| Steilküste #8 | → Steilküste → Soaps | Ich wache langsam und zäh in den Tag hinein auf, als müßte ich mich aus einem tiefen See aus klebrigem Teer hervor arbeiten. Das strengt an, weil es Nachdenken erfordert. Mein Geist aber möchte nicht nachdenken. Ich bin viel zu sehr angefüllt mit der weichen Hilflosigkeit eines schlechten Gewissens und den schwammigen Residuen der Zufriedenheit eines Körpers, der sich um keine Schuld scheren will und trotzdem davon kontaminiert wurde. Meine Gelenke und Muskeln schmerzen. Ich habe Durst und mir ist zu heiß. Meine Haut spannt sich straff über meine Knochen wie brüchiges Pergament, das jeden Moment aufreißen könnte. Im Magen scheint sich ein harter Knoten zusammen gezogen zu haben, der in rasch aufeinander folgenden Wellen einen beißend scharfen Geschmack nach... [weiterlesen] | #161 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 01.11.2009 18:26 © by SuMuze
| | Stadtbummel 55 Tage vor Weihnachten | → Von Rändern → Songs | Die Eisenwunderkerle sind wieder unterwegs! Sie schnipsen mir Prozente ins Gesicht. Was in die Kälte wächst, ist Phallus' Gott, darüber thront Graf Oxygen. Pilatus leckt am Hammer. Ich tausche Nervengold für Ablaßgeld, tanze den Schatz-der-Kammer-Blues. Der Himmel herbstlich schroff - wie stets bei Wind aus Ost - der Bronzemann intim rasiert, die Glockenbecherfrau adrett. Am Ofenrand schmilzt wilder Mohn, bis alles sich verliert.
Ich bin zum Glück mir selbst nicht sonderlich gelitten! Unter der alten Pforte knistert Sturm, im Séparée serviert man Medaillons, hinter den Spiegeln Bruderzwist, Nasenmut, der Winzerwein ist brühewarm mit Unkenrotz vergällt, wonach selbst Stahl sich weich anfühlt. Der Dealer, sprachlos blass, gibt keinen Schuldnachlass, verliert kein Wort der Lüge mehr, verkürzt geschickt das Froschbeinkleid. Im Damensitz sticht immer Pik, wo Strebergeist regiert.
Ich wickle Fischfilet in handgeklopftes Leinen! Mein Arm behält den gleichen Gliederstolz wie Kopf auf seine Abkunft aus dem Leib. Ein Killer mit Transportproblem liegt wie tot am Bahnsteigrand, an sechster Stelle scheitert harmlos Lot, an erster entbrennt wilder Streit. Die Nackte aus dem See singt für den Rest der Welt - Katzen fürchten Salamander - vom Blatt ab Schwüre für den Fürst. Auf allen Dächern falscher Schnee. Es ist Beton, der hält.
Da war Geruch von Mandeln, Lärm tausend einer Nacht,. Warm sein, wie zwischen Händen. Man hat mir noch ein Herz gemacht. | #162 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 31.10.2009 23:14 © by SuMuze
| | Junge auf dem Markt | → Alltag → Songs | Aus faulen Beeren fließt der Saft, sagt der Junge, dessen Augen leuchten, wenn er aufschaut; wenn er auf die Beeren schaut, leuchten sie nicht.
Sie kaufen besser frisches Obst, rät ihr der Junge, dessen Stimme sanft wird, wenn er weiß; wenn er sich nicht sicher ist, dann klingt sie hart.
Der Kohl ist aus dem Kühlhaus, meint der Junge, dessen Haare weißlich schimmern, morgens; des abends hat sie seine Haare nie gekannt.
Soll ich die nassen Strünke trocknen, fragt der Junge, dessen Hände dreckig sind, wenn er verkauft; wie seine Hände anders wären, ahnt sie nur.
Sie frieren in der dünnen Jacke, grinst der Junge, dessen Fleeze wie Panzer wirkt, im Regen; wenn Sonne seine Haut beschiene, vielleicht nicht.
Die Zucchini wären heute knackig, verrät der Junge, dessen Lippen rissig werden, ist es kalt; wenn Wangen seine Lippen wärmten, sicher nicht.
Im Sommer zöge er nach Süden, träumt der Junge, dessen Finger bleich sind, wenn er abwiegt; wenn sie dort Sand durchwühlten, bräunt' es sie.
Die Tage würden wieder kürzer, bejaht der Junge, dessen lange Wimpern zählen, was sie nimmt; wenn sie das Geld ihm gibt, blickt er sie an.
Der Junge wäre fort, sagt knurrend ihr der Mann, den ihre Frage stört, den alles stört; was geht den Mann der blonde Junge an. | #163 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 30.10.2009 19:31 © by SuMuze
| | Treppen der Nacht | → Von Rändern → Songs | Liebe nicht wenn Regen! Regen sieht nicht. Atme nicht wenn Dunkel! Dunkel erstickt. Lache nicht wenn Stille! Stille trauert. Lebe nicht wenn Zeit! Zeit nimmt.
Bleibe! Der Mann mit den nassen Händen schaut zu dir her. Schau nicht. Seine Hände sind alt.
Warte! Pyramiden waren nicht auf Anhieb stabil. Die Steine, die fallen, sind hart.
Stehe! Die Frau mit den schmalen Lippen fällt Urteile. Genüge ihr nicht, sie verfehlt.
Liege! Laß deine Schenkel Bahn sein. Am anderen Tag widerlegte dein Fleisch Gottes Fluch.
Hoffe! Die Betenden blenden im Zorn die Verzweiflung. Weiß sind die Knochen, wenn Sonne sie sieht.
Ende! Kein Anfang hat Trost für die Sache des Glücks. Auf die Treppen der Nacht mündet strauchelnd ein Fluß. | #164 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 29.10.2009 21:06 © by SuMuze
| | Nachlass | → Falten → Talks | Der Koffer ist altmodisch, mit schwarz angelaufenen Verschlüssen und Verstärkungen an den Scharnieren und Schutzbeschlägen an den Ecken. Das Material ist eine Art weiche Pappe oder papiernes Leder, das ich nicht gerne anfasse, weil es staubig und muffig riecht. Zwei Riemen führen durch Ösen an den Schmalseiten, und der Griff ist aus mehreren Schichten weichen Leders gearbeitete. Er fühlt sich als einziges gut an, wirkt aber etwas zu schwach. Der Mann, der mir den Koffer brachte, hat ihn mitten ins Zimmer gestellt, sich grinsend umgeschaut, weil an einem Samstag Morgen nicht immer die gewohnte Ordnung herrscht, diesmal schon gar nicht, und ist dann mit dem Trinkgeld, das ich ihm aus Überraschung und weil seine Ohren so wild abstanden gab, zufrieden abgezogen. Jetzt... [weiterlesen] | #165 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 28.10.2009 13:10 © by SuMuze
| | Steilküste #7 | → Steilküste → Soaps | Die laute Musik vor uns verstummt, gerade als wir aus der engen Gasse kommen und auf den kleinen Platz hinaus treten. Beide verharren wir einen Moment im Schritt. Ein unsicheres Zögern, zumindest meinerseits, und vielleicht auch der Versuch, den Übergang von Dunkelheit zu Licht nicht so abrupt zu gestalten, als könnte ich damit die Rückkehr ins Vorher noch für ein paar Sekunden hinaus schieben. Die Schar der Gäste hat sich deutlich gelichtet, so daß unsere Ankunft rundum sofort auffällt. Ich schaue mich schnell um. Ein stämmiger Mann steht gebückt vor dem Ghettoblaster und schaltet träge daran herum, bis wieder neue Musik erklingt. Der stimmgewaltige Sänger von vorhin wird von einem melancholischen Gitarrenspieler abgelöst, der zwischen seinen komplizierten Griffen... [weiterlesen] | #166 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 27.10.2009 19:09 © by SuMuze
| | Postmoderne Frauenart | → Von Rändern → Songs | Straffes Polster, hart gespanntes, rotes Leder, Glanz, in dem sich spiegelt, was gefällt. Auf weißem Holzfrei kratzt die Feder, Scheckbuchcharme, ausgestellt, dahinter Muskeln unter Kammgarn, phasen-modulierter Kreis, integraler Teil der Nervenbahn, ein schlankes, hohes Glas voll Eis.
Keine Sätze, knapper Code, stummer, schneller Blick, die angespannte Miene, Winke, ein gestreckter Hals, vor und zurück, Standbeinwechsel, linke Hand lässig in der Hosentasche, makellos das Hemd wie Schnee, im Silberkühler fette Flasche, zu schwarzen Riemchen rote Zeh.
Halbdunkel, nur ein Spot wirft punktgenaues Licht, wo Bässe stramm nach Därmen greifen, matt im Nebel Schatten dicht an dicht, Hüften, die sich streifen, ein gezackter Rand, ein weißer Arm, Körper und Geruch nach Dope, Luft, die eisig kalt von draußen kam, ein wilder Kampf zum Stroboskop.
Im Treppenhaus an rauhe Wand in Lippengier den bloßen Rücken roh angepreßt, Gehechel aus der Unterwelt, ein Stier, der sich ein Bein ab wetzt, einen feuchten Strichabzug vom Mund, ein Blitzen an den Fingern, geschält, innen wie von außen wund, leises, unterdrücktes Wimmern.
Im glatten Dress den Kinderleib ausgeschüttelt, die bleiche Haut gezeigt, Freche her, am Glücksrad einmal geil gerüttelt, etwas Geschlechtsverkehr, in den Poren klebt der fremde Schweiß, beide tights sind ruiniert, zwischen den Schenkeln trieft es noch naß, bis sich das irgendwann verliert.
Das Viereck seiner Hosen ruht gelassen auf der Kante eines flachen Sessels, blaue Augen blicken in den Lauf von bloßen Füßen auf Parkett, unauffällig lauscht er nach dem Klang der Reibung nackter Haut, wenn sich die Beine kreuzen auf dem Gang, ihm zu Gefalle sind sie schön.
Im Silberleuchter auf dem Tisch wird sanftes Licht von weißen Kerzen mehrfach heller hin und her gebrochen, spiegelt sich in Gläsern, die Teller liegen auf dem langen, schmalen Tisch wie Panzer von Albinos, Kröten aus der Erde, kriecherisch verließen sie den dunklen Schoß.
Weiches Garn umschmeichelt zart gespannte Seide, Fußbett stützt wohlig das Gewölbe, im Nacken atmet aus dem Leibe ein zarter Duft. Gelbe Chrysanthemen sterben wasserlos. Vom Ohrläppchen hängt weißes Gold, der schlanke Hals ist bleich und bloß, ein Achat als Schmuck des Kleides.
Lesezeichen zwischen die Seiten, weggelegt das Buch, die Augen aufgeschlagen, die Hände falten sich, unbewegt, nicht Jammern, nicht Klagen, ein flinkes Lächeln um die Lippen, vom Knie herab die Länge kühler Schärfe, das freche Wippen schlägt kaum merklich über Stränge.
Gute Muskeln strecken Schenkel, Rücken, Bauch, Brust, Haut umschließt sorgsam jedes Zucken, Organe, Bahnen aus Schmerz, von Lust, ein Futter den Blicken, begrenzt Atmen und Fühlen, sie spürt nach dem Außen, dem Jenseits von ihr, dem einen Impuls. Verführt, sich zu lösen. Wartet bereits.
Auf hartem Polster wunderzart, postmoderne Frauenart. | #167 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 27.10.2009 10:00 © by SuMuze
| | Steilküste #6 | → Steilküste → Soaps | Das Dorf liegt rings um einen einsamen Hügel, auf dessen Gipfel die alte Kirche thront wie ein Drachen auf seinem Schatz. In mehreren Terrassen darunter umringen die Häuser diesen Mittelpunkt entlang schmaler, konzentrischer Gassen. Wir befinden uns hier auf der obersten Ebene, deren hügelwärts liegende Seite gößtenteils von den Fundamenten der Kirche gebildet werden. Bis auf den Ausschnitt des Kreises, der von ihrem Vorplatz eingenommen wird. Ein steiles Stück freier Fläche, teilweise gepflastert und teilweise mit niedrigen Büschen bewachsen, aus denen kleine, dürre Bäumchen sich nur zaghaft hervor wagen. Auf dem Weg hier her hat sich schon bald eine meinen heimlichen Wünschen durchaus entgegen kommende Marschordnung heraus kristallisiert. Henk behütet die beiden... [weiterlesen] | #168 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 24.10.2009 22:38 © by SuMuze
| | Liebe zurück | → Me & You → Songs | Ich wollte, daß die Erde zittert. Nur meine Lippe hat gebebt. Die Sonne sollte untergehen. Ich spüre nichts, was in mir lebt.
Ich wollte, daß ein Laut noch klänge. Ein Zucken lag um meinen Mund. Ein Atem, der zu atmen wäre. Das fünfte Viertel nach der Stund.
Ich wollte, daß das Feuer brannte. Asche bedeckte meine Brust. Der Herzschlag sollte weiter pochen. Im Morgengrauen Rest von Lust.
Ich wollte, daß kein Ende wäre, und daß kein Anfang dieses will. Ich wäre leicht, trotz aller Schwere, mein Flüstern laut, und alles still.
Ich wollte noch ein paar Sekunden und einen Arm rund um ein Glück, das ich kaum länger hab' empfunden. Ich wollte immer nur zurück.
Ich will nur aus dem Fenster das Land erkennen, das hier bleibt. Davor sind die Gespenster die nichts mehr mir nach außen treibt.
Leere Linien auf Papier füllt meine Hand, als nütze das. Ich bin noch immer hier! Die Zunge ist noch immer naß!
Der Finger schmerzt, der weiter schreibt. Die Nase riecht den kalten Schweiß. Nach innen aber heiß! Maschinen für den warmen Leib!
Ich wollte bei dir sein, im Leben, es dir hergeben, seiner Zeit. Jetzt freut mich nicht einmal das Ich. Nur immer du. Ich liebe dich. | #169 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 24.10.2009 22:30 © by SuMuze
| | Leichenschmaus | → Falten → Talks | Der Mann hatte wenig Faszinierendes an sich. Ein plumper Körper und ein leicht aufgedunsen wirkendes Gesicht, das eigentlich bleich sein müßte, aber eine fleckige Bräune zeigte, die von der Sonne und nicht aus der Bank stammte. Seine Haare waren ein wenig zu lang und dort, wo der schwarze Hut gesessen hatte, bildeten sie einen Absatz, was lächerlich aussah. Der Mantel saß zu eng, das paßte dazu. Und seine Schuhe hatte er vergessen zu putzen. Grauer Staub und ein paar Streifen verunzierten sie doch erheblich. Nur der Knoten seiner Krawatte hing korrekt ihm unter dem Kehlkopf wie ein Knäuel beinharten Unheils. Und eine Trauer lag bei genauerem Hinsehen in seinen Augen, die so intensiv war, daß ich mich ihr nicht entziehen konnte, wenn ich genauer hinsah. Und dann... [weiterlesen] | #170 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 22.10.2009 12:43 © by SuMuze
| | Sterben | → Tod → Songs | Sie übte Sterben. Den Blick besetzt. An allen Fingern Weiß. Ging zu dem Bahndamm, wo Lupinen war'n. Staub aus dem Wind im langen Haar. Kreuzte den Weg ein zweites Mal, auf dem Verlassenheit marschiert.
Sie übte Sterben. Meisterschaft. Und alle Knöchel starr. Auf Bücherrücken Sonnenlicht, hinter Gardinen Tag. Lag an der Wand, die Uhr schlug nicht, der Spiegel blank. Verschenkte Zweisamkeit ihr Blut.
Sie übte Sterben. Endlichkeit. Die Lippe trocken. Tod. | #171 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 21.10.2009 11:35 © by SuMuze
| | Zimmer 203 | → Von Rändern → Songs | Das Licht geht spät aus. Es krümmt sich von außen nach innen zurück. Die Ruhe kehrt ein auf dem Flur. Man flüstert am Fenster. Es zieht. Helligkeit ist wie das Wasser. Sie fließt an der Decke entlang. Grell trübt sie den Blick. Das Auge befällt ihr feucht heißer Strahl. Der Tropfen kristallklarer Lösung reißt gleichmäßig ab. Der Schlauch ist weiß, transparent, die Klemme aus Stahl, der Beutel so weich wie der Bauch, fest stehen am Boden vier Rollen, gestoppt. Ein Kratzer daneben. Der Körper geknickt zu Winkeln, in die ihn der Lattenrost zwingt. Der Blick geht nach oben, die Hand hält die Falten des Lakens, die Stirn birgt Kühle und Schweiß, Beine, Becken und Brust ganz flach unter weißlichem Stoff, prall gefüllt mit den Daunen, die riechen nach Kalk, den ein Stiefel zertrat früh am Morgen, die Sonne noch jung, der Rand jeder Welt kalt und schartig. Finger beginnen zu zittern, Schatten, die Nachtwachen werden gewechselt, Murmeln vom Ende des Ganges, dann Stille und Zeit. Auf dem Nachttisch ein Glas, neben Büchern, dem Stift, der Vase, ein Gerät, flach, nicht beleuchtet, still, eine Zeitschrift, ein Block. Oder Reste vom Tage, ein Becher, das Taschentuch mit diesem Rand, der wie Regen aussieht, wenn er hinter den Bergen vom Wind her geweht wird, lang gezogenes Band grauer Streifen zum Abend. Auf der Zunge Geschmack wie nach Eisen. Die Haut straff gespannt. In die Nacht reist der Atem dahin. | #172 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 20.10.2009 22:12 © by SuMuze
| | Steilküste #5 | → Steilküste → Soaps | Der Mann heißt Patrick und sieht aus wie ein Franzose aus der Käsewerbung. Er ist Franko-Kanadier und hier nach Frankreich gekommen, weil, wie er uns gleich am Anfang lachend verkündet hat, Kanada ihm nicht weit genug von den USA weg gelegen habe. Ich bin gerade dabei, meine nationalen Vorurteile zu überarbeiten, deswegen stimme ich ihm selbst in Gedanken nicht komplett zu, aber seine Worte nehmen mich für ihn ein. Seine Discothek hat wegen Umbaus geschlossen. Nur an ein paar Tischen auf dem Platz vor ihr sitzen einige hierher versprengte Leute, trinken Wein und gucken hoch zu den Sternen, die reichlich genug am Himmel herum hängen, um sich bequem angucken zu lassen. Es scheinen fast alles Paare zu sein, dennoch wirbeln sie auf eine schwer zu fassende Weise quer... [weiterlesen] | #173 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 15.10.2009 00:20 © by SuMuze
| | er dacht | → Worte → Songs | Die Nacht, der Tag er graut. Die Kälte, mehr er trug. Das Licht, das Schwarz er losch. Das Feuer, kein er litt. Er die, der er lebt. Das der, den er starb. | #174 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 14.10.2009 20:46 © by SuMuze
| | Liebe aus niederen Motiven | → Me → Songs | Du tickst im Takt der Herbstzeitlosen. Stellst deine Wasseruhr nach mir. Dein Winterbass dringt zu mir durch. Im Fliegengitter fängst du mich. Papier ist meine Art. Blättermeer die Haut. In deinen Lippen lauern Feilen. Zwischen den Augen Kinogier. Mein Ohrensessel hört dir zu. Mein Radiowecker schlägt Alarm. Freistatt ist mir dein Auge. Leiterbahn die Hand. Ich pflanze Silberdisteln in dein Haar. Stülpe dir Andacht um den Leib. In den Achseln nisten Vögel. Über den Rücken gleitet Lehm. Aus Wolle ist mein Haus. Mein Pelz inwendig. Auf der Kuppe meiner Hand ruhst du mit jedem Fuß im Gleichgewicht. Dein Abendlachen lädt mich ein an deinen ungedeckten Tisch. Ich nehme Reichtum aus dem Mangel für dein Glück.
Wir sammelten uns Wolken unterirdisch. Ins Gras sickerte uns Regen ein. Dein Hemd wehte wie traurig, das meine stob davon. Hier im Imperium der Daunen schärft sich der Sinn. Mir bist du schön. Ich möchte staunen. Du bist da. Ich bin. | #175 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 14.10.2009 10:06 © by SuMuze
| | Steilküste #4 | → Steilküste → Soaps | Zu spüren, wie der warme Teig sich verändert, wenn ich ihn zwischen meinen Fingern hindurch quetsche, macht mir Spaß. Wie er mit beinahe jedem Griff zusammenhängender und glatter wird und nicht die klebrige Substanz bleibt, die an meiner Haut haftet, sondern sich von ihr wie aus eigenem Antrieb zurückzieht, bis er auf einmal eine kompakte Masse für sich bildet, die ich kneten und rollen kann und die sich wie etwas Lebendiges in der Mitte der großen Keramikschüssel nieder legt. Es mag ein Frevel sein, in Frankreich eine Pizza zu backen, aber das kümmert mich nicht. Meine Unterarme sind bis halb zu den Ellbogen hinauf mit Mehl und kleinen, allmählich hart werdenden Teigkügelchen bedeckt, die sich um die feinen Härchen klumpen wie um eine Beute, die sie nicht wieder... [weiterlesen] | #176 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 11.10.2009 17:35 © by SuMuze
| | Samstag im Oktober | → Stadt → Songs | Sie glitt vom Hocker an der Bar und stand auf ihren Schuhen wie auf scharfer Munition. Seine Manschetten waren rot beschmiert. Der Taxifahrer wartete mit Rest von Brot in jedem tief gezogenen Mundwinkel. In einer Nebenstraße Häuser dicht an dicht. Das Laserlicht, vom Turntable in Wellen an die weiße Wand mit nur dem einen Bild als Takt des späten Abends hingeworfen, sprach hart sie an. In ihrer Hand, in ihrem Glas wurde ein Rotwein schal, sie trank ihn nicht.
Unter der Decke über seinem Bett schwang sich ein Zopf aus Stuck zu einem engen Bogen. Wind bewegte langsam braunes Leinen vor der nur angelehnten Tür auf den Balkon. Im Haus gleich gegenüber brannten Lampen, nervöse Schattenrisse huschten vor sich hin. Dahinter die Kulisse des Theaters, Licht, das aus den Straßen gleich daneben schien. Unten lief noch ein Paar daher, von dessen Schritten auf dem Pflaster ein Echo durch die Nacht steile Häuserwände aufwärts hallte.
Vor einer Tür zu einer späten Bar stand stumm ein Mann, schaute auf die geparkten Wagen. Auf einem Hocker eine Frau, die Lippen rot. Im schwarzen Lack der Pumps spiegelt sich Tag. | #177 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 11.10.2009 17:30 © by SuMuze
| | Wöchnerin | → Me → Songs | Der Weizendiener meines Liebsten trägt auf seinem Haupt den Lichterkranz hilfloser Hände, die dem Tag entgegen sich erheben, wenn gerechter Lohn für treue Knechtschaft teuer auf den blanken Tisch des Hauses kommt. In der Stube hängen kurze Bänder für die Mädchen, reines Weiß.
Nur ein Tropfen ihres Sehnens näßt das Leinentuch der Welt der bleichen Schenkel. Auf dem Speicher hat der Knüppel sie verschont. Kalt ist des Sonntags nie der Herd. Wenn in den Falten meiner Brust die Zeit im Flug vergeht, vertrocknet Wolle vor dem Spiegel. Finger zeigen auf das Spitzentuch.
Geruch von Flachs, Holz blutet Honig, frischer Rahm. Mein bloßer Fuß tritt in den harten Karrenweg der gleichen Woche. Müde Augen blitzen klein. | #178 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 09.10.2009 21:54 © by SuMuze
| | Steilküste #3 | → Steilküste → Soaps | Ich muß eingeschlafen sein. Gegen die Hauswand gelehnt, was nicht gerade bequem ist. Quer durch meinen Rücken schmerzt es. Nicht sehr, denn ein Kissen hilft den Steinen dabei, mich einigermaßen sanft festzuhalten. Kalt ist mir auch nicht. Eine weiche Decke liegt über Beine und Bauch ausgebreitet und meine Arme sind fein säuberlich darunter gestopft. Vom Meer her weht es unablässig herüber, doch die Luft erfrischt mehr, als daß sie mich frösteln läßt. Rechts hat sich die Sonne auf ihren Weg durch den Tag gemacht und wirft neues Licht und scharfe Schattenstreifen ins Wasser. Nicht mehr lange, und auch ich werde von ihr beleuchtet. Das bräuchte es jetzt nicht einmal, daß ich mich hell und frei fühle. Die Decke verschafft mir eine wohlige Zufriedenheit, die, würde jemand... [weiterlesen] | #179 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 07.10.2009 23:39 © by SuMuze
| | Kompression #1 | → Kompression → Songs | Ich bin aus Stahl sind meine Muskeln spielen hart mit dir will ich ans Licht drängt meine Kraft nimmt dir den Atem geb' ich her für dich bin ich das Leben macht dich klein zu sehen schmerzt. | #180 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 06.10.2009 19:08 © by SuMuze
| | Steilküste #2 | → Steilküste → Soaps | Die Veränderung des Lichtes erfolgt so gemächlich, daß es mir vorkommt, als würde nicht im Osten eine Sonne aufgehen, sondern rings um mich her eine Unzahl diffuser Lichtquellen langsam aufgeblendet. Zunächst bringt das noch nicht viel mehr an Konturen in die Welt hinein, verwandelt aber das stumpfe, ablehnende Grau in beinahe unmerklichen, winzigen Schritten in ein freundlicheres Grau. Bis dann auf einmal doch Linien und Umriße zu erkennen sind, als der Lichtergott dieser Welt seinen Schalter endlich umgelegt hat und meine Augen auch ohne Brille zu sehen beginnen. Die drohen jedoch bald zuzufallen. Ich spüre meine Müdigkeit gegen die Kühle des Morgens gewinnen. Das paßt mir nicht. Ich will jetzt nachdenken. Ein junger Tag sollte dazu einladen und Frische und Klarheit... [weiterlesen] | #181 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 06.10.2009 19:07 © by SuMuze
| | Johanna von den Vorortstraßen | → Von Rändern → Songs | In meiner Straße steht ein mit Dieselöl verschmierter Lumpensammler. Ein grüner, dicht mit Rost bedeckter Pritschenwagen. Der Mann am Steuer schwärzlich unrasiert. Der Junge neben ihm sieht aus wie ein Idiot. Ein Herbstwind hat den Himmel klar gefegt. Im Radio erzählt ein Star aus seinem Leben. Der Abflußreiniger reinigt den Abfluß nicht. Es reichten läppische Dreihundert Kilotonnen. Die Hitzewelle würde erst den Hund erfassen und dann mich.
Manchmal erscheint der Mond als Sichel auch am Vormittag. Ich schreibe Salz auf einen Zettel für den Einkauf. Ich lese Salz und male dick die Linien nach. Ich goß mir Salz auf meine frischen Wunden. Ich gab mal Erdnussbutter her für einen Kuß. In einer Straße laufen Kinder um die Wette. Das Knie von einem Funkenmädchen glänzt. Ein Kontinent hat sich um Millimeter nur verschoben. Weil Mars und Venus opponierten, scheiterte Io. Es bräuchte tausend Jahre, einen bunten Nebel hinter Wega aufzusuchen.
Das Netz der U-Bahn breitet sich nur langsam in den Norden aus. Ich kann das Kind der fetten Nachbarin nicht leiden. Ich kratze Zahnpasta nachts um halb Eins vom Beckenrand. Ich kaufte einen Pulli, der nicht paßt, und habe seinen Bon seit Tagen in der Tasche nicht gefunden. Ich male kleine Kreise auf die Ränder eines Scheins. Ich lache, weil der Mann mir gegenüber lacht. An einem Tag im Mai sind wir zusammen ausgegangen. Der Omnibus hatte Verspätung, das Wetter hielt. Ich habe meine Hüfte beim Tanz im Dunkel an dem falschen Mann gerieben.
Unter den großen Linden sind wir beide schweigsam immer geradeaus gelaufen. Ein kleiner Käfer starb am Rand des Weges völlig unbemerkt. Ich konnte hören, wie das Lager eines Rades quietschte. Wind nahm meine Haare und den kurzen Faltenrock. Ich träume, wenn ich schlafe, schlimme Dinge. Und manchmal wünsche ich mir, deine Stimme sagt's. Ich saß, die Beine angezogen, in der dunklen Ecke. Die Frau, die auf der Bühne sang, war fett und schön. Ich blätterte in alten Zeitungen im weißen Wartezimmer. Vorm Fenster sah der landende Hubschrauber winzig aus. Man trägt jetzt braun zu grün und leise Bitten um Verzeihung.
In der Mansarde lag ein Kind, sein kleiner Finger starr. Ich trage nichts in mir, was wertvoll ist. Das Wasser tröpfelt auf die Hand. Nacht heult als Zugluft. Winter ausgezählt, Ich bin nicht. Du dagegen. End. | #182 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 05.10.2009 23:36 © by SuMuze
| | In Zirkeln | → Politik → Songs | Ich möchte nicht in Zirkeln sein in denen Milch als Honig fließt und Honig gilt als Gold da.
Ich möchte nicht in Spiegeln sein in denen Haut wie Seide scheint und Seide glänzt als Haupthaar.
Ich möchte nicht in Hütten sein in denen Dach der Himmel ist und Himmel hat vier Wände.
Ich möchte nicht in Betten sein in denen Knie als Bein her hält und Beine haben Hände.
Ich möchte nicht in Augen sein in denen nah wie fern auftritt und fern bedeutet Klarheit.
Ich möchte nicht Vertraute sein wo man das Trauen Schweigen heißt und Schweigen lautet Wahrheit.
Ich möchte nicht Gemeinde sein wenn das Gemeine Alles gilt und alles gilt für immer.
Ich möchte nicht die Eine sein wenn eine so wie keine ist und keine wäre schlimmer.
Ich möchte in der Sonne sein. Das Licht scheint auch, bist du allein, und scheint es nicht, ist Dunkel. | #183 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 05.10.2009 17:12 © by SuMuze
| | Klassenfete | → Politik → Songs | Man dachte, das Geld wäre deutsch, oder wenigstens nordisch-atlantisch. Die Anderen blieben woanders, und alles fast so, wie es war. Man dachte, es ginge rasanter, man gab also Gas, ließ die Pferde hinaus, die ganze Kolonne geschlossen, nur schneller am Ziel. Man dachte, der Dreck bliebe draußen, daß nur, wer ihn putzt, sich die Finger beschmutzt. Der Wilde schießt nie gut mit Pulver im Film. Man dachte sich Hölle vernagelt, das Eden dezent als Hotel. Petrus stünd' lächelnd und blond am Empfang, mit seidigem Bein, eine Spange aus Gold hell im Haar. Man dachte, das Rammeln wär' gratis, und jeder der will, käme 'ran. Nun - man wird sehn, mag sein, es wird gehn, jeder kann eben so wie er kann. | #184 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 04.10.2009 16:38 © by SuMuze
| | Steilküste #1 | → Steilküste → Soaps | Die See liegt da unten, als würde sie tief unter mir wie metallisches Abwasser aus tausend Öffnungen in der Felsenküste heraus fließen und dann draußen darauf warten, ob noch mehr nach kommt. Das sieht schmutzig und ekelhaft aus, aber auch vertraut und ruhig. Wäre jetzt ein Sturm in der Luft, säße ich sicher nicht mehr still auf der Holzveranda und guckte in den Morgen hinein und machte mir schwere Gedanken. Obwohl, die Gedanken würde ich mir schon machen wollen. Das ist wichtig. Es ist nicht klug, einen Menschen nicht zu lieben. Nicht, wenn du dich nachts an ihn klammerst und in sein Ohr keuchst, er solle dich halten. Festhalten, als gälte es mehr als dein Leben. Besser, du liebst ihn, tust du das doch. Und wenn nicht, mußt du später nachdenken, und sei es früh... [weiterlesen] | #185 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 03.10.2009 17:58 © by SuMuze
| | Von Dämmerung | → Tageszeiten → Songs | Beim Übergang Licht hin zu Schatten tut Licht für einen Moment als bräche das Helle noch einmal hervor aus dem schwindenden Licht das sich eilig im Schatten verkriecht.
Beim Übergang Tag hin zu Nacht tut Leben am Abend noch so als läge Unsterblichkeit immer bereit in der bleibenden Zeit die der Nacht es entleiht.
Beim Übergang Wort hin zu Schweigen tut der Mund für Sekunden als schlössen die Lippen das Lautlose ein das als Schweigen danach auf der Zunge schon lag.
Beim Übergang stockt mir der Mut.
Dämmerung. | #186 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 02.10.2009 20:55 © by SuMuze
| | Vom Spleißen | → wet → Songs | Spleißen Faser für Faser aus dem Verband heraus drehen frei legen ausbreiten spreizen entwirren aus der Enge dem Geschlossenen dem züchtigen Nebeneinander entgrenzen aufdecken in den Raum hinein zerren stoßen verteilen ein Dickicht ein Winkel zerfranst längs des Seils tobt der Wind | #187 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 01.10.2009 00:37 © by SuMuze
| | Vom Prüfen | → Ich → Songs | Ich knie vor der Gnade meines Herrn. Wie leuchtet mir sein Antlitz, gesalbt in Öl und Kobalt 50. Meine Verlegenheit ist wirklich süß.
Ich wandere im Grunde seines Herzens. Rundungen, kindlich noch, doch bald schon greifbar. Ich stütze tausend Jahre wie ein Tag.
Ich preise, wenn der Tag sich weigert. So sanft, so schön, so hell. In meiner Kehle spielt Musik. Ich streiche Schmalz auf kalten Roggen.
Vom Osten dringt das Neue in mich ein. Die Abendsonne malt mir meine Ähren gülden an. Ich lasse Seide seidig schimmern.
Ich lege für ihn aus, worauf er wandelt. Im Rauch des Mittelmaßes lauern Symbole für das All. Ich buchstabiere jeder Blödheit jeden Satz.
Ich trage, was sein Blick mich tragen heißt. Zwischen den Trägern meines Hemdes klemmt, was meine Lotterhaftigkeit berennt.
Ich bin das immer Vielsagende, das schweigt. Der Takt, den nur die Todgeweihte geigt. Komm nur heran, du Mann. Ich bin – und du? | #188 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 30.09.2009 20:50 © by SuMuze
| | Herbstliebe | → Herbst → Songs | Nimm dir das Grau aus diesem Herbstgetrübe, male es mir frech als Silberstreifen auf mein Bein. Ich mache, daß es haften bliebe, daß immer ich dir fester Hafen sei. Nimm, was das dumpfe Lichterende stumpf dir auf die Hände deiner Launen schreibt. Ich warte, lauere den Lauten, die deine Einkunft wild erzeugt. Kein Tag soll leuchten, ohne daß die Sanftheit einer endlos herben, von Grenzen freien Immerzeit dein Werben birgt, tief in mir drin. Nimm dir, ich gebe, zeige, werde, und um uns wird nie Winter sein. | #189 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 30.09.2009 00:29 © by SuMuze
| | Deutscher Herbst | → Herbst → Songs | Der dumme Schutzmann kneift das Kind. Die Motten sind im Mieder. Ein kalter Wind kündigt den Abend an. Die Liedermacher streiken.
Am Bismarckturm ist Selbstmordtag. Das Würstchen zu Drei Fünfzig. Trotz Laufmaschen zuerst im Ziel zu sein beschert dir Kaufkraft endlos.
Man nimmt Rosé und meidet Rum. Der Tanzsaal ist eröffnet. Ein dummer Zufall tut erst richtig weh. Gewölbe frommt dem Guten.
Mein Sommerkleid ist quer gestreift, die pralle Meinung einwärts. Jetzt kommt der Winter, wo man friert. Heil, Petrus, und dann Weihnacht. | #190 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 28.09.2009 16:55 © by SuMuze
| | Von der Gier | → Gier → Songs | Der Schleim an der Spitze der Eichel des Schwanz' der am Bauch von dem Leib jenes Mann's der mich Scheiße ich weiß nicht wieso so umgibt wie ein Busch wie das Buschwerk das Kriemhild gebunkert die Wilde mich hat dieser Nichtsnutz sein Schwärmen so wunderbar schön seine Blitze sein Zucken und der Schleim an der Spitze der rührt in mir auf daß ich atemlos stöhne Schleimhaut gesalbt nur für ihn | #191 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 27.09.2009 19:22 © by SuMuze
| | Vom Feierabend | → Arbeiten → Songs | Der graue Kasten unter meinem Tisch gibt mir ein süßes Zeichen ich darf gehen die Software hat mich freigegeben die Paragraphen kleine Reihen im Papier was den Vertrag zu meiner Arbeit schmückt gestatten daß ich gehe.
Kurz schiele ich noch nach der Tür dem Flur dahinter in den leisen Zimmern wird noch gedacht vielleicht daß ich gebraucht gerufen werde in mir wär' Freude ich werde gern gebraucht ich würde nicht auf meine Rechte pochen warum was wäre uns geholfen täte ich's.
Ich werfe Dinge in die Tasche die für die Dinge da ist die ich in sie werfe ich reibe meine Knie an dem Holz das um die Trecken liegt mit dem was morgen auf mich lauert wartet ich höre auf das Knacken meines Stuhls.
Ich mache Feierabend ich lache in mir Sehnsucht nach ich weiß nicht zu genau wonach das Ding das meine Stunden formt schweigt jetzt nichts mehr was mich noch hier was jetzt mich noch vom Leben trennt | #192 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 27.09.2009 19:00 © by SuMuze
| | Von einem Korb | → Verführung → Songs | Der Griff quer über diesen Tisch, das sich mir Nähernde, das Alternativen, Ausweichmöglichkeiten, hurtig Streichende, das Wissen, das als Lächeln Glanz in die sonst wohl eher wässrigen, um ihre Schwäche wissenden, von greller Farbe kaum getrübten Augen gab, sich demnach dennoch nach mir streckte, das Wollen, das kaum sich zu wollen traute, das Gieren, das sich seiner Gier mehr schämte, als sie zeigte, das Bangen, ob ich denn dem Betteln gäbe, was es sich so allerheimlichst stets gewünscht, das Zaghafte, die zitternd ungetane Tat - das ließ mich kalt. | #193 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 25.09.2009 21:50 © by SuMuze
| | Vom Lügen #2 | → Lügen → Songs | Schniefen (weil Unglauben) - Die Zeile habe ich schon ewig und s/w auf dem Papier! Wie dankbar bin ich; paßt sie doch jetzt gut zu mir! - Ich lasse Zellstofftüchlein fallen. Ich trage schwarze Strümpfe. Ich habe schwarze lange Wimpern. Ich spüre Schwäche in den Beinen. Warum - frage ich mich theatralisch, weil inwendig. Niemand hört mir zu. Mein Schniefen macht mich rein. - tut er mir das wirklich an? (womit die Unschuld meiner schwarzgelackten Folgsamkeit hinlänglich wohl bewiesen wäre!) Zittern (trotz Wärme) hilft dennoch nicht viel. In seine Lügen kann ich schauen, in meine Wahrheit sieht er nicht. Ich färbe meine Wangen rot. Ich tünche meine Hoffnungslosigkeit mit transparenter Trauer. Ich befreie meine Schleimhaut aus dem Griff der Konvention. Weinen (trotz Lächeln) und nach gar nichts fassen. Mit den bleichen Fingern! Feuchter Ballen liegt wie Schuld mir unten dicklich in der Hand. Nicht die Lüge (gut, die Stimme brüchig) schneidet tödlich (Nikotin gestärkt)! Es ist das Ziel der Lüge (und es regt sich endlich Geist, wo Körper war) welches meuchelt (dennoch am Ende: dead stop breakdown) unerbittlich (vielleicht doch zu dick jetzt aufgetragen?) bis zum, ja, (ach wo, er hat's verdient, es muß!) dem Schluß! | #194 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 24.09.2009 23:32 © by SuMuze
| | Vom Lügen | → Lügen → Songs | Der Kellner im Bistro wo ich in Mittagspausen häufig beinahe jeden zweiten Tag alleine oder mit Kollegen ihm den Verdienst erhalte Freundlichkeit und Lächeln und inzwischen auch mit Fragen nach dem dies und das er kennt, was wir fast immer nehmen seine flinken Augen zeigen knapp auf jede und auf jeden mit dem weißen Tuch wischt er pro forma vor uns her er trägt meist Weste schwarze, feste Schuhe seine Haare weichen schon sehr stark zurück von seinen Schläfen die nicht immer weißen Zähne blitzen, wenn er ruft über die Köpfe hin sein Sohn schwänzt Schule seine Schwester geht er fluchte, als er es mir leise sagte mit einem Türken fremd ob das mein Freund sei wollte er am Montag von mir wissen mit dem ich Samstags hier gesessen habe ich drehte einen Knopf von seinem Hemd und dachte nach was wohl ein Freund sei einer der sich fragt, was du da machst und lachte und versprach den Knopf ihm anzunähen seine Augen blitzten lustig und er nickte tippte mit der Fimgerspitze gegen meinen Nacken nein, habe ich ihn leise angelogen warum genau das weiß ich nicht. | #195 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 24.09.2009 14:58 © by SuMuze
| | Vom Traumtanzen | → Von Rändern → Songs | Die auf dem Weg ins Leben täglich wartet, daß sich der Zug gewaltig an ihr reibt, wenn sie am Rand der Plattform steht und sein Metall sie knapp passiert.
Die auf dem Weg zum Leben täglich spürt, daß jeder Schritt auf Hartes trifft, auf Stein, der fest im Sande ruht, Asphalt, Beton, Metall und Holz.
Die auf dem Weg im Leben täglich stolz die Haare um den Kopf sich steckt, die Knie aneinander preßt, die Hand auf ihren Leib warm legt und lacht.
Die auf den Wegen durch die Nacht dem Tag ihr Leben gibt zum Lohn. | #196 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 23.09.2009 12:14 © by SuMuze
| | Hefeteig | → Heimspiele → Songs | Das starke Küchenmädchen knetet Teig. Die beiden Hände an gestrecktem Arm tief in den Brei versenkt. Mehlflecken zwischen feinen Härchen. Ein Büschel blonde Haare fällt an einer runden rosa Ohrmuschel entlang. Die Augen schauen wiegend aus dem Fenster. Manchmal wellt die Haut sich oben auf der Nase, arg im Zweifel, ob der Teig schon weich genug sei. Wäre er's, dann nähme sie die Hände in die Höhe, lange Fäden heller Masse sänken herab, zäh fließend über bleiche Unterarme, lösten sich nur zögerlich, sie ginge rasch zum Wasser, wüsche wild streifend alles von den Fingern ab. Die Zeit steigt weiter auf als Blasen aus dem Inneren des Klumpens. In ihm emsig Hefe. Warm ist ihr Fleisch. Ihr Blick ist matt. | #197 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 22.09.2009 11:51 © by SuMuze
| | Unbehausen | → Initial → Songs | Das ist mein Freund nicht der beschattet was ich hoffe untertags.
Das ist mein Stern nicht der verdunkelt was ich spüre innenwärts.
Das ist mir fremd flieht es vor mir. Was meines wäre bliebe hier.
Das ist mein Haus nicht das entblößt wessen ich mich schäme.
Das ist mein Land nicht das verkauft was für mich wuchs.
Das achtet nicht was wichtig ist. Was Sorge trüge hielte fest.
Das ist mein Glück nicht das besudelt was mein Herz verbirgt.
Das ist mir Welt nicht die vergißt wohin ich dränge.
Das steht nicht dort wo Boden fehlt. Das ist nur gut wo gar nichts schlecht.
Das ist mein Kreis nicht der aussperrt was mir den Atem nimmt.
Ich gehe keine Wege die nicht meine sind. | #198 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 20.09.2009 21:40 © by SuMuze
| | Lied von der Lebenslust | → Kurze Gefühle → Songs | Und manchmal kommt dir Leben vor, als würde es sich lohnen, Du schwebst, ein leuchtend blauer Himmelszwerg, vor Nebeln und vor Sonnen. In dir ist, was in allen ist, ein jeder kann dich sehen, bist allen wohlgesonnen, weil dein Arm, und auch dein Bein, dein ganzer Leib, die Lebenskraft, der Herzschlag, selbst dein Denken immer gilt. Dann schwillt in dir der Kosmos an, jenseits der Grenze, fern von hier. Und Dasein ist zu schön. Und manchmal ist es so. Wieso auch nicht. | #199 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 18.09.2009 23:22 © by SuMuze
| | Schweizer Kredit | → Trennungen → Songs | Er hat seine Versprechen nicht gehalten, jetzt bist du böse, tiefe Runzeln auf der Stirn, dein Schritt ist zu. Sie hat dich nicht in ihrem Arm gehalten, jetzt bist du zornig, weiße Ränder um die Augen, deine Brust steinhart. Niemand der sagt, was er dann tut, und keiner, der auf Händen trägt.
Sie pflanzen Blumen auf die Gräber, und schweigen für Minuten still. Zwischen den Steinen rieselt Staub. Unter dem Pflaster sackt die Erde. Er hat sein Lachen nicht verloren, jetzt ist dein Haß so stark wie Teer. Sie hat ihr Lächeln nicht verloren, dein Zorn hebt tiefe Gräben aus.
Du hast die Sünde fort genommen. Für sie, sehr schwere Last. Das wiegt, wenn Blässe nur sich in die Schale wirft. Das neigt sich leicht. Wer immer siegt, wird wohl am Ende seinen Lohn bekommen. Man tauscht jetzt später wieder ein. Es wird bald kaum ein später sein. | #200 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 18.09.2009 22:59 © by SuMuze
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