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  Songs
Gott per ultimo Maschineninduziert
Revision # 3  20.05.12

Gott zählt nicht mehr.
Hat einen wohldefinierten Körper.
Muskelmasse zu Unterhautfettgewebe
in optimaler Relation. Gott sucht
das Verborgene nicht. Trägt nur
naturbelassene Seide. Trachtet
dem Nächsten nicht nach dem Weibe.
Gott ist ein Mann. Sein Geschlecht
liegt schlaff in der Hand. Rotes Licht
in der Nacht. Unter wachsamen Blicken
vermählt es sich gut.
Gott weiß das Ergebnis
im Voraus. Er klagt nicht
gegen die schmutzigen Mieter
im hinteren Haus.

Sein Anwalt trinkt heimlich mit Frauen.
Gott legt ein Wort für ihn ein. Fahndet
zwischen den Zeilen nach einem Versteck
für die Zukunft. Er putzt sich die Zähne,
vier Mal jeden Tag. Sein Schweiß
riecht nach Abenteuer, haltlosen Flößen
auf grundlosem Meer. Raue See.
Hurricane. Wirbelsturm.
Ein Tsunami.

Gott hat kein Holzbein.
Seine Haare sind grau,
nicht schlohweiß.
Sein Schulterblatt trügt.
Sein Blick ist nicht stechend.
Er steht gelassen, die Hand
auf dem Laufband der Rolltreppe,
abends um Neun in der Mall.
Gott zählt nicht auf dich.
Sieht dich nicht streng an.
Ist nicht tief in dir verborgen.
Hält seine schändende Hand
über deine Gestalt. Gott zahlt.
Immerhin. Gott hat Schulden.
Bei dir. Ist verpflichtet. Trägt schwer
an der Last deiner Taten.
Hat seinen Sportwagen einst
gegen eine Madonna getauscht,
und tanzt manchmal Jazz.

Gott zählt nicht mehr.
Sein Wille gilt aber.
Er hört dir zu.
Ist nicht fern.
Ist im Anderen
besser zu Haus.
Wachsam und reif.
Fährt die Früchte
der Vorlieben
aller Jahrtausende
ein.

Dankt nicht.
Schafft nicht.
Straft nicht.
Urteilt milde.
Übersieht.
Nervt.

Gott zählt nicht mehr.
Das Gebimmel der Firma
vernichtet den Tag.

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Spätes Aufwachen Draußen
Revision # 2  28.04.12

spaetes_aufwachen

Erst im Zug aufgewacht,
im Sitzen getaumelt,
die Sonne blitzt stechend ins Auge,
es riecht scharf nach Öl,
dem Schweiß fremder Menschen,
nach Resten von Nässe, nach Kälte,
und Nacht.

Ein Papier raschelt schwer.
Mürrische Rücken sind stumm
über Tasten gebeugt, auch die
flinkesten Finger
entkommen den Augen
nicht mehr.

Ich bin immer noch fern,
trage Spuren von Schlaf
im Gesicht. So langsames Atmen,
der Mund ist aus Staub.
Mein Denken erholt sich
ungern.

Dann die Kammlinie, glatt,
das Bündel aus Eisen
zusammen gezwungen, in den Pass
eingetaucht, es zerrt
mich hinein, ein Schuppen,
ein Schrottplatz, eine Wiese, Straßen,
die Stadt.

Erst im Zug aufgewacht,
unwirklich, allein,
ins Leben gezogen
mit viel zu viel Kraft.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Zu(n)eig(n)ung Bitten
karfreitag_01
Am hellichten Morgen
bin ich in Dein Bett gesprungen,
in den Fenstern viel Licht,
auf dem Rasen tanzten
Wasserkaninchen.

Ich wollte wie Du sein,
Diamant hinter Glas.
karfreitag_02
Im Wagen hockte ich,
die Hand zwischen den Knien,
gelangweilt, gerade,
den Blick in den Nacken
am Steuer versenkt.

Ich wollte wie Du sein,
in den Bergen ein Bach.
karfreitag_03
In lärmigen Räumen
hielt ich mich stets dicht an der Wand.
Der Geruch nach dem Fleisch,
Echo von Schnelligkeit,
Schiefe der Lüge.

Ich wollte wie Du sein,
Ebenholz in der Nacht.
karfreitag_04
Bin auf offenen Plätzen
den geraden Linien gefolgt,
hinter Mauern geguckt,
das Tätscheln der Büsche,
die Sanftheit von Laub.

Ich wollte wie Du sein,
Murmel fein in der Welt.
karfreitag_05
Oben die Halle war leer.
Auf der Treppe ein Stapel mit
Büchern, noch im Karton,
Musik kam und Stimmen
von hinten herein.

Ich wollte wie Du sein,
weiße Tasten am Tag.
karfreitag_06
Ich hörte Dir zu, wenn Du
telefoniertest, sehr ruhig und
bestimmt. Ich sah diesen Blick
nach der Uhr, gleich neben
der Tür.

Ich wollte wie Du sein.
Um ein Haar nicht geschafft.
 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Moment nach dem Mittag Moment
Als der Tag sich dem Abend zu neigt.
Aus Nord-Osten steht Sturm an,
der Mann mit dem eisgrauen Schirm,
sein Auge hat mehrfach gezuckt,
an der zitternden Hand
schimmerten goldene Ringe,
der Scheitel präzise,
sein Blick, als ich ging,
den Weg noch nicht fand.

Als über uns Nacht schnell herein bricht.
Mit den spröden Lippen der Angst
Prophezeiungen wispernd,
Verheißung von Glück oder Leid,
ein Bändchen aus Samt,
mein Kleid
aus geglätteter Wolle
hing lose im Schrank,
bis ich aufbrach,
allein.
nel paese 01
nel paese 02Als im Traum eine silberne Sonne ihr Licht wirft,
gegen schäbige Häuser aus brüchigem Lehm,
bunte Knospen in offenen Fenstern.
Ein Orchester oben am Hang
probt seit Stunden den Marsch,
zerschlissene Blätter vom Herbst,
auf dem Platz vor der Kirche,
unter Staub oder Dreck,
wo sich Pflaster versteckt.

Als es riecht nach fauligem Gras und Lavendel,
nach Fels zwischen Disteln, Borke und Blatt,
die Puder verdorrter Vergangenheit,
Ast aus Basalt, Dolomit unter Holz,
fliehende Käfer im Boden,
mit eigener Zeit,
keiner hat,
was sie haben,
niemand weiß,
was sie sind.
Als es kalt wird auf Haut, zwischen Haaren, im Mund.
Schweigsam zahnlose Worte, die Gesten,
verdoppelte Kehren beim Anstieg,
die Paßhöhe mittags im Dunst,
Geschirr in Gestellen aus Draht,
roh geflochten,
gelblich hell alles nun,
der Kamm, messerscharf,
blitzt streng mahnend gen West.
Als ein Klang ist,
aus Ruhe und Schatten,
einmal,
und Hitze,
Kugel aus Stahl,
fällt auf Stein,
der zerbirst.
 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Wir sind nur Fische viel im Meer Moment
wir sind nur fische viel im meer
im glanz der sternennacht
wir schwimmen eifrig hin und her
verstrahlen bunte pracht
wir taumeln lächelnd in den tag
verspielte kinderschar
wenn glück soeben bei uns lag
ein lichtes immerdar

wir sind nur fische viel im meer
die um das schweben buhlen
wir schwimmen emsig hin und her
als schwarm aus tausend schulen
taumeln wir mutig in den tag
im schutz geschuppter häute
weil glück soeben bei uns lag
einander treue bräute
at the lake
above the lakewir sind nur fische viel im meer
versteckt in leeren zeit ruinen
wir schwimmen heiter hin und her
am grund der dinge beduinen
wir taumeln hastig in den tag
in riff fels schlamm und schlick
wenn glück soeben bei uns lag
gibt uns die welt zurück

wir sind nur fische viel im meer
nicht einer der da bleibt
wir schwimmen ewig hin und her
als wasserleib vereint
taumeln wir gierig in den tag
der strömung nie entgegen
weil glück soeben bei uns lag
froh hellauf verwegen
wir sind nur fische viel im meer
und glück das bei uns lag
nicht mehr
 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Korrespondenz Worte

korrespondenz_01

Mein langsamer Eindruck von dir ist verbraucht:
zwischen Zeilen ist nichts mehr zu lesen.
Ich weiß nicht, ob ich weiß, was je war,
oder ob jemals etwas gewesen.

Auf den Seiten liegt tagsüber Licht.
Wie der Daumen Papier reibt, beim Blättern
das Auge vergißt, was an Schwärze es sah.
Unter Silben und Zeichen verborgen, als List.

Mein einsamer Liebling, dein Kopf ist mir fremd.
Mit der Hand taste ich auf der Brust
nach dem Herz, unterm Hemd schlägt es hart,
und ich klappe das Buch wieder zu.

Wie der Finger die Linie abfährt,
wie er stockt, weiter treibt, der Blick
bleibt gefangen im hier.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Im Haus Zärtlichkeit
Revision # 2  22.03.12

winkel_04Die Tür zu meinem Haus fällt immer zu,
nicht eine Ritze für den Wind,
mir Atemluft aus meinen Kammern zu entführen.

Auf allen Simsen hocken ihr und du,
die meine schlimmsten Feinde sind.
Gier kann ich in ihrem schieren Dasein spüren.

Im Sonnenlosen bin ich immer blass.
In Dunkelheit sehr gut verwöhnt,
schone ich schlau beim Schreiben meine zarte Hand.

Die Flamme unter'm Kessel speist das Gas,
das wie das Wasser ständig strömt.
Wechselspannung liegt stets an in jener Wand,

an der aus Pixeln droht das Taggespenst.
Doch Wasser spült den Unrat fort,
von Gläsern, Tellern, Töpfen und Bestecken,

der Regen reinigt Pflaster für umsonst,
am Montag wird der Müll geholt,
und später kann ich auf die Zukunft wetten.

Ich brause schneller durch die Zeit, befreit,
der Tanz wird wild, Himmel heller,
dank aus dem Handgelenk erfolgtem Schlenker,

der Schäfchenwolken in sein Blau verstreut.
Ein Hinweis, der auf sich nur zeigt.
Pinselstriche, stumpfe Tupfer für die Denker.

Im meinem Haus sind alle Böden aus
gewachstem Holz, steckt in den Wänden Lehm,
mit Stroh vermischt, das übrig bleibt,
wann immer man die Ernte drischt.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Keine Arche Dunkelheit

keine_arche

Keine Männer mehr hier in der Arche,
seit Noah ging, fallen sie aus.
Auf den Kacheln noch Spuren vom lipstick,
das Bett ungemacht, die Kissen
zerrissen, zerwühlt, aufgetürmt.
An die Fenster wirft Wind frischen fallout,
und der Sand reicht direkt bis ans Haus.
Die Bildschirme leer, kein Freizeichen mehr,
kein Mann liegt noch zwischen den Schenkeln,
auf den Straßen wird nicht mehr gedealt,
nur Staub kommt jetzt über die Enkel.
Partikelweis Reichtum verspielt.
Keine Männer mehr in den Kabinen,
die Bäder eiskalt wie der Mund,
alle Pracht bedeckt von Lawinen,
keine Spritze spritzt wieder gesund.
Die Fußspitzen schleifen die Schuhe,
die Schulter im Schal macht sich rund.
Im Gehen schaust nochmals zurück.
Keine Männer mehr an den Kanonen,
und keiner mehr oben an Deck.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Kehraus Alltag

kehraus

Ich kann nicht mehr sehen, das Licht ist zu schwach.
Es brennt in den Augen, die Stille, die Nacht.
Ich habe den Klang aus dem Dunkel geraubt.
Er fließt unter Stoff, unter Haar, über Haut.
Dem Morgen ins Antlitz frech blicken.
Die Füße in Erde fest stemmen.
Kalte Luft zwischen Wimpern.
Ein Zwinkern,
und Lust.

Ich hasse 'Du mußt!'.

Ich reinige meine Umgebung,
verstaue das Maßlose gut im Regal,
geordnete, saubere Endloskolonnen,
es gelingt immer besser, genauer zumal.
Mit jedem Tag wird es hell blauer am Himmel.
Die Zukunft tritt ein in das Heute und Hier.
Ich träume davon,
im Denken
bei mir.

Auf den Zweigen der Bäume gleich jenseits der Straße
sind Vögel, die pfeifen gemeinsam ihr rasendes Lied,
während tief unter ihnen die Käferwelt kriecht.

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Laminat Maschineninduziert

Strich mit der flachen Hand, die Nägel frisch geschnitten,
in weiten, nach außen führenden Bögen, auf den Knien hockend,
glatte Seide spannte über die leichte Einkerbung der Kniescheiben,
wieder und immer wieder, dabei sich leicht in den Hüften schaukelnd,
den gebeugten Rücken wie einen schweren Pumpenschwengel hinab drückend,
in der Kehle ächzte es, die gequälte Luft der Lungen, des Magens, des Inneren überhaupt,
eine Bewegung des Herabkommens, des zur Erde Herabsteigens, wie auch des Dankes dafür -
strich also mit der unendlich empfindsamen, zarten Haut der Fingerspitzen,
ungläubig die Augen geöffnet, die Brauen fast aus der Bahn geraten,
die Lippen aufgeworfen, die Zähne schimmerten verstohlen hervor,
gelb leuchtete das mit Scharten verunzierte Leder der Sohlen,
die spitzen Absätze ausgestreckt, die Waden angestrengt -
strich also mehrmals, wiederholt und unermüdlich,
bis das Geräusch der menschlichen Haut
auf der künstlich geschaffenen Ebene
dem Ohr widerlich wurde
-
über das am Morgen erst frisch verlegte Laminat.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Im Takt Arbeiten

Be-mächtigt. Schnell.
Ge-nordet, -ein!
Derverlautbart.
Dieverfolgt – eeh - Ziel optimiert!
Lang Boot Staffel Leader Halloween.
Am Aralsee origines, ab London: center court.
Wenn dich dein Vormund nicht kennt,
beim Bäcker zählt einzig das Dutzend.
Neben Verdienst.
Damit die Arbeit noch nährt.
Verdi, der Tango.
In der Kolonne der Sonne entgegen.
Re-le-giert bis danach:
Trotz!
Am Funken ge-ne-sen,
ver-peilt.
Teufel Abt Ritter Sport.
My fiancé: Lob und Gesang.
Mittwoch ist un-fröhlich,
gespaltenes All.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Nicht befugt Gier

Hat die Katze sich gerührt?
Aufmerksam
die Vorderpfoten beieinander?
Wie die Spitze ihres Schwanzes
Staub am Boden fegte,
ungerührt!
Im Schatten ihrer Iris
wartet stumm und schlummert
silbern scharfe Göttlichkeit.
Revier,
entlang des Perimeters
brandgeschatzt,
die Wut im flachen Land,
unter dem Stiefel jeder Tag
zu einem eingeschmolzen.
Nicht Tod hat je erlöst.
Die Unbefugten
glätteten im Morgenlicht
an Röte, Wildheit ihrer Schreie.
War da ein Tanz noch frei?
Hosianna sollte werden.
Unerkannt!

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Sommermännchen Männchen

In der milden Membran lebt der Sommer,
das Männchen vermeldet das Etmal
voll Stolz. Der Bug mahlt durch Wasser und See.
Helle Blüten und trockene Halme und Laub
beschirmen den schattigen Boden,
Käfer bedecken ihn, winzige Leiber,
die Äste der Zeit liegen leblos herum.
Ein Panzer aus goldgelbem Licht
umgibt alles. Luft riecht nach Leere und Raum.
Ein Muster aus Farben bekleidet
die Winkel der Glieder sehr schön.
Alles hilft, und das Lachen
macht heil, was es einriß, zuvor,
Sommermännchen, sie wimmeln empor.

 ♣ ♣ ♣ 
  Soaps
#11 - Spazierfahrt Am Ende eines Sommers

Statt des ursprünglich gesuchten Schals entscheidet sich unsere Heldin für einen warmen Winterpullover, dem Moritz, nicht ohne Hintergedanken, ein add-on seiner Wahl hinzufügt, das sie nach kurzem Zögern und ebenfalls mit verschiedenen Überlegungen im Hinterkopf akzeptiert. Auf einer Spazierfahrt aus der Stadt heraus kommt man sich näher und verabredet am Ende, zur beiderseitigen Freude, ein gemeinsames Essen für die Woche darauf.
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Wenn ich mein Gesicht bis auf wenige Zentimeter an den Spiegel heran bringe, der die hintere Wand der engen Umkleidekabine bildet, erkenne ich in meinen Augen deutlich ein ganzes Bündel von leisen Zweifeln über das, was ich gerade tue. Einige beziehen sich auf meine Motive, die mir nicht das erste Mal kindlich naiv und egozentrisch vorkommen. Andere eher auf den Mann, der jenseits des Vorhangs sicherlich ungeduldig auf mich wartet, weil ich mir viel Zeit dabei lasse, das anzuziehen, was er vorhin für mich ausgesucht hat, damit ich mich ihm so zeige, wie er mich gerne sehen würde.…  weiterlesen

 ♠ ♠ ♠ 
  Soaps
#10 - Feierabend Am Ende eines Sommers

Jugendlich angetan erscheint unsere Heldin zum Treffen mit Moritz, welches sich zunächst als Ausweichbesuch in einem ursprünglich nicht von ihr angepeilten Bistro gestaltet, sich dort aber von der Konversation und anderen Dingen her durchaus angenehm anläßt. Nachdem Moritz, vom Schwung der eigenen Begeisterung fortgetragen, sehr freundlich seine Hilfe bei der Auswahl eines Schals für den Herbst angeboten hat, macht sich unser ungleiches Paar zu einem Einkaufsbummel durch die Altstadt auf.
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Mein leicht angejahrter, dennoch durchaus ansehnlicher Kavalier steht steif aufgerichtet vor dem Bistro, zu dem ich ihn bestellt habe und das ausgerechnet heute geschlossen hat. Trotzdem schaut er mir lächelnd entgegen, während ich quer über den Platz auf ihn zu spaziere. Auf den letzten Metern trete ich um ein Haar in einen heimtückisch versteckten Gully und fange mich nur mittels eines raschen Ausfallschrittes, was meiner Erscheinung vermutlich das letzte bisschen Eleganz nimmt. Das fängt ja gut an, schießt es mir durch den Kopf. Zum Glück hat sich die Wärme des Tages gehalten und es wimmelt in der Stadt von luftig gekleideten Frauen mit kurzen Kleidern und laut klappernden Absätzen, denn sonst käme ich mir in meinem viel zu jugendlich ausgefallenen Aufzug noch erheblich deplatzierter vor, als ich es ohnehin schon tue.…  weiterlesen

 ♥ ♥ ♥ 
  Soaps
#09 - Nachsitzen Am Ende eines Sommers

Unsere Heldin arbeitet im Büro am späten Nachmittag einen Rückstand auf und stellt dabei einige Betrachtungen über ihren Arbeitsplatz und dessen Umgebung an. Bei dieser wenig amüsanten Beschäftigung wird sie durch einen sehr unverhofften Anruf von Moritz, Ansgars Vater, auf das Angenehmste unterbrochen. In einem längeren, wechselhaften Telefonat läßt sie sich von ihm, nicht ungern und ohne am Ende übermäßig hartnäckigen Widerstand zu leisten, zu einem frühabendlichen Rendezvous in der Stadt überreden.
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In den Fensterscheiben auf der anderen Straßenseite spiegelt sich dieses satt eidottergelbe Licht der Sonne wieder, welches sie manchmal nachmittags auf die Stadt legt, wenn sie es müde geworden ist, bleiche Mittagshitze über die Welt auszuschütten und lieber der dunklen Langsamkeit des Abends vorgreifen will. Ich schaue häufig hinaus und tue mir leid, weil ich mit schmerzendem Rücken, trockenem Mund und zunehmend bösen Gedanken vor einem Chaos feindlicher Muster in Schwarz und Weiß hocke, die all meinen Anstrengungen trotzen und partout keinen sinnvollen Text ergeben wollen.…  weiterlesen

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Wintermännchen Männchen

Des Wintermännchens Füße frieren immer.
Die Fäuste sind geballt, die Stirn gestrafft.
Des Wintermännchens Schritte gehen strikt nach vorn.
Das Augenlicht erstrahlt, stets ist die Helligkeit sein Kleid.
Des Wintermännchens Kraft bleibt ungebeugt.
Die zarte Haut des Eindringlings umschmeichelt seine Beute.

Das Wintermännchen weint zur Zeit.
Die langen Finger unterm Stoff befremdlich starr.
Das Wintermännchen legt sein Haupt auf warme Bäuche.
Der Haarschopf in der Kälte klamm geworden.
Das Wintermännchen murmelt leis.
Die Lippen aufgesprungen wohl beim letzten Lügenwort.

Dem Wintermännchen fehlt der Mut.
Das weiße Tuch erstickt ihm alle Tränen.
Dem Wintermännchen weht der Atem fort.
Der Klang des Frostes streicht sein Lied.
Dem Wintermännchen wird der Nacken steif.
Die Zähne schimmern bleich zum Abend hin.

Den Wintermännchen nachempfunden
schlingen Begleiterinnen sich die Shawls um ihren Hals,
zum Mantel feste Schuhe, Strümpfe für die Nacht.
Die Wintermännchen schlafen gut,
sie wählen ihre Lage mit Bedacht.

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Sommermädchen Mädchen

An runden Tischen mit Langustenbeinen
sitzen die Mädchen, ihre gepunkteten Leiber
Marienkäfer, zu feige, die Flügel zu blähen,
ihr Kichern bricht sich im Hochglanz von Spiegeln,
die Augen gebannt von der Welt in der Hand.
Die Haare sind Lippen, verschlossen,
ein Blick aus der Ferne benetzt ihr Chitin.
Vom Saft reifer Linden beschmutzt
steht der Van hell im Licht, so klebrig
ist Haut zwischen Schenkeln.
Die Zeit: kurz nach Sechs.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
In der Löwennische Staub

staub_03

In der Löwennische,
wo die Mähnen geworfen,
die Muskeln gestreckt,
ganze Welten erst werden,
wo auf Tische geschlagen,
in die Ferne gebrüllt wird,
stets spitzer brilliert.

Bis ins innerste Wesen,
in die Tiefe hinab,
jeder Schwindel ist Schwäche,
nur das Größte gewinnt,
schon der Zweite ist Letzter,
und die Pause der Tod.

In den Nischen der Löwen
sucht die Möwe kein Brot.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Staub #2 Staub

staub_02

Ein einfaches, starkes Gestell.
Rechte Winkel und Streben,
verankert, versteift,
aufgeständert.
Gleich hinter dem Vorhang
wird Tag langsam hell.
Das Licht
läßt den Staub für mich tanzen,
die Luft trägt Momente nach vorn,
meinen Ärger, die Angst,
Enttäuschung und
winterlich zahnloser Zorn.
Auf der Treppe verlor ich den Hut.
Glatte Sohlen aus Leder,
auf Holz ausgeglitten.
Die Scheiben der Fenster
voll Dreck.
Die Schenkel sind
zwei Parallelen,
Tangenten
im Dreiecksproblem.
Ein Gerüst
aus gespleißter Zypresse.
Ein Mut
aus gestoßener Zeit.
Lebewohl an der Theke,
eine Zeitung, ein Glas,
in Europa wird abends gegessen,
im Norden versinkt kaltes Land.
Ich habe den Staub aufgefressen,
den Magen voll saurer Enzyme.
Das weiß leinern Kind
verschmähte gelassen
die sanftmütig lockende Hand.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Staub #1 Staub
Revision # 2  24.01.12

staub_01

Ich habe den Staub aus der Ferne gerochen,
Geschmack voller Wildheit, so roh.
Ich habe die Spitze aus Glas aufgebrochen,
Ampulle, Amphore, Geliebte – wieso?

Ich stand mit den Füßen auf Stein.
Habe Halt vor den Winden gefunden.
Das Gift drang tief in mich ein.
Habe Angst nachts und Leere empfunden.

Ich war, wäre alles ganz anders,
war nicht, weil alles so war.
Nur Einer ist unter den Vielen, der kann das,
die Eine, alleine, niemals.

Ich habe den Klang eines Aufbruchs im Ohr,
das Blöken der Lämmer, die Schur.
Ich habe im Blick noch den Einen. Der schwor:
seine Muskeln, der Schnitt, die Tonsur!

Ich lag auf dem Rücken im Sand.
Habe Licht mit der Haut aufgesogen.
Der Himmel war in meiner Hand.
Jedes Wort hat mir Pracht vorgelogen.

Ich bin, denn alles ist immer,
nichts ist nie, niemand ist nur allein.
Niemals hilft dieser ewige Schimmer,
dem Moment eingeschrieben zu sein.

Ich habe den Staub eingeatmet.
Das Kratzen im Hals hielt ich aus.
Das Fremde hat mir nicht geschadet.
Ich bin unterwegs nach zu Haus.

 ♣ ♣ ♣ 
  Talks
Mitternachtskirche Kirchen

„Den Mut, glattweg 'Nein!' zu sagen, hab' ich nie aufgebracht,“ seufzte der Mann in dem dicken Wintermantel neben mir, „und ich hab's jetzt gut vierzig Jahre probiert.“ Ich beäugte ihn genauer, denn er schien mir, was sein Alter betraf, ein wenig zu flunkern. Er schaute zurück und versuchte sich an einem Lächeln. Nett, einfach, direkt und vor allem wohlwollend. Ich bin der Typ Frau, den ältere Männer sehr gerne so anlächeln. Vielleicht erhoffen sie sich ja etwas davon, meine Nachsicht oder mehr. „Die ersten Lebensjahre natürlich noch nicht,“ korrigierte er eifrig seine reichlich roh und optimistisch gezeichnete Timeline.…  weiterlesen

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Apparatemedizin Norden

apparatemedizin

Der Patient ist komatös geworden.
Hitzewallungen gen Norden, Licht,
das hinterm Horizont die Kaltfront
schaudernd ahnen läßt, der Rest
ist Chaos auf den Monitoren, klaglos
brütet der Erfindergeist in leeren
Flaschen, durch die feinen Maschen
ist der Räuber in den Fang gerutscht,
Residuum regiert, das enge Schicksal
kämpft noch irgendwo.

Es war der Oleanderduft, Melisse, Wein
und Thymian, das heiße Gras, die Haut
auf seinen Händen, harter Dreck unter den
Fingernägeln, war das wilde Jucken
auf den Armen, Haare fielen vor die
Augen, Nase brannte und am Kinn
tat eine frische Narbe häßlich weh,
ich seh' noch seine Augen, spüre
nach dem Druck im Rücken,
weich und warm und ewig schön.

Die Kanten haben sich im Lauf der Zeit
zu runden Schultern abgeschliffen,
unter einem gleichen Himmel führt
die Bahn der matten Sonne quer dahin,
ein Schattenmeer, das auf sie wartet,
Schründe in den Fels gezerrt, sie beißen,
nachts kann kaum der Mond ihr Trost
austeilen, leise geht er morgens fort.

Es waren seine Schritte, viel zu leicht,
um auf dem heiß gespannten Trommelfell
des Gartens mir den Takt der nackten Sohlen
einzuprägen, meine Lippen zu berühren,
deren Angst sich unter Fingerspitzen
barg, fast wäre meine Schwere federleicht
im Klang der braungebrannten Füße
aufgehoben, sagen konnte ich das nie.

Der Graph zeigt Zacken, Wendepunkte,
stürzt im monotonen Fall unlimitiert,
es blinkt am Rand, ein schriller Ton,
das Kreischen einer falschen Zeit,
der Riß durch eine morsche Decke,
das Gewebe gibt am Ende
seufzend nach.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Männlich Mannsbilder

Der mich maßregelte, der war mir gut.
Wie sein Kamm schwoll,
das sich sträubende Haar unter'm Hut.

Der mich abmahnte, der war mir einer.
Wie sein Schwanz strich,
unter Hosen, fast als wäre er keiner.

Der mich eingrenzte, der war mir scharf.
Wie sein Auge mir strahlte,
pedantisch bedachte, was ich niemals darf.

Da habe ich ihm aber 'Nimmer' gesagt!

Habe mir das Meine gedacht.
Habe mir in das Fäustchen,
ins Körbchen, zu den Guten
in Kröpfchen ganz lange gelacht.

Der mir kam damit, daß er mir käme,
wie sein Hals ja da pochte,
seine Stirne sich nieder mir beugte,
ich schäme mich,
aber ich mocht's.

Der mir schön tat, mit Worten.
Wie ein Mann,
daß ich sanft wurd', beizeiten,
sie horten das Schöne,
die Bilder, die Manns und die
anderen auch.

Der mir an kam, so wärmlich,
wie nur einer,
erbärmlich, verweichlicht
doch in mir war Mut.

Daß ich gut sei, ich einzig,
so winzig, so geizig,
sein Wollen
verheizt,
und dennoch -
ich gab.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Flatterflug Kompression


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Sie wollen es verdichtet? Gut!

Ich ziehe mich kurz an. Der Tag,
an dem die Milch nicht kam:
ein schöner Tag, die Sonne stand
inmitten eines blauen Himmels,
der Horizont so weich geweitet,
kaum Streifen oben in der Stratosphäre,
als wäre wieder alles wie zuvor.
Am Tor hat dieser Wagen schon gewartet,
sein leises Tuckern störte kaum,
gedämpft, wie immer, wenn sie morden,
das Stampfen der Maschine unterm Blech,
vielleicht war der zu frech, der Ihnen
kalten Kaffee in die Spüle goß,
wer weiß?

Im Radio nur gute Laune, selbst der Hund
hat mit dem kurz kopierten Schwanz gewedelt,
der fridgerator leise vor sich hin vibriert.
Sie hörten fast den Tritt, das Klirren alter Gläser,
das edlere Kristall, die mit der selbst gekochten Marmelade,
verschwitzt im Morgengrauen aufgewacht,
inmitten grinsend schwarzer Nacht ein Pochen
scharf im Hals. Und doch!

Sie fühlten sich leicht irritiert. Und daß es roch,
nach Holz, nach warmem Wachs auf blanken Dielen,
nach Staub, nach Putz, nach Gips und dem Parfüm,
das eigentlich zu teuer war. Sie liebten diesen Tag,
den mag sogar der Bürger tief in ihnen nicht aussparen.
Sie waren damals jung, fast noch am Leben. Doch jetzt,
da wollen Sie es ganz präzis? Genug!

Ich will Sie zärtlich an die süße Luft erinnern,
die Wärme, die von draußen durch die Fenster kroch,
die nahm ein wenig von der Angst,
vom dummen Staunen, daß es diesmal
niemand anderes als Sie betraf.
Ich will an den Moment gemahnen,
als Sie schon ahnen mußten, was geschah.
Sie blieben stumm, erstarrt, vor Aufregung
ganz tadellos, gestreckt, bloß, daß es Ihnen
gar nichts half. Ich will das nicht betonen, aber,
ja, sie zwingen mich.

Sie haben kreuz und quer gelesen, nicht ich.
Sie standen zitternd an der Bahn, ich lief,
die Mütze auf dem Haar klug balanciert
und lachend auf der Plattform hin und her.
Sie waren der, der Ängste hegte, der Zaghafte,
der Zittermann. Ich stand vor Ihnen, aufgeregt,
ich nahm mir Zeit, und Sie den Blick.

Ich denke selten an den Tag zurück.
Nur Sie vergessen ihn nicht mehr.
Wie schwer es Ihnen fällt, die Welt
für einen winzigen Moment
ganz hinter sich zu lassen.
Sie hassen diese Wendung,
winden sich vor Schmerz.
Mein Herz ist Ihnen gut und zugewandt,
doch ihre Hand
hat mich nie aufgehoben.

Sie wollen es verdichtet? Gut!

Ich bin bereit. Die Zeit wird uns beweisen,
wer verloren und wer wieder aufgefunden war.
Wie wahr, daß alle Wunden stets aufbrechen,
daß jener letzte Fährmann jeden Taler dreht,
der letzte Knecht die kleinsten Taten zählt,
der Meister endlich wiegt und richtet.

Sie wollen es verdichtet. Gut!

Ich mochte Ihren Mut, mir selbst,
kam er abhanden, mir genügte,
anzuschauen, daß sie fanden,
meine Worte reichten knapp.

Sie wollten mich, ich kam!
Doch Sie verschmähten mich,
ein tödliches Verbrechen, nicht?
Ich äußere mein Mißbehagen,
und gehe schweigend wieder ab.

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Vom Elfenstaub Abend

So ist die Sicht vom Elfenturm: weit!
Weithin! Weiträumig! Weiterhin so frei!
Das, worum sich weiche Würmer krümmen,
blieb unterwärts, verhohlen und versteckt.
Das Porzellan der leisen Zwiegespräche
klirrte so zart auf Ebenholz und in der Hand.
Ein Wind, der über ferne Länder flog,
kräuselte Stirne knapp vor Ort: ein Trost!
Der Tritt ganzer Armeen war gebändigt.
Im Unterholz schmatzte feist satt der Mund.
Nur langsam floh das Licht den Tag,
der immerwährend schien, erkaltete.
Die Runzeln auf der Maske aber blieben hart,
die Finger, die nach Fensterflügeln griffen,
umschloß ein Ring. Der Schrank verbarg
zu lange schon das Federbett. Luft nun!
Die Nacht macht auch die Elfen grau,
in ihrem Turm und beim Gebet. Aufbruch!
Mit Fackeln kam es laut zum Tor,
hat nicht gefragt, sondern gepocht. Horch!
Schon haben sich die Kissen schroff gezeigt,
die Morgenröte half, ein schwacher Glanz
aus Elfenstaub, der auf den Dingen blieb.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Adventszeit Verlorenheiten

adventszeit_001

Jetzt kommen die Menschen wieder nach Haus.
Väter in Mänteln stapfen tapfer daher,
Mütter wischen die Nasen, Hälse in Wolle
gewickelt, wärmen die Hände, das Blut.
Jetzt wird heimlich geweint, das Auge paßt auf,
falls Stimmen den samtenen Zungen entgleiten.
Blicke suchen den Rückweg, Einfaches nur,
es blitzen die Flächen aus Glas und aus Holz.
Jetzt kreist man um sich, um die heilige Form.
Gewißheit verschweißt das, was brüchig erschien.
Jetzt fallen die Läden so schwer wie aus Stahl,
zwischen Steinen verscharrt, ein weiteres Mal.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Denn einzig in der engen Höhle des Backenzahnes weilt die Seele Wildes


direct link


Am Amalgam ist abgeglitten,
aber Hallo, doch bloß wie nur,
so ganz gleich außerordentlich,
auch wenn zum Arzt hinauf gelächelt,
dem Burschen, dessen Grinsen
ist aus Gold, weil da privat
wird liquidiert, ihm nicht gegönnt,
doch geil, wie er mir sagt,
wie er mir stolz erklärt,
es riecht so gut um ihn,
und seine Hilfe ist sehr hübsch,
und seinen Fingern
gehört gleich meine Gier so ganz,
und meine Schenkel sind
dreist fast gespreizt,
das Wasser ist gut warm in dem Gefäß
da neben mir, und wie ich dann
so schreite froh davon,
der Kostenplan ist so egal,
und meine Angst lebt in mir,
wieder froh, wie auch der Zahn,
der bockt, so bodenlos,
und dennoch auch
beruhigt.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Zuletzt Sehnsucht


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Darum schaue ich nicht hinter Schränke,
und lese nicht Briefe, ich stöbere nicht
in den Ritzen der Dielen, im Keller,
im Staub und im gnädigen Dreck.

Ich weiß ja, ich weiß es, ich weiß es genau,
es ist weg, entsetzlich verschwunden,
verloren, verlegt, abgeworfen und stumm,
in erstickende Tücher finster gebunden,
vergraben, verscharrt, Hauptsache: weg!

Darum sterbe ich manchmal,
bei Licht und am Tag,
vertrocknet aus Sehnsucht,
daß mich keiner mag.

Darum denke ich es, denk' es nie, nur ganz selten,
nur manchmal ein mach mal, ein mach doch,
ein mach es, für immer, für mich,
für ich weiß nicht, warum,
für ich weiß nichts,
zuletzt.


direct link

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Unterliegen Dunkelheit


direct link


Ich liege als Licht, sanft hoch auf den Hängen,
bin Abend für Müdigkeit, Lehne der Last.
Bin das Gold, zwischen Krumen gerollt,
wenn die Schritte heimwärts leise klingen,
wenn gilt, was den Knospen entspringt.

Ich liege als Ruhe, fest unter Händen,
bin Lager und Fluchtburg, Otte für den,
der das Weiß meiner Glieder durchdringt, der süß
ihnen singt von dem, was er weiß.

Ich liege als Mitte, vor anderem heil,
bin Erste, bin in mir, und du bist mein Rand,
ich liege, verloren, verliebt und vergeben.

Ich liege, alleine, die Eine für dich.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
{rushing home} Alltag

driving_home_001

Keine Flucht, oder doch, rasch nur weg,
einfach werden, stumm, hinter Wänden
zu enden, Gedanken aus Stahl, gekrümmt,
kaum ein Halt für die zitternden Finger.

driving_home_002

Stakkato aus Glätte, ich hätte nicht eine Minute
noch länger gekonnt, die Dunkelheit kommt,
jeder sieht, wo er bleibt, alles flieht,
weit wird Welt erst da hinten, nicht hier.

driving_home_003

Blicke trügen, Atem lügt, Angst fliegt vor dir her
die Gassen der Hast in Eile zurück, die Zeilen
und Spuren, verlorenes Glück, vergossene Kraft,
erlahmt, angewidert, verschlissen, verkauft.

driving_home_004

Kalte Luftschichten hindern das Licht,
der Tag stirbt noch nicht, die Rundung
der Erde dehnt sich noch ein Stück
und die Blätter der eisigen Zeit winken dir.

driving_home_005

Auf Stein reiben Reifen ihre Stimmen zu Wind,
geschwind wollen alle aus Vollem sich holen,
die drohende Leere verleiht ihren Flügeln
die kränkliche Schwere strauchelnder Schritte am Rand.

driving_home_006

Meine Hand zielt vorwärts, mein Herz
will mir helfen, meine Haut spielt verrückt,
meine Augen gewöhnen sich nie
an das Dämmern zur Nacht, ich gab

driving_home_007

ihrer Schwärze laut lachend die Macht,
mich zu schrecken, ich weckte mich auf,
aus der Wärme des Inneren, zögernd
mit Technik und Gliedern aus Blei.

driving_home_008

Sie rasen nach Haus, sie schneiden den Weg,
verlieren die Fassung, vergessen Gesetze,
verzieren die Himmel mit Bahnen
aus Nichts, die Fahnen und Wimpel

driving_home_009

erobern sich Heime, ihres Gottes Gebot
folgt der Strom der Partikel, dem Ende
entgegen getrieben, dem Mal ihres Kains,
gnadenlos wartet die Endlosigkeit.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Die schlafende Hand Das kalte Herz

Viel war es nicht, nicht wirklich etwas,
doch gar nichts wohl kaum,
ich schwebte als Flaum
durch den Rauch einer Pfeife,
dem Sieger ein Preis,
als Flehende Lohn,

zwischenzeitlich geatmet,
verlegt, zum Klang
kalter Boxen im Bett
sich gedreht.

Nichts war es nicht, wohl eher gering,
ein Quentchen und mehr,
ich kam stumm daher
mit den bitteren Muskeln,
fliehend noch heiß,
zum gesprenkelten Thron

gehetzt und gehoben,
erlegt, zum Drang
vieler Worte das Ohr
sich gewährt.

Alles nur ein Nichts, die Leere gefüllt,
Schein fern im Rund,
leicht geöffnet der Mund,
ich lag auf der Kippe,
Lügen umkreisten
mit zornigem Hohn

einen Traum, fort geweht,
empfangen, getan,
besiegelter Pakt
mit der schlafenden Hand.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Von Kunst Kompression

http://sumuze.dwarfsoft.de/blogbilder/von_kunst_001.jpg

Daß es eine Kunst sei, von Ruhe zu reden,
mitten im Sturm, das Grelle zu werfen
an die weißliche Wand, von Lust an den Leibern
den Müden zu künden, von Geld just den Armen
und von Brot noch im Tod.…  weiterlesen

 ♣ ♣ ♣ 
  Songs
Geld auf dem Land Alltag auf dem Lande

http://sumuze.dwarfsoft.de/blogbilder/geld_auf_dem_land_01

Beim Erwachen schon war mir komisch. Die Ruhe schien schlimm.
Ich hörte Staub auf den Feldern über Stoppeln und Gräser scheuern,
Blätter an den Ästen sich aneinander reiben, die Luft darüber stehen.
Ein Flattern von Flügeln und wilde Wasser, die sich selbst nur lieben.

Ein Reicher saß unten frech in der Küche, seine Schuhe blitzblank,
die Krawatte gelockert, er zählte die Tassen und Gläser im Schrank,
wie Leichen lag Besteck in grünlichem Samt vor ihm auf dem Tisch.

Ich machte ihn unruhig, sein Blick wanderte flackernd eilig umher,
zwischen mir und der Tür und dem Fenster, vor dem draußen im Hof
sein Wagen wartete, leise lief der Motor, groß, lang und schwer,
die Fenster geschwärzt, das Blech wie ein schützender Panzer
um die Räder geschwungen.

Keine Angst, sagte ich, und er nickte, ich setzte uns Wasser auf,
tat unbefangen und lächelte ihn an, war nett, er wurde fast zutraulich,
und ja, sagte ich, auch ich sei reich, er müsse vor mir keine Angst haben,
und er atmete auf, man habe, gestand er mir, ihm glaubhaft versichert,
es gäbe auf der Welt keine Armen mehr, die er zu fürchten habe.

Wie schön, sagte ich, das Universum sei demnach gerettet, aber ja,
stimmte er eifrig mir zu, an der Zeit wäre es schon lange gewesen.

Wer ihn führe, wollte ich von ihm wissen, er zuckte die Schultern,
sah mich an, stumm und fordernd, die wächserne Hand auf den Gabeln,
wie Geld, wenn es schläft, ganz beruhigt, unter sich.

Ich schaute ihm nach, als er mich verließ.

Das Licht der einsamen Sonne schien fröhlich und klar.
Ein Rabe verfolgte die Amseln am Ufer, in den Wiesen lag Nebel,
und der Hund wühlte japsend im Dreck. Frischer Wind
kam von Westen, die Stalltüren schlugen,
und mir wurde kalt.

 ♠ ♠ ♠ 
  Songs
Im Ge Lügen

http://sumuze.dwarfsoft.de/blogbilder/im_ge_01.jpg

Im Gleichen verschieden gewesen,
gedacht wie getan.
Gestanden gelegen,
gehört und geglaubt, geheißen,
gut, ganz anders, alias,
gelobt, fast gewollt.
Gewesen, gewandelt, geworden,
getreu und gewohnt.
Geliebt, ging gleich gar nicht,
gelogen, daher.
Gemüt, gerne größer,
gefühlt, gründlich sehr,
getobt, getänzelt,
gemocht, gar gehandelt,
getrieben, und dann,
dann nicht mehr.

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Lied angeblich sprechender Füße Herbst

http://sumuze.dwarfsoft.de/blogbilder/sprechende_fuesse_01.jpg

Ich kaufte mir sprechende Füße, Sandalen dazu, das Fußbett aus Kautschuk und kalte Brandsohlen, gegerbt aus den Häuten fast haarlos gezogener Riesenfaultiere, gewiß fair gehandelt, versicherte mir der Verkäufer, dem Stimmbruch nicht fern.

Ich tanzte mit einem, der hatte es gern, wenn das Licht von der Bar mein Haar wie Versprechen nach mehr oder Seide durchdrang. Ich liebte das auch. Eine Frau am Klavier sang bis dreiviertel Vier. Ich schlief gleich im Taxi fest ein.

Am Fluß, auf der Brücke, steh stumm am Geländer, spring wieder nicht rein, hasse die Näße und klamme Klamotten, in den Ästen der Bäume am anderen Ufer hocken die Krähen, die spotten der Welt, wie dem Zaudern, die Schnäbel aus Glimmer und Kohle, das Wasser vermischt alle Schatten mit Licht.

Die Füße sprachen am Ende doch nicht!

Die Riemen beim Schlendern zerrissen. Das Leder am Rand schon nach Tagen verschlissen. Die Farbe gewöhnungsbedürftig. Das Profil unterwärts? Bloß ein Witz! Beim Treten schmerzt jeder Absatz, der erste war nach einer Woche schon schief.

Ich lief ein Stück weiter, meine Stimmung war keineswegs heiter, aber laut klang es doch, was ich statt meiner Füße, den Stummen, dem Himmel nach oben zu rief.

 ♦ ♦ ♦ 
  Songs
Der Halber Attraktionen

http://sumuze.dwarfsoft.de/blogbilder/der_halber_01.jpg

Der halberweltlich angemeldet preist im Chor
das Andere, das ganz und gar,
dagegen aber nimmer wahr
gewesen sei, worüber seinerzeit gelacht,
gespannt gemacht, Glück angehäuft,
so läuft es mit den Leuten,
immerzu dem Sack vorher,
am Ende stände Trösten zu Programm,
da kann der Mann sich weisen, gut,
nicht eine Träne, Lust,
am Hut die Feder wippt,
kippt uns den Weltenlauf hinein,
inmitten der Caldera fließt das Blut,
aus jeder Wunde, schön.
Wir müssen geh'n!

 ♣ ♣ ♣ 
  Soaps
#08 - Frühstück zu Dritt Am Ende eines Sommers

Unsere Heldin lernt während des Frühstücks eine Menge über die Beziehung Ansgars zu seinen Vater Moritz, zwischen denen nicht alles zum Besten zu stehen scheint, betätig sich als Köchin und Moderatorin und schaut sich anschließend in der Werkstatt ein wenig um, die ihr sehr gefällt. Danach trennt sie sich, obwohl beiderseits durchaus Interesse an einem erneuten Wiedersehen bestehen dürfte, eher unverbindlich von Ansgar und fährt heim.
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Klack, macht es hinten im Saal, die gelbe Tür zum Flur springt auf, schlägt dort hart gegen die Wand, und herein fliegt Ansgar, eine Tüte Brötchen in der Hand und einen nicht allzu begeisterten Ausdruck im Gesicht, als er erkennt, mit wem ich vorne am Tisch sitze, und sicherlich noch weniger davon angetan, wie ich dabei angezogen oder genauer nicht angezogen bin. Auch mein Gegenüber wirkt nicht sonderlich erfreut über das plötzliche Eintreffen seines Sohnes, bewahrt aber erfolgreicher als dieser seine Haltung, nicht zuletzt, weil er im Gegensatz zu ihm damit hat rechnen können. Natürlich treten sie beide fast auf der Stelle gegeneinander an, aber sie tun es jeder auf seine eigene Weise, so daß ich mich zunächst keineswegs entscheiden kann, welche davon mir besser gefällt.…  weiterlesen

 ♠ ♠ ♠ 
  Soaps
#07 - Verwechslung Am Ende eines Sommers

Am nächsten Morgen taucht überraschend Moritz, Ansgars Vater, auf, den unsere Heldin zunächst fälschlich für seinen Sohn hält und sich ihm daher auf eine ungewöhnlich freizügige Weise zeigt, was diesen zwar höchst erfreut, sie selbst aber, als sie ihren Irrtum schließlich bemerkt, recht heftig verwirrt. Sie findet jedoch bald einen gewissen Gefallen an Moritz und beginnt, mit diesem ein wenig zu flirten, was bei ihm auf wohlwollende Aufnahme stößt, so daß sie es trotz eines den eigenwilligen Umständen geschuldeten Handicaps betreffs flüssiger Konversation schafft, ihm während eines gemeinsamen Frühstücks in mancher Beziehung näher zu kommen, auch wenn sie das nicht für allzu klug erachtet.
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Mir ist warm. Die Hitze des neuen Tages krabbelt wie mit winzigen Käferbeinen unschlüssig über mich hinweg und sticht in jede Falte meiner Haut und meines Gemüts. Seit Minuten verfolge ich dieses Tun gebannt und bilde mir fröhlich ein, es seien die eifrigen Finger eines Geliebten, der nur eines im Sinn hat, es mir rundum wohlergehen zu lassen. Doch in Wahrheit ist es bloß die Umarmung eines Lakens, in das ich mich fest eingerollt habe wie eine Mumie für die lange Reise durch die kalte Ewigkeit des Todes.…  weiterlesen

 ♥ ♥ ♥ 
  Songs
Stillstand Nur so

stillstand

Nichts wird bleiben oder wieder werden warten oder sein genau wie jetzt
Alles wird sich anders zeigen außerordentlich geändert und versetzt
Ich ertrag' es nicht es macht mich kirre winzig klein und wild
Ich will doch nur in Ruhe sein mitten drin im stillen Bild
Ich bleibe stehen wie erstarrt
und hasse meine eig'ne Art

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