liebe usw.  → Songs

Ich hatte mich auf dich gefreut, dir den Gelee, Bisquits besorgt.
Das kleine, blaue Kleid gebügelt, die grüne Spange prangte auch im Haar.
Rieb meine Knie aneinander, die Hand um meine Tasse, draußen eine Wand aus Regen.
Wir saßen naß rund um das Eck, fast waren wir ein Paar, und still.
Ich will nicht sehen, wie du deine Augen schließt,
wenn sie nichts mehr zu schauen finden. An deinen Brauen
waren Spuren, was hinter deiner Stirn passiert, entgeht mir nach wie vor.
Die Uhrzeit blieb uns treu. Erbarmungslos.
Modern und dennoch scharf in vier geteilt, nun von Motoren.
Ich hatte noch das kleine Kreuz, die Kette habe ich vor Jahren schon verloren.
Am Fensterglas sah ich das graue Kondensat der Luft,
ich atmete und lebte noch. Hinter der Scheune stand die Sonne tief.
Mir hat sie gut gefallen, deine sanfte Sommerbräune.
Ein Haufen Krümel in der Küche, Kaffeesatz.
Die Schar der Puppen meiner Träume
hat sich zur Nacht gesammelt, ich kam mit.
Ich bin so gerne jemand's Schatz.
Türme mir Kissen in den Rücken. Weiß nicht,
wo du jetzt bist, und will es auch nicht wissen.

#15 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 11.08.2010 19:48 © by SuMuze
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Handtext→ Algebra  → Songs
Hand
Der die Hand hat
Der hinter der Hand hat
Der sie in der Hand hat
Der handlich ist
Handsam
Der samt der Hand hat
Der Samt in der Hand hat
Der die samtene Hand hat
Der den Samen mit der Hand sät
Der mit der Hand satt macht
Der die Hand satt hat
Der aus der Hand gibt
Der mit der Hand gibt
Der mit der Hand zähmt
Handzahm
Der in die Hand nimmt
Der in die Hand klatscht
Der mit der Hand schlägt
Der in die Hand schlägt
Der Handschlag
Der Einschlag
Der die Hand einschlägt
Der in die Hand einschlägt
Der die Hände schlägt
Der Aufschlag
Schlaghand
Handschlag
Der wegen der Hand schlägt
Der die Hand weg schlägt
Der die Hand aus schlägt
Der in der Hand trägt
Der die Hand hebt
Der die Handhabe hat
Handhabbar
Der aus der Hand nimmt
Der aus der Hand ißt
Der in der Hand ist
Der unter der Hand ist
Der in die Hand nimmt
Der an der Hand läuft
Handlauf
Der in der Hand liegt
Der auf der Hand liegt
Der an der Hand liegt
Der an die Hand langt
Handlang
Der mit der Hand langt
Der der Handlanger ist
Der von langer Hand kommt
Der an der Hand schult
Der den Handschuh anzieht
Der an der Hand zieht
Der mit der Hand zieht
Der die Hand zieht
Handzug
Handlich
Händig
Beidhändig
Bei der Hand
Der die Hand beißt
Das Handbuch
Das die Hand bucht
Das die Hand braucht
Das Brauchtum
Der Buchdruck
Der die Hand drückt
Handdruck
Der an die Hand rückt
Der die Hand reicht
Der die Hand rührt
Der mit der Hand führt
Führhand
Spielhand
Spielbein
Stand
#16 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 11.08.2010 19:13 © by SuMuze
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Die Einsamkeit des Lebens auf dem Lande→ Alltag auf dem Lande  → Songs

Der Landbriefträger kommt um Zehn.
Die Mutter hat den Stall gesäubert.
Im Radio Verkehrshinweis.
Unter der Kriegskommode ballt sich ein Haufen alten Staubs.
Im Westen wartet Neues auf den Tag.
Ein Rad hat sich vom Hänger gestern abgelöst.
Der Tierarzt liquidiert.
In dritter Reihe auf dem Einkaufszettel lauert der Mangel echten Fleischs.
Man munkelt über Seitensprünge.
Grillt, wenn die Sonne es erlaubt.
Der Tanz bis Vier hat schwere Schenkel feucht gemacht.
Die Ofendichtungen sind schlaff.
Hund bellt, ein Kater schläft, die Vögel haben heuer Pause.
Ein Lippenstift gibt fettig Trost.
Darunter brodelt es.
Der Alltag.
Die fernen Wünsche treten nah.
Im Apogäum glänzt die Nova.
Im Zweifel legt sich hin ein Schoß.
Das Samstagskind begeht Geburtstag.
Der einst der eine war, blieb's nicht.
Zwei Liebediener treten in den Streik.
Und hunderttausend Fans sind alkoholbedingt vereint.
Die Tanke an der Ecke bietet Brötchen.
Der Bürgermeister weint.
Luise kämmt sich ihren Scheitel.
Ihr Mann versteckt den Bußbescheid.
Man flickt das Dach, entsorgt das Unkraut.
Flach liegt das Land und wartet stumm.
Der Sohn verschweigt wieder die schlechten Noten.
Die Tochter summt, backt Brot, gebiert.
Um Acht hat sich der Pfarrer angesagt.
Zwischen den klugen Zeitungsseiten stinkt Fisch.
Profunde Gründe wurden nicht gefunden.
Vom Vorwerk her grüßt Bratenduft.
Die Linksabbiegerspur hat man gesperrt.
Sanft rollt der Sand die Einfahrt hoch.
Inmitten feuchter Erde steckt ein sich kläglich krümmend aufgespießter Wurm.
Niemand hat seinen Lebensabend sicher.
Zum Untergang der Sonne braucht es Tag.
Das Opernhaus ist prall gefüllt.
Der Saal hält wie ein Mann den Atem an.
Ein Hilfloser verübt Gewalt.
Inmitten Lachender ist Ruh.
Gibt keiner nach?
Der Unterlauf ist schon verlandet.
Die Zukunft bleibt ganz ungewiß.
Die Einsamkeit des Lebens auf dem Lande
zahlt sich unendlich heiß
zwischen den spröden Lippen aus.

#17 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 08.08.2010 15:26 © by SuMuze
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#03 - Auf der Schwelle tanzen→ Südlicher Regen  → Soaps

Mauro holte mich am Morgen wie verabredet bei Alesso ab. Der schon fort war, als der Summer ertönte. Ich saß am Eßtisch und las und hatte nicht auf die Zeit geachtet. So daß ich nach dem ersten Erschrecken über das unbekannte Geräusch hektisch nach dem Öffner für das Tor suchte, vor dem Mauros Wagen geduldig brummend auf Einlaß wartete. Er sah immer noch aus wie der Traum jeder Zwölfjährigen aus besserem Hause. Helle, dichte, scharf geschnittene Haare, jetzt um einen schmalen Schnurrbart ergänzt, und kühne und gelassen um sich blickende Augen. Darunter eine gerade Nase über dem energischen Mund. Und Schultern wie aus dem Katalog für einsame Stunden. Dazu eine Stimme, deren Echo unten in meinem Schoß zu zittern schien. Ich fühlte mich sofort wieder wie das kleine...
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#18 of 1728      [Backlink]      Posted at Friday 06.08.2010 21:51 © by SuMuze
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Daneben gegangene Beerdigung→ Lügen  → Songs

Sie tanzt unter dem Kupfermond.
Die Haut ein silbernes Papier.
Sie tändelt vor der Herren Gier.
Die Blöße kostet Geld.
Sie trägt ein alterndes Panier.
Die Anstrengung ist knapp vergällt.
Sie darf in frisch gestärkte Kissen weinen.
Die Liebeslast ist ihr erlassen.
Sie bleibt nur um ein Haar verschont.

Er stochert zwischen schroffen Felsen.
Der Harnisch sitzt rundum perfekt.
Er glänzt gewienert und poliert.
Der Zwischenstand ist ausgeglichen.
Er stößt ins Horn.
Der alte Klang scheint unvergessen.
Er wandert strebsam auf dem Kamm.
Der Schauinsland ist renoviert.
Er kann gut seine Stimme halten.
Der Stillstand schweigt zur Nacht.

Wir trinken Wein wie Kinder voneinander.
Das Abendmahl ist kostenlos.
Wir stehen vor der Ankunftstafel.
Das Lob der Masse im Genick.
Wir werden wieder Lieder summen.
Das Versmaß hat uns gleich gemacht.
Wir sind die Ersten in der Stille.
Das Menetekel zeigt es an.
Wir wollen, also müssen wir.
Das Einerlei ist immer schön.

Du bindest mich an deine Pforten.
Ich traue deinen Wegen nicht.
Ihr seid auf ewig gut geraten.
Sie weigert sich.
Es trötet schrill ein kirchlicher Posaunenchor.
Wir kaufen tausend Advokaten.

Uns tröstet nicht der Trauerflor.

#19 of 1728      [Backlink]      Posted at Friday 06.08.2010 18:08 © by SuMuze
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Weites Land→ Dunkelheit  → Songs

Das ist mein weites Land.
Immer gesät sein Boden.
Den Blick hinaus.
Und Wind.
Nachher hat sich verloren.
Im Staub von Furchen.
Scharf war der Rand.
Dort ging ein Kind.
Halme, die wuchsen zu den Himmeln.
Ununterbrochen Linien.
Ein Horizont.
Nur Hände ineinander.
Und Krume warf sich auf.
Tief unten Wurzelwerk.
Der Lehm.
Das hatte nicht gewollt.
Nie so.
Das stand am Rand.
Fast froh.
Und war so weit.
Und mehr.

#20 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 04.08.2010 23:01 © by SuMuze
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#02 - Es sich bequem machen→ Südlicher Regen  → Soaps

Die graue Strickjacke mit den großen Taschen besaß ich schon seit Ewigkeiten. Wenn ich die Hände tief hinein steckte, konnte ich sie fast bis zu den Knien herunter ziehen, sie um mich schlagen und mich darin verstecken. Ein Kleidungsstück, das zugleich durch sein Material wie auch durch irgend etwas Imaginäres wirkte. Im Lauf der Zeit hatte die weiche Wolle natürlich arg gelitten und am linken Ellbogen gab es eine kleine, gestopfte Stelle, die erst auffiel, wenn du genau hinsahst. Dann war auch ihr Alter zu erkennen und daß sie an sich eine Nummer zu groß für mich war. Was den anderen Grund dafür abgab, daß ich mich so wunderbar hinein rollen konnte. Und das tat ich jetzt. Ich saß neben Alesso, den Kopf gegen die Tür gelehnt und die Arme um mich geschlungen, damit...
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#21 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 04.08.2010 18:09 © by SuMuze
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Sex gegen vier Uhr nachts→ Kompression  → Songs

Du da, der in Stiefeln macht.
Der seine Zweifel in die Ferne lacht.
Dein Leder wäre angenehm.
Es riecht nach Kreatur. Wie schön.
Du müßtest keine Worte finden.
Es reicht dir Seide, mich zu binden.
Kein Argument aus schneller Hand.
Ein wenig Eisen, Glitter, Tand.
Das sanfte Auge, das mich tröstet.
Der heiße Blick, der meine Lippen röstet.
Ein Taumel, quer durch ein paar Stunden.
Bis wir danach uns wieder finden.
Du bist nicht wichtig, wie ich auch.
Wen interessiert dein weicher Bauch?
Du schaust nur auf die glatten Schenkel.
Zu spalten liebst du sie, und kein Geplänkel.
Und noch ein ein Zug aus weißen Linien.
Und nichts ist mehr, wie es mal war.
Ich tanze wild unter den Pinien.
Und meine Augen werden starr.
Du da, der fest in Stiefeln macht.
Wir schenken uns die letzte Nacht.
Du nimmst dir zwei, ich gebe eine.
Du schwingst das Seil, ich spreize Beine.
Am Ende bist du stumpf wie Holz.
Doch keiner fragt, was soll's.
Ich ziehe meine Kleider an.
Du wirst zum hundertersten Mann.
Du da, der wieder stark in Stärke handelt.
Mit dir bin ich nur kurz verbandelt.

#22 of 1728      [Backlink]      Posted at Tuesday 03.08.2010 20:21 © by SuMuze
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My Game of Chess→ Algebra  → Songs

Reißt weit die Fenster auf und lasst die Winde ein.
Die Regentropfen spielen Perlenrennen auf den Sprossen.
Der schwarze Knauf aus kaltem Messing hängt herab,
während schon Staub unter dem Holz der Türen lauert.
Zwischen den alten Steinen am Kamin ist weiter Platz.
Legt Scheite nach, der Haufen soll sie schwitzen machen.
Mit ihren dicken Mänteln stehen sie wie Bauern da.
Erstaunt, die Münder aufgesperrt und stumm.
Nur eine Kerze trägt der Diener in der unbewehrten Hand.
Das Leuchten seiner Augen springt euch an.

Es scheint gefährlich, die langen Linien der Quadrate nachzuzeichnen.
Auf jeden Zug folgen Kolonnen neuer, frommer Flächen.
Babel reckt sich hoch, schaut nach der Braut.
Ihr spätes Kleid hat sich gespalten.
Bebt wegen Atemnot und schnappt.
Derweilen stößt die Dame tief ins Heer der Herbstzeitlosen.
Auf ihren Schultern trägt sie Schuld.
Ist angeklagt, gesteht nach Folter.
Mit Einsamkeit bezahlt sie treu.

Postiert die flinken Reiter an den Seiten.
Ihr Renommee gewinnt die Schlacht.
Man hört das Horn, die Trommeln und die Füße.
Der Knecht tanzt mit der Magd.
Im Glanz der Lüster schwärzt sich oben das Gewölbe.
Bedeckte Farben sind erwünscht.
Belohnung hat euch alle gleich gemacht.
Ein Bischof bricht die Regel.
Ein Notfallpabst eilt stramm herbei.
Mit jedem Wort verdüstert sich der Horizont.
Im gelben Ginsterwedel wartet Heilung.
Am Rand der leeren Tasse Durst.
Zum Pausenbrot wird Hausmannskost gereicht.
Weiß ineinander fest verknotet verlieren eure Glieder bald den Tritt.

Zertrennt den Steg.
Man bringt die stumpfe Kettensäge.
Ans Wasser drängen müde Tiere sich.
Der Lotterieeinnehmer nimmt.
Die Abendsonne erst setzt matt.
Das Fußvolk will dem König applaudieren.
Den Gang begleitet Andacht gut.
Der Anstieg ist nicht sehr beschwerlich.
Ein Licht am Ende heiter winkt.
Im Lastenaufzug aber herrscht Gedränge.
Die Sprinklerdüsen sind verstopft.
Man schlägt darum den Regelkreis.
Die Mädchen tragen Zopf und Socken.
Zwei Türme wachen bis zuletzt.

Dem Gast wurde das Bett gerichtet.
Er steht im Erker, hohe Stirn.
Gemächlich streift er mit den Fingern
die Haut der Tochter im Gesicht.
Im Souterrain wird noch gejammt.
Der Rauch riecht nach der alten Freiheit.
Das Blut kocht.
Sonne sinkt.
Verwegenheit im Weichbild der Piloten.
Entfernung, Zielansprache, Traum.
Der runde Daumen nimmt den Schoß.
Die Rippen stützen Silhouette.
Das Fachwerk biegt sich plangemäß.

Dreht euch nicht um.
Spielt nicht mit Kindern.
Der Glanz der Diamanten gleicht dem Licht.
Die Männlein sind aus Elfenbein,
die aus euch emsig Häuflein machten.
Im Lesesaal ist eingeheizt.




                    The hot water at ten.
And if it rains, a closed car at four.
And we shall play a game of chess,
The ivory men make company between us
Pressing lidless eyes and waiting for a knock upon the door.

T.S.Eliot, The Waste Land / A Game of Chess

                    Das heiße Wasser um zehn.
Und wenn es regnet, ein Taxi um vier.
Und wir spielen eine Runde Schach
Die Elfenbeinfiguren bringen uns zusammen
Lidlose Augen werden wir pressen und warten, bis es an der Türe klopft.

Übersetzt von Norbert Hummelt (Suhrkamp 2008)

                    Heißes Wasser um Zehn.
Und bei Regen den Wagen auf Vier.
Und wir spielen dann Schach,
die Mannen aus Elfenbein unterhalten uns,
lidlose Augen verschlossen, und gewartet, bis es klopft an der Tür.

Übersetzung von mir

#23 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 01.08.2010 12:04 © by SuMuze
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#01 - Ankommen und Einrichten→ Südlicher Regen  → Soaps

Mitten im Gang auf dem schwankenden Boden herum zu stehen und sich mit nur einer Hand an dem Türgriff zum Abteil hinter mir anzuklammern, war keine allzu gute Idee. Ich schaukelte hin und her wie ein Grashalm im Wind und kam mir nicht viel stabiler vor. Die andere Hand brauchte ich dringend für den kleinen Handkoffer, den ich auf den großen Rollenkoffer gestellt hatte, damit sein Gewicht meinen Arm nicht ermüdete. Ich war schon müde genug von der Fahrt, die kein Ende nehmen wollte. Seit der Zug Milano Centrale verlassen hatte, hing ein warmer Landregen in der Luft, dessen feiner Dunst jede Aussicht auf die Landschaft verwehrte. Die mich allerdings kaum hätte sonderlich aufheitern können. Meine trüben Gedanken würden auch ohne Regen einen zähen Vorhang von Düsternis...
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#24 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 29.07.2010 17:50 © by SuMuze
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Von Ähren→ Schönheit  → Songs



Es ist nicht das Brot, das die Mäuler satt macht,
die wild danach schreien, daß man sie erhört.
Es flüstert der Mund von der Schönheit der Hand,
die das Wasser mit Mehl mischt und Kupfer aufträgt.

Es ist nicht das Gold, das die Taschen ausfüllt,
in denen sich heimlich der Heller warm reibt.
Es birgt gut das Kleid noch den feistesten Leib,
wenn das straffe Gewebe wie Haut ihren Träger umgibt.

Es ist nicht das Holz, das die Dächer bedeckt,
die im Abendlicht glänzend der Heimkehrer sieht.
Es stützen Gerüste das Wachstum der Mauer,
die Marktplatz wie Burgfried dem Fremden verbirgt.

Es ist nicht die Ähre, die Heere anzieht,
der Faden der Spinne nicht Quell der Gewinne,
nicht Laub hinter Zinnen, das Mundraub gebiert.

Es ist erst das Feld, auf dem Welt sich,
besiegt und gebunden, verliert.


#25 of 1728      [Backlink]      Posted at Monday 26.07.2010 00:05 © by SuMuze
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Wanderung→ Landschaft  → Songs



Immergrün waren Spuren
nach vorn im Karree,
sie führten ins Irre,
ihnen folgen tat weh, und
der Weihrauch, die Myrrhe,
der Trost, wenn es spät wurde,
stumm, farblos, blass,
mehr ein zartes Blutrosa.
Vorm Fenster gedrängt
hingen Trauben, Gepäck,
keine Heimat,
im Zoo und nicht frei,
ein Kleinod inmitten
der Langobardei.

#26 of 1728      [Backlink]      Posted at Friday 23.07.2010 18:24 © by SuMuze
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Von Fahnen→ Avantgarde  → Songs



Es ist nicht der Wind, der die Fahne bewegt.
Ihr Flattern erwächst nicht aus Luft.
Die Richtung der Füße erst zeigt ihr den Weg.
Der Schweiß der Marschierer,
das Blut der Verlierer
verleihen dem Banner den Duft.

Es ist nicht die Weite, in die der Pfad führt.
Sein Mäander weist nicht voran.
Das glatte Gelände ist, was ihn verführt.
Nur abschüssig abwärts
bewegt er sich vorwärts,
kommt unten im Grund immer an.

Es ist nicht das Ganze, nach dem Neues schielt.
Das Nächste ist ihm stets genug.
Die Abwechslung täuscht, die Veränderung spielt.
Für immer gewendet
und niemals beendet,
wo Gleiches das Gleiche erschlug.

Der andere Tag ist ein leeres Gefäß.
Sandkorn, das den Acker erstickt.
Die Nacht kommt der Sonne gemäß.
Dämmerung birgt das Geschick.

#27 of 1728      [Backlink]      Posted at Monday 19.07.2010 12:52 © by SuMuze
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Chemie→ Secrets  → Songs




In der Geisterstadt rinnt der Saft nicht mehr ab.
Gestaut in der Tiefe verkommt er verschüttet
zu brackigem Schaum.

Niemand schabt ihn vom Stein, von den Riegeln
aus rostigem Eisen, den blechernen Sieben,
dem Erdreich am Stamm.

Wind hebt stumm den Vorhang aus hellgrauem Staub.
Zum Stillstand gekommen. Die Steigung erwies sich
zu steil für's Gewicht.

An den Flanken der Berge erklettert Geröll sich
den Weg in den Himmel. Die Mauer steckt fest
im Rankengerüst.

Das Glas fehlt den Reihen geborstener Fenster.
Sie prägen pedantisch die Muster der Leere
dem Sonnenlicht ein.

Fleischlos ist alles am Ende geworden. Und groß.
Eine Front brauner Wolken ergießt sich
als schmetternde Last.

Enge Furchen im Urschlamm zum Schluß.
Unterspült. Moleküle in wässriger Lösung.
Kein Knall rührt sie an.

Der Fuß wandert stetig dahin. Erde dröhnt.
Aus dem Dunkel ins Helle. Und ein Sieg.
Keine Ferne die schreckt.

Lobe Ester, die Klone! Die Wasserstoffbrücken,
das bindende Glied! Erst Chemie macht ihn frei,
den Kasper im Licht.

Jemand zieht an den Stricken, einer knipst
Lampen aus. Vorhang fällt, ein Verrecken
beherrscht eine Welt.

Im Seibeiuns geborgen verrinnt meine Zeit.
Zum Frühstück ein Lächeln, in der Nacht
stille Post.

Lobenswert, wie die Kräfte sich strecken,
hüllt Modell sie nicht ein. Resultat, und beziffert.
Ganz mein ist das Wort.

#28 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 15.07.2010 22:30 © by SuMuze
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Gleitzeitlos
Revision # 2
→ Alltag  → Songs



Im Headset war heute Gewisper.
Zuerst nur sehr leis, ein Flüstern,
ein Raunen. Weit hinter dem Klang,
den ich weiß, schon seit langem,
der mich nicht bedrückt.

Die Stimme wurde nicht deutlich.
Sie wollte nicht, daß ich verstand.
Ihr Diktat wie ein Brei,
in dem Übliches schwamm.
Nußschale auf randlosem Meer.

Eine Spur hinterließ auch der Cursor.
Auf dem Monitor, zeilenversetzt.
Ein Strich, fein gezogen, sehr schwach.
Ich löschte ihn aus, jedes Mal.
Er wehrte sich dagegen nicht.

Auf einmal war alles groß, fett und kursiv,
die Kapitelumrandung unscharf.
Schweißperlen entstanden wie Ängste
als feuchter Behang meiner Stirn.
Ich verschob meinen Blick.

Wenn ich komme, am Morgen, sehr früh,
schaue ich in die Nacht oft zurück.
Vor den Fenstern schenkt Licht
und der Lärm vor dem Haus
dem Tag und mir das Gewicht.

In der Hand spürte ich zart ein Kribbeln.
Auf der Zunge lag mir fast ein Wort.
Ich schaltete, schrieb immer schneller,
die Tasten wie Sprossen hinauf.
Dann speicherte ich.

Schon am Vormittag, während der Pause,
war alles zu viel. Und ich ging,
im Kopf noch das Säuseln der Lüfter.
Auf den Steinen ist Ruhe,
unter Sohlen brennt Haut.

Mit den Fingern am Lenkrad,
das Radio laut, die Straßen entlang,
die ich kenne. Ich fahre
und komme nicht an.

#29 of 1728      [Backlink]      Posted at Saturday 10.07.2010 09:37 © by SuMuze
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Fortgeschrittene Forstwirtschaft des 21.Jahrhunderts→ Ungewisses  → Songs



Unterlegt vom Rauschen (1420,4 Mhz) auf dem 21-cm-Band
meldet der Überwachungsbeauftragte für den Aufstiegs-Vektor
im mittleren Quellwolken-Bereich den von Analysten erwarteten
vorzeitigen Vollzug (arrival at approx. 27.000 ft).

Blätter schwärmen intelligent aus und bilden Markov-Ketten.
Eine Miniermottenkolonie führt heimlich Exkavationen aus.
Die Erdmännchen haben heuer zwei Junge. Eines stirbt.
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)
verbreitet Angst und Schrecken.

Helmpflicht für den Freizeitreiter.

Aenictinae tanzt eingebettet in eine singuläre Transitionsmatrix
(Erlang oder Poisson verteilt sowie schiefwinklig rotiert)
deutlich schneller als Myrmeciinae oder Dorylinae
(albeit being subfamilies of Formicidae)

Die Katze entkommt im letzten Moment.
Niemand merkt's.

#30 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 08.07.2010 20:04 © by SuMuze
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Feldrand an einem Sommerabend→ Sommer  → Songs



Zwischen schmutzigen Zehen im Dreck kriecht ein Käfer.
Zwei Finger bedienen sich schlau eines Zweiges.
Dessen Spitze streicht über den Panzer
aus glänzendem, schwarzem Chitin.

Unterm Dach aus dem Laub einer Hasel sitzt still eine Katze.
Ihre Zunge beleckt ihre rundlichen Pfoten.
Die Krallen erscheinen als mahnende Blitze,
ihr Blick huscht dann eifrig davon.

Auf den Feldern spielt eitel Getreide im Wind miteinander.
Die Ähren verneigen sich stumm vor der Welt.
Ihre Haare sind garstige Stacheln
und strecken sich stolz.

In der Luft ist ein Schweben.
Niemand atmet jetzt aus.

#31 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 07.07.2010 18:42 © by SuMuze
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Sandwege→ Ungewisses  → Songs




Ich habe den Sand in den Spuren gerochen, die von deinen Füßen dem Weg eingeprägt lange Linien vor mir auf den Boden hin malten. Er roch fast wie du. Es drang Erde hindurch, die riecht immer eigen, wie Staub ohne Menschen oder Zeit ohne Uhr. Ich konnte die Schritte gut zählen, ich kenne den Rhythmus, wenn du mit den Ballen aufstößt und die Sohlen sanft abrollst. Du läufst hübsch daher.

Ich habe die Leere am Ende der Straße gesehen, ein Wurf in gestaltlose Weite, wie ziellos dein Wandern zum Abend doch wird. Es klang mir nach dir. Das rundende Fragen, das du deinen Worten als zärtliche Decke, sind sie dir zu bissig geraten, schnell gönnst. Ich höre dich noch, wie du dehnst, niemals endest. Dein Reden schien Knebel und Schranke zugleich. Ich habe den Punkt, der den Satz erst vollendet, im Gras liegen sehen. Ich schenke ihn dir.

Ich habe die Ferne geschmeckt, und ich mag sie. Ich kreise noch hier, bald bin ich dann fort.

#32 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 01.07.2010 21:09 © by SuMuze
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Waldwege→ Ungewisses  → Talks



„Und wenn Du Deine Nase mitten hinein steckst,“ hatte sie gerufen, „kommst du doch nicht näher heran.“ Er kniete gerade neben einem umgestürzten Stamm. Heiße Luft staut sich zwischen den von unten her gesehen schwarzen Blättern. Der Himmel darüber wird keine Kühlung bringen.

„Mach Du Dir nur Deine Schuhe nicht schmutzig,“ hätte er giftig antworten können. Aber sie kennt ihn, er vermeidet jeden Streit. Hatte diesen Blick aufgesetzt, der Tadel und Resignation zahnlos mischt. Sie klopfte sich gegen die Stirn, strich die Haare hinaus und rümpfte die Nase. Ihr Rock saß zu eng. Sie plant schon die Ernährung der Woche darauf.

Der Wald hatte nach warmer Fäulnis gerochen, kaum daß sie der schmale Weg hinein führte. Kein Schatten, der kühlte. Wie Kleidung, die noch vom Körper geheizt schien, der sie soeben verließ. Kleine Steine liegen auf dem Boden, die Sohlen kippeln auf ihnen. Das Gehen wird anstrengend. Überall rascheln Tiere. Vögel, hofft sie, oder Eidechsen, die sie haßt. Von Würmern im Erdreich zu schweigen.

Gleich wird der Weg sie bergauf klettern lassen. Er wird prusten und schwitzen, seine Gesichtshaut sich röten, und immer wieder wird er sich mit der Hand durch die Haare fahren und danach kurz anhalten, um sich umzudrehen und zu schauen, wie viel sie geleistet hätten, wie weit sie gekommen seien. Er liebt Resümee. Seine Arme, feucht von Schweiß, vermeidet sie dann. Steht zwei Schritt vor ihm, zeigt Ungeduld, Ärger. Er achtet das nicht. Geht weiter, erreicht sie, auch sie schreitet aus.

Im Rücken hat sie ihn wie Gefahr fast gespürt. Sie ist schneller als er, ihre Muskeln, ihre Sehnen, ihr Fleisch sind noch jung. Sie wird noch da sein, wenn er längst nicht mehr ist. Wenn er spricht, wenn er zärtlich ist, wenn er liebt, wenn seine Hände nach ihr fassen, als könnte im Griff er sie für immer fest halten, dann denkt sie daran. Licht fällt hart in die Welt. Grelle Flecken, die die Schatten verstärken. Sie atmet nicht schwer.

Sein Gewicht aber will sie. Er hat es beständig, trägt es bei sich, sie hat Anteil daran. Sogar hier noch im Wald. Sie überlegt, schaut sich um, ist für Sekunden erregt. Dünne Farne wachsen zwischen den Stämmen. Darunter der Boden, weich bedeckt mit dem modernden Laub, jedes Jahr kommt eine neue Schicht Humus hinzu. Ihr Rücken tief im Dreck, seine Augen vor dem Licht. Doch sie schweigt. Wie er die Füße voreinander setzt, wirkt gut und mechanisch. Dabei stört sie ihn nicht.

Sie wird es ihm sagen. Morgen, vielleicht. Oder am Ende der Woche. Diese Woche ist so passend wie jede Woche zuvor. Und wie jede danach. Sie erschrickt. Ein Vogel hat geschrien, weit oben zwischen den Ästen, die alles tragen, was noch fern liegt. Sein Keuchen klingt eng. Mit der Spitze ihrer Schuhe schiebt sie ein paar Kiesel beiseite. Bohrt ein Dreieck in die Erde. Grauer Lehm, dunkles Leder, die Sehnen auf dem Gewölbe, glatter Stoff auf der Haut.

Es war sehr früh schon am Morgen, als sie endlich aufbrachen. Er steht gerne früh auf. Sein Wagen klingt mutig, sanft schließt er die Türen, dann fährt er gemächlich vom Hof. Sie kratzt sich am Knie, schaut ihm zu. Sie sprechen nicht viel. Er hat wenig überholt. Fährt sehr langsam, weil sie müde ist, aus dem Fenster stumm schaut, weil die Sonne noch jung ist. Er wird sie wie ein Kind in den Arm nehmen, steigen sie später dann aus. Sie weiß stets, was er tut. Das gibt ihr Ruhe, manchmal.

Streckte er seine Hand aus, wäre er wie einer der Bäume, sie wachsen zu Hunderten jetzt um sie herum. Und sie wäre ein Vogel, hüpfte auf seinen Arm, sie zwitscherte fröhlich. Leicht sein ist gut auf solidem Geäst. Ihr Hemd malt den Takt ihrer Brust, wenn sie Luft holt und schweigt. Jetzt sind sie bald oben. Es wird lichter im Wald. Der hat sein Ende gefunden. Er überholt sie, sie trödelt, sie wird erst flink nach ihm sehen, wenn er zu ihr her schaut. Wenn er lächelt, und wartet und seine Hand seine Haare durchwühlt. Dann kommt sie zu ihm.

Viel zu sehen gibt es nicht. Natur zeigt sich nie. Etwas Holz, etwas Gras. Ein Blätterdach, Äste, grüne Stengel, brauner Lehm. Kahler, felsiger Grund, wo der Wind den Boden abtrug. Darüber nur Blau, feiner Dunst, weiße Linien als Mahnung oder Zier. Er steht dennoch und schaut. Wird seine Hand als Schirm über die Augen sich halten, wird sich drehen, während sein Atem sich normalisiert. Sie weiß alles von ihm. Sie wird es ihm sagen, gleich oben. Oder nicht.

Er hatte ihr höflich den Stuhl hin gerückt. Sie setzte sich lächelnd und schaute nach ihm. Er schien freundlich, Zuneigung las sie froh dort in seinem Gesicht. Das ist offen für sie. Weil er es so will. Seine Brauen sind struppig, manchmal bürstet er sie, manchmal nicht. Der Anzug sitzt ordentlich, sie achtet darauf, weil er das gerne vergißt. Er wird sie vermissen, ihre zart helfende Hand, den Geschmack ihrer Jugend. Sie vermißt ihn schon jetzt. Hat ihn schon immer vermißt. Er weiß es nur nicht. Und wenn er es wüßte, dann wollte er nicht, daß sie sagt, was er weiß.

Sie hat seine Hand sich genommen. Hände haben einfache Sprachen. Das Spielen der Finger ineinander fällt leicht. Auch jetzt wird sie bald danach greifen. Die Wärme wird sie nicht abhalten können davon. Sie wird neben ihm stehen, die Lippen leicht offen, die Augen fast geschlossen, in die Nase dringt Luft, bringt Geruch mit und Kühle. Sie lehnt dann nicht gegen ihn, sie steht für sich selbst. Sie hat sich zu nah an sein Leben gelegt. Hat den Arm auf die Hand noch gepackt, die Schulter dazu, und den Leib. Und sich selbst.

Er liebt diesen Wald, wie sich alles dort fügt, sich bedrängt, in sich schließt. Sie ekelt das an. Sie stellt es sich vor jetzt. Pollen schweben herum, kleben in ihrer Lunge, in ihrem Darm, auf ihrer Zunge. Sie verschließt ihre Lippen, sie sagt nicht ein Wort. Der Weg folgt dem Kamm, eine Lichtung erlaubt einen Blick in das Land. Wind kann wehen, Sonne scheinen und anderes mehr. Bergab geht er schneller als sie. Sein Rücken ist breit, seine Schritte klingen dumpf. Sie lacht. Sieht gern, wie er geht.

Jemand hat Kreuze in Rinden geritzt, wo die Pfade sich gabeln. Buchstaben und Zahlen markieren den Weg. Doch sie weiß nichts davon. Er denkt nach, schaut sich um, wählt die Richtung, sie traut ihm, er zweifelt nur kurz. Dann laufen sie abwärts in den Schatten zurück.

#33 of 1728      [Backlink]      Posted at Monday 28.06.2010 11:08 © by SuMuze
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Süden #3→ Süden  → Songs

Kleine, graue, quadratische Basaltsteine in greller Sonne.
Glatte, trockene Erde zwischen winzigen Wurzelsträngen.
Geruch nach warmer Haut und Sonnenöl, kalte Getränke.
Eine träge Hand wedelt mit flirrenden Blättern im Licht.
Narben in altem Holz, das Stöhnen müder Wände, Schmutz.
Jetzt ist nicht nur der Moment zwischen den Unendlichkeiten.
Gras unter weichen Sohlen, Glas auf Mauerkronen.
Neben dem Weg wachsen Disteln und wildes Kraut.
Benzolringe vermählen Menschen einander.
Kochender Alkohol, Schatten. Ein Saxophon. Sound.
Zeit bringt Leben zurück. Iris zeigt Sommer, so hell.
In den Falten der Finger zerrinnt langsam der Tag.
Tote Algen umklammern ein einsames Pfand. Atemlos.
Am Wasser schweigt Abend. In die Ritzen des Pflasters
schreibt dein Schuh von Verstand. Liebe geht.
Dunst liegt auf schlummernden Wellen. Lippenspiel.
Deine Blicke entzücken dein Augenlicht nicht.

#34 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 27.06.2010 20:04 © by SuMuze
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Frühsommerlicher Vormittag→ Sommer  → Songs

Der weiße Tag hat Kalk in jede Grube ausgeworfen,
bedeckt mit Staub das bleiche Grün am Rand,
biegt die Geraden zu den Seiten,
krängt Pfähle, Zäune, Mauern.
Breitbeinig steht jemand inmitten des Asphalts.

Das vage Jahr hat Wiederholung leise eingefordert,
begrenzt ins Ungewisse zeigende Vektoren,
geruhsam bremst es jede Kollision,
kreist ein, was fliehen wollte.
Der Blick bleibt an die müden Füße angeheftet.

Der lange Klang hat Sehnsucht in die Welt gerufen,
vibrieren läßt er jede Haut und jedes Haar,
tanzt zwischen engen Zeilen,
und taumelt alle Worte fort.
Der Mund kann seine Lippen nicht bezwingen.

Ein Absperrgitter teilt den Strom der Menschen.
Zwei leere Flaschen Bier sind stumm.
Unter den Händen eines braungebrannten Jungen
schließt sich das Pflaster auf dem Bürgersteig langsam.

#35 of 1728      [Backlink]      Posted at Wednesday 23.06.2010 10:31 © by SuMuze
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Zwiesprache mit meinem Fuß→ Ungewisses  → Talks

Ich mag nicht, wenn Hände die Glätte der Grenzen erkunden. Es ist zu verbindlich. Sein Atem engt ein. Ich hasse Geruch von Puder und Milch, der Kleidern entströmt. Er ist mir zu biegsam. Seine Augen sind kühl, seine Wangen zu hart. Seine Schulter ist eisig. Ich mag nicht, wie lüstern sein Rücken mich macht.

Montags wird es nicht besser. Die Woche beginnt, dann droht wieder Lärm. Ich liebe die Ruhe der Stunden vorm Abend, das Warten und Zögern. Relais. Ungefähres, ins Nirgend unendlich gedehnt. Ich liebe das Rechteck, die Winkel aus Anstand, die Fläche von Sanftmut, die Metrik von Stahl. In der Nacht kann ich hören, wie das Licht stumm trainiert.

Ich mag keine Kugeln, ich meide das Rund. In den Wellen am Meer sah ich Trägheit und Tod. Nur Asphalt zu trauen, der schwitzt, wenn die Sonne sein Fell kochen läßt. Über Regen erheben sich gleißende Farben wie einsamer Hohn. Weil der Dampf alle trügt, sickert Schwere hinein. Ich spüre ihr Zucken, den Kampf. Eingeweide aus Lehm, und den Stein zwischen Gräsern, jede Wurzel ein Halt.

Da ist Echo im Flur. Eine Stimme aus Holz. Von der Decke fällt Anmut. Jeder Zeh lacht mich aus.

#36 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 20.06.2010 19:05 © by SuMuze
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Zeigerliebe→ Ungewisses  → Songs

In meine Zeilen hält wer Einkehr
aus der Muschel in das Meer
der Punkte: Weiß.
In meine Linien mischt sich Halt vor
dem Vokal. Gesetzter Laut
wird reiner Leib.
In mein Display sinkt Parallaxe
ohne Abstand zu dem
Loblied: Leise.
Melodie entspringt.
Fern von Jenseits.
Anderntag erst bringt.

#37 of 1728      [Backlink]      Posted at Sunday 20.06.2010 18:46 © by SuMuze
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Der Gast→ Liebe usw.  → Songs

Denn weil ich dich liebe, bin ich dir die Magd. Ich zähle auf dich.
Den Ranzen zu tragen, den niemand dir gab.
Das Haus zu beleben, das keiner bewohnt.
Ich kreuze Geraden, die nie sich berühren.
Quadriere die Kreise, die sich stets genug.
Denn weil ich dich liebe, verbrenne ich hell. Ich wärme die Nacht.
Die Leere zu füllen, die Endloses faßt.
Ins Horn dir zu stoßen, sein Blech trötet grell.
Ich wandere mit dir, wenn alles nichts nutzt.
Verwebe die Haare des Stolzes mit Gunst.
Denn weil ich dich liebe, erkunde ich dich. Ich weiß deine Welt.
Den Stillstand zu atmen, der Ruhe vortäuscht.
Das Lager zu trennen, das niemals bequemt.
Ich erquicke Verlust, den Hochmut erzeugt.
Bin Fähre dem Strom, den Furt nicht zerteilt.
Denn weil ich dich liebe, verbiege ich mich. Ich tröste die Zeit.
Die Scham zu zerstreuen, die eisern regiert.
Den Moment zu beschreien, der flieht wie ein Wind.
Ich umfasse das Innen, seine glitschige Lust.
Umhülle das Weiche, das Härte gebiert.
Denn weil ich dich liebe, gehorche ich dir. Ich heile den Tag.
Auf der Haut spielt ein Schatten.
Zwischen Lippen liegt Last.
Denn weil ich dich liebe, bist du mir der Gast.

#38 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 17.06.2010 18:39 © by SuMuze
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Premiere→ Attraktionen  → Songs

Endzeitstimmung im Orchestergraben.
Das Los der Nebenbuhler aus dem Off.
An Seilen hängen weiße Leiber.
Im Licht erglänzt die stille Lust.
Ein Helfer streut ein weißes Puder
einsam auf schwarze Dielen aus.
Ein Hammer klopft Kulissen fest.
Im Trog kreist mühsam eine Ferne.
Am Rand der Bühne Nebeldunst.
Man trägt Begleiterin mit Beinen.
Auf Polstern rutschen Finger aus.
Der Saal summt seine Melodie.
Gedämpft singen die Stimmen mit.
In den Gelenken Rheumaknoten.
In Schößen taub Insuffizienz.
Ein Aneurisma schlägt den Takt.
Zwischen den Zeilen Libido.
Jetzt wälzen sich zehntausend Jahre,
wie träge Flut ins Wattenmeer,
in jeden Satz, in trübe Blicke.
Die Brillengläser spiegeln es.
Nicht einer sieht das heiße Blut
zwischen den weißen Zehen blühen.
Der bloße Nacken beugt sich gut.
Geschickte Finger greifen Muskeln.
Die winden sich zur Anmut hin.
Lob liegt am Ende auf den Köpfen.
Ein Nicken aus dem Publikum.
Im Vierertakt verbrennt Benzol.
Am Himmel steht ein kalter Stern.
Gemächlich sackt ein Sinn in sich.
Parolen für die Nacht vorm Tage.
Der Tanz rollt sich Gewohnheit aus.
Erinnerung an bleiche Schenkel
verstört im hellen Morgenlicht.
Auf Porzellan zwei krosse Brötchen,
in einer Tasse schwarze Gier.
Ein Traum stieg aus dem Grab hinauf
zu kurzer Pracht unter den Brücken.
Die Pauke schwieg am Ende still.

#39 of 1728      [Backlink]      Posted at Thursday 17.06.2010 18:11 © by SuMuze
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Haut an Haut→ Von Rändern  → Songs

Da wo eng Haut an Haut ist,
wo Druck sich Fleisch nimmt,
Bach quer durch Feld geht,
Tal Berg von Berg trennt,
Licht fast wie Grau ist,
Schwarz,
Rand Punkt wird,
schrumpft.
Schmiegt es sich an.
Der Strahl dem Kreis.
Prall ist der,
stark,
bläht stolz sich auf,
ist rund, ist eins.
Den hat noch nie,
fest, scharf und hart,
etwas zerteilt.

#40 of 1728      [Backlink]      Posted at Tuesday 15.06.2010 12:25 © by SuMuze
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Susanne Sarfatti, Postfach 21 90 35, 33697 Bielefeld Site Release 2.40 © 2007-2010 S.Sarfatti

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