Hinter der Schlangenhaut → Von Rändern → Songs
Revision #2

Ich dämpfe meine Ohren, ganz vergeblich!
Vom Nebenraum her trifft mich jedes Wort.
Zu müde hinzusehen, fang ich den kleinsten Laut,
kann noch das kleinste Flüstern gut verstehen.
Und wie erst das Gebrüll, das mich kaum meint.
Ein Opfer in der Falle falschen Stolz'.

Ich stähle meine Muskeln, auch ein Flopp!
Was nützt mir alles Rennen, Treten der Pedale,
selbst wenn ich flink ins Wasser spränge,
ins Unterholz eintauchte, einem Wiesel gleich,
blieb ich verortet, angesiedelt, mein Weg verfolgt,
wie eine angeleimte Fliege auf Papier.

Ich schärfe meine Zweifel, welch ein Trug!
Kaum ist der eine ausgebildet, lähmt schon der nächste,
dem bald ein dritter höhnisch lachend folgt.
So hoch kann kein Gedanke klettern, so tief
dringt keine Einsicht vor, am Ende sich
zum Anfang nicht zurück zu sehnen.

Ich färbe meine Lippen, eitle List!
Schon hat sich meine Zunge frei gezeigt,
ich summe matte Farben in das Grau,
Schattierung, Dämmerung und fremdes Licht,
der Glanz auf meinen Fingernägeln
stammt nicht von mir, er ist geborgt.

Ich wärme meinen Leib, unstetes Feuer!
Er dient nur dem, der eigene Hitze hat,
und stiehlt sie mehr, als daß er gäbe,
zischelnde Esse, die das Eisen kühlt,
das gierig sich in ihre Flammen warf,
weil sie so hell und fröhlich lodern.

Ich neige meinen Kopf, die Geste trügt!
Ich strecke mich, ich wende meinen Hals,
ich kreise mit den gut geölten Hüften.
Ich atme flach und schweige auch,
zähle genauestens rundum die Blicke,
nicht ungeliebt zu sein, nicht ungewollt.

Ich träume für den Anderen, das Kind!
Verschiebe seine Murmeln heimlich,
glätte still die Schründe seiner Statt,
reinige das Laken seiner Nacht,
die Spuren seines Tages, Rast,
damit er ahnt, was ich ihm bin.

Ich falte Welten ineinander, Zeit!
Die eilt in schnellen Wagen vor mir her,
füllt Dunkelheit mit Überholtem, Beleuchtung
spendet bleichen Schein, verdoppelt und verdächtig.
Ein Wort, vor dem die lauten Worte innehalten,
ein Ruf, der seine Kraft dem Flüstern stahl.

Ich stricke mir ein Kleid, ein leichter Panzer!
Hinter dem Schild setz ich den Pfeil ins Ziel,
mit blanken Füßen Dreck zu spüren, Staub,
den auch ein Regen nicht mehr tränkt.
Das sind nur Fäden, die voller Mut beginnen,
lenkt meine Hand sie um den festen Stab.

Ich tänzele auf rohen Dielen, weißes Mädchen!
Unter den Zehen krümmt sich rot mein erstes Glück.
Das Rascheln unbekannter Schritte, Hast,
die in sich eingekehrte Sucht nach Mehr.
Lang fliegen meine Arme von mir fort, still
schaben meine Sohlen auf dem weichen Holz!

Ich wecke Kraft, die ich nicht selbst besitze!
Entrolle, was sich warm geborgen weiß.
Das sprudelt los, welch eine Freude,
im Lachen jubelt jeder Blitz
aus müden Augen wie ein Morgen,
der jede Nacht vergessen macht.

Ich welle mich, ein See aus Klarheit!
Unter den Lippen rührt sich Mut,
zwischen den Zähnen teilen sich
die ungegessen bitteren Früchte,
das Korn, das seine Stärke büßt,
wenn in der Hitze sich die Schale teilt.

Ich gieße Langsamkeiten aus, zum Urteil!
Zähle die Steine auf dem Weg,
und liege selbst auf Daunenkissen
gut zugedeckt, mein Schmunzeln singt
von tief versteckten Hindernissen,
vor denen meinen Beinen graut.

Ich liebte einen Mann, der seine Schätze zählte,
als streichelte er im Schlaf sanft seine Braut.
Weil sich mein Trachten seiner Lust vermählte,
hat er mir seine Silberlinge behutsam anvertraut.
Die legte ich auf reine Leinendecken, und zeigte
seinen Zwecken folgsam meine Schlangenhaut.

Im Ozean verschwinden Flüsse, der Himmel weint!
Zwischen den Gräbern alt gewordener Genüsse
verlieren endlos stumme Sätze ihren Lauf.
Nur Widerhall von Wasserstoff und Druck
in eisig kalten Gasplaneten. Und alle Laute
um mich her sind friedlich auf den Punkt vereint.

© by SuMuze