Das kalte Herz #3 Revision # 2 | → Zorn → Songs | Der Eisenfadenflechter hat sich wieder eingestrickt. Er spuckt verrostet Stück für Stück von seinem Wollknäuel ab.
Man faltet ihm die Laken stramm. Er wird jetzt Pensionär.
Neu eingesetzt verwaltet einer Lager, der sieht Mängel nicht im Brunnen eisig kalt, die Kimm ein Strich quer durch sein Okular.
Sie spielen wieder Welt. Man rollt die Ärmel auf, die Schonzeit ist vorbei. Es gilt!
Der Mensch traut dem, der Gott im Schilde führt, der mit dem Mitleid rührt die Sterne an, der sich verschluckt, noch atmet unter Bärenfell, mit Fertigkeit, die Innung aber stiftet dem vollen Saal Musik.
Sorgt man sich nun für den, der in den Kriegen gräbt?
Sein Spaten ist ihm nahtlos aufgepackt, aus grauer Straße bricht sein Lied, nimmt Mauern, weiter geht’s, im Abendlicht wartet verfettet Mutter, still, legt einsam Hand in Hand.
Der Hahn hat nicht gekräht. Die Dohle stahl das Goldstück nicht. Das kalte Herz zerbrach. | #1 of 18 [Backlink] Posted at Tuesday 04.05.2010 08:27 © by SuMuze
| | Das kalte Herz #2 | → Zorn → Songs | Der Stein im Flußbett liegt sehr weich, sein Haupthaar spielt im Wind. Tief in den Boden eingegraben hat sich der, den Eis verließ, er friert. Als Mauerteil reibt einer sich an anderen und murmelt stolz: es hält. Einer rollt donnernd rasch zu Tal, von anderen verstoßen, hoher Mut. Fein säuberlich, die Kanten gut behauen, hat sich ein kleiner eingereiht. Ein großer lastet tonnenschwer auf seinesgleichen, daß er schwebt. Man sägt mit nassen Seilen glatte Blöcke aus Gebirge wie aus Fleisch. Und ohne Licht stirbt jeder, einsam schmilzt das kalte Herz. | #2 of 18 [Backlink] Posted at Friday 30.04.2010 23:03 © by SuMuze
| | Vatermörder | → Zorn → Songs | Nimmer reite ich diesen Schimmel Wie er wiehert dieser Wicht Heiß immer treibe ich die Leiber Rappen, die prallen gegen Rippen Füchse fallen unter mich.
Goldmarie hat Milch gegeben Blass bemäntelt Bargeld Welt.
Toll wie Traumeleins Trompeten Strophen unter meinen Melodien sind Spielst du spitz meine Spaltenoper Hohl wie nur Sonate klingt?
Im Becher bricht sich Brandung Das Eismeer leistet jeden Eid Der Gläubiger glaubt Größe Der Däumeling ist dumm und dräut.
Ich kann die Kleinheit nicht ertragen Die ihre Finger filigran verflicht.
Warum kann mir kein Wort es sagen Ob ich wohl lebe oder nicht?
Ich tanze mit dem, der mich tadelt Ich liege dem, der lügt, gespreizt Ich adele, wer alt mir scheinen kann Ich weine, eiskalt ausgereizt.
Und alle Hoffnung hat sich eingeschworen Auf jede Pracht rund um den Mummenschanz Ich rechnete mit den Piloten Wie grausam gar ihr Aufprall war.
Nun schlaf, mein Kind, es schläft sich bestens Zwischen den Schenkeln lauert Tod Da sind die Kissen, Gold des Westens Und auch ein Vater in der Not. | #3 of 18 [Backlink] Posted at Monday 08.03.2010 22:28 © by SuMuze
| | Das kalte Herz | → Zorn → Songs | Der wilde Lakenschweiß blüht auch im Winter, sein Fruchtstand glänzt in Eis auch gut. Die schroffen Kanten schmerzen auch im Schnee, ihr Schnitt beißt auch ins Leben, ist es kalt. Das reißt an dir wie Tau und Stricke, darüber schwimmt im Grau dein Blut. Krümm' dich nur hart, und streck' dich, die nassen Zapfen stechen doch.
Und Summen tust du, wie ein Ofen, die Glut in seinem Bauch erkennst du voller Lust. Das Feuer, das dich in den Abend leitet, prasselt in dir wie endlos angestaute Wut. Ein wirres, quälendes Mäander deiner Taten, Freske aus Gips hoch unter deiner Decke, Kompendium aus Gier, ganz deine Brut.
Wenn endlich Sanftheit um die Glieder schwillt, rollt sich in deinem Innersten bald zitternd aus, was immer gleich in klirrend kaltem Frost wie unter sengend heißer Sonne gilt. Bist angeschirrt, bist aufgezäumt, dem Geiferstand wohlfeil verraten. Hast dich vergebens aufgebäumt, im Nirgendwo ist dir geringster Trost.
Nichts kühlt die Hitze innerwärts. Nichts, das es hält, das kalte Herz. | #4 of 18 [Backlink] Posted at Monday 15.02.2010 21:30 © by SuMuze
| | Du Alles | → Zorn → Songs | Du Alles! Du mein Universe. Dir unterworfen wär ich etwas, dir eingeschrieben gelte ich. Allein, du weigerst dich. Mein Zorn schwemmt deine Dämme, mein Wollen reißt dich ein. Du Alles, eitler Fatzke, bin ich nicht dein, will ich nicht sein. Ich weiß noch deine wilden Locken. Ich weiß das Bein, das Knie, die Stirn. Ich spüre, wie deine Hand mich faßte, die Sonne hinter Dach und Wand. Du Alles! Hast mich ausgetrieben, mich hingeworfen, mich verkehrt! Ich las in deinen Augen, deinen Haaren, ich las das Bild aus deinem Hirn. Genügte nicht, du Alles, war unzureichend, nur ein Zwirn, der deine Seiten hielt, du Alles, stark war mein Zorn! Du Alles, leise bin ich, kaum mehr zu hören, nur ein Traum. Du Alles, wilde Sehnsucht, Licht, und Hitze, Schaum.. | #5 of 18 [Backlink] Posted at Sunday 31.05.2009 21:47 © by SuMuze
| | Es | → Zorn → Songs | Ich weiß nicht, wie du ausgesehen hättest. Ich seh dich manchmal, fremd bist du. Das feiste Grinsen tief im Wagen, der Stolz, die Angst, das Kümmern und die langen Blicke, kleiner Wicht. Ich hatte nicht mal einen Namen. Kein Laut für mich, keiner für dich. Ich kreise langsam um dich her. Sie prüfen mich, sie checken Daten, notieren Werte, messen, testen, als ob ich die Rakete wär, mit der der Mars zum Broadway würde. In meiner Haut zittert die Welt, in meinen Adern Oxygen. Ich rolle mich, schnell auf Kommando, strecke mich, und schließe zu. Ich beuge mich, bin weich, geschmeidig, fließe, warte, hoffe, du! Ich kaufe Tränen für dich ein, und nie verschmutzte Windeln. Ich lege meine Hände um das Nest. Ich tanze deine Spuren, forsche, und abends, wenn du bei mir bist, dann lausche ich, ob du mich kennst. Ich spucke auf die Totengräber, das Packgesindel, das nur glänzt. Ich will dein leises Wimmern hören, und lachen können, wenn du rennst. Ich weiß nicht, wie dein Auge blickte, nicht, wie dein Stimmchen klänge, wie du beißt. Ich kann den Schmerz in meiner Brust nur ahnen, den da im Kopf, den hab ich hier. Als Horizont, als Perihel. Nimm mich nur mit, ich folge, tanze, wenn du doch sängest, Halt und Schritt! In deinen Zügen stirbt sich einsam, in deinem Nichtsein bist du mir. | #6 of 18 [Backlink] Posted at Monday 16.03.2009 21:28 © by SuMuze
| | Virtueller Ablasszettel | → Zorn → Songs | Wenn im Fluß des Gesangs eine Wunde laut blutet, wenn Trauer darin ist und Wut, eine Prise von Trotz, wenn Hoffnung noch vorkommt, ein Licht, das fern jeder Ferne als Schatten erscheint.
Wenn jedes Gefühl wie gerüttelter Sand sich in sich selber verdichtet, hinein zieht, was niemals darin schien, verschlingender Strudel, noch warm von der Hand, Vanille, das Glas mit dem Wasser macht süffig, die Zeitung, Kaffee, zum Klirren der Tassen, Bonechina, Duft weht um die Nase aus Maragogype.
Im Sand seiner Wüsten versinkt Altertum, kluger Stein, eine Vorschrift, dem Rückwärtsgewandten das Soll, das ihn knebelt, den Gag aufgedunsen, in Fesseln kriecht Lust in den Rachenraum ein, jede Büchse entladen, der Pilger schwört Eide dem Linsengericht, und dann endlich ruht er.
Wenn im Wort eine Wunde hell blutet, verschmutzt sie mit Eiter die Seelen infaust. | #7 of 18 [Backlink] Posted at Wednesday 14.01.2009 21:14 © by SuMuze
| | Ma n tell | → Zorn → Songs | Der Mantel den du trägst sein Braun saugt blasse Sonne in große Taschen mein Finger schaut danach enttäuscht.
Fremd ist der Wind in wirrem Haar das Meer ist Ost und grau so kalt in glatter Wolle Knochenwerk und starr dein Arm ich trage nur Sandalen schmerzender Kindertrotz in der Kabine ist die Welt weit ausgestreckt ich nicht.
Er hängt jetzt heute hier im Schrank du sahst ihn trägst du ihn? wenn du mal wieder kommst dann ja!
Die Taschen sind noch leer. | #8 of 18 [Backlink] Posted at Sunday 24.08.2008 11:03 © by SuMuze
| | Kalter Stolz | → Zorn → Songs | Ahnst du, daß mir mein Zorn den Halt nimmt aus der Welt, daß nichts mehr scheint mit irgend etwas eng verbunden, nur alles kaum sich selbst, und das nicht einmal gut, enthält?
Glaubst du, daß ich das Wort das allzu schnell oft fällt, leicht wird es nicht, einmal gesagt, jemals verschwinden, vergessen will, hab ich es dir erst streng ins Soll gestellt?
Willst du, daß mich dein Blick nie mehr gefangen hält, er lag auf mir, fast immer und für lange Stunden, jetzt hat sich Freiheit mir wie Hass in deinen Blick gesellt.
Im Abendlicht, schien es, schimmerte Haar zu mir aus meinem Bett, und über's blanke Holz der Dielen rannten die Füße hin; nur langsam wieder wächst in mir kalter Stolz. | #9 of 18 [Backlink] Posted at Tuesday 12.02.2008 18:38 © by SuMuze
| | Schlaflos | → Zorn → Songs | Nach Mitternacht: zu früh um aufzustehen, zu spät um auszuschlafen; um Schlaf gebracht: er konnte mich nicht sehen, er wollte mich wohl strafen; das Licht ist trüb: mein Zorn stopft das Geschütz, mein Herz klopft weich das Blei; der Kopf ein Sieb: ich weiß nicht was mir nützt, ich will kein Wehgeschrei; die Nacht scheucht ihre Jäger in meinen Schoß, als läg' er noch immer neben mir; mein Geist zieht sich zusammen und zählt präzise Schrammen. Bald zahl ich heim sie dir. | #10 of 18 [Backlink] Posted at Friday 07.12.2007 01:40 © by SuMuze
| | Glücksuche | → Zorn → Songs | Ich trage Feilen in der Hand, sehr grobe und sehr feine. Steckt auch ein Messer im Gewand, sehr scharf, es schneidet Steine. Ich halte Hämmer mir parat, die Stahl zertrümmern können. Üb' zwischen hart und sanft Spagat, will Präzision gewinnen. Mit Spitzen blank aus Diamant bohre ich nach dem Innern. Woran ich Innerstes erkannt? Am ungeschützten Wimmern, wenn unter meinem kalten Blick es vor mir liegt - das nackte Glück. | #11 of 18 [Backlink] Posted at Wednesday 21.11.2007 10:29 © by SuMuze
| | Angespannt | → Zorn → Songs | Wir haben angespannt kalt klatschen Riemen weißer Atem, Klirren rauhreifes Schnauben dumpf langer Tritt nach vorn und leise Welle noch weicher Zügel die sich nicht irren nimmt mir den Zorn | #12 of 18 [Backlink] Posted at Tuesday 18.09.2007 15:58 © by SuMuze
| | Ein Wort | → Zorn → Songs | Ein Wort, kein dummer Scherz, die Absicht schon, mein Herz, sticht zu, die Tat kann immer warten.
Dein Schritt, dein fester Blick, rasch, flink, nur nicht zurück, du eilst, nur blinde Kraft, zu kalten Taten.
Sah da kein Zögern, kein leises Zweifeln, nur Zorn, der deine Augen trog.
Dein Lachen lang vermied, die Rohheit, die uns schied, und doch, dein Lachen, Liebster, log. | #13 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
| | Jähzorn | → Zorn → Songs | Zorn stürmt durch deinen Kopf, zerrt Wut und Haß herbei, das Triumvirat deiner Launen, die triefenden Ratgeber, wie sie triumphieren, die Unheilsweber, wie deine Hände zittern, deine Augen starren, die Kopfhaut dir schrumpft, deine Zähne ins Leere mahlen, nach Grausamkeit suchst du, dem Götzen der Schwäche, Bankert der gerechten Rache, der Mitleidslosesten von allen.
Zorn füllt deine Adern, Wut in jedem Gedanken, Haß in jedem Schlag deines Herzen.
Bist du auf der Seite der Schwachen oder doch nur in deinem Hinterhof? Zählst du die Wunden der Anderen oder erläuterst du dich selbst? Ist es ein Fenster oder nur ein glänzendes Stück Metall, verloren im Dreck?
Dein Hals wird frei, deine Schultern lösen den harten Sattel der Attacke die du nie reitest. Deine Augen gewinnen das Maß. Dein Herz die Melodie. Dein Lachen erklingt. | #14 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
| | Korrekturen | → Zorn → Songs | Verliebt – doch blind? Sie mir so offensichtlich sind, die, vor die Wahl gestellt, ich striche alle aus dem Bild:
den Hochmut, der klirrend kalt dein Herz gefriert; den Zorn, der immer wieder Widerstand gebiert; den Stolz, der zäh noch jede Brücke nieder reißt; den Hohn, der heimlich um die kleinste Schwäche weiß!
Wort streicht um Wort, Satz kämpft mit Satz! Das reißt dich fort, kein fester Platz. | #15 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
| | Nachtragend | → Zorn → Songs | Ein feiner Strich zieht sich quer über meine Haut, nicht rot, nur glatt, ein Fehler auf dem Weiß, kein Schmerz, nur Bild, nur meinen Augen fremd.
Ein dunkler Korridor ist dort in mir und führt hinab, gibt Denken keinen Halt, und mäßigt Fühlen nicht, ist Falle für das Licht, das schon geschwächt nach Einhalt sucht.
Ein Brunnen muß dort sein, und drinnen noch ein Summen, als wäre ích tief Innen mit meinem Zorn allein, und würde gegen Wände und gegen Schweigen trotzen, und doch nicht siegen.
Ein Mangel breitet sich dort in mir aus, so wüst, läßt sich niemals beruhigen, und niemals füllen, will immer Mangel sein, und ewig fordern, unrettbar leer.
Als wären alle Mauern nur roh aus Stein in mir, und alle Pforten schwer mit Eisen und mit Riegeln aus blauem Stahl gemacht und drohten mir in ihrer widerlichen Macht.
Und wenn ich mich bewege dann tanzen sie nicht mit und sitzen wie die Krähen die lauern schwärzlich wild! und schauen voller Hohn aus ihrer Spötterhöhe verweigern mir den Lohn wie ich den kleinsten Dank.
Ein feiner Strich nur, doch weit weit mehr als nur genügend, so hart und fest und grell zieh sich mein Blick heran an ihn und hält ihn fest, sein Rot, auf immer. | #16 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
| | Soldaten in mir | → Zorn → Songs | Warum sagst du so etwas? Warum sagst du Dinge, die ich nicht verstehe? Die mich kränken. Mich schmälern. Schmerzen. Sind deine Worte dir nur Federn, herausgepreßt aus den Betten deiner Bequemlichkeit? Beachte deine Rede! Lege ihr Maß an! Sei behutsam! Zartheit, zerbrochen, wandelt sich. Sei auf der Hut! Wie oft ging wer zu Bett, in der Belle Etage, und ach, wie schlug er die Augen auf - im Souterrain. Mein Haß wird häßlich sein, meine Wut widerwärtig, mein Zorn zermürbend. Warum sagst du Dinge, die ich nicht verstehe? Sprich verständlich, sprich wahr! Soldaten lauern in mir! | #17 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
| | Wir tanzen | → Zorn → Songs | Ist das Trauer in dir? Oder wenigstens – Verlust? Bist du weit weg von mir? Was hast du gewußt?
Ich zähl die Worte, ich archiviere dich! Markier die Orte, wo dir ein Blick entwich!
Ist Zorn noch da, und Wut? Und mittendrin, verschüchtert, ein Pochen dir im Blut? Oder bist du ernüchtert?
Noch immer tanzen wir umher, ich viel zu leicht, und du zu schwer! | #18 of 18 [Backlink] Posted at Thursday 17.05.2007 12:55 © by SuMuze
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