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Genug gesehen. Dem Gesicht begegnet in allen Weisen.
Genug gehabt. Lärm der Städte, abends, und in der Sonne, und immer.
Genug erkannt. Die Haltestellen des Lebens.
- O Lärm und Gesichte!
Aufbruch voll Gefühl und Geschrei - neu!
A.Rimbaud: Leuchtende Bilder / Illuminations - Aufbruch / Départ
(übers. von Reinhard Kiefer und Ulrich Prill)
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Teasing→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Die Stille im Institut war beruhigend. Ein paar Tiere ramenterten draußen herum, und der Wind ließ die Blätter der Bäume und Büsche leise rascheln. Von unten aus dem Tal kam Verkehrslärm herauf, aber durch die Entfernung genug abgeschwächt, daß er nur noch wie das Fließen von Wasser zu klingen schien. Alles schön ruhig, dezent, unauffällig. Rosenlicht liebte diese Stimmung, wenn die meisten Mitarbeiter bereits gegangen waren, auch der Reinigungsdienst seine Runden hinter sich hatte, und wohl nur noch der Mann unten an der Pforte in seinem kleinen Zimmer hockte und heimlich schmuddelige Magazine verschlang. Die Jalousien waren heruntergefahren und das Licht gedämpft. Nur auf seinem Schreibtisch brannte noch eine kleine Niedervoltlampe, und die hypermoderne Stehlampe an...
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#1161 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 09.09.2007 14:11 © by SuMuze
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Sehnsucht nachts→ Sehnsucht  → Songs

Im Traum hat mich
dein süßer Leib wild
wie einen bunten Schmetterling
durchbohrt auf hartem Holz
mein Schweiß war Blut
die schwachen Glieder
zuckten noch
grausame Liebe
die mein Herz verzehrt

#1162 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 09.09.2007 09:26 © by SuMuze
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Sehnsucht abends→ Sehnsucht  → Songs

Nie bist du meiner Seele näher
als in der Sehnsucht, die
mit tausend Widerhaken
mein Innerstes nach Außen kehrt
mir jeden Laut meiner Gedanken
auf endlos leerer Fläche
achtlos verweht
wie Laub im Herbst
das jeder Windstoß
weiter auseinander treibt
wie springen meine Tränen
wie gierig will mein Sinnen
mit jedem Bild der Lust
von deiner Hand
sich glühend heiß
mit Eifer dann
für dich
umspinnen
und meine Augen
glänzen matt.

#1163 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 09.09.2007 09:13 © by SuMuze
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Sehnsucht morgens→ Sehnsucht  → Songs

Ich träume deine zarte Nähe
mir wie die Sonne auf die Haut,
die morgens meine müde Seele
dem Schlaf entzieht, dem Tag antraut.

Ich lehne wie an deiner Seite
an meine Kissen eng geschmiegt,
such lächelnd in der Laken Weite,
ob meine Liebe nicht dort liegt.

Ich küsse sanft das weiße Leinen,
mit deinem süßen Schweiß getränkt
will es mir wie dein Mund bald scheinen,
der meine Sehnsucht auf sich lenkt.

Ich sterbe, liegt dein Licht nicht auf mir, hell,
ich lebte, kämst du doch nur zu mir, schnell.

#1164 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 09.09.2007 08:46 © by SuMuze
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Ignazio Buttita: Lu silenziu/Il silenzio/Das Schweigen→ Ignazio Buttita  → Canzoni


lu silenziuil silenzio
Amu lu silenziu
chi mi fascia lu senziu
e duci si abbannuna supra di mia
c’un suspiru di puisia;
amu lu silenziu
chi mi grapi li vrazza
e m'incupuna
sutta scialli di rasu,
sutta veli e giumma
e mi porta luntanu
supra pinni di palumma.

Amu li nichi paisi
cu casi furmichi
e strati majsi:
si veni lu misi
d’agustu,
di cavudu giustu
ca nuddu passa
e tutti li cosi
parinu pusati
supra na matassa di cuttuni;
e l’omini, all’umbra e all’ammucciuni
si fannu un pinnicuni;
e dorminu l’animali ntra li staddi
e nun cantanu li gaddi
e nun sonanu li campani
ca li sagristani,
puru iddi,
addummisciuti comu picciriddi
(dominus vobiscum)
si godinu lu friscu
all’umbra santa di li sagristii.

Amu la morti
chi senza scrusciu di porti
trasi dintra li casi
e cu li manu di fata
(né vista né tuccata)
chiudi l’occhi, la vucca,
e leggi t’accarizza li capiddi
la frunti, li masciddi,
e ti sicca lu chiantu
e ti fa biancu biancu comu un santu,
e cu li manu ‘ncruci
ti duna tanta luci
e ti grapi li celi
cu na vasata duci comu meli:
amu la morti
la cchiù silinziusa di tuttu...
Amo il silenzio
che mi fascia la mente
e dolce si abbandona sopra di me
con un sospiro di poesia;
amo il silenzio
che mi appre la braccia
e mi avvolge
sotto scialli di raso,
sotto veli e fiocchi
e mir porta lontano
sopra piume di colomba.

Amo i piccoli paesi
con case formiche
e strade maggesi:
se viene il mese
d'agosto,
di caldo giusto,
che nessuno passa
e tutte le cose
sembrano posate
sopra una matassa di cotone;
e gli uomini, all'ombra e di nascosto,
si fanno una dormita;
e dormono gli animali nelle stalle
e non cantano i galli
e non suanano le campagne
ché i sagrestani,
pure loro,
addormentati come bambini
(dominus vobiscum)
si godone il fresco
all'ombra santa della sacrestia.

Amo la morte
che senza rumore di porte
entra nelle case
e con mani di fata
(né vista né toccata)
chiude gli occhi, la bocca,
e lieve ti accarezza i capelli,
la fronte, le guance,
e ti secca il pianto
e ti fa bianco come un santo,
e con le mani in croce
ti dà tanta luce
e ti apre i cieli
con un bacio dolce come il miele;
amo la morte
la piú silenziosa di tutto...
Übers. von Agathe Haag, Thomas Schmid und Klaus WagenbachÜbers. von mir
Ich liebe das Schweigen,
das meine Stimme umgibt
und mild über mich sinkt,
Hauch von Poesie;
ich liebe das Schweigen
das mich beim Arm nimmt
und hüllt
in Tücher aus Atlas,
In Schleier und Flocken
und mich trägt, weit weg
auf Taubenfedern.

Ich liebe die kleinen Dörfer
die Ameisenhäuser
die Wege im Mai:
wenn der Monat
August kommt,
mit der wirklichen Hitze,
und alle Dinge
wie auf Watte
zu ruhen scheinen
und die Menschen im schattigen Winkel
ein Schläfchen machen
und in den Ställen die Tiere ruhen
die Hähne nicht krähen
die Glocken nicht läuten
wenn die Küster,
auch sie,
eingenickt wie Kinder
(dominus vobiscum)
im heiligen Schatten der Sakristei
die Kühle genießen.

Ich liebe den Tod,
der ohne Türknarren ins Haus tritt
und mit Feenfingern
(Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht)
die Augen schließt, den Mund schließt
und dir leicht übers Haar streicht,
über die Stirn, die Wangen,
die Tränen dir trocknet,
und dich weiß macht wie einen Heiligen,
deine Hände kreuzt,
der dir soviel Licht gibt,
und dir, mit einem Kuß,
süß wie Honig, die Himmel öffnet:
ich liebe den Tod, den schweigsamsten von allen..
Ich liebe das Schweigen
das meine Sinne nimmt
und süß sich auf mich legt
mit einem Hauch Poesie;
ich liebe das Schweigen
das meinen Arm faßt
und mich verhüllt
unter Shawls aus Satin,
unter Schleiern und Flocken
und mich fort trägt
auf den Federn der Tauben.

Ich liebe die kleinen Dörfer
mit den Ameisenhaufen
und die Wege im Mai:
wenn der Monat
August dann kommt,
mit der wahren Hitze
die nichts duldet
und alle Dinge
wie auf Watte
zu ruhen scheinen
und die Menschen im Schatten
machen ein Schläfchen
und die Tiere ruhen in den Ställen
und die Hähne krähen nicht
und die Glocken läuten nicht
wenn die Küster,
auch sie,
eingenickt wie Kinder
(Dominis Vobiscum)
die Kühle genießen
im heiligen Schatten der Sakristei.

Ich liebe den Tod
der lautlos durch die Tür
das Haus betritt
und mit Feenfingern
(du siehst sie nicht, du spürst sie nicht)
dir Auge und Mund verschließt
und leicht über das Haar streicht
über die Stirn, die Wangen,
und dir die Tränen trocknet
und dich weiß macht wie einen Heiligen
mit den Händen gekreuzt
dir so viel Licht gibt
und dir den Himmel öffnet
mit einem Kuß süß wie Honig;
ich liebe den Tod
den Schweigsamsten von allen..

#1165 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 08.09.2007 16:52 © by SuMuze
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Being Late→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Während der Landung zählte Rosenlicht nach, wie viel Schlaf er in den letzten 36 Stunden bekommen hatte. Vielmehr: er versuchte sich daran zu erinnern, ob er überhaupt geschlafen hatte. Wie er sich noch wach hielt, war ihm ein Rätsel. Heimlich war er natürlich ein wenig stolz auf diese Leistung. Jüngere als er schafften das nicht in der bravourösen Manier, die er immer noch jederzeit hinzulegen in der Lage war. Er schaute sich selbst im Glas des Fensters neben sich an. Taufrisch sah er allerdings nicht mehr aus. Das sah er jedoch auf diesen Flügen nie. Eine Fortbewegungsart, die er verabscheute. Er sah auf die Uhr. Sie würden über zwei Stunden Verspätung haben. Ärgerlich, er verstand nie, warum niemals ein Flug pünktlich starten oder landen konnte.

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#1166 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 08.09.2007 00:21 © by SuMuze
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Unfair Teaser→ Teaser  → Songs

Und nimmst du meine Angst
birgst mich zwischen deinen
Räumen will mir scheinen
mein Inneres wird dein
der Lohn der Tat sei dir
begierig hingegeben
bürgst doch mir fein
mit deinem Herrenleben
und bist ein Schild dann mir.
Und nimmst du meinen Dienst
du findest unter Tausend keinen
feineren denn diesen Einen
den frei an dir ich tat
damit dein zartes Sehnen
sich nun beruhigen mag
an meiner Schwäche Beben
in meinem Mägdeleben
und bin die Welt dann dir.

#1167 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 07.09.2007 21:30 © by SuMuze
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La sua casa→ Süden  → Songs

Eidechsen zwischen alten Steinen
bewachen nicht die Fensterläden,
die ihre Farbe schon zu sehr
dem Himmel hergeschenkt.
Im Wind tappt müde wilder Wein
an meine tauben Scheiben,
will wohl hinein zu mir,
wie auch die Katzen, nachts.
Ich rieche Rauch von tausend Tagen,
der in den Balken über mir
das Holz, das zärtlich weint,
liebkost so unermüdlich.
Kalt unter meinen nackten Füßen
zu harte Fliesen in der Küche,
weich unter bloßer Sohle
fangen Dielen meinen Tritt,
und hart reibt weiße Haut
der rauhe Putz der Wand,
wenn ich mich an sie lehne,
als könnte sie mich bergen,
dann treibe ich in schwarzer Hitze
wie Träume ausserhalb von Zeit,
die lange in mir schlafen, ich
schlafe in den Träumen nicht,
den Rücken trägt mir hartes Leinen,
glatt dünner Stoff auf meiner Brust,
der mit dem Schweiß und mir
kaltherzig seine wilden Spiele übt.
Ich horche hinter Schritten her,
wie Retter aus der Nacht
lockt sie mein Ohr; jedoch
nur Klappern auf dem Dach,
und endlich kriecht der Morgen
mit tausend Reitern wieder her,
die ziehen Säbel und parieren -
nur hinter meinen Augen ist es leer.

#1168 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 07.09.2007 17:15 © by SuMuze
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Zwei Spieglein→ Innereien  → Songs

Zwei Spieglein schauten sich einst an,
verliebt und zärtlich sich bespiegelnd,
doch störte sie, daß dann und wann
ihr beider Bildnis, in der Mitte liegend,
mit fremden Formen sich vermischte,
sie rückten enger zu sich hin,
damit nicht irgendein Gelichte
verwirrte ihren heilen Sinn
aus reiner Liebe, Lob des wahren Lichts;
jedoch am Ende zeigten sie sich - Nichts.

#1169 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 07.09.2007 16:20 © by SuMuze
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Fucking→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Rosenlicht erwachte nur langsam. Es war noch kein Morgen, das Licht, das ihn blendete, stammte von der Lampe auf der anderen Seite des Bettes. Eine paar Sekunden wußte er kaum, wo und wann er war. Dann erkannte er ihr Gesicht. Oder genauer: dessen Umrisse. Denn den Ausdruck, der jetzt in ihrem Gesicht lag, kannte er nicht. Hinter ihren Augen schien es zu leuchten, ihr Mund stand weit offen, ihre Wangen waren hohl. Die Unterlippe zitterte, und deutliche Spuren von Tränen verliefen quer über ihr gesamtes Gesicht hinweg. Laut und schnell ging ihr Atem, als hätte sie gerade einen Wettlauf absolviert. Ruckartig wurde er gänzlich wach.

Sie hatte sich auf die Ellbogen aufgestützt und schaute ihn an. Schien ihn durch irgend etwas geweckt zu haben, das...
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#1170 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 07.09.2007 09:22 © by SuMuze
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Dornengriff→ Love & Affection  → Songs

Mit deinen Dornenarmen
fängst du auf meiner Flucht
mich ein, reißt mir die Seele auf,
bis zitternd ich
das kalte Halfter deiner Gier
den scharfen Griff
an meinen Flanken
will.

#1171 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 06.09.2007 18:58 © by SuMuze
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Dancing→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Die Musik gefiel ihm. Nicht zu laut, nicht zu lahm. Der Saal gefiel ihm. Nicht zu groß und nicht zu hell. Und natürlich - sie gefiel ihm. Rosenlicht hatte schon immer gerne getanzt, und sie war eine fast ideale Partnerin. Sowohl was ihre Größe als auch ihre Beweglichkeit und Fügsamkeit anging. Fast spürte er sie kaum, aber nur fast. Die richtigen Reize bekam sein Körper an den richtigen Stellen schon vermittelt. Langsam wurde ihm ihre Leichtigkeit beinahe unheimlich. Als könnte er mit ihr nichts wirklich falsch machen.

"Du tanzt gut," flüsterte er in ihr Ohr, ganz gegen seine Gewohnheit, beim Tanzen nicht zu sprechen. Die seinem immer deutlicher spürbaren Alterungsprozeß recht angenehm entgegen kam. "Ich hatte als Kind Ballettunterricht," antwortete sie. Auch sie sagte kaum etwas, lehnte ihren Kopf nur leicht bei ihm an und schwieg. Rosenlicht küßte ihr Ohrläppchen. "Schön, daß wir eine gemeinsame Liebe haben," sagte er voll ehrlicher Freude. "Ich liebe das Tanzen nicht," kam es recht kühl zurück. Rosenlicht war es, als hätte sie das Licht im Saal ausgeknipst. "Warum?" fragte er reichlich verdutzt. "Ich hatte als Kind Ballettunterricht," wiederholte sie nur. Er mußte, trotz seiner Enttäuschung, lachen. "Sollen wir uns wieder setzen?" Sie schaute hoch. Das Licht spielte in ihren Augäpfeln, auf den Backen und Lippen. Rosenlicht empfand sie jetzt schöner als je zuvor. "Ach nein," sagte sie weich, "es macht dir doch gerade so viel Spaß." - "Aber wenn es dir keine Freude macht, will ich nicht mehr." Auch Rosenlicht konnte kindisch sein.

Sie hob sich mitten im Schritt auf die Zehenspitzen und küßte ihn rasch. "Dummkopf. Tanz weiter und zeig allen Leuten, was du alles kannst und alles hast. Vielleicht kriegst du mich sonst nie wieder dazu, mir so was anzuziehen." Rosenlicht erwiderte den Kuß, begeistert und nur ganz weit im Hintergrund leicht beleidigt. Das lernte er bei ihr rasch: nicht zu empfindlich zu sein. Ihre Vermutungen über sein Seelenleben waren selten sanft, und fast genau so selten falsch. "Also dann," sagte er und knurrte wie ein feuriger Eintänzer und schwang sie ganz besonders heftig herum. Irgendwo in seinem Rücken tat etwas blitzartig weh, aber er kümmerte sich nicht darum. Vor seinem Bauch klebte das blühende Leben, was konnte ihm da das wie ein Incubus auf seinem Rücken hockende Alter antun?

Sie hatte ja Recht. Er zeigte gerne her, was er konnte. Und Tanzen konnte er ganz ordentlich. Sagten zumindest alle, die sich dazu bisher geäußert hatten. Ihm selbst gefiel es, obwohl er beileibe kein sportlicher Mann war. Von Natur aus eher zäh und dürr, reichten ihm ein paar Spaziergänge in der Woche und sein angeborener Hang zur Appetitlosigkeit, um nicht wie andere Männer seines Alters mit Bauch und Kinn kämpfen zu müssen. Eigentlich eitel, was seinen eigenen Körper anging, war er ohnehin nicht. Aber als Teddybär wollte er auch nicht durch seine Tage schlurfen.

Ernsthaft stolz aber war er auf den Anblick, den sie heute Abend bot. Und für den zum größten Teil er sich verantwortlich fühlte. Sie hatte ein recht eigenwilliges Verhältnis zu Kleidung. Durch das er nur langsam durchzusteigen begann. Anfangs hatte er angenommen, sie würde sich gerne her zeigen. Sie trug viel zu oft zu kurze Röcke oder zu knappe Kleidchen und schien ihm sehr wenige Hemmungen zu haben, eine Menge Haut zu entblößen. Dann war ihm aufgefallen, wie anders sie sich bewegte und benahm, wenn sie normaler gekleidet war oder allein mit ihm zusammen. Wo sie oft vollkommen nackt herum lief, als wäre das ihre liebste Form der Bekleidung. Und er hatte die starke Erregung entdeckt, die ihre seltsame Art, der Anblick ihres sich so anders bewegenden Körpers ihm dann vermittelte. Vermutlich war das auch der tiefere Grund, warum er an jenem Abend überhaupt erstmalig und so plötzlich sein heftiges Interesse an ihr entwickelt hatte. Diese eigenartige Mischung aus Verkleidung und Selbstverständlichkeit, die er an ihr sah.

Eine feine Ängstlichkeit lag dann in jeder ihrer Bewegungen und Gesten, wie ein dünner, nahezu erstickter Hilferuf, der Männer wie ihn vermutlich eher unterbewußt erreichte. Und diese Ängstlichkeit stand in einem wunderbaren Gegensatz dazu, daß sie sich meistens recht selbstbewußt benehmen und verhalten konnte. Kaum Hilfe brauchte und sie auch nicht andauernd einforderte. Je mehr er darüber nachdachte und sie beobachtete, desto deutlicher wurde ihm all dieses. Und auch seine wachsende Neigung, sie sich in gerade dieser Zwiespältigkeit zu erhalten. Womöglich diese noch zu steigern. Er schämte sich dessen durchaus leise, konnte und wollte sich aber des Reizes, der für ihn nun einmal darin lag, sie derart subtil zu beeinflußen, ja fast schon zu gängeln, nicht entschlagen. Und ihre Bereitwilligkeit, seinen Wünschen mit einem Lachen zu folgen, half ihm, sich nicht allzu schäbig dabei vor zu kommen.

Vorgestern hatte er es endlich geschafft, sie zu einem Einkaufsbummel zu überreden. Das letztlich ausschlaggebende Argument für sie war eigenartigerweise gewesen, daß so ein Bummel sich einfach für ein Liebespaar aus älterem Daddy und jüngerer Geliebter gehöre. Und daß er es wenigstens ein einziges Mal mir ihr erleben wolle. Kichernd hatte sie ihm zugestimmt. Wie er dann in Düsseldorf hatte feststellen müssen, waren ihr die Läden, die er im Auge hatte, um ein wenig mit seiner Weltläufigkeit vor ihr anzugeben, offenbar nicht weniger gut bekannt als ihm. Das hatte sein Vergnügen jedoch nicht geschmälert, sondern vielmehr noch gesteigert, allerdings auch das Loch, das dieser Nachmittag in sein Konto riß. Das Ergebnis aber war ihm das alles wert.

Heute Abend also schwenkte er sie in einem dunkelblauen Nichts über das Tanzparkett, ließ ihre Beine silbern glitzern und hielt ihre Schultern, ach wie liebte er das Gefühl über alles, zart und nackt in seinen Armen. Ihre Füße, im exakt zum Kleid passenden Blau, flogen herum, seine Hände ebenfalls, und sein Herz flog ihr entgegen und schien nie wieder von ihr weichen zu wollen. Falls nicht vorher irgendein Blutgerinnsel dazwischen käme, dachte er hin und wieder, mehr, um die ganze Veranstaltung damit zu würzen als aus akuter Befürchtung heraus.

Bevor er heftiger ins Schwitzen kam, setzten sie sich wieder. Rosenlicht genoß den Gang von der Tanzfläche zurück zu ihrem Tisch. Er genoß den ganzen Abend. Sicher, das alles war Tinneff, ein albernes Ritual, mit dem er nur bewies, daß er genug Geld dafür hatte, seine junge Geliebte auszustaffieren und herum zu zeigen. Und daß sie ihn genug gerne hatte, um dabei mitzuspielen. Brosamen für einen alten Mann im Altersheim. Naja, nicht ganz, aber es ging doch ein wenig in diese Richtung. Aber das alles störte ihn nicht. Er sah sie und sah die Blicke, die sie auf sich zog, und die auch ihn kurz streiften. Er selbst schaute doch auch hin. Fand zwar, daß für den enormen Preis das Kleid recht billig wirkte. Aber das war wohl ein Naturgesetz der besseren Mode. Schließlich sollte diese Kleidung den Wunsch erwecken, sie verschwinden zu sehen. Da mochte das Billige, Ungenügende, das sie stets für ihn ausstrahlte, wesentlicher Bestandteil des Wirkungszusammenhangs sein.

Lächelnd half er ihr sich zu setzen und fiel dann ärgerlich schwer selbst auf seinen Stuhl. Der nicht ganz so bequem war, wie er es gerne gehabt hätte. Vermutlich sollten die Gäste mehr tanzen und weniger sitzen. Obwohl die Preise für Essen und Getränke die Annahme nahe legten, daß damit hier das eigentliche Geschäft gemacht wurde. Er rutschte sich etwas bequemer zurecht und wandte sich dann ihr zu.

"So," sagte sie mit diesem strahlenden Mädchenlächeln, das er niemals in seinem Leben mehr vermissen wollte, "während du mir jetzt deine feuchte Hand auf die Knie legst, damit alle wissen, daß ich nicht deine Tochter bin, erklärst du mir endlich den Unterschied zwischen einer iterativen und einer geschlossenen Lösung." Rosenlicht lachte lauthals los und tat, wie sie ihm befohlen hatte. Und, wie er bemerkte, beides mit fast gleicher Begeisterung.

Am Nachmittag hatten sie das erste Mal über seine Arbeit gesprochen. Über das Modell, an dem er mit ein paar Doktoranden seit bald einem Jahr saß. Er war ärgerlich, weil wieder einmal bei der aktuellen Datenbeschaffung zu viel dazwischen gekommen war. Zugleich hatte einer seiner Mitarbeiter eine sehr spannende, fast brillante Idee gehabt, um ihre windigsten Modellparameter trotz der bekannten Probleme recht sauber zu testen. Aus der sich möglichweise ein gemeinsamer Aufsatz machen ließe, ohne daß es ihn zu viel Arbeit kosten würde.

Das hatte er kurz erwähnt, mehr, weil er seinen Ärger und seine Freude zugleich los werden wollte, als aus der Hoffnung heraus, es könne sie ernsthaft interessieren. Seither löcherte sie ihn mit tausend Fragen. Sie hatte ihm zugehört, eine Weile dachte er, sie machte ihm etwas vor. Dann aber spürte er ihr Interesse. Ein eigenartiges, ungerichtetes, rasches Interesse, das ihn sofort an seine Schulzeit erinnert hatte. Auch er war einmal so gewesen, neugierig und schnell im Auffassen, aber ohne einen Zusammenhang, der seiner Neugierde mehr als nur eine vage Richtung gewiesen hätte. Und der dann später, leider und vielleicht unvermeidlich, die spannenden, weiten Felder um ihn herum so mächtig parzelliert und verengt hatte.

Jetzt also malte er auf ein paar Zetteln, die er seinem Notizbuch entriß, Diagramme und redete, als säße er im Institut und nicht neben einer Tanzfläche. Möglicherweise, fiel ihm ein, würde es seine Kolloquien deutlich spannender gestalten, wenn die weiblichen Doktorandinnen knappe Kleider trügen und die männlichen Doktoranden schicke Anzüge. Und zwischen den Beiträgen jeweils ein paar Tänze einzulegen hätten. Und natürlich unter den Tischen einander begrapschen konnten. Rosenlicht hätte am liebsten nur noch gelacht und laut heraus geprustet. Seine Laune war bombensicher. Und die Begeisterung, die er in ihrem Gesicht fand, über ihn, über das, was er sagte, über die Umgebung, trugen ihn wie eine ganze Schar Bewunderer.

Im Taxi, kurz nach Mitternacht, er würde am Morgen sehr früh raus müssen, lehnte sie plötzlich ihren Kopf gegen seine Brust. Bewegte ihn heftig, als müßte sie sich ein Lager dort scharren. Rosenlicht tätschelte, immer noch voller guter Laune, ihren bloßen Rücken. Bewunderte gerade ausgiebig und stolz die silbern schimmernden Linien ihrer Beine, als er merkte, daß sie weinte. Leise, ruhig, aber recht kontinuierlich. Daß sie schnell sein Hemd durchnäßt hatte und immer noch nicht aufhörte. Vorsichtig veränderte er seine Berührungen, machte aus dem fordernden Tätscheln ein sanftes Streicheln, das sie zu ihn heran kommen lassen sollte. Das sie sich ruhig und sicher fühlen lassen sollte.

Trösten war nicht seine Stärke, machte ihn eher unsicher, sogar ein wenig wütend. Er versuchte es natürlich immer, aber die Erfolge sprachen nicht unbedingt für ihn. Jetzt überlegte er, ob er sie nach dem Grund fragen sollte. Doch alle Fragen, die ihm einfallen wollten, schienen ihm zu dumm, zu platt zu sein. Also streichelte er sie einfach weiter, mit einer Hand an den Schultern und der anderen in ihren Haaren. Und wartete ab.

Glücklicherweise dauerte die Fahrt sehr lange. Sie waren noch nicht annähernd in der Nähe seines Hauses, als sie aufhörte zu weinen und ihren Kopf von seiner Brust löste. Sie schaute ihn an, er stützte rasch ihren Kopf und probierte sich an einem aufmunternden, solidarischen Lächeln. Bekam ein recht schiefes Lächeln zurück. Und konnte endlich die Frage anbringen, die ihn unentwegt umgetrieben hatte.

"Warum weinst du?" - "Weil ich neidisch bin," kam es jämmerlich schluchzend zurück. Rosenlicht überlegte. Verstand dann. Wunderte sich selbst darüber, daß er so schnell verstand. Wegen seines Einfühlungsvermögens war er niemals berühmt gewesen. Sie aber schien ihm grundsätzlich alles einfach machen zu können. "Ja," sagte er, beugte sich vor und küßte sie. "Kann ich dir dabei irgendwie helfen?" Sie gab ihm den Kuß zurück. Kein Vergleich zu ihren Küssen sonst, aber immerhin. "Ich weiß nicht," murmelte sie, "ich glaube nicht." - "Ich möchte dir gerne helfen." - "Ja, ich mir auch." - "Läßt du dir denn helfen?" - "Sicher. Die ganze Zeit."

Das gefiel ihm nicht. Ordnete ihn da ein, wo er sich nicht sehen wollte. Auch wenn es vielleicht sehr realistisch war. Er spürte seinen Ärger wachsen. Aber Rosenlicht konnte seine gute Laune aus dem Tanzpalast nicht ganz so schnell an den Nagel hängen. Und wollte das auch nicht. Weswegen er lediglich ein bisschen verstimmt wurde. "Viel zu nützen scheint dir meine Hilfe aber wohl nicht," brummte er. Sie küßte ihn erneut. Eine Klasse besser. Aber in diesem Augenblick immer noch nicht ganz ausreichend. "Verderbe ich dir den Abend?" fragte sie sanft. Rosenlicht wurde rot. Und schalt sich ob seiner aufgekommenen Selbstsüchtigkeit. "Ja," sagte er ehrlich, "aber was macht das?" Sie lächelte und legte ihren Kopf in seinen Schoß.

Himmel, dachte er, das war knapp. Aber so schlecht hatte er sich nicht gehalten. War nicht der egozentrische Klotz geworden, auch wenn er kurz davor gestanden hatte. Aber etwas war doch falsch gelaufen, das ahnte er. Auch wenn er nicht wußte, was. Er streichelte sie weiter, etwas mechanisch, wie er sich eingestand. Seine Erregung war verflogen, und ein kratzender, böser Ärger umkreiste seine Gedanken, suchte nach einem Anlaß, sich groß aufzuspielen. Er malte mit seinem Finger Figuren in die Seide ihres Oberschenkels. Der bei der ersten Berührung zuckte, dann aber still hielt. Ganz allmählich kehrte seine Lust auf sie zurück.

Rosenlicht seufzte leise. Er würde gerne für sie da sein, dessen war es sich sicher. Aber ob er das konnte? Er schaute auf sie herunter. Ihr Anblick reizte ihn, auch die Kraftlosigkeit, die sie jetzt ihm zeigte, die fast schon an Hilflosigkeit grenzte. Die selbstverständliche Art, wie ihr Leib sich für ihn entblößte, wie sie nur darauf zu warten schien, daß er etwas mit ihr tat. Sie, ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Gefühle, einfach alles in die Hand nahm.

"Ich könne eine Menge für dich tun," sagte Rosenlicht, und es war sein Ernst. Sie schaute hoch, im Dunkel des Fonds schimmerte ihr Gesicht nur undeutlich herauf. "Sicher," sagte sie bitter, "für mich wird immer sehr viel getan." Rosenlicht fühlte sofort wieder den Ärger kommen. "Was willst du denn?" Sie bewegte sich, langsam und nicht ohne Wirkung auf Rosenlichts Erregung. "Tätschel mir den Arsch," forderte sie roh. "Mir gefallen solche Ausdrücke nicht," gab er scharf zurück, bevor er nachdenken konnte. Sie lachte leise. "Das macht der Altersunterschied. Ich bin einfach zu unreif für dich." - "Mir würden sie auch nicht gefallen, wenn du mein Alter hättest." - "Dann würdest du ihn mir wohl auch kaum tätscheln."

Rosenlicht verschluckte die Erwiderung, die ihm auf der Zunge lag. Und fühlte eine leise Wehmut. Als ginge gerade etwas verloren, als wären sie sich plötzlich so fern wie die vielen Jahre, die zwischen ihnen lagen. Und er wußte nicht einmal, woher dieses Gefühl nun ausgerechnet jetzt, an diesem Abend, her rührte. Vielleicht, weil er zu sehr versucht hatte, sein Alter zu überspielen. Sich albern jugendlich gegeben hatte. Und sie war zu sehr versucht, ihre Jugend zu zeigen. Mit der sie ihn jetzt provozierte und auf Augenhöhe zu sich zu bringen versuchte. Was ihr auch gelungen war, wie er zugeben mußte.

Er schaute herunter, nahm seine Hand und tätschelte ihr den Arsch. Wie sie es wollte. Wie er es, wenn er ehrlich war, nicht ganz ungern tat. Also tat er es. "Da hast du natürlich Recht," sagte er gelassen. Sie schluckte, er konnte es genau hören. Bewegte den Kopf, drückte sich noch etwas mehr in seinen Schoß hinein. "Entschuldige," sagte sie leise, aber es klang mehr, als wollte sie nur aufhören zu reden. "Entschuldige du," antwortete Rosenlicht sanft und bereute diese Lüge sofort. Ärger und Gier machten sich über seine Worte lustig, das konnte niemals gut gehen. Mann, sagte er sich in einem wilden Anfall von trotziger Jugendlichkeit, alles was er jetzt wirklich wollte, wäre sie zu ficken. Sofort und bedenkenlos und auf der Stelle.

Keine gute Idee, er grinste wütend und ärgerte sich ebenso wild, wie sein Verlangen an ihm zerrte, über diesen Gedanken. Über sich, über sie, über das weniger schöne Ende des schönen Abends. Über das Taxi, das schier endlos durch die Nacht fuhr. Sie würde es nicht wollen, und er, wahrscheinlich, gar nicht mal können. Dazu war er zu aufgewühlt. Oder zu müde. Oder - ganz einfach - zu alt.

#1172 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 06.09.2007 08:32 © by SuMuze
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Vom Turm→ Ich  → Songs

Vom Turm den ich bewohne
seh ich hinab
auf Felder, Wiesen, Häuser,
auf Straßen, Stein und Stahl
und manchen krummen Baum.
Ich seh die Menschen kommen,
ich seh sie wieder scheiden,
seh Wolken und die Sterne,
den Wind, der alles nimmt,
die Nacht, die nichts hergibt,
das Licht, das niemals liebt.
Ich höre Kinder schreien
und alte Männer stöhnen
und leise weinen Fremde.
Den Regen hör' ich fallen,
mir schlägt das Herz dazu,
ich spür' die Sonne steigen
und wieder untergehen,
und merke mir so viel,
nähm's gerne mit hinaus,
holt aus dem Turm mich,
irgendwann,
dein Lachen doch heraus.

#1173 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 06.09.2007 08:26 © by SuMuze
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Weltenbummler→ Worte  → Songs

Ich habe mir die Welt gemacht
aus Worten und aus Strichen,
bin nicht davor zurück geschreckt,
auch Schatten beizumischen,
blieb aber bunt im großen Ganzen;
jetzt trage ich die Welt im Ranzen.

#1174 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 05.09.2007 20:03 © by SuMuze
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Gärtnerschmach→ Süden  → Songs

Da wo die Mauer droht zu stürzen,
ein krummer alter Baum hält sie noch auf,
stinkt Gras unter den harten Büschen,
zu wenig Licht damit es atmet,
die Erde immer feucht und klamm,
nur gelb gekrönte kleine Blümchen trauen
sich aus dem Lehm heraus zu schauen,
als hofften sie auf mein Gesicht,
das ihnen hilflos zugewendet,
die Sonne nicht ersetzen kann.

#1175 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 05.09.2007 19:46 © by SuMuze
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Kaltes Schach Matt→ Me & You  → Songs

Kalt rücktest du auf Schach und Matt
als du es endlich konntest.
Wie hatte ich die Worte satt
als du nicht sprechen wolltest.
Mir störte jeder Satz die Ruh'
als du nur eisig schwiegst.
Ich schlug das Buch für immer zu
das du nie schreiben wirst.

#1176 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 05.09.2007 13:46 © by SuMuze
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Zwischen die Zweige einer Rose→ Heimspiele  → Songs

Zwischen die Zweige einer Rose
voll Vorsicht sich hineingefügt
dem Herzen einer Herbstzeitlose
sich sanft und leise angelegt
vom Taumel gelber Tausendschönchen
die Schritte leise fortgelenkt
der Unzahl unbekannter Blümchen
mit leisem Sehnen eingedenk
läuft rasch mein Lachen durch den Garten
tanzt froh mein Blick zu jedem Strauch
mir ist, als würd' ich heiter warten
und jede Blume wartet auch

#1177 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 05.09.2007 11:15 © by SuMuze
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Weiches Herz→ Ich  → Songs

Ich habe mir mein Herz gebrochen
es war wohl nicht das erste Mal
es ist mir wieder eins geworden
auch das nicht mehr zum ersten Mal
mein Herz scheint mir sehr weich zu sein
es wächst recht gut wieder zusammen
ein weiches Herz kann viel vertragen
vielleicht gefällt es dann und wann
deshalb will ich nicht weiter klagen
es ist wie neu, nur ein paar Schrammen

#1178 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 04.09.2007 17:16 © by SuMuze
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Memorizing→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

"Halt hier an," rief sie, und Rosenlicht schlängelte sich gekonnt von der linken Fahrspur auf den Parkplatz des Supermarktes, den sie sich aus ihm nicht erfindlichen Gründen so plötzlich auserkoren hatte. Hinter ihnen hupte es laut und wütend. Sie schaute zurück, biß sich auf die Lippen und wirkte seltsam schuldbewußt. "Knapp," stellte sie fest. Es klang, als fände sie sein Fahrmanöver zugleich aufregend und unangenehm. Er selbst ärgerte sich auch, denn solch ein Rowdystil paßte so gar nicht zu ihm. "Vielleicht sagst du mir beim nächsten Mal ein wenig früher Bescheid," kritisierte er vorsichtig. "Dann darfst du nicht so schnell fahren," kam es sofort zurück. Er hatte schon eine Erwiderung auf den Lippen, schluckte sie dann aber klugerweise wieder herunter. Zu etwas...
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#1179 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 04.09.2007 10:27 © by SuMuze
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Undichtes Gedicht→ Traum  → Songs

Im kurzen Licht zwischen den Wolken
sie sind schon wieder fort sofort
dem immer gleichen Strich der Erde
die Sonne scheint durch mich hindurch
als wär mein Leib kaum mehr vorhanden
und schmelze hastig alsbald fort
denn meine Worte sind zu leicht
nicht dicht genug für diesen Ort

#1180 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 04.09.2007 08:36 © by SuMuze
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Asyl→ wet  → Songs

Gewährte mir Asyl
in seiner langen Nacht
ersetzte ihm sein Weib
mit Lippen rot wie zart
nicht allzu viel
nahm mir die Hand
zu seinem Zeitvertreib
mir hat's nichts aus gemacht

#1181 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 02.09.2007 18:46 © by SuMuze
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Weltbewegende Liebesweisheit→ Me & You  → Songs

Die Freundlichkeit der schönen Worte
die fleißig deinem Mund entsprangen
hat jüngstens nachgelassen, Freund.
Nun fange ich doch an zu bangen,
und suche ängstlich nach dem Grund.
Liebst du die Röte meiner Wangen
nicht mehr, von der du viel geträumt?
Sind wir zu viel zu weit gegangen,
wurde dabei zu viel versäumt?
Ist Glück, wenn es in allzu langen
Tagen treu uns bleibt, wohl ungesund?
Wie süß mir deine Worte klangen,
die du geflüstert meiner Pforte
als sie noch fest verschlossen war
- ich tat sie auf und ließ dich ein
das wird dann wohl der Fehler sein.

#1182 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 02.09.2007 15:36 © by SuMuze
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Having Breakfast→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Der Duft des Kaffees war verführerisch, fand Rosenlicht - wie jeden Morgen. Heute aber einmal ganz besonders. Denn er hockte nicht allein in seiner Küche, las nicht auf die Schnelle noch irgendeinen lahmen Text, der ihn anödete, oder eine Zeitschrift, die ihn noch mehr langweilte. Heute saß ihm gegenüber dieses Mädchen. Wirkte in dem karierten Hemd, das er ihr heraus gesucht hatte, noch viel jünger und hübscher als am Abend zuvor in dem winzigen Abendleid. Sie hatte es nicht einmal zugeknöpft, so daß ihre kleinen Brüste ihm immer wieder - und recht willkommen - in seine Augen stachen. Ja, Rosenlicht hätte am liebsten unentwegt laut gelacht oder sogar vor sich hin geträllert. Ersatzweise lächelte er sie so häufig an, daß er sich schon fast etwas dämlich vor kam.

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#1183 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 02.09.2007 13:35 © by SuMuze
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Snuggling→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Rosenlicht spielte verträumt mit ihren Haaren. Er gefiel sich selbst dabei, bewunderte die Zartheit, mit der er ihre blonden Strähnen immer wieder geduldig durch seine Finger zog. Und genoß die Schrankenlosigkeit ihres nackten Körpers, der sich schlafend an ihn drängte. Er hätte weinen mögen, so stark war das Gefühl von Zuneigung und Verantwortung, das er jetzt ihr gegenüber empfand. Wie gut er doch sein konnte, hier in seinem Bett, allein und unbeobachtet, ohne jeden Zwang, ohne jede sein Gut-Sein erklärende und damit mindernde Aussicht auf einen Vorteil. Nun gut, vielleicht der Aussicht auf eine kurze Zeit, in der er das Zentrum ihrer Liebe sein mochte. Aber dessen war er sich zum einen nicht sicher, und zum anderen wußte er, wie wenig das am Ende zählen...
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#1184 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 02.09.2007 13:30 © by SuMuze
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Fishing→ Affäre Rosenlicht  → Soaps

Die Terrasse verlief fast um die gesamte linke Hälfte des Hauses. Breite, hohe Fenstertüren boten rundum die Möglichkeit, auf sie hinaus zu treten, viele aber waren von Innen durch die Tische mit dem Büfett verstellt. Auch die Kälte hier draußen mochte dazu beigetragen haben, daß außer ihr sich niemand heraus gewagt hatte. Sie lehnte vorsichtig an der eher geschmacklosen Imitation einer antiken Brüstung, um ihr Kleid nicht schmutzig zu machen. Ihr Blick wanderte hinüber zu den tiefen Schatten unter Bäumen, die sie fast nur als Silhouetten gegen den hellen Widerschein der Stadt im Osten wahrnehmen konnte. Es war still hier draußen, sogar der Lärm der Stimmen aus dem Haus konnte gegen diese Stille wenig ausrichten. Sie stand reglos da, eine Hand auf der breiten...
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#1185 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 02.09.2007 13:25 © by SuMuze
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Waste→ Love & Affection  → Songs

An einem Donnerstag hast du mich abgelegt,
kurz nach dem Backup für die Woche,
vor einem Freßtermin, du mußtest hin,
sagst du, ich sage: komm nur her zu mir
und bring dein Kabel mit, 12 pin belegt,
mein Hals sehnt sich nach deiner Wut,
und häng mich auf an deiner Wand,
dann wäre ich, für ein paar Tage,
zu etwas gut, tote Geliebte schmücken
ungemein, flink deine Hand und ich
nur ödeste Vergangenheit, erbrochen                
jedes Kästlein, jeder Raum,
und meine Schenkel schmierst du dir
beim Booten heiß um deinen Stolz.

#1186 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 01.09.2007 17:11 © by SuMuze
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Kunst + Literatur 2 / mehrschichtig→ Projects  → Canzoni
Metamorphose
#1187 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 01.09.2007 14:33 © by SuMuze
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Kunst + Literatur 1 / mehrschichtig→ Projects  → Canzoni
Körperträume

Kalter Morgen

Lippen
#1188 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 01.09.2007 14:27 © by SuMuze
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Interstellare Rührseligkeit→ Sternenstaub  → Songs

Ich schaue hoch
da sind die Sterne
Galaxien Nebel
Konstellationen
ich kenne kaum
die Namen nur
manche
wie den Mars
Andromeda
oder auch
Beteigeuze
ich gürte mich
wie Orion
und schaue streng
wie Sirius
und Magellan
umwölkt mich
farbig bunt
wenn ich Geduld
und Ruhe habe
ich greife nach
dem Schwarz
als könnte ich
die Schwerkraft
unterlaufen
und suche
nach Quasaren
als würde
Gottes Hand
mich gütigst
immerdar
und wunderbar
für ewig
aufbewahren.

#1189 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 30.08.2007 18:41 © by SuMuze
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Tränenmeer→ Meer  → Songs

Die Segel hingen mir
vom Sturm zerfetzt
zieh sie mir wieder auf
ein Schiff im Tränenmeer
das stolz die Segel setzt

#1190 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 30.08.2007 13:07 © by SuMuze
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Lippenspiel→ Spots  → Songs

Bin doch ein Mund
der Worte murmelt
- ein Lippenspiel.

#1191 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 30.08.2007 11:37 © by SuMuze
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Mein Perlenkleid→ wet  → Songs

Im Regen draußen
fand ich in Tropfen
pures Sonnenlicht.
Mein Perlenkleid:
so trüb warst du,
komm häute mich.

#1192 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 30.08.2007 11:12 © by SuMuze
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Diverses Sehnen→ Ich  → Songs

Ich kann mich mit Gedanken sehnen        
- das endet, denk ich schärfer nach.
Ich kann mich mit Gefühlen sehnen
- das endet, fühle ich ganz neu.
Ich kann mich mit dem Körper sehnen
- das endet, kriegt er, was er will.
Ich kann mich mit den Häusern sehnen
- das endet, gehen alle raus.
Ich kann mich mit den Straßen sehnen
- das endet selten gut, du siehst's.
Ich kann mich mit den Bäumen sehnen
- das endet, wenn der Wind sie knickt.
Ich kann mich mit der Erde sehnen
- das endet nie, bestimmt.

#1193 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 29.08.2007 15:34 © by SuMuze
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Revisited: A Walk In The Park→ Blaupause  → Soaps

Er ist dünner, härter, kantiger geworden. Das sieht nicht schlecht aus, überhaupt nicht. Vielleicht sind die Augen weniger freundlich, aber das mag an mir liegen, und an dem, was er in mir sieht. Es gab mir einen Stich, vorhin, als ich aus dem Auto stieg und auf ihn zu ging und den ersten Blick in sein Gesicht warf. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, oder erhofft, oder befürchtet. So wurde es ein freundliches Lächeln, ein Händedruck, der dann doch zu einer kurzen Umarmung sich wandelte. Sicherlich ein Fehler, denn die Bewegung kam von mir, begann ohne mein Zutun. Und dann, umarmt, wußte ich nicht recht weiter. Was das Lösen danach zu einer etwas steifen Angelegenheit machte. Jetzt liegt da ein klein wenig Mißtrauen in seinem Blick. Ich kann das verstehen.

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#1194 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 29.08.2007 13:20 © by SuMuze
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Frische Krume→ Heimspiele  → Songs

Zwei Haufen feuchter Erde
aus Zufall angehäufelt
dazwischen altes Gras
und graues hartes Holz
schwarz glänzt der Lös
als wär' er wieder jung
ans Tageslicht gezerrt        
schamlos zeigt er sich mir

#1195 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 28.08.2007 10:32 © by SuMuze
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Marzipantraum→ wet  → Songs

Wär ich aus Marzipan
und um mich Wein
oder Likör
willkommen mir dein Kuß
kaum süßer wär

#1196 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 27.08.2007 20:12 © by SuMuze
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Perspektiven→ Nur so  → Songs

Stiehlst dich mit flinkem Wort aus ihren Taschen da
in die sie tapfer dich log, von;
trennst ihr mit hartem Kuss den Fabelfaden ent
den sie mit Fleiß für dich spann, zwei;
und hattest doch nur still zu halten.

#1197 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 27.08.2007 16:10 © by SuMuze
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I tried to find a word→ Worte  → Songs

I tried to find a word
or maybe two
expressing
how my body
is craving peace
and all the like
did not succeed
so I did turn
to watch my mind
since minds may fit
into my words
they didn't
now I just start to weep
that's what I'm apt to do
each day by day
maybe
it's better than
to talk.

#1198 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 26.08.2007 22:35 © by SuMuze
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Ich wollte Stärke von dir haben→ Traum  → Songs

Ich wollte Stärke von dir haben
Nicht Lust, nicht Spaß, nicht schlaues Denken
nur Stärke solltest du mir schenken
genug für einen andren Tag
für ein paar Stunden, ach, Minuten,
was schaue ich da noch nach vorn
gib mir doch bloß, was ich gern möchte
und dann, egal, verpufft der Traum
wär nicht der Erste, nicht der Letzte
Träume gehn in die Luft, wer weiß es nicht
wir leben in den Trümmern unsrer Träume
und leben darin gar nicht schlecht
ziemlich bequem
Traumdaunen
polstern weich das Ich
ich hätte gerne dich bestohlen
nun aber, wie's so geht
geht das wohl nicht
ich muß woanders
Stärke holen.

#1199 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 26.08.2007 20:16 © by SuMuze
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Summer of Love / mehrschichtig→ Projects  → Canzoni

Summer of Love - mehrschichtig



Anlaß dieses Projektes war die Collagegeschichte 'Summer of Love' auf dem (nicht mehr existenten) Blog mehrschichtig. Die dort über mehrere Wochen hinweg eingestellten Bilder begannen für mich langsam und dann recht verlockend eine Geschichte zu erzählen (nun, der Titel hat's wohl auch ein wenig angelegt). Und die Geschichte wurde für mich immer spannender. Ich denke, jede kann eine Menge Details daraus beziehen, für mich waren die Bilder fast unendlich reichhaltig an interessanten Haken, an die ich meine eigenen Gedanken hängen konnte. Ich habe nun hier eine recht kurze, aber wie ich glaube in sich stimmige Version meiner Geschichte zu den Bildern zusammen mit den Bildern eingerichtet. So gut, wie es meine Layout-Kenntnisse möglich machten.

Mein herzlichster Dank an die Person hinter 'mehrschichtig'. Dieses Projekt hat eine Menge Spaß gemacht und viele Gedanken induziert. Ich hoffe, jeder Leserin (auch Leser sind geduldet) macht es ebenfalls ein wenig Spaß.

Sehr eigenartig war für mich, daß es einem Text einfach nicht gelingen will, das Ganze eines Bildes (und schon gar nicht einer Bilderabfolge) einzufangen. Immer bleibt das Gefühl, das Eigentliche müsse doch noch zu erreichen sein. Dabei entstehen eine Menge divergierender Geschichten. Erst wenn du in diesen einen Kern siehst (eher intuitiv denn analysierend) engst du dich ein, fokussierst ein identifizierbares Thema. Ich weiß nicht, ob das nicht letztlich ein Verlust ist. Denke aber, daß wir immer und überall solche selektierenden Entscheidungen zu treffen haben. Gut, wenn wir stets um den Rückweg wüssten und nicht glaubten, das aktuelle 'Hier' wäre das einzig mögliche 'Hier'.

Nebenbei hat mir diese Collagengeschichte auch klar gemacht, warum ich Filme letztlich doch für ein ungenügendes (oder zu schwer zu beherrschendes) Medium halte: sie werden durch die Über-Komplexität ihrer Sprache überwältigt. Ich kenne dazu das schöne Bild: er kann vor Kraft nicht laufen. Texte wie Bilder haben den Vorteil der Einfachheit. Der - mich zumindest - so schön beruhigt.




(1)
Pech hatte sich immer mehr auf uns gelegt. Er schien nichts zu merken. Hing herum, in seiner aufgeblasenen Zugeknöpftheit. Strahlen sollte Ich - leuchten, glänzen, prahlen. Das Kleinod sollte Ich sein.
(2)
Aber das Pech blieb nicht nur an ihm haften, auch ich wurde sein Opfer. Auch an meinen Flügeln klebte es bald.
(3)
Es hatte keinen Sinn, hinaus zu laufen. Das Pech begann, mich unsichtbar zu machen.
(4)
Vielleicht, wenn ich doch noch Mutter würde. Noch nicht zu spät - ach Gott, ich verfolgte heimlich jeden Monat, jede Woche, die ich älter wurde.
(5)
Ich beobachtete meinen Körper, seine Periode, seine Funktionalität.
(6)
Doch wie gerne hätte ich mich einfach nur unbeschwert gespreizt und gezeigt. Noch war meine Schönheit nicht fort.
(7)
Ich schaute mich oft an, bewunderte mich sogar ein wenig, ganz anders als früher. Ja - ich gefiel mir!
(8)
Ich schaute mir Muskeln an, heimlich. Manchmal verfolgten sie mich wie eine Sucht, mit der wilden Vorstellung von Kraft und Schnelligkeit und Geschmeidigkeit.
(9)
Es gab schon einen Mann, der mich ansehen würde, der mich ansah, heimlich. Und der genug Kraft haben würde.
(10)
Oder einen, der so fremd mir war, hart, kantig, beißend. Ich zitterte, wenn meine Gedanken an ihn zu sehr ins Kraut schossen.
(11)
Was, wenn ich alles zerstören würde? Wenn ich aufs Spiel setzte, was meine Welt ausmachte?
(12)
Er würde mich verschlingen, oder? Wie einen kleinen Happen, was könnte ich ihm schon bedeuten.
(13)
In meinen Träumen, früh am morgen, war mir das egal. Ich schwebte fort, ich war frei und leicht und er war bei mir.
(14)
Nicht faßbar, wirklich, aber so nahe, ich spürte es, ich sehnte mich unendlich nach ihm, nach seiner Berührung.
(15)
Er sollte mich nehmen, was immer er mir auch antun würde. Morgens, in meinem Bett, wenn meine Hand mich gegen jeden Strich kämmte, gab ich mich tausend Male für ihn auf.
(16)
Und in ebenso viele tausend Teile zersprang ich, bunt, schillernd, ach, wie ich mich spreizen konnte, so wunderschön!
(17)
Ich sah, ohne zu verstehen, und da war keine Angst in mir. Alles war gut, was ich sah. Schon immer gut gewesen. Er würde mich anleiten, das ahnte ich, hoffte ich.
(18)
So, wie ich es mir immer schon gewünscht hatte. Heimlich meist, nur selten war es aus mir heraus gesprudelt, hatte sich meiner Welt bemächtigt, dann ganz unbedingt und fordernd und machtvoll.
(19)
Mit all der Härte einer strengen Mutter war es stets danach auf mich wieder zurück gefallen. Und es war wohl besser so gewesen, immer.
(20)
Was aber würde er mir zeigen, wenn ich in seinen weiten Schlund hinab sähe? Trüge er sein Geschlecht so offen, wie ich es mir vorstellte, befürchtete, ersehnte?
(21)
Oder wäre er zärtlich, würde sorgsam lösen, was ich für mich nicht lösen konnte?
(22)
Müßige Gedanken. Meine Welt kannte keine Auswege mehr, wie gierig ich sie mir auch vorspiegelte. Meine Welt war eine Welt der starren Rollen. Puppen gleich agierten wir immer wieder, hingen stets an den selben Fäden.
(23)
Alles schien mir verknöchert, leblos, als wären wir Fossilien in ihren gläsernen Kästen, aufgereiht in Holzschränken für staubtrockene Gelehrte, die kaltblütig mit ihren Begriffen töteten.
(24)
Doch aus mir wollte es heraus, krabbelnd, prickelnd, stechend, wild und geil.
(25)
In mir war Kraft und Schönheit. Einer würde das sehen. Einer mußte das sehen!
(26)
Vielleicht ein kleiner Prinz, ich lachte selbst darüber. Ein kleiner zappeliger Prinz mit einer Krone, gefertigt aus einer weißen Bonbonniere.
(27)
Vielleicht war er aber nicht klein, vielleicht steckte ein Wüterich in dem kleinen Prinzen, mit einem ebenso schwarzen Herzen wie schwarzen Augen?
(28)
Ja, den würde ich zulassen, ihm würde ich folgen und - das Risiko eingehen.
(29)
Auch wenn ich damit alles zerstoßen könnte. Ich wollte es so!
(30)
Ich wollte meine beißende Gier loswerden.
(31)
Ich wollte Kraft, Kraft und nochmals Kraft.
(32)
Gut, die Kraft sollte mit Verstand daher kommen.
(33)
Aber sie sollte stechen können. Mich stechen!
(34)
Ich würde folgsam sein.
(35)
Oh ja, und klug und gebildet und voller Geschmack.
(36)
Es könnte ein wenig unheimlich werden.
(37)
Und auch ein wenig gefährlich.
(38)
Und, vielleicht, ein wenig schmerzhaft.
(39)
Oder auch mehr als nur ein wenig.
(40)
Es würde eine Menge Spuren hinterlassen.
(41)
Eine Menge Gelüste wecken. Die nicht einfach zu handhaben sein mochten.
(42)
Ein Wirbelwind könnte alles durcheinander werfen, das Unterste nach Oben kehren. Mir war schon
sehr bang, oh ja.
(43)
Aber ich wußte: etwas hatte mich in der Hand. Und ließ mich nicht mehr nach hinten schauen. Zu dem Ballast, der so lange schon an mir gehangen hatte.
(44)
Ich wollte die Schönheit und das Fremde, Unbekannte.
(45)
Ich wollte in anderen Palästen tanzen. Andere Säle betreten.
(46)
So weit fort von allem wie nur möglich. Mein Körper sollte schweben, oben, weit oberhalb des Alten.
(47)
Ja, ich würde weinen, das wußte ich. Aber meine Tränen würden wie Blitze niederfallen auf alles Falsche und Schwache.
(48)
Etwas würde zu mir kommen, irgend jemand. Das sollte so sein, das wollte ich, das mußte so sein.
(49)
Wie sehr ich mich auch wehrte, wie kleinlich ich kritisierte, zerstückelte, analysierte. Meine Gier war zu groß.
(50)
Und meine Angst war nicht groß genug. Oder? Manchmal, im Schlaf, schaute ich über alles hinweg. Und verstand nichts, nicht ein Stück.
(51)
Kam mir vor, als hätten fremde Wesen meinen Verstand erobert, die mit ihren spitzen Füßen durch mein Hirn liefen, mich kitzelten, jeden klaren Gedanken mir im Keim erstickten.
(52)
Sie analysierten mich!
(1) Sezierten mich.(2) Ich lag in Nebelkammern und unter Tomographen.
(3) Strahlen durchdrangen mich.(4) Ich wurde kleiner und kleiner.
(5) Sie nahmen mir meine Milch.(6) Sie öffneten mein Ego.
(7) Meinen Bauch.(8) Pflanzten etwas in mich ein.
(9) Tauschten mich aus.(A) Verdoppelten mich in ihren seltsamen Maschinen.
(B) Gaben mir andere Identitäten.(C) Ferne, fremde Länder sah ich vor mir liegen.
(53)
(A) Ich aber sprang auf, blitzschnell wie eine empor schnellende Katze.
(B) Die mit den Pfoten nach allem greift, was sie nur haben will
(C) Und was ich nur immer fürchtete.
(54)
Und dann sah ich mich wieder, wie ich mich immer gesehen hatte.
(55)
Und ich wußte, daß er nur ein Froschkönig gewesen war.
(56)
Daß ich meine Krone schon immer getragen hatte, seit Kindertagen an.
(57)
Und daß der Froschkönig nur eine arme alte Unke war, harmlos wie ein vergilbtes, leeres Blatt Papier.

#1200 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 26.08.2007 14:02 © by SuMuze
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