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Genug gesehen. Dem Gesicht begegnet in allen Weisen.
Genug gehabt. Lärm der Städte, abends, und in der Sonne, und immer.
Genug erkannt. Die Haltestellen des Lebens.
- O Lärm und Gesichte!
Aufbruch voll Gefühl und Geschrei - neu!
A.Rimbaud: Leuchtende Bilder / Illuminations - Aufbruch / Départ
(übers. von Reinhard Kiefer und Ulrich Prill)
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#01 - Ankommen und Einrichten→ Südlicher Regen  → Soaps

Mitten im Gang auf dem schwankenden Boden herum zu stehen und sich mit nur einer Hand an dem Türgriff zum Abteil hinter mir anzuklammern, war keine allzu gute Idee. Ich schaukelte hin und her wie ein Grashalm im Wind, dem fast alles egal war. Die andere Hand brauchte ich für den kleinen Handkoffer, den ich auf den großen Rollenkoffer gestellt hatte, damit das Gewicht des Ersteren meinen Arm nicht auf die Dauer ermüdete. Ich selbst war schon müde genug von der Fahrt, die kein Ende nehmen wollte. Seit der Zug Milano Centrale verlassen hatte, hing ein warmer Landregen in der Luft, dessen feiner Dunst mir jede Aussicht auf die Landschaft verwehrte. Die mich allerdings auch kaum hätte sonderlich aufheitern können. Meine trüben Gedanken halfen eher noch dem Regen dabei, einen zähen Vorhang von Düsternis und Traurigkeit um mich herum aufzuspannen. Durch den erst Alessos Anblick wie eine Erlösung zu mir vor drang, als wir endlich in den mir vertrauten Bahnhof eingefahren waren. Als ein mächtiger Turm aus Stärke und Unbesiegbarkeit ragte sein Körper draußen auf der schmutzigen Plattform auf. Sofort fühlte ich mich etwas besser. Meine Mitreisenden hatten mir wahrlich..

#1 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 29.07.2010 17:50 © by SuMuze
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Von Ähren→ Schönheit  → Songs



Es ist nicht das Brot, das die Mäuler satt macht,
die wild danach schreien, daß man sie erhört.
Es flüstert der Mund von der Schönheit der Hand,
die das Wasser mit Mehl mischt und Kupfer aufträgt.

Es ist nicht das Gold, das die Taschen ausfüllt,
in denen sich heimlich der Heller warm reibt.
Es birgt gut das Kleid noch den feistesten Leib,
wenn das straffe Gewebe wie Haut ihren Träger umgibt.

Es ist nicht das Holz, das die Dächer bedeckt,
die im Abendlicht glänzend der Heimkehrer sieht.
Es stützen Gerüste das Wachstum der Mauer,
die Marktplatz wie Burgfried dem Fremden verbirgt.

Es ist nicht die Ähre, die Heere anzieht,
der Faden der Spinne nicht Quell der Gewinne,
nicht Laub hinter Zinnen, das Mundraub gebiert.

Es ist erst das Feld, auf dem Welt sich,
besiegt und gebunden, verliert.


#2 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 26.07.2010 00:05 © by SuMuze
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Wanderung→ Landschaft  → Songs



Immergrün waren Spuren
nach vorn im Karree,
sie führten ins Irre,
ihnen folgen tat weh, und
der Weihrauch, die Myrrhe,
der Trost, wenn es spät wurde,
stumm, farblos, blass,
mehr ein zartes Blutrosa.
Vorm Fenster gedrängt
hingen Trauben, Gepäck,
keine Heimat,
im Zoo und nicht frei,
ein Kleinod inmitten
der Langobardei.

#3 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 23.07.2010 18:24 © by SuMuze
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Von Fahnen→ Avantgarde  → Songs



Es ist nicht der Wind, der die Fahne bewegt.
Ihr Flattern erwächst nicht aus Luft.
Die Richtung der Füße erst zeigt ihr den Weg.
Der Schweiß der Marschierer,
das Blut der Verlierer
verleihen dem Banner den Duft.

Es ist nicht die Weite, in die der Pfad führt.
Sein Mäander weist nicht voran.
Das glatte Gelände ist, was ihn verführt.
Nur abschüssig abwärts
bewegt er sich vorwärts,
kommt unten im Grund immer an.

Es ist nicht das Ganze, nach dem Neues schielt.
Das Nächste ist ihm stets genug.
Die Abwechslung täuscht, die Veränderung spielt.
Für immer gewendet
und niemals beendet,
wo Gleiches das Gleiche erschlug.

Der andere Tag ist ein leeres Gefäß.
Sandkorn, das den Acker erstickt.
Die Nacht kommt der Sonne gemäß.
Dämmerung birgt das Geschick.

#4 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 19.07.2010 12:52 © by SuMuze
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Chemie→ Secrets  → Songs




In der Geisterstadt rinnt der Saft nicht mehr ab.
Gestaut in der Tiefe verkommt er verschüttet
zu brackigem Schaum.

Niemand schabt ihn vom Stein, von den Riegeln
aus rostigem Eisen, den blechernen Sieben,
dem Erdreich am Stamm.

Wind hebt stumm den Vorhang aus hellgrauem Staub.
Zum Stillstand gekommen. Die Steigung erwies sich
zu steil für's Gewicht.

An den Flanken der Berge erklettert Geröll sich
den Weg in den Himmel. Die Mauer steckt fest
im Rankengerüst.

Das Glas fehlt den Reihen geborstener Fenster.
Sie prägen pedantisch die Muster der Leere
dem Sonnenlicht ein.

Fleischlos ist alles am Ende geworden. Und groß.
Eine Front brauner Wolken ergießt sich
als schmetternde Last.

Enge Furchen im Urschlamm zum Schluß.
Unterspült. Moleküle in wässriger Lösung.
Kein Knall rührt sie an.

Der Fuß wandert stetig dahin. Erde dröhnt.
Aus dem Dunkel ins Helle. Und ein Sieg.
Keine Ferne die schreckt.

Lobe Ester, die Klone! Die Wasserstoffbrücken,
das bindende Glied! Erst Chemie macht ihn frei,
den Kasper im Licht.

Jemand zieht an den Stricken, einer knipst
Lampen aus. Vorhang fällt, ein Verrecken
beherrscht eine Welt.

Im Seibeiuns geborgen verrinnt meine Zeit.
Zum Frühstück ein Lächeln, in der Nacht
stille Post.

Lobenswert, wie die Kräfte sich strecken,
hüllt Modell sie nicht ein. Resultat, und beziffert.
Ganz mein ist das Wort.

#5 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 15.07.2010 22:30 © by SuMuze
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Gleitzeitlos
Revision # 2
→ Alltag  → Songs



Im Headset war heute Gewisper.
Zuerst nur sehr leis, ein Flüstern,
ein Raunen. Weit hinter dem Klang,
den ich weiß, schon seit langem,
der mich nicht bedrückt.

Die Stimme wurde nicht deutlich.
Sie wollte nicht, daß ich verstand.
Ihr Diktat wie ein Brei,
in dem Übliches schwamm.
Nußschale auf randlosem Meer.

Eine Spur hinterließ auch der Cursor.
Auf dem Monitor, zeilenversetzt.
Ein Strich, fein gezogen, sehr schwach.
Ich löschte ihn aus, jedes Mal.
Er wehrte sich dagegen nicht.

Auf einmal war alles groß, fett und kursiv,
die Kapitelumrandung unscharf.
Schweißperlen entstanden wie Ängste
als feuchter Behang meiner Stirn.
Ich verschob meinen Blick.

Wenn ich komme, am Morgen, sehr früh,
schaue ich in die Nacht oft zurück.
Vor den Fenstern schenkt Licht
und der Lärm vor dem Haus
dem Tag und mir das Gewicht.

In der Hand spürte ich zart ein Kribbeln.
Auf der Zunge lag mir fast ein Wort.
Ich schaltete, schrieb immer schneller,
die Tasten wie Sprossen hinauf.
Dann speicherte ich.

Schon am Vormittag, während der Pause,
war alles zu viel. Und ich ging,
im Kopf noch das Säuseln der Lüfter.
Auf den Steinen ist Ruhe,
unter Sohlen brennt Haut.

Mit den Fingern am Lenkrad,
das Radio laut, die Straßen entlang,
die ich kenne. Ich fahre
und komme nicht an.

#6 of 1705      [Backlink]      Posted at Saturday 10.07.2010 09:37 © by SuMuze
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Fortgeschrittene Forstwirtschaft des 21.Jahrhunderts→ Ungewisses  → Songs



Unterlegt vom Rauschen (1420,4 Mhz) auf dem 21-cm-Band
meldet der Überwachungsbeauftragte für den Aufstiegs-Vektor
im mittleren Quellwolken-Bereich den von Analysten erwarteten
vorzeitigen Vollzug (arrival at approx. 27.000 ft).

Blätter schwärmen intelligent aus und bilden Markov-Ketten.
Eine Miniermottenkolonie führt heimlich Exkavationen aus.
Die Erdmännchen haben heuer zwei Junge. Eines stirbt.
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)
verbreitet Angst und Schrecken.

Helmpflicht für den Freizeitreiter.

Aenictinae tanzt eingebettet in eine singuläre Transitionsmatrix
(Erlang oder Poisson verteilt sowie schiefwinklig rotiert)
deutlich schneller als Myrmeciinae oder Dorylinae
(albeit being subfamilies of Formicidae)

Die Katze entkommt im letzten Moment.
Niemand merkt's.

#7 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 08.07.2010 20:04 © by SuMuze
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Feldrand an einem Sommerabend→ Sommer  → Songs



Zwischen schmutzigen Zehen im Dreck kriecht ein Käfer.
Zwei Finger bedienen sich schlau eines Zweiges.
Dessen Spitze streicht über den Panzer
aus glänzendem, schwarzem Chitin.

Unterm Dach aus dem Laub einer Hasel sitzt still eine Katze.
Ihre Zunge beleckt ihre rundlichen Pfoten.
Die Krallen erscheinen als mahnende Blitze,
ihr Blick huscht dann eifrig davon.

Auf den Feldern spielt eitel Getreide im Wind miteinander.
Die Ähren verneigen sich stumm vor der Welt.
Ihre Haare sind garstige Stacheln
und strecken sich stolz.

In der Luft ist ein Schweben.
Niemand atmet jetzt aus.

#8 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 07.07.2010 18:42 © by SuMuze
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Sandwege→ Ungewisses  → Songs




Ich habe den Sand in den Spuren gerochen, die von deinen Füßen dem Weg eingeprägt lange Linien vor mir auf den Boden hin malten. Er roch fast wie du. Es drang Erde hindurch, die riecht immer eigen, wie Staub ohne Menschen oder Zeit ohne Uhr. Ich konnte die Schritte gut zählen, ich kenne den Rhythmus, wenn du mit den Ballen aufstößt und die Sohlen sanft abrollst. Du läufst hübsch daher.

Ich habe die Leere am Ende der Straße gesehen, ein Wurf in gestaltlose Weite, wie ziellos dein Wandern zum Abend doch wird. Es klang mir nach dir. Das rundende Fragen, das du deinen Worten als zärtliche Decke, sind sie dir zu bissig geraten, schnell gönnst. Ich höre dich noch, wie du dehnst, niemals endest. Dein Reden schien Knebel und Schranke zugleich. Ich habe den Punkt, der den Satz erst vollendet, im Gras liegen sehen. Ich schenke ihn dir.

Ich habe die Ferne geschmeckt, und ich mag sie. Ich kreise noch hier, bald bin ich dann fort.

#9 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 01.07.2010 21:09 © by SuMuze
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Waldwege→ Ungewisses  → Talks



„Und wenn Du Deine Nase mitten hinein steckst,“ hatte sie gerufen, „kommst du doch nicht näher heran.“ Er kniete gerade neben einem umgestürzten Stamm. Heiße Luft staut sich zwischen den von unten her gesehen schwarzen Blättern. Der Himmel darüber wird keine Kühlung bringen.

„Mach Du Dir nur Deine Schuhe nicht schmutzig,“ hätte er giftig antworten können. Aber sie kennt ihn, er vermeidet jeden Streit. Hatte diesen Blick aufgesetzt, der Tadel und Resignation zahnlos mischt. Sie klopfte sich gegen die Stirn, strich die Haare hinaus und rümpfte die Nase. Ihr Rock saß zu eng. Sie plant schon die Ernährung der Woche darauf.

Der Wald hatte nach warmer Fäulnis gerochen, kaum daß sie der schmale Weg hinein führte. Kein Schatten, der kühlte. Wie Kleidung, die noch vom Körper geheizt schien, der sie soeben verließ. Kleine Steine liegen auf dem Boden, die Sohlen kippeln auf ihnen. Das Gehen wird anstrengend. Überall rascheln Tiere. Vögel, hofft sie, oder Eidechsen, die sie haßt. Von Würmern im Erdreich zu schweigen.

Gleich wird der Weg sie bergauf klettern lassen. Er wird prusten und schwitzen, seine Gesichtshaut sich röten, und immer wieder wird er sich mit der Hand durch die Haare fahren und danach kurz anhalten, um sich umzudrehen und zu schauen, wie viel sie geleistet hätten, wie weit sie gekommen seien. Er liebt Resümee. Seine Arme, feucht von Schweiß, vermeidet sie dann. Steht zwei Schritt vor ihm, zeigt Ungeduld, Ärger. Er achtet das nicht. Geht weiter, erreicht sie, auch sie schreitet aus.

Im Rücken hat sie ihn wie Gefahr fast gespürt. Sie ist schneller als er, ihre Muskeln, ihre Sehnen, ihr Fleisch sind noch jung. Sie wird noch da sein, wenn er längst nicht mehr ist. Wenn er spricht, wenn er zärtlich ist, wenn er liebt, wenn seine Hände nach ihr fassen, als könnte im Griff er sie für immer fest halten, dann denkt sie daran. Licht fällt hart in die Welt. Grelle Flecken, die die Schatten verstärken. Sie atmet nicht schwer.

Sein Gewicht aber will sie. Er hat es beständig, trägt es bei sich, sie hat Anteil daran. Sogar hier noch im Wald. Sie überlegt, schaut sich um, ist für Sekunden erregt. Dünne Farne wachsen zwischen den Stämmen. Darunter der Boden, weich bedeckt mit dem modernden Laub, jedes Jahr kommt eine neue Schicht Humus hinzu. Ihr Rücken tief im Dreck, seine Augen vor dem Licht. Doch sie schweigt. Wie er die Füße voreinander setzt, wirkt gut und mechanisch. Dabei stört sie ihn nicht.

Sie wird es ihm sagen. Morgen, vielleicht. Oder am Ende der Woche. Diese Woche ist so passend wie jede Woche zuvor. Und wie jede danach. Sie erschrickt. Ein Vogel hat geschrien, weit oben zwischen den Ästen, die alles tragen, was noch fern liegt. Sein Keuchen klingt eng. Mit der Spitze ihrer Schuhe schiebt sie ein paar Kiesel beiseite. Bohrt ein Dreieck in die Erde. Grauer Lehm, dunkles Leder, die Sehnen auf dem Gewölbe, glatter Stoff auf der Haut.

Es war sehr früh schon am Morgen, als sie endlich aufbrachen. Er steht gerne früh auf. Sein Wagen klingt mutig, sanft schließt er die Türen, dann fährt er gemächlich vom Hof. Sie kratzt sich am Knie, schaut ihm zu. Sie sprechen nicht viel. Er hat wenig überholt. Fährt sehr langsam, weil sie müde ist, aus dem Fenster stumm schaut, weil die Sonne noch jung ist. Er wird sie wie ein Kind in den Arm nehmen, steigen sie später dann aus. Sie weiß stets, was er tut. Das gibt ihr Ruhe, manchmal.

Streckte er seine Hand aus, wäre er wie einer der Bäume, sie wachsen zu Hunderten jetzt um sie herum. Und sie wäre ein Vogel, hüpfte auf seinen Arm, sie zwitscherte fröhlich. Leicht sein ist gut auf solidem Geäst. Ihr Hemd malt den Takt ihrer Brust, wenn sie Luft holt und schweigt. Jetzt sind sie bald oben. Es wird lichter im Wald. Der hat sein Ende gefunden. Er überholt sie, sie trödelt, sie wird erst flink nach ihm sehen, wenn er zu ihr her schaut. Wenn er lächelt, und wartet und seine Hand seine Haare durchwühlt. Dann kommt sie zu ihm.

Viel zu sehen gibt es nicht. Natur zeigt sich nie. Etwas Holz, etwas Gras. Ein Blätterdach, Äste, grüne Stengel, brauner Lehm. Kahler, felsiger Grund, wo der Wind den Boden abtrug. Darüber nur Blau, feiner Dunst, weiße Linien als Mahnung oder Zier. Er steht dennoch und schaut. Wird seine Hand als Schirm über die Augen sich halten, wird sich drehen, während sein Atem sich normalisiert. Sie weiß alles von ihm. Sie wird es ihm sagen, gleich oben. Oder nicht.

Er hatte ihr höflich den Stuhl hin gerückt. Sie setzte sich lächelnd und schaute nach ihm. Er schien freundlich, Zuneigung las sie froh dort in seinem Gesicht. Das ist offen für sie. Weil er es so will. Seine Brauen sind struppig, manchmal bürstet er sie, manchmal nicht. Der Anzug sitzt ordentlich, sie achtet darauf, weil er das gerne vergißt. Er wird sie vermissen, ihre zart helfende Hand, den Geschmack ihrer Jugend. Sie vermißt ihn schon jetzt. Hat ihn schon immer vermißt. Er weiß es nur nicht. Und wenn er es wüßte, dann wollte er nicht, daß sie sagt, was er weiß.

Sie hat seine Hand sich genommen. Hände haben einfache Sprachen. Das Spielen der Finger ineinander fällt leicht. Auch jetzt wird sie bald danach greifen. Die Wärme wird sie nicht abhalten können davon. Sie wird neben ihm stehen, die Lippen leicht offen, die Augen fast geschlossen, in die Nase dringt Luft, bringt Geruch mit und Kühle. Sie lehnt dann nicht gegen ihn, sie steht für sich selbst. Sie hat sich zu nah an sein Leben gelegt. Hat den Arm auf die Hand noch gepackt, die Schulter dazu, und den Leib. Und sich selbst.

Er liebt diesen Wald, wie sich alles dort fügt, sich bedrängt, in sich schließt. Sie ekelt das an. Sie stellt es sich vor jetzt. Pollen schweben herum, kleben in ihrer Lunge, in ihrem Darm, auf ihrer Zunge. Sie verschließt ihre Lippen, sie sagt nicht ein Wort. Der Weg folgt dem Kamm, eine Lichtung erlaubt einen Blick in das Land. Wind kann wehen, Sonne scheinen und anderes mehr. Bergab geht er schneller als sie. Sein Rücken ist breit, seine Schritte klingen dumpf. Sie lacht. Sieht gern, wie er geht.

Jemand hat Kreuze in Rinden geritzt, wo die Pfade sich gabeln. Buchstaben und Zahlen markieren den Weg. Doch sie weiß nichts davon. Er denkt nach, schaut sich um, wählt die Richtung, sie traut ihm, er zweifelt nur kurz. Dann laufen sie abwärts in den Schatten zurück.

#10 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 28.06.2010 11:08 © by SuMuze
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Süden #3→ Süden  → Songs

Kleine, graue, quadratische Basaltsteine in greller Sonne.
Glatte, trockene Erde zwischen winzigen Wurzelsträngen.
Geruch nach warmer Haut und Sonnenöl, kalte Getränke.
Eine träge Hand wedelt mit flirrenden Blättern im Licht.
Narben in altem Holz, das Stöhnen müder Wände, Schmutz.
Jetzt ist nicht nur der Moment zwischen den Unendlichkeiten.
Gras unter weichen Sohlen, Glas auf Mauerkronen.
Neben dem Weg wachsen Disteln und wildes Kraut.
Benzolringe vermählen Menschen einander.
Kochender Alkohol, Schatten. Ein Saxophon. Sound.
Zeit bringt Leben zurück. Iris zeigt Sommer, so hell.
In den Falten der Finger zerrinnt langsam der Tag.
Tote Algen umklammern ein einsames Pfand. Atemlos.
Am Wasser schweigt Abend. In die Ritzen des Pflasters
schreibt dein Schuh von Verstand. Liebe geht.
Dunst liegt auf schlummernden Wellen. Lippenspiel.
Deine Blicke entzücken dein Augenlicht nicht.

#11 of 1705      [Backlink]      Posted at Sunday 27.06.2010 20:04 © by SuMuze
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Frühsommerlicher Vormittag→ Sommer  → Songs

Der weiße Tag hat Kalk in jede Grube ausgeworfen,
bedeckt mit Staub das bleiche Grün am Rand,
biegt die Geraden zu den Seiten,
krängt Pfähle, Zäune, Mauern.
Breitbeinig steht jemand inmitten des Asphalts.

Das vage Jahr hat Wiederholung leise eingefordert,
begrenzt ins Ungewisse zeigende Vektoren,
geruhsam bremst es jede Kollision,
kreist ein, was fliehen wollte.
Der Blick bleibt an die müden Füße angeheftet.

Der lange Klang hat Sehnsucht in die Welt gerufen,
vibrieren läßt er jede Haut und jedes Haar,
tanzt zwischen engen Zeilen,
und taumelt alle Worte fort.
Der Mund kann seine Lippen nicht bezwingen.

Ein Absperrgitter teilt den Strom der Menschen.
Zwei leere Flaschen Bier sind stumm.
Unter den Händen eines braungebrannten Jungen
schließt sich das Pflaster auf dem Bürgersteig langsam.

#12 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 23.06.2010 10:31 © by SuMuze
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Zwiesprache mit meinem Fuß→ Ungewisses  → Talks

Ich mag nicht, wenn Hände die Glätte der Grenzen erkunden. Es ist zu verbindlich. Sein Atem engt ein. Ich hasse Geruch von Puder und Milch, der Kleidern entströmt. Er ist mir zu biegsam. Seine Augen sind kühl, seine Wangen zu hart. Seine Schulter ist eisig. Ich mag nicht, wie lüstern sein Rücken mich macht.

Montags wird es nicht besser. Die Woche beginnt, dann droht wieder Lärm. Ich liebe die Ruhe der Stunden vorm Abend, das Warten und Zögern. Relais. Ungefähres, ins Nirgend unendlich gedehnt. Ich liebe das Rechteck, die Winkel aus Anstand, die Fläche von Sanftmut, die Metrik von Stahl. In der Nacht kann ich hören, wie das Licht stumm trainiert.

Ich mag keine Kugeln, ich meide das Rund. In den Wellen am Meer sah ich Trägheit und Tod. Nur Asphalt zu trauen, der schwitzt, wenn die Sonne sein Fell kochen läßt. Über Regen erheben sich gleißende Farben wie einsamer Hohn. Weil der Dampf alle trügt, sickert Schwere hinein. Ich spüre ihr Zucken, den Kampf. Eingeweide aus Lehm, und den Stein zwischen Gräsern, jede Wurzel ein Halt.

Da ist Echo im Flur. Eine Stimme aus Holz. Von der Decke fällt Anmut. Jeder Zeh lacht mich aus.

#13 of 1705      [Backlink]      Posted at Sunday 20.06.2010 19:05 © by SuMuze
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Zeigerliebe→ Ungewisses  → Songs

In meine Zeilen hält wer Einkehr
aus der Muschel in das Meer
der Punkte: Weiß.
In meine Linien mischt sich Halt vor
dem Vokal. Gesetzter Laut
wird reiner Leib.
In mein Display sinkt Parallaxe
ohne Abstand zu dem
Loblied: Leise.
Melodie entspringt.
Fern von Jenseits.
Anderntag erst bringt.

#14 of 1705      [Backlink]      Posted at Sunday 20.06.2010 18:46 © by SuMuze
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Der Gast→ Liebe usw.  → Songs

Denn weil ich dich liebe, bin ich dir die Magd. Ich zähle auf dich.
Den Ranzen zu tragen, den niemand dir gab.
Das Haus zu beleben, das keiner bewohnt.
Ich kreuze Geraden, die nie sich berühren.
Quadriere die Kreise, die sich stets genug.
Denn weil ich dich liebe, verbrenne ich hell. Ich wärme die Nacht.
Die Leere zu füllen, die Endloses faßt.
Ins Horn dir zu stoßen, sein Blech trötet grell.
Ich wandere mit dir, wenn alles nichts nutzt.
Verwebe die Haare des Stolzes mit Gunst.
Denn weil ich dich liebe, erkunde ich dich. Ich weiß deine Welt.
Den Stillstand zu atmen, der Ruhe vortäuscht.
Das Lager zu trennen, das niemals bequemt.
Ich erquicke Verlust, den Hochmut erzeugt.
Bin Fähre dem Strom, den Furt nicht zerteilt.
Denn weil ich dich liebe, verbiege ich mich. Ich tröste die Zeit.
Die Scham zu zerstreuen, die eisern regiert.
Den Moment zu beschreien, der flieht wie ein Wind.
Ich umfasse das Innen, seine glitschige Lust.
Umhülle das Weiche, das Härte gebiert.
Denn weil ich dich liebe, gehorche ich dir. Ich heile den Tag.
Auf der Haut spielt ein Schatten.
Zwischen Lippen liegt Last.
Denn weil ich dich liebe, bist du mir der Gast.

#15 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 17.06.2010 18:39 © by SuMuze
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Premiere→ Attraktionen  → Songs

Endzeitstimmung im Orchestergraben.
Das Los der Nebenbuhler aus dem Off.
An Seilen hängen weiße Leiber.
Im Licht erglänzt die stille Lust.
Ein Helfer streut ein weißes Puder
einsam auf schwarze Dielen aus.
Ein Hammer klopft Kulissen fest.
Im Trog kreist mühsam eine Ferne.
Am Rand der Bühne Nebeldunst.
Man trägt Begleiterin mit Beinen.
Auf Polstern rutschen Finger aus.
Der Saal summt seine Melodie.
Gedämpft singen die Stimmen mit.
In den Gelenken Rheumaknoten.
In Schößen taub Insuffizienz.
Ein Aneurisma schlägt den Takt.
Zwischen den Zeilen Libido.
Jetzt wälzen sich zehntausend Jahre,
wie träge Flut ins Wattenmeer,
in jeden Satz, in trübe Blicke.
Die Brillengläser spiegeln es.
Nicht einer sieht das heiße Blut
zwischen den weißen Zehen blühen.
Der bloße Nacken beugt sich gut.
Geschickte Finger greifen Muskeln.
Die winden sich zur Anmut hin.
Lob liegt am Ende auf den Köpfen.
Ein Nicken aus dem Publikum.
Im Vierertakt verbrennt Benzol.
Am Himmel steht ein kalter Stern.
Gemächlich sackt ein Sinn in sich.
Parolen für die Nacht vorm Tage.
Der Tanz rollt sich Gewohnheit aus.
Erinnerung an bleiche Schenkel
verstört im hellen Morgenlicht.
Auf Porzellan zwei krosse Brötchen,
in einer Tasse schwarze Gier.
Ein Traum stieg aus dem Grab hinauf
zu kurzer Pracht unter den Brücken.
Die Pauke schwieg am Ende still.

#16 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 17.06.2010 18:11 © by SuMuze
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Haut an Haut→ Von Rändern  → Songs

Da wo eng Haut an Haut ist,
wo Druck sich Fleisch nimmt,
Bach quer durch Feld geht,
Tal Berg von Berg trennt,
Licht fast wie Grau ist,
Schwarz,
Rand Punkt wird,
schrumpft.
Schmiegt es sich an.
Der Strahl dem Kreis.
Prall ist der,
stark,
bläht stolz sich auf,
ist rund, ist eins.
Den hat noch nie,
fest, scharf und hart,
etwas zerteilt.

#17 of 1705      [Backlink]      Posted at Tuesday 15.06.2010 12:25 © by SuMuze
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Süßer Abend→ Sommer  → Songs

Der Atem am Abend erreichte uns nicht. Klappe fiel. In den Lippen geboren verstarb rasch das Wort. Nicht ein Laut. Kaum das Rauschen der Brandung, der Stoff dieser Welt. Und ein Knall. Am Strand hin geschoben, ein langes, die Haut übertünchendes Sandkornkalkül. Prile kamen, es ging auch die Tide, der Pegel blieb hoch. Trockenheit. Habe Wind nicht gesehen, nur ein Wolkenband straff. Auf der Zunge zerging mir der Tag. Weil das Wasser nicht kochte, fiel selbst Sonne vorbei. Meine Seele war fern. Woher weiß ich die Zukunft? Sind wir zwei, wäre ganz, was die Hand nicht mehr hält. Erst die Stille macht Ferne. Nur der Rand ist genug.

#18 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 14.06.2010 00:10 © by SuMuze
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Sud→ Süden  → Songs

Wir kamen nachts den flachen Weg entlang.
Der Kies knirschte wie ein Kumpan
mit seinem Lachen schmatzend unter jedem Schritt.
Ich schwitzte, die Plastikbügel meiner Flip-Flops
scheuerten auf frischem Sonnenbrand,
ich warf stolz meine Haare oft zurück,
ich spürte Sommer auf der Haut, und Leben.
Es roch nach etwas Süßem aus der Dunkelheit.
Von irgendwo kam her Musik, Motoren knurrten,
Stimmen, Glück und Zögern, Gier und Tanz.
In meiner linken Tasche stramm ein Taschentuch.
Glanz in den Augen, Atem für die Nacht.
Ich strich mit meiner Hand mir auf dem Bauch
herum, als wäre der bereits geschwollen.
Unter dem Hemd lag meine Brust. Ich war
so wie das Holz des Gartentores brüchig,
das Gras war feucht, im Haus noch Licht.
Ich konnte deine Zähne sehen. Breit.
Die Gummisohlen auf dem Marmor der Terrasse,
Weinreben im Gesicht, die Zeit hielt an,
und in der Schwärze über uns ein Mond,
zu sehen oder nicht. Egal. Für uns
war alles da, und alles hell und licht.
Ich spürte immer deine Lippen wild
nach meinen Fingerkuppen schnappen,
die Härte jedes Knochens in dir drin.
Warum die grauen Bäume meine Tränen
eisig von sich wiesen, weiß ich nicht.
Warum die Hitze zwischen Steinen
meine Stimme stumpf hat werden lassen,
blieb mir fremd. Ich atme nur
den Dunst von morschen Ästen,
Regen, der sich durch schmale Blätter
erdwärts zwängt. Die Stille mittags,
wenn der Gott selbst lüstern ruht.
Ich habe mich nach deinen Blicken
hin gesehnt, an deinen Rücken
angelehnt, ich war nur wegen dir.
Und doch, der Kater schlich zum Abend
leise in das Haus. Und Kühle kam,
verstohlen ohne Klopfen klamm herein.
Ich bin allein. Ich bin erschöpft
vom ewigen Vermissen. Ich möchte
blauen Himmel küssen, Wolke sein.
Und niemals wissen, wie es ist, das Dein
zu töten für ein blasses, dürres Mein.

#19 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 10.06.2010 23:59 © by SuMuze
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House & Acid→ Attraktionen  → Songs

Der im Körperflammenfluß das Zeichen an der Wand gesehen hatte,
stutzte, kratzte sich im Haar, und schaute sich geschwind
im Raum nach bloßen Schultern um. Er hoffte heftig,
zwischenzeitlich sei der Schweiß aus seinen Ängsten
von der frischen Luft des Abends fortgeblasen worden.
Dicht am Eingang stand er still, das Glas in seiner Rechten
schwankte leicht, sein Fuß nahm sich des Taktes der Musik
zart zitternd an. Sein Auge ruhte auf der Haut der Hand,
sein Denken eingekreist davon, nicht zu genau zu wissen,
was jene Kapseln, auf dem Gang vor dem WC geschluckt,
mit seinen Körperzellen machen würden. Bisher
war nur sein Puls rasch flink geworden, jedes Gesicht ihm
bleiches Fähnchen schwach im Wind.

Die sich die Kehle frei nicht hatte tanzen können, ihre Fesseln
schmerzten schon am frühen Abend, ihre Brust ein leeres Feld,
stand lässig neben ihm dahin gelehnt, Entlastung für die Füße,
deren Spitzen wippten, angespannte Muskeln, straffes Haar,
zurück gesteckte Strähnen, glatte Stirn, dahinter Summen,
Stunden, die sich aneinander reihten, Wachsein gegen Schlaf. Dort
unter seinen Achseln roch sie ihn, zwischen den dünnen Lippen
schmeckte sie, in seinen Augen spürte sie das Ungenügen,
heimlich angestaut, das dennoch Druck erzeugte, Ungestüm,
ein stummer Schrei nach Einklang mit der Glitzerwand
aus Blitzen, Klängen, dumpf bewegter, fremder Masse,
aufgezäumt mit Stoff und Leder, grell aus dem Moment
geschöpfte Welt der Unersättlichkeit.

Sie rissen an dem Laken. Die Flasche fiel, CD auf endlos eingestellt,
ein Blick nach einer Uhr, den eine Hand wie unter Wasser tauchte,
in Linien blasses Sehnen, immer wieder Kraft mit Zug vermischt,
der Eindruck träger Schwere, dicht der Weichheit angeschmiegt,
die beinah Zerrung harter Waden und ein schlimmes Reißen
tief im Leib. Sie lachte. Lachen tat auch er. Auf seinem Rücken
rollten feuchte Tropfen. Zeitlos, nur die Augen schliefen,
alles drehte sich um zwei, drei Finger in den Haaren, sanft
ein Kuß, dann knochenhart ein Ellenbogen, Schlüsselbein,
vorm Fenster tanzten Zweige durch das Licht, Geräusch,
darüber Wolken, bleich und unerbittlich, Helligkeit,
zum Tag geworden, auf der stillen Zunge noch ein Rest
Erinnerung an Gier nach mehr und jäh dann Schluß.

#20 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 10.06.2010 23:12 © by SuMuze
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Lorelei begrüßt den Sommer→ Sommer  → Songs

Die Junikäfer schwirren aus.
Golden ist die Sonne bäuchlings
der Beinchen.
Die Fühler sind beringt empört
gegen Verläßlichkeit.

Der Bodensatz trägt matt
Maische zwischen seinen Wellen.
Meistens fast wie geliebte,
wilde Gärung,
des andern Tags verflucht.

Der Knüttel kalter Präzision.
Gebündelte Verachtung.
Der Lohn
des fast sich niemals Biegens.
Kaum wie Gehorsam
riecht der Schweiß.

Man schwimmt. Man weiß.
Auf jeden Dienstag
folgt ein frei.
Am Ufer Lorelei,
die sitzt und putzt
recht emsig ihre Felsen.

#21 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 09.06.2010 15:49 © by SuMuze
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Soll ich→ Draußen  → Songs





Soll ich folgen?
Ich kann spüren, die Linien der Lippen
verformen sich
unter der Hand.





Ich kann Laute verstehen. Ein Nicken
genügte als Zeichen, ich fügte
mich ein.

So käme ein jedes dorthin,
scheint es mir,
wo es läge, gäbe es nur den Zufall
und mich.




Soll ich stören?
Vielleicht! Auch ich will, was ich soll,
also Nein!



Doch, das reichte mir nicht.
Ich will mehr.
Ich senke die Lider. Meine Wimpern
sind schwer.

#22 of 1705      [Backlink]      Posted at Thursday 03.06.2010 23:58 © by SuMuze
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Ewigkeit #2→ Verlorenheiten  → Songs



Da wo Sturm uns duckte,
gnadenlose Hand,
vor die Retina rückte,
was sich gut band.

Akkorde in der Wüste,
ein Ton im Sand,
wie gerne ich es wüßte,
und doch nicht fand.

Licht unter grauen Massen,
gequälte Helligkeit
was Abertausend hassen,
mich hat es fast gefreut.

Im Taumel meines Ego
bin ich dem Ziel bereit,
mißachte alles Wo,
das Wie und welche Zeit.

Ich reibe meine Knie
am Laut aus Einsamkeit,
es klingt, ich weiß nicht wie,
bin zu gescheit.

Es singt in meiner Kehle,
aufmüpfig frech und laut.
Ich geb' nie zu, was fehle,
was erst in mir ganz stimmt.

Ich sagte, stiehl! du stahlst nicht,
keiner nahm, nicht einer traute
sich her zu holen. Ich streichelte das Licht
zum Abend, es lebte in mir alle Zeit.

Der Schmerz unter den Sohlen.
Wie schön es wäre, einmal nur
ganz tief in dir zu wühlen
nach unserer Ewigkeit.


#23 of 1705      [Backlink]      Posted at Tuesday 01.06.2010 02:11 © by SuMuze
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Dienstag Abend gegen Neun→ Alltag  → Songs

this site is under deconstruction
mein glas ist übrigens leer
we strengthen our efforts on account of the truth
würde es dir etwas ausmachen
neither folks nor people, neither earth nor awe
ich hatte gedacht, du würdest nicht mehr
on behalf of the lord and in pursuit of the time
da schwätzen sie wieder den tag in die nacht
I have a dream Yes I have a dream
meine augen sind einsame wanderer seitlich am meer
it is me who shall conquer, it is you who will die
il suo permesso di soggiorno è passato, signori, scusami
bitte gehen sie weiter, es gibt nichts zu sehen

#24 of 1705      [Backlink]      Posted at Tuesday 25.05.2010 21:13 © by SuMuze
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Speak Paragraphica #2→ Tries  → Algebra
It is as I feared
All is going bad
Earth holds her breath
I live in anger any day
I shiver all night long

Attention!


#25 of 1705      [Backlink]      Posted at Tuesday 25.05.2010 14:50 © by SuMuze
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Klara #1→ Klara  → Talks

Sie heißt Klara. Tut sie nicht, aber was macht das? Sie könnte auch anders heißen. Sie hat dünne, weiße Haare. Die einmal blond hätten sein können, oder brünett, sogar schwarz. Ihre Haut ist faltig und schlaff. Als ich das erste Mal ihre Brüste sah, sie hatte sich naß gemacht und niemand außer mir war da, sie zu waschen, war deren Anblick ein ungeheurer Schock für mich. Ich mußte heulen, während ich sie wusch. Den Lappen mit dem warmen Wasser mehr als reichlich anfeuchtete und ihn dann durch ihre so schrecklich schmale Scham zog und hoffte, nicht zu viel von ihr würde an meinen Fingern kleben bleiben. Sie machte sich starr und schaute über meine Schulter hinweg. Wohin, wußte ich nicht, aber ich hatte meine Vermutungen. Und sie kaum etwas, womit sie glaubte, mir danken zu können. Ich wußte auch nichts. Als ich im Wagen saß und den Motor startete, unterdrückte ich mit ziemlicher Anstrengung den Wunsch, sie solle an einem der nächsten Tage sterben, damit ich sie nicht noch einmal sähe. Fühlte mich schuldig ob dieses Gedankens und war doch froh, daß ich davon fahren konnte.

Beim nächsten Mal saß sie adrett in ihrem..

#26 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 17.05.2010 22:28 © by SuMuze
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Saldo revisited→ Stadt  → Songs

Der Wald hat meine Zweifel aufgenommen,
dem Laub hat sich mein Allgemeines eingepreßt,
ich roch die Nadeln in der Sonne
zum Zeitvertreib begrub ich mich.

Dem Strand sind meine Sehnsüchte willkommen,
im Sand zeichnet sich aller Welt mein Ich,
die Näße habe ich genossen,
der trocknen Hitze wilden Stich.

Zwischen den Ritzen alter Steine war ich Mitte,
sehr wohl gelitten wie ein sanfter Putz,
ich schlief als weißer Staub
zart bis zum Mittag, liederlich.

Das Fundament jedwedes Stolz' Gebäudes
trug meinen Stempel wie ein Mal,
ich trippelte als Ratte
frech durch den Kotkanal.

Der, der nur nachäfft, täuscht sich selbst.
Bescheidenheit ist schnell zu klein.
Ich putze lieber oben scharfe Zinnen.
Am Abend passend muß quere Summe immer sein.

#27 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 17.05.2010 21:35 © by SuMuze
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Geld
Revision # 2
→ Politik  → Songs

Still soll ich stehen, sagt die Stimme.
Beweg' dich nicht! befiehlt sie mir.

Wir streiften jetzt die letzten Lasten ab.
Die Hemmung vor der Leichtigkeit.
Der tote Punkt sei überwunden.
Wir hätten alles optimiert.
Wir schöben uns die Wolken her,
daß sie uns Schatten spendeten,
ließen von Sonne Meer verdampfen,
damit das Netz mehr Fische fänd'.

Ich solle meine Augenlider senken.
Schau tief in dich, erkenne dich!

Aus Kleinstem bloß entstünde Großes,
werde es mehrfach aufgetürmt,
und hinter jedem Kleinsten käme
ein Kleineres, ganz endlos klein.
Wir bräuchten noch mehr Kathedralen,
wenn Seele einsam schiene,
Kanäle seien tiefer auszugraben,
meidete Wasser flachen Grund.

Gefühle sollten mich aufwühlen.
Lebe Moment, alles ist gut!

Und vor uns läge stets Unendlichkeit,
ein Brunnen, unerschöpflich,
die ungemünzte Münze Möglichkeit.
Wir seien aller Zeiten Gipfel!
Uns arbeite das längst Vergangene zu,
wir nähmen Zukunft mit ins Boot,
schauten uns um nach ersten Lauten,
und malten letzte Bilder an die Wand.

Wir aßen Brot an einem kühlen Abend,
und einer brach es, einer schrie.
Das Tischtuch wurde nicht zerschnitten.
Der Hund bekam, was ihm zufiel.
Mit nackten Füßen auf der stumpfen Erde.
Schon lange ging der Krug. Genug.
Wer ist des Mittags fort geritten?
Wer sagt dem Schläfer für die Nacht,
daß es ihm wieder Morgen werde?

Still soll ich sitzen, sagt die Stimme.
Ich sitze still. Es ist vollbracht.

#28 of 1705      [Backlink]      Posted at Monday 17.05.2010 11:19 © by SuMuze
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Freitag Vormittag im Mai→ Frühling  → Songs

Jetzt liegt Sonne in der Straße,
Stein macht sich da unten hübsch,
schmückt sich mit Menschen,
brauner Haut, mit haufenweise weißen,
bloßen Knien, Sprachen,
in der Luft hängt Honigduft,
die Fensterflügel schlagen,
auf Dielen spielen schnelle Schritte,
Finger tanzen Tastatur.
Falls heute einer mit mir schnauzt,
kann ich das einmal gut vertragen.
Ich zucke mit den Zehen vorn im Schuh,
auf kleiner Flamme langsam gar,
richtet sich mir Leben fleißig auf.
Ich habe Flügel für den Tag
mit meinen Lippen aufgespannt,
den küße ich, bin froh.

#29 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 14.05.2010 18:37 © by SuMuze
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Arithmetik zur Landtagswahl NRW 2010→ Politik  → Algebra
Demokratie & Arithmetik zur Landtagswahl NRW 2010
(vorläufiges amtliches Wahlergebnis, Quelle: Innenministerium NRW - 10.05.10 )

Wahlberechtigte13.270.933
Abgegebene Stimmen7.872.86259,32 %
Nicht gewählt haben5.398.07140,68 %
Es haben gewählt:
CDU2.681.73620,21 %
SPD2.675.53620,16 %
Die Grünen940.7707,09 %
FDP522.4373,94 %
Die Linke434.8463,28 %
Die Piraten119.5810,90 %
pro NRW106.9320,81 %
andere391.0242,95 %
Ein paar Koalitionen:
CDU + SPD5.357.27240,37 %
CDU + Grüne + FDP4.144.94331,23 %
SPD + Grüne + FDP4.138.74331,19 %
SPD + Grüne + Linke4.051.15230,53 %



Etwas moderner Qualitäts-Journalismus:
"Mit einem Anteil von 68.57% der abgegebenen Stimmen haben damit 2010 die Nichtwähler in NRW den an den Landtagswahlen teilnehmenden Parteien eine klare Absage erteilt und die Hürde der Zweidrittel-Mehrheit deutlich genommen."
#30 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 12.05.2010 15:41 © by SuMuze
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The Owl and the Pussycat
Revision # 2
→ Edward Lear  → Canzoni


The Owl and the Pussy-cat went to sea
In a beautiful pea green boat,
They took some honey, and plenty of money,
Wrapped up in a five pound note.
The Owl looked up to the stars above,
And sang to a small guitar,
'O lovely Pussy! O Pussy my love,
What a beautiful Pussy you are,
You are,
You are!
What a beautiful Pussy you are!'

Pussy said to the Owl, 'You elegant fowl!
How charmingly sweet you sing!
O let us be married! too long we have tarried:
But what shall we do for a ring?'
They sailed away, for a year and a day,
To the land where the Bong-tree grows
And there in a wood a Piggy-wig stood
With a ring at the end of his nose,
His nose,
His nose,
With a ring at the end of his nose.

'Dear pig, are you willing to sell for one shilling
Your ring?' Said the Piggy, 'I will.'
So they took it away, and were married next day
By the Turkey who lives on the hill.
They dined on mince, and slices of quince,
Which they ate with a runcible spoon;
And hand in hand, on the edge of the sand,
They danced by the light of the moon,
The moon,
The moon,
They danced by the light of the moon.
Eule und Katze fuhren zusammen zur See
in einem wunderbar erbsengrün Boot,
nahmen Honig mit, leise, und Geld, haufenweise,
eingeschlagen in einen Zwanziger gut.
Die Eule schaute auf zum Sternengetriebe,
und sang wie ein Gitarrist,
'Oh liebste Katze! Oh Katze, meine Liebe,
was für ein wunderbar Kätzchen du bist,
du bist,
du bist!
Was für ein wunderbar Kätzchen du bist!'

Katze zur Eule: 'Du naßforsche Geile!
Wie berückend schön du doch singst!
Komm, laß uns heiraten, nicht länger warten,
bloß, wo nehmen wir her einen Ring?'
Sie fuhren von da, über Tag, über Jahr,
ins Land, wo es heißt, daß man Bäume aufblase.
Sie trafen im Wald ein Schweinchen schon bald,
das trug einen Ring in der Nase.
der Nase,
der Nase,
das trug einen Ring in der Nase.

'Liebes Schwein, gibst du willig für einen Schilling
den Ring?' Sagte Schwein: 'Ja, das will ich.'
Sie zahlten ihn bar, wurden anderntags Paar,
vom Truthahn getraut, hügelaufwärts und billig.
Zum Diner Boulette und Schnitzel aus Quitte,
aßen mit einem Löffel, das war ungewohnt;
und Hand fest in Hand, am Rande vom Strand,
tanzten sie dann im Lichtschein vom Mond,
vom Mond,
vom Mond,
tanzten sie dann im Lichtschein vom Mond.
#31 of 1705      [Backlink]      Posted at Sunday 09.05.2010 22:23 © by SuMuze
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Das kalte Herz #3
Revision # 2
→ Zorn  → Songs

Der Eisenfadenflechter hat sich wieder eingestrickt.
Er spuckt verrostet Stück für Stück
von seinem Wollknäuel ab.

Man faltet ihm die Laken stramm.
Er wird jetzt Pensionär.

Neu eingesetzt verwaltet einer Lager, der sieht
Mängel nicht im Brunnen eisig kalt,
die Kimm ein Strich quer durch sein Okular.

Sie spielen wieder Welt.
Man rollt die Ärmel auf,
die Schonzeit ist vorbei. Es gilt!

Der Mensch traut dem, der Gott im Schilde führt,
der mit dem Mitleid rührt die Sterne an,
der sich verschluckt, noch atmet
unter Bärenfell, mit Fertigkeit, die Innung aber
stiftet dem vollen Saal Musik.

Sorgt man sich nun für den,
der in den Kriegen gräbt?

Sein Spaten ist ihm nahtlos aufgepackt,
aus grauer Straße bricht sein Lied,
nimmt Mauern, weiter geht’s, im Abendlicht
wartet verfettet Mutter, still, legt einsam Hand in Hand.

Der Hahn hat nicht gekräht.
Die Dohle stahl das Goldstück nicht.
Das kalte Herz zerbrach.

#32 of 1705      [Backlink]      Posted at Tuesday 04.05.2010 08:27 © by SuMuze
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Das kalte Herz #2→ Zorn  → Songs

Der Stein im Flußbett liegt sehr weich, sein Haupthaar spielt im Wind.
Tief in den Boden eingegraben hat sich der, den Eis verließ, er friert.
Als Mauerteil reibt einer sich an anderen und murmelt stolz: es hält.
Einer rollt donnernd rasch zu Tal, von anderen verstoßen, hoher Mut.
Fein säuberlich, die Kanten gut behauen, hat sich ein kleiner eingereiht.
Ein großer lastet tonnenschwer auf seinesgleichen, daß er schwebt.
Man sägt mit nassen Seilen glatte Blöcke aus Gebirge wie aus Fleisch.
Und ohne Licht stirbt jeder, einsam schmilzt das kalte Herz.

#33 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 30.04.2010 23:03 © by SuMuze
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Frühling allergisch→ Frühling  → Songs

Ich atme nur durch Pollenfilter.
Sie gaukeln dem Verstand,
sie wiesen ab, was meine Zellen
zum Bersten reizt. Gebannt
sauge ich mir jeden Luftzug ein,
die Bronchien angespannt,
achte ich scharf auf Hitze, leise Wellen,
die zum Bellen eines Husten würden,
Brennen, Jucken, Tränen, Schleim,
aus allen Winkeln quillt er,
trotz aller teuren Pollenfilter.
Vor jedem Sommer diese Hürde.
Ich bete, daß es Eiszeit werde!

#34 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 30.04.2010 10:35 © by SuMuze
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Frühling feierabendlich→ Frühling  → Songs

Da an der Straße, ich, abends,
weil es wird Abend bald,
auf Asphalt, hier sind manche,
sind viele sogar, denke ich,
alle hier, neben Autos, und Sonne,
man feiert sich, Kaffee in Pappe,
mit Eis, laut wie Tag,
von den Augen wird Licht
fort gehalten, bis Nacht,
dunkel nicht, laut und hell,
knapp am Rand, schmale Straßen,
ich, Plätze und Rasen,
eine Hand auf dem Tisch,
und ich hab' noch gesagt,
sei so gut, bitte nicht,
nicht schon wieder,
ich kann das nicht hören,
Wort an Wort, an der Kante,
mein Glas, ruf den Kellner,
die Luft ist so mild,
Abend wird’s,
keiner war's.

#35 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 28.04.2010 19:48 © by SuMuze
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Ein Rollstuhl Movie→ Falten  → Talks

Es ist ein schöner Tag und ich habe versprochen, meine Frau Geheimrat aus ihrer engen Wohnung abzuholen und ein wenig in die Stadt und auch ins Land hinaus zu kutschieren. Sie ist natürlich in Wirklichkeit weder meine noch jemand anderes noch überhaupt eine Frau Geheimrat, sondern sieht nur wie eine aus. Seit mir diese Worte für sie einmal heraus gerutscht sind, als ich dachte, sie wäre gerade nicht in der Nähe, es aber doch war, verwendet nun auch sie diese Bezeichnung mit einem heimlichen Vergnügen für sich. Die stünde ihr weiß Gott nicht ferner als der Name des Mannes, den sie seit fünfundsechzig Jahren trüge, erklärte sie mir dazu. Statt seiner, so drückte sie sich aus, denn ihn hätten ihr die Russen gleich wieder weggenommen, kaum daß er ihr seinen Namen vermacht hatte. Und noch ein Kind obendrein. Ihr einziges Kind, ein Mädchen. Deswegen sei sie den Russen aber nicht böse. Aus ihrer Tochter wäre mit einem Vater kaum etwas anderes geworden als ohne. Auf keinen Fall aber etwas Besseres. Ihr untergründiger Haß auf Männer ist zwar verständlich, kennt jedoch oft kein Maß. Obwohl sie im Kern die Dinge nicht ganz falsch sieht. Mit Mitte Achtzig und im..

#36 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 28.04.2010 19:21 © by SuMuze
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Frühling unromantisch→ Frühling  → Songs



Ich lobe mir das Land unter den Füßen.
Ich steche meinen Absatz in sein Fleisch.
Ich liege weinend schwach in seinem Staub.
Ich gieße meine Säfte auf es aus.
Es kreiselt mit mir, schwingt mich weit.
Es trägt mir Hoffnung durchs Gebüsch.
Es bebt unter der Haut der blassen Finger.
Es atmet, wenn mein Atem fehlt.
Darüber gleite ich ganz fröhlich hin.
Darinnen berge ich mich, meinen Stolz.
Dahinter ahne ich das Wunderbare.
Deswegen schlafe ich gelassen ein.
Der Wind wird meine Augen klären.
Das Licht wird meine Adern waschen.
Die Leere wird mich stets verführen.
Die Dunkelheit ruft mich am Schluß.
Wir liegen liebend umeinander.
Wir laufen lachend vor uns hin.
Wir stapeln Mittel aufeinander.
Wir suchen unter Zweigen Schutz.
Komm, sagt die Erde auch dem Wurm.
Bleib, flüstert Fluß am Ufer sanft.
Geh, schreit hoch von oben Wolke.
Nimm, ruft jede Pflanze, jedes Blatt.
Blau spannt sich auf, und Grau und Silber.
Kalt streift die Ewigkeit das Jetzt.
Wild schlängeln sich die Tageszeiten.
Rasch fliegen Sporen in der Luft.
Ich schließe meine Glieder zu.
Ich knicke mein Genick.
Ich falte meine Augen einwärts.
Ich tanze, Motte nur, um Licht.

#37 of 1705      [Backlink]      Posted at Sunday 25.04.2010 15:25 © by SuMuze
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Glück wegen starker Arme→ Alltag  → Songs

Das ist der Bohrhammer, der bohrt sich tief ein in den Stein.
Das ist der Arm, seine Sehnen, sie greifen fest zu.
Das ist die Schulter, das Lachen der Kraft.
Das ist das Gesicht mit den Augen für mich.
Das ist der Schweiß auf der Haut, bin ich wild.
Das ist der Moment, und ich lache zu laut.
Das ist das Tablett, ich stelle es hin.
Das ist weil ich weich bin, und gerne dazu.
Das ist weil ich hier bin, ich weiß es genau.
Das ist jetzt im Leben. Ich bin.
Das ist der Moment.
Und ich gücklich.
Nur so.

#38 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 23.04.2010 18:20 © by SuMuze
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Befestigen→ Alltag  → Songs

Erhaben unterlegt sich meiner Hand
die aufgeworfen runde Haut
des Materials.
Ich bilde.
Um meine Stirn ist Ruh.
Das Zucken meiner Finger wird
ein Formen, Machen, Tun. Gestalt!
Ich walte, hiererorts, darnieden. Just
ermattet ist Metall, das Starke.
Mein Dasein ist mir Trost.
Es funktioniert.
Ich lache.
Bin.
Die Schraube steckt im Dübel.
Wand hält gut fest.

#39 of 1705      [Backlink]      Posted at Friday 23.04.2010 17:09 © by SuMuze
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Im wilden Bach→ Attraktionen  → Songs

Der Wildbach hat's mir angetan.
Wie er aus seiner Quelle dringt.
Um Steine sich nicht schert.
Das Erdreich schiebt und formt.
Er gurgelt, spricht, er fordert.
Er bleibt, was er am Anfang ist.
Streckt sich für eine Weile aus.
Zieht sich zusammen, würgt.
Er fesselt seine Kräfte wieder.
Biegt sich als nasse Decke.
Bohrt in der Tiefe, wühlt.
Zupft an den Rändern, zerrt.
Windet sich, weißer Schaum.
Verflacht, gelassen gleitend.
Empört sich, bäumt sich auf.
Belächelt seine blanken Ufer.
Zerteilt sich, eins trotz Trennung.
Findet sich erneut. Stürmt fort.
Glänzt eitel in der Sonne.
Murmelt im Schatten, schweigt.
Trägt alles mit sich, tapfer, stark.
Besudelt, was sich ihm verweigert.
Faßt nach den Rändern neu und frech.
Stürzt sich als Welle über Kanten.
Versammelt sich für den Moment.
Kocht dann imTrog, ist Möglichkeit.
Reißt mit sich und läßt plötzlich los.
Ergießt sich zwischen weiche Linien.
Bedroht geruhsam Wartendes.
Rennt gegen Härte an, als Sieger.
Tropft, wo er nicht gewinnt.
Erhebt sich wieder, unbeschadet.
Kostet laut lachend aus, was er sich nimmt.
Schlägt Schneisen in das Weite.
Schnöde rast er vor sich hin.
Bewundert, wenn er zögert.
Gefürchtet, wenn er ausbricht.
Ich lasse meine Kiesel rollen,
ich bin sein Bett, sein Lauf, sein Ziel.
In seinen Wassern ist mir Nahrung,
ich unterliege seinem Grund.
Der Wildbach malt mir bunte Bilder.
Ich wälze mich für ihn im Schlamm.
Er hat mein Innerstes geflutet.
Nichts in mir hält ihn auf.
Der Wildbach hat mich überwältigt.
Ich summe, daß er fließen kann.

#40 of 1705      [Backlink]      Posted at Wednesday 21.04.2010 19:56 © by SuMuze
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