An runden Tischen mit Langustenbeinen sitzen die Mädchen, ihre gepunkteten Leiber Marienkäfer, zu feige, die Flügel zu blähen, ihr Kichern bricht sich im Hochglanz von Spiegeln, die Augen gebannt von der Welt in der Hand. Die Haare sind Lippen, verschlossen, ein Blick aus der Ferne benetzt ihr Chitin. Vom Saft reifer Linden beschmutzt steht der Van hell im Licht, so klebrig ist Haut zwischen Schenkeln. Die Zeit: kurz nach Sechs.
In der Löwennische, wo die Mähnen geworfen, die Muskeln gestreckt, ganze Welten erst werden, wo auf Tische geschlagen, in die Ferne gebrüllt wird, stets spitzer brilliert.
Bis ins innerste Wesen, in die Tiefe hinab, jeder Schwindel ist Schwäche, nur das Größte gewinnt, schon der Zweite ist Letzter, und die Pause der Tod.
In den Nischen der Löwen sucht die Möwe kein Brot.
Ein einfaches, starkes Gestell. Rechte Winkel und Streben, verankert, versteift, aufgeständert. Gleich hinter dem Vorhang wird Tag langsam hell. Das Licht läßt den Staub für mich tanzen, die Luft trägt Momente nach vorn, meinen Ärger, die Angst, Enttäuschung und winterlich zahnloser Zorn. Auf der Treppe verlor ich den Hut. Glatte Sohlen aus Leder, auf Holz ausgeglitten. Die Scheiben der Fenster voll Dreck. Die Schenkel sind zwei Parallelen, Tangenten im Dreiecksproblem. Ein Gerüst aus gespleißter Zypresse. Ein Mut aus gestoßener Zeit. Lebewohl an der Theke, eine Zeitung, ein Glas, in Europa wird abends gegessen, im Norden versinkt kaltes Land. Ich habe den Staub aufgefressen, den Magen voll saurer Enzyme. Das weiß leinern Kind verschmähte gelassen die sanftmütig lockende Hand.
Ich habe den Staub aus der Ferne gerochen, Geschmack voller Wildheit, so roh. Ich habe die Spitze aus Glas aufgebrochen, Ampulle, Amphore, Geliebte – wieso?
Ich stand mit den Füßen auf Stein. Habe Halt vor den Winden gefunden. Das Gift drang tief in mich ein. Habe Angst nachts und Leere empfunden.
Ich war, wäre alles ganz anders, war nicht, weil alles so war. Nur Einer ist unter den Vielen, der kann das, die Eine, alleine, niemals.
Ich habe den Klang eines Aufbruchs im Ohr, das Blöken der Lämmer, die Schur. Ich habe im Blick noch den Einen. Der schwor: seine Muskeln, der Schnitt, die Tonsur!
Ich lag auf dem Rücken im Sand. Habe Licht mit der Haut aufgesogen. Der Himmel war in meiner Hand. Jedes Wort hat mir Pracht vorgelogen.
Ich bin, denn alles ist immer, nichts ist nie, niemand ist nur allein. Niemals hilft dieser ewige Schimmer, dem Moment eingeschrieben zu sein.
Ich habe den Staub eingeatmet. Das Kratzen im Hals hielt ich aus. Das Fremde hat mir nicht geschadet. Ich bin unterwegs nach zu Haus.
„Den Mut, glattweg 'Nein!' zu sagen, hab' ich nie aufgebracht,“ seufzte der Mann in dem dicken Wintermantel neben mir, „und ich hab's jetzt gut vierzig Jahre probiert.“ Ich beäugte ihn genauer, denn er schien mir, was sein Alter betraf, ein wenig zu flunkern. Er schaute zurück und versuchte sich an einem Lächeln. Nett, einfach, direkt und vor allem wohlwollend. Ich bin der Typ Frau, den ältere Männer sehr gerne so anlächeln. Vielleicht erhoffen sie sich ja etwas davon, meine Nachsicht oder mehr. „Die ersten Lebensjahre natürlich noch nicht,“ korrigierte er eifrig seine reichlich roh und optimistisch gezeichnete Timeline.... → weiterlesen
Der Patient ist komatös geworden. Hitzewallungen gen Norden, Licht, das hinterm Horizont die Kaltfront schaudernd ahnen läßt, der Rest ist Chaos auf den Monitoren, klaglos brütet der Erfindergeist in leeren Flaschen, durch die feinen Maschen ist der Räuber in den Fang gerutscht, Residuum regiert, das enge Schicksal kämpft noch irgendwo.
Es war der Oleanderduft, Melisse, Wein und Thymian, das heiße Gras, die Haut auf seinen Händen, harter Dreck unter den Fingernägeln, war das wilde Jucken auf den Armen, Haare fielen vor die Augen, Nase brannte und am Kinn tat eine frische Narbe häßlich weh, ich seh' noch seine Augen, spüre nach dem Druck im Rücken, weich und warm und ewig schön.
Die Kanten haben sich im Lauf der Zeit zu runden Schultern abgeschliffen, unter einem gleichen Himmel führt die Bahn der matten Sonne quer dahin, ein Schattenmeer, das auf sie wartet, Schründe in den Fels gezerrt, sie beißen, nachts kann kaum der Mond ihr Trost austeilen, leise geht er morgens fort.
Es waren seine Schritte, viel zu leicht, um auf dem heiß gespannten Trommelfell des Gartens mir den Takt der nackten Sohlen einzuprägen, meine Lippen zu berühren, deren Angst sich unter Fingerspitzen barg, fast wäre meine Schwere federleicht im Klang der braungebrannten Füße aufgehoben, sagen konnte ich das nie.
Der Graph zeigt Zacken, Wendepunkte, stürzt im monotonen Fall unlimitiert, es blinkt am Rand, ein schriller Ton, das Kreischen einer falschen Zeit, der Riß durch eine morsche Decke, das Gewebe gibt am Ende seufzend nach.
Ich ziehe mich kurz an. Der Tag, an dem die Milch nicht kam: ein schöner Tag, die Sonne stand inmitten eines blauen Himmels, der Horizont so weich geweitet, kaum Streifen oben in der Stratosphäre, als wäre wieder alles wie zuvor. Am Tor hat dieser Wagen schon gewartet, sein leises Tuckern störte kaum, gedämpft, wie immer, wenn sie morden, das Stampfen der Maschine unterm Blech, vielleicht war der zu frech, der Ihnen kalten Kaffee in die Spüle goß, wer weiß?
Im Radio nur gute Laune, selbst der Hund hat mit dem kurz kopierten Schwanz gewedelt, der fridgerator leise vor sich hin vibriert. Sie hörten fast den Tritt, das Klirren alter Gläser, das edlere Kristall, die mit der selbst gekochten Marmelade, verschwitzt im Morgengrauen aufgewacht, inmitten grinsend schwarzer Nacht ein Pochen scharf im Hals. Und doch!
Sie fühlten sich leicht irritiert. Und daß es roch, nach Holz, nach warmem Wachs auf blanken Dielen, nach Staub, nach Putz, nach Gips und dem Parfüm, das eigentlich zu teuer war. Sie liebten diesen Tag, den mag sogar der Bürger tief in ihnen nicht aussparen. Sie waren damals jung, fast noch am Leben. Doch jetzt, da wollen Sie es ganz präzis? Genug!
Ich will Sie zärtlich an die süße Luft erinnern, die Wärme, die von draußen durch die Fenster kroch, die nahm ein wenig von der Angst, vom dummen Staunen, daß es diesmal niemand anderes als Sie betraf. Ich will an den Moment gemahnen, als Sie schon ahnen mußten, was geschah. Sie blieben stumm, erstarrt, vor Aufregung ganz tadellos, gestreckt, bloß, daß es Ihnen gar nichts half. Ich will das nicht betonen, aber, ja, sie zwingen mich.
Sie haben kreuz und quer gelesen, nicht ich. Sie standen zitternd an der Bahn, ich lief, die Mütze auf dem Haar klug balanciert und lachend auf der Plattform hin und her. Sie waren der, der Ängste hegte, der Zaghafte, der Zittermann. Ich stand vor Ihnen, aufgeregt, ich nahm mir Zeit, und Sie den Blick.
Ich denke selten an den Tag zurück. Nur Sie vergessen ihn nicht mehr. Wie schwer es Ihnen fällt, die Welt für einen winzigen Moment ganz hinter sich zu lassen. Sie hassen diese Wendung, winden sich vor Schmerz. Mein Herz ist Ihnen gut und zugewandt, doch ihre Hand hat mich nie aufgehoben.
Sie wollen es verdichtet? Gut!
Ich bin bereit. Die Zeit wird uns beweisen, wer verloren und wer wieder aufgefunden war. Wie wahr, daß alle Wunden stets aufbrechen, daß jener letzte Fährmann jeden Taler dreht, der letzte Knecht die kleinsten Taten zählt, der Meister endlich wiegt und richtet.
Sie wollen es verdichtet. Gut!
Ich mochte Ihren Mut, mir selbst, kam er abhanden, mir genügte, anzuschauen, daß sie fanden, meine Worte reichten knapp.
Sie wollten mich, ich kam! Doch Sie verschmähten mich, ein tödliches Verbrechen, nicht? Ich äußere mein Mißbehagen, und gehe schweigend wieder ab.
So ist die Sicht vom Elfenturm: weit! Weithin! Weiträumig! Weiterhin so frei! Das, worum sich weiche Würmer krümmen, blieb unterwärts, verhohlen und versteckt. Das Porzellan der leisen Zwiegespräche klirrte so zart auf Ebenholz und in der Hand. Ein Wind, der über ferne Länder flog, kräuselte Stirne knapp vor Ort: ein Trost! Der Tritt ganzer Armeen war gebändigt. Im Unterholz schmatzte feist satt der Mund. Nur langsam floh das Licht den Tag, der immerwährend schien, erkaltete. Die Runzeln auf der Maske aber blieben hart, die Finger, die nach Fensterflügeln griffen, umschloß ein Ring. Der Schrank verbarg zu lange schon das Federbett. Luft nun! Die Nacht macht auch die Elfen grau, in ihrem Turm und beim Gebet. Aufbruch! Mit Fackeln kam es laut zum Tor, hat nicht gefragt, sondern gepocht. Horch! Schon haben sich die Kissen schroff gezeigt, die Morgenröte half, ein schwacher Glanz aus Elfenstaub, der auf den Dingen blieb.
Jetzt kommen die Menschen wieder nach Haus. Väter in Mänteln stapfen tapfer daher, Mütter wischen die Nasen, Hälse in Wolle gewickelt, wärmen die Hände, das Blut. Jetzt wird heimlich geweint, das Auge paßt auf, falls Stimmen den samtenen Zungen entgleiten. Blicke suchen den Rückweg, Einfaches nur, es blitzen die Flächen aus Glas und aus Holz. Jetzt kreist man um sich, um die heilige Form. Gewißheit verschweißt das, was brüchig erschien. Jetzt fallen die Läden so schwer wie aus Stahl, zwischen Steinen verscharrt, ein weiteres Mal.
Am Amalgam ist abgeglitten, aber Hallo, doch bloß wie nur, so ganz gleich außerordentlich, auch wenn zum Arzt hinauf gelächelt, dem Burschen, dessen Grinsen ist aus Gold, weil da privat wird liquidiert, ihm nicht gegönnt, doch geil, wie er mir sagt, wie er mir stolz erklärt, es riecht so gut um ihn, und seine Hilfe ist sehr hübsch, und seinen Fingern gehört gleich meine Gier so ganz, und meine Schenkel sind dreist fast gespreizt, das Wasser ist gut warm in dem Gefäß da neben mir, und wie ich dann so schreite froh davon, der Kostenplan ist so egal, und meine Angst lebt in mir, wieder froh, wie auch der Zahn, der bockt, so bodenlos, und dennoch auch beruhigt.
Darum schaue ich nicht hinter Schränke, und lese nicht Briefe, ich stöbere nicht in den Ritzen der Dielen, im Keller, im Staub und im gnädigen Dreck.
Ich weiß ja, ich weiß es, ich weiß es genau, es ist weg, entsetzlich verschwunden, verloren, verlegt, abgeworfen und stumm, in erstickende Tücher finster gebunden, vergraben, verscharrt, Hauptsache: weg!
Darum sterbe ich manchmal, bei Licht und am Tag, vertrocknet aus Sehnsucht, daß mich keiner mag.
Darum denke ich es, denk' es nie, nur ganz selten, nur manchmal ein mach mal, ein mach doch, ein mach es, für immer, für mich, für ich weiß nicht, warum, für ich weiß nichts, zuletzt.
Ich liege als Licht, sanft hoch auf den Hängen, bin Abend für Müdigkeit, Lehne der Last. Bin das Gold, zwischen Krumen gerollt, wenn die Schritte heimwärts leise klingen, wenn gilt, was den Knospen entspringt.
Ich liege als Ruhe, fest unter Händen, bin Lager und Fluchtburg, Otte für den, der das Weiß meiner Glieder durchdringt, der süß ihnen singt von dem, was er weiß.
Ich liege als Mitte, vor anderem heil, bin Erste, bin in mir, und du bist mein Rand, ich liege, verloren, verliebt und vergeben.
Keine Flucht, oder doch, rasch nur weg, einfach werden, stumm, hinter Wänden zu enden, Gedanken aus Stahl, gekrümmt, kaum ein Halt für die zitternden Finger.
Stakkato aus Glätte, ich hätte nicht eine Minute noch länger gekonnt, die Dunkelheit kommt, jeder sieht, wo er bleibt, alles flieht, weit wird Welt erst da hinten, nicht hier.
Blicke trügen, Atem lügt, Angst fliegt vor dir her die Gassen der Hast in Eile zurück, die Zeilen und Spuren, verlorenes Glück, vergossene Kraft, erlahmt, angewidert, verschlissen, verkauft.
Kalte Luftschichten hindern das Licht, der Tag stirbt noch nicht, die Rundung der Erde dehnt sich noch ein Stück und die Blätter der eisigen Zeit winken dir.
Auf Stein reiben Reifen ihre Stimmen zu Wind, geschwind wollen alle aus Vollem sich holen, die drohende Leere verleiht ihren Flügeln die kränkliche Schwere strauchelnder Schritte am Rand.
Meine Hand zielt vorwärts, mein Herz will mir helfen, meine Haut spielt verrückt, meine Augen gewöhnen sich nie an das Dämmern zur Nacht, ich gab
ihrer Schwärze laut lachend die Macht, mich zu schrecken, ich weckte mich auf, aus der Wärme des Inneren, zögernd mit Technik und Gliedern aus Blei.
Sie rasen nach Haus, sie schneiden den Weg, verlieren die Fassung, vergessen Gesetze, verzieren die Himmel mit Bahnen aus Nichts, die Fahnen und Wimpel
erobern sich Heime, ihres Gottes Gebot folgt der Strom der Partikel, dem Ende entgegen getrieben, dem Mal ihres Kains, gnadenlos wartet die Endlosigkeit.
Viel war es nicht, nicht wirklich etwas, doch gar nichts wohl kaum, ich schwebte als Flaum durch den Rauch einer Pfeife, dem Sieger ein Preis, als Flehende Lohn,
zwischenzeitlich geatmet, verlegt, zum Klang kalter Boxen im Bett sich gedreht.
Nichts war es nicht, wohl eher gering, ein Quentchen und mehr, ich kam stumm daher mit den bitteren Muskeln, fliehend noch heiß, zum gesprenkelten Thron
gehetzt und gehoben, erlegt, zum Drang vieler Worte das Ohr sich gewährt.
Alles nur ein Nichts, die Leere gefüllt, Schein fern im Rund, leicht geöffnet der Mund, ich lag auf der Kippe, Lügen umkreisten mit zornigem Hohn
einen Traum, fort geweht, empfangen, getan, besiegelter Pakt mit der schlafenden Hand.
Daß es eine Kunst sei, von Ruhe zu reden, mitten im Sturm, das Grelle zu werfen an die weißliche Wand, von Lust an den Leibern den Müden zu künden, von Geld just den Armen und von Brot noch im Tod.... → weiterlesen
Beim Erwachen schon war mir komisch. Die Ruhe schien schlimm. Ich hörte Staub auf den Feldern über Stoppeln und Gräser scheuern, Blätter an den Ästen sich aneinander reiben, die Luft darüber stehen. Ein Flattern von Flügeln und wilde Wasser, die sich selbst nur lieben.
Ein Reicher saß unten frech in der Küche, seine Schuhe blitzblank, die Krawatte gelockert, er zählte die Tassen und Gläser im Schrank, wie Leichen lag Besteck in grünlichem Samt vor ihm auf dem Tisch.
Ich machte ihn unruhig, sein Blick wanderte flackernd eilig umher, zwischen mir und der Tür und dem Fenster, vor dem draußen im Hof sein Wagen wartete, leise lief der Motor, groß, lang und schwer, die Fenster geschwärzt, das Blech wie ein schützender Panzer um die Räder geschwungen.
Keine Angst, sagte ich, und er nickte, ich setzte uns Wasser auf, tat unbefangen und lächelte ihn an, war nett, er wurde fast zutraulich, und ja, sagte ich, auch ich sei reich, er müsse vor mir keine Angst haben, und er atmete auf, man habe, gestand er mir, ihm glaubhaft versichert, es gäbe auf der Welt keine Armen mehr, die er zu fürchten habe.
Wie schön, sagte ich, das Universum sei demnach gerettet, aber ja, stimmte er eifrig mir zu, an der Zeit wäre es schon lange gewesen.
Wer ihn führe, wollte ich von ihm wissen, er zuckte die Schultern, sah mich an, stumm und fordernd, die wächserne Hand auf den Gabeln, wie Geld, wenn es schläft, ganz beruhigt, unter sich.
Ich schaute ihm nach, als er mich verließ.
Das Licht der einsamen Sonne schien fröhlich und klar. Ein Rabe verfolgte die Amseln am Ufer, in den Wiesen lag Nebel, und der Hund wühlte japsend im Dreck. Frischer Wind kam von Westen, die Stalltüren schlugen, und mir wurde kalt.
Im Gleichen verschieden gewesen, gedacht wie getan. Gestanden gelegen, gehört und geglaubt, geheißen, gut, ganz anders, alias, gelobt, fast gewollt. Gewesen, gewandelt, geworden, getreu und gewohnt. Geliebt, ging gleich gar nicht, gelogen, daher. Gemüt, gerne größer, gefühlt, gründlich sehr, getobt, getänzelt, gemocht, gar gehandelt, getrieben, und dann, dann nicht mehr.
Ich kaufte mir sprechende Füße, Sandalen dazu, das Fußbett aus Kautschuk und kalte Brandsohlen, gegerbt aus den Häuten fast haarlos gezogener Riesenfaultiere, gewiß fair gehandelt, versicherte mir der Verkäufer, dem Stimmbruch nicht fern.
Ich tanzte mit einem, der hatte es gern, wenn das Licht von der Bar mein Haar wie Versprechen nach mehr oder Seide durchdrang. Ich liebte das auch. Eine Frau am Klavier sang bis dreiviertel Vier. Ich schlief gleich im Taxi fest ein.
Am Fluß, auf der Brücke, steh stumm am Geländer, spring wieder nicht rein, hasse die Näße und klamme Klamotten, in den Ästen der Bäume am anderen Ufer hocken die Krähen, die spotten der Welt, wie dem Zaudern, die Schnäbel aus Glimmer und Kohle, das Wasser vermischt alle Schatten mit Licht.
Die Füße sprachen am Ende doch nicht!
Die Riemen beim Schlendern zerrissen. Das Leder am Rand schon nach Tagen verschlissen. Die Farbe gewöhnungsbedürftig. Das Profil unterwärts? Bloß ein Witz! Beim Treten schmerzt jeder Absatz, der erste war nach einer Woche schon schief.
Ich lief ein Stück weiter, meine Stimmung war keineswegs heiter, aber laut klang es doch, was ich statt meiner Füße, den Stummen, dem Himmel nach oben zu rief.
Der halberweltlich angemeldet preist im Chor das Andere, das ganz und gar, dagegen aber nimmer wahr gewesen sei, worüber seinerzeit gelacht, gespannt gemacht, Glück angehäuft, so läuft es mit den Leuten, immerzu dem Sack vorher, am Ende stände Trösten zu Programm, da kann der Mann sich weisen, gut, nicht eine Träne, Lust, am Hut die Feder wippt, kippt uns den Weltenlauf hinein, inmitten der Caldera fließt das Blut, aus jeder Wunde, schön. Wir müssen geh'n!
Unsere Heldin lernt während des Frühstücks eine Menge über die Beziehung Ansgars zu seinen Vater Moritz, zwischen denen nicht alles zum Besten zu stehen scheint, betätig sich als Köchin und Moderatorin und schaut sich anschließend in der Werkstatt ein wenig um, die ihr sehr gefällt. Danach trennt sie sich, obwohl beiderseits durchaus Interesse an einem erneuten Wiedersehen bestehen dürfte, eher unverbindlich von Ansgar und fährt heim.
Klack, macht es hinten im Saal, die gelbe Tür zum Flur springt auf, schlägt dort hart gegen die Wand, und herein fliegt Ansgar, eine Tüte Brötchen in der Hand und einen nicht allzu begeisterten Ausdruck im Gesicht, als er erkennt, mit wem ich vorne am Tisch sitze, und sicherlich noch weniger davon angetan, wie ich dabei angezogen oder genauer nicht angezogen bin. Auch mein Gegenüber wirkt nicht sonderlich erfreut über das plötzliche Eintreffen seines Sohnes, bewahrt aber erfolgreicher als dieser seine Haltung, nicht zuletzt, weil er im Gegensatz zu ihm damit hat rechnen können. Natürlich treten sie beide fast auf der Stelle gegeneinander an, aber sie tun es jeder auf seine eigene Weise, so daß ich mich zunächst keineswegs entscheiden kann, welche davon mir besser gefällt.... → weiterlesen
Am nächsten Morgen taucht überraschend Moritz, Ansgars Vater, auf, den unsere Heldin zunächst fälschlich für seinen Sohn hält und sich ihm daher auf eine ungewöhnlich freizügige Weise zeigt, was diesen zwar höchst erfreut, sie selbst aber, als sie ihren Irrtum schließlich bemerkt, recht heftig verwirrt. Sie findet jedoch bald einen gewissen Gefallen an Moritz und beginnt, mit diesem ein wenig zu flirten, was bei ihm auf wohlwollende Aufnahme stößt, so daß sie es trotz eines den eigenwilligen Umständen geschuldeten Handicaps betreffs flüssiger Konversation schafft, ihm während eines gemeinsamen Frühstücks in mancher Beziehung näher zu kommen, auch wenn sie das nicht für allzu klug erachtet.
Mir ist warm. Die Hitze des neuen Tages krabbelt wie mit winzigen Käferbeinen unschlüssig über mich hinweg und sticht in jede Falte meiner Haut und meines Gemüts. Seit Minuten verfolge ich dieses Tun gebannt und bilde mir fröhlich ein, es seien die eifrigen Finger eines Geliebten, der nur eines im Sinn hat, es mir rundum wohlergehen zu lassen. Doch in Wahrheit ist es bloß die Umarmung eines Lakens, in das ich mich fest eingerollt habe wie eine Mumie für die lange Reise durch die kalte Ewigkeit des Todes.... → weiterlesen
Nichts wird bleiben oder wieder werden warten oder sein genau wie jetzt Alles wird sich anders zeigen außerordentlich geändert und versetzt Ich ertrag' es nicht es macht mich kirre winzig klein und wild Ich will doch nur in Ruhe sein mitten drin im stillen Bild Ich bleibe stehen wie erstarrt und hasse meine eig'ne Art
Die Zärtlichkeiten zwischen Ansgar und unserer Heldin setzen sich auch im Wagen und während der Fahrt zu ihm weiter fort und werden durch eine kurze, etwas ernsthaftere Unterhaltung unterbrochen. Wir lernen den Gebäudekomplex kennen, in dem sich Ansgars Wohnung befindet, welche sich überraschend als eine Werkstatt entpuppt, woraus wir ein klein wenig über ihn und sein Verhältnis zu seinem Vater erfahren.
Als ich mich im Wagen gerade hinter das Steuer geklemmt und mein Brillenetui mit langen Fingern aus dem Seitenfach heraus gefischt habe, gibt es da einen kurzen Augenblick, in dem wir beide fast gleichzeitig zögern und nachdenken, jedenfalls sieht es mir ganz danach aus. Mein eingelullter Denkmechanismus ruckelt für ein paar flinke Umdrehungen heftig vor sich hin. Noch sei ja nichts entschieden, flüstert er mir zu. Das stimmt.... → weiterlesen
Ein junger Mann mit dem Namen Ansgar verführt mit seinem Aussehen und Betragen unsere Heldin dazu, mit ihm vorzeitig die Party zu verlassen und sich auf den Weg, zuerst angeblich in eine Bar und dann doch gleich in seine Wohnung, zu machen. Über einen albernen Streit um die Wagenschlüssel kommt es zu einem komischen Gerangel und einigen, beiden äußerst gut gefallenden Zärtlichkeiten, noch bevor man endlich aufbricht.
Als hätte er diesen Zeitpunkt mit teuflischem Bedacht genau abgepaßt, hat sich der Besitzer jener Hände, die virtuell beharrlich weiterhin an meinen Knochen und noch anderem herum gespielt haben, unbemerkt an uns heran geschlichen. Ich kriege das erst mit, als Max und Rike ihn mit einem völlig gleich lautenden, aber wohl sehr unterschiedlich gemeinten „Na, Ansgar!“ begrüßen. „Ihr könnt sitzen bleiben,“ beantwortet der Angesprochene ihren doppelten Gruß mit einer krachenden Lässigkeit, welche nicht einmal ihn selbst beeindrucken dürfte.... → weiterlesen
Im Licht liegt Tod, der seine heiße Hand um weiße Haut fest schließt. Kein Traum, nur Kanten in den Laken. Scharf wirf sie auf zu Gegenseitigkeit! Im Tag ist Schwarz, das sein Gewicht auf leichte Blätter wieder schlafen legt. Stillstand im Wind, Bewegungslosigkeit. Kein Fuß geht aus. Das Auge ruht, verlor den Takt. Im Staub wälzt sich nichts mehr.
Unsere Heldin trifft im Garten erneut auf den jungen Mann mit dem Apfelsaft und setzt sich zu ihm auf eine bequeme Schaukel. Zur romantischen Beleuchtung von Teelichten und Fackeln findet sie bei einem wechselhaft verlaufenden Gespräch bald heraus, daß er heimlich in ihre Kollegin Frederike verliebt ist und vermutlich bereits seit Jahren ein aufmerksames Auge auf sie geworfen hat, wie er auch ein eher mißtrausichen Augen für den von ihr heute umschwärmten Kollegen Ottmar besitzt. Beide gesellen sich später, des Tanzens müde geworden, hinzu.
Ein Stück vom Haus entfernt auf der linken Seit des Gartens befindet sich unter einem Dach aus grob zusammen genagelten Latten eine dazu passend holperig gepflasterte Fläche. Ein niedriges Mäuerchen begrenzt sie und deutet die Stelle an, wo du eintreten darfst oder sollst, allerdings hindert dich nichts daran, es an jedem beliebigen anderen Punkt zu tun, wenn du das möchtest. Verschiedene Zweige wachsen kreuz und quer darüber hinweg, was den Effekt einer Laube ergeben würde, hätten sie sich nicht fast alle auf einer Seite versammelt.... → weiterlesen
Wir lernen einen weiteren Kollegen, Ottmar mit Namen, kennen, mit welchem unsere Heldin während des Tanzes in näheren Kontakt gerät, der ihr jedoch ebenso wenig gefällt wie der sich anschließende und eher unfreiwillige Kontakt mit einem etwas zu aufdringlich werdenden Tänzer. Auf der Flucht vor diesem und anderen Unannehmlichkeiten kommt es zu einer überraschend engen Begegnung mit ihrem verhinderten Flirtpartner in Blond, welcher ihr deutlich sein Interesse an einer gemeinsamen Gestaltung des Abends zeigt. Eine Versuchung, der sie, obwohl sie womöglich Gefallen daran finden könnte, vorerst noch nicht nachgeben will.
Während der heißen Phase des kalten Buffets wird es dann eine Weile mächtig eng in der Küche, denn alle stürzen sich beinahe gleichzeitig auf das Essen und schnattern heftig miteinander um die Wette. Das Zuhören scheint mir allerdings deutlich zu kurz zu kommen bei dieser leicht chaotisch ausfallenden Übung. Doch Nahrungsaufnahme ist sicherlich nicht das hervorragendste Ziel der Veranstaltung. Ich bezweifele, daß es den meisten Gästen um den kulinarischen Genuß der von Frederike und ihrer Mutter so emsig und liebevoll vorbereiteten Gerichte geht, sondern man scheint sich allgemein eher eine solide Grundlage für den Rest des Abends und die später zu erwartenden Mengen an Alkohol verschaffen zu wollen.... → weiterlesen
Wir lernen einige der Gäste Frederikes kennen, unter ihnen ihre Mutter Annegret und den überraschend anwesenden Ehemann Arno, welcher Frederike vor einigen Jahren verlassen hat, weiter einen sehr gut gekleideten, aber auch sehr in sich gekehrten jungen Mann namens Max, der unsere Heldin in ein unverhofftes Abenteuer mit Apfelsaft verwickelt, und einen anderen, ebenfalls jungen und äußerst anziehenden Mann, den sie bereits von einem früheren, leider ohne Ergebnis gebliebenen Flirt her kennt.
So gräßlich, wie ich befürchtet habe, ist es in Frederikes Küche dann doch nicht, obwohl der erste Eindruck mich eher abschreckt. Auf einem Gasherd köcheln in drei mit bunten Blumenmustern verzierten Emailletöpfen verschiedene Suppen vor sich hin, die nach allen möglichen Gemüsen und Gewürzen und vor allem nach sehr viel Fleisch riechen. Auf einer langen Arbeitsplatte liegt neben einer ganzen Batterie von dicken Gläsern mit Gurken, Paprika, Oliven und ähnlichen Dingen ein Haufen Baguettes in Papiertüten, und darunter stapeln sich die noch nicht kühl gestellten Getränkevorräte für einen langen Abend und eine mächtige Horde sehr durstiger Konsumenten.... → weiterlesen
Wir lernen Frederike, eine Kollegin unserer Heldin, zu deren Geburtstagsfeier diese eingeladen und unterwegs ist, kennen, und erfahren ein wenig darüber, wie beide zueinander stehen. Dann streifen wir kurz Frederikes Lebensumstände und erhalten eine Beschreibung ihrer Person sowie des Hauses, in welchem sie wohnt. Nachdem wir zusätzlich ein wenig in das äußere Erscheinungsbild und die Geschichte des Viertels eingetaucht sind, in welchem Frederikes Haus liegt, machen wir uns damit vertraut, wie es aktuell darin aussieht, ebenso wie in Gemüt und Handtasche unserer Heldin.
Frederikes Eingang ist der dritte von links in einer aus acht zweigeschossigen Häuschen bestehenden Reihenhauszeile, die einander ähneln wie die allesamt gescheiterten Versuche ihrer Bewohner, sich auf Teufel komm raus voneinander abzugrenzen. Ein schmaler Streifen aus Vorgärten trennt sie von der nicht viel breiteren Straße, deren Asphalt von einem Patchwork der Tiefbauarbeiten eines guten halben Jahrhunderts gebildet wird und deren diesseitiger Rand dicht mit Fahrzeugen voll gestellt ist. Ich habe Glück, einen freien Parkplatz gleich schräg gegenüber gefunden zu haben.... → weiterlesen
Ich denke oft, nichts wäre jemals wieder schön noch hell noch so, wie es doch einmal war. Das ist nicht wahr. Fast alles ist so schön wie es mal war. Und hell wird es auf jeden Fall fast jeden Tag. Nur daß ich mag, mich wie verwundet auf der Erde rum zu rollen, laut zu jammern, und den tollen Tagen nach zu weinen, ist nicht gut. Mein Mut reicht leider nicht zu mehr, daher denke ich oft, nichts werde jemals wieder gut. Kapiert?
Als wäre unter Deines Anzugs Hülle mir ein Licht erschienen, Weisheit brachte es mir her, die sichere, die unermüdlich meine stolze Meinung untergräbt. Wie schräg ich dachte, dennoch, da! Mir war nicht so.... → weiterlesen
Die untere Flamme des Ständers beleuchtet den Raum nicht, sie haben nach Osten geschaut, der Herr ist nicht mehr von den Bergen gekommen, kein Schnee lag am Gipfel der Welt.
Der winzige Zeh unter Weiß schien verletzt. Er bewegte sich kaum, beide Arme wie leblose Fühler am Rumpf angelegt, im Nebenraum Licht, es brachte die Eisblume her.
Zu Ostern sind Bäume gewachsen. Im Boden kroch emsig der Wurm zu den Wurzeln und Zwiebeln, der Schaum ist im Glauben zu Mostricht erstarrt, hat niemand genutzt.
Aber Teufel war auch einer, der sich aus Sperrholz die Bank zurecht zimmert, für die Beichte zum Abend. Karmesinrot der Schal, elegant war sein Schuh.
Niederknien, das haben wir immer gesollt. In der einzigen Reihe, es zog aus der Krypta, der Marmor war rissig, im Becken kein Wasser, am Fenster Unschuld.
Die hintere Flamme war heller. Weil ihr Docht sich nicht krümmt. Weil sie hielt und nicht fiel. In den Speichen des Rades fand Nabe zur Ruh.
In einem, letztlich keinem Sinn war nie ein Ziel, oft war es bloß zu deinem, manchmal meinem Trost, fast wie ein Spiel, zum Ende hin. Mal ich, mal du, dann wir, vom Überdruß, von Gier gehetzt, ein Taumel bloß, in Ewigkeiten, fortgesetzt, als ob, für uns zum Schluß, es Liebe gebe, doch zuletzt.
Jetzt Welt, wie dich einholt das Rauschen der Bundesligisten, saisonal übersteuertes Kindergedudel, der Absatztrick Armer, der tänzelnde Grill. Noch der Nadel gehörig den Meineid geschworen, ein Leben (ein langes) stets heiß am Parkett früh gesetzt. Brandsohle gekaut. Zu Kränzen im Freistaat der Holden Landschaft nur im Schutz der Gezeiten erlaubt. Das Flügeltürschlagen fällt aus der Geschichte. Erbarmen, Erbauer, dein dreistbeiniger Diener fährt blind Karussell. Weil der Handkuß passé, schreibt der quer, der vor Wut, der wo bleibt nur, oh Mutter, laut schreit nach dem Mann mit dem Geld.... → weiterlesen
Zurück in die Borke gekrochen, die Nähe des Holzes gerochen, den Saft seiner Stärke gesaugt, der Kraft seiner Faser vertraut, als Zwiebel sich sicher gefühlt, alle Zweifel ins Trübe gespült, Haut um mich her aufgespannt, konzentrische Kreise gerannt, die Schenkel geschlossen, die Lippen verdrossen, die Augen gebrochen, den Schoß geil gerochen, in sich selbst nur noch da, bar der fremden Gefahr, auf das Innen gerichtet, jeden Spalt abgedichtet, wurzelhart wieder neu, dem Versprochenen treu, einwärts enger gekrümmt, an den Rändern verstummt, überlebt, ausgehalten, geborgen im Alten, nur mir, innerlich, verknöchertes Ich und nichts außer mir, bloß ein Jetzt und ein Hier, meine blendende Gier reißt den Leib für den tranigen Geist.
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