| Und morgen schon Revolution | → Von Rändern → Songs | Die Tür ist nur leicht angelehnt. Du kannst das Atmen hören. Sie sollten Türen machen, die nie offen stehen können. Das Fenster klemmt, das Oberlicht läßt Luft herein, den Dreck, die Welt wär besser ohne daß sie dir durchs Fenster kommen kann. Der Keller riecht, ist kalt und klamm, es raschelt, wenn du hinunter gehst. Unter dem Boden wächst heran, was deine Sohlen leckt. Im Boden baumeln Leinen zwischen Sparren in der Luft. Ein Strick kann vieles tragen, dein Blick gleitet entlang. Am Horizont wird aufgeräumt, und Hochglanz breitet sich zum Abend über allem aus. Du bleibst im Haus. In alten Schläuchen brüht man sich zu leicht. Wer sagt es nicht? Du schweigst. | #201 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 18.09.2009 22:32 © by SuMuze
| | Sommerabendglück | → wet → Talks | Sein Zimmer ist die reine Katastrophe. Ihn stört das nicht, natürlich. Ihn stört scheinbar nichts. Nicht die Haufen schmutziger Wäsche, die neben dem Bett am Boden herum liegen, nicht die kahlen Wände, nicht die fast blinden Scheiben des großen Fensters und der süßliche Geruch nach Schweiß, den der Teppichboden ausdünstet. Er kramt gerade in der Küche herum. Auf der Suche nach etwas Trinkbarem, wie er murmelte, nachdem er mich in sein Zimmer hinein gelassen hatte und gleich wieder verschwand. Nun stehe ich da und schaue mich ungläubig um. Reichlich niedergeschlagen, weil beinahe alles mich auf den ersten Blick abstößt. Vor dem Fenster gibt es zwei rundliche Sessel, mit den Öffnungen gegeneinander geschoben. Ein paar lange Rollen aus grauem Karton liegen darauf. An der... [weiterlesen] | #202 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 17.09.2009 19:17 © by SuMuze
| | Küchenmängelpoem #1 | → Küche → Songs | Ich zahlte Geld der Kirche, daß man dort mir eine Messe läse für den Menschen, der mir eine Quelle nennte, die mir anböte eine Apfelsinenpresse,
welche stromlos zu betreiben wäre. Oh wie ich rennte, um zu schauen, ob die Presse ein Gefäß besäße, welches Saft aus mehr als einer gut gefüllten Frucht
aufzufangen groß genug gestaltet wäre. Ich mäße meine Freude reichlich, habe ich doch schon lang gesucht nach einem solchen Küchenhelfer, sehr gern aus Blech,
doch wären mir auch Plastik oder Glas äußerst willkommen. Wichtig ist, beim Saubermachen ging mir der Glanz nicht weg, und, falls durchsichtig, würde dieser nicht verschwommen.
Ich lege meine ganze Hoffnung in die Hände meines Gottes, daß ich doch nur endlich fände, was mein Haushalt lange schon entbehren mußte, weil mir in diesem Punkt niemand zu helfen wußte. | #203 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 17.09.2009 15:40 © by SuMuze
| | Verliebtheit bei Regen | → Love & Affection → Songs | Ich habe heute morgen Spatz am Tellerrand an deinem Kragenrand geknabbert du lachtest gabst mir nach die Haut an deinen Ellenbogen hart und rissig meine Lippen linderten was meine Küsse hinderten der graue Regen wäscht mein Herz damit mehr Sünde Platz in mir erobert Schatz ich sammle eifrig schon die Gier der weißen Finger strafft den Leib einwärts | #204 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 15.09.2009 12:49 © by SuMuze
| | Begründete Zuneigung | → Stadt → Talks | Gewöhnlich gehst du allein nicht mehr aus dem Haus, wenn es draußen schon dunkelt. Deine Schritte im Hof klingen eisig nach Unheil. Die S-Bahn klopft an. Du achtest sonst besser auf Kleidung. Der Herbst greift jetzt kühl nach der Haut. Heute, über der Stadt, liegt ein spärlicher Lärm. Primus sitzt schon im Fond und spielt mit der blauen Krawatte. Horizont bleibt euch jenseits der Hauswände angenehm fern. Und du lehnst deine Stirn an das Fenster. Masken und Lichter. Der Club ist sehr neu. Der Junge am Eingang hat fettige Haare. Im Gang vor euch stolpert ein Mädchen. Ihr Freund lacht. Er ist nicht ihr Freund. Die Musik ist sehr leise. In der Luft liegt ein schwacher Geruch. Nach Leder, eine Mischung aus Schweiß und aus zu viel Parfüm. Alle starren sich an und hoffen... [weiterlesen] | #205 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 14.09.2009 19:34 © by SuMuze
| | Denkwürdigkeiten | → Politik → Songs | Ich denke immer wieder an den Tag, als zu viel aus viel zu wenig wurde, und aus noch mehr kaum je genug. Ich sah die beiden Pferde da inmitten Troas Grenzen brennen, und ein Gewürm fiel aus dem Himmel um sie her, das holte jeden, alles in sein Grau.
An jenem Tag starb klare Sicht, und Staub liegt noch im Umkreis dieser Welt.
Ich denke immer wieder an den Tag, als aus dem Niemals Alltag wurde, aus stummem Atemholen Ton, aus Klage Laut und aus der Totenstille Klang. Ich sah die Krieger stürmen durchs Zweistromland auf tausend Silberwagen, die Spuren ihrer Räder mahlten Schutt.
An jenem Tag verlor der Pfad sich in den Bergen wie der Wüste, unwegbar für den Feigling und den Held.
Ich denke immer wieder an den Tag, als aus Almosen Schätze wurden, Barmherzigkeit den Lohn ergab, das Krumme Maß der Ferne und die Strauchelnden die Herrn des Tritts. Ich sah den Glanz sich matt verstecken, als Stolz sich Bettlers Mütze nahm, das Schweißband vollgehängt mit seinen alten Orden.
An jenem Tag erlosch der Herd, und Kain verließ die Tafel hungrig vor dem zweiten Gang.
Ich denke immer wieder an den Tag, als aus dem Himmel Erde wurde, und aus der Hölle Grund. Ich sah die Feuer der Erleuchtung sich grell ins Dunkel brennen. Als Babel fiel, bin ich verstummt. | | Can't stop thinking of the day when all too few turned into all too much and more showed not to be enough at all. I saw two horses burning hot amidst the gates of Troas, and worms were falling from the skies that hereabout choked each and every one into their grey.
That day clear sight has died and dust is covering the ambits of this world.
Can't stop thinking of the day when never turned into our daily life, when voiceless breathing rose it's voice, when mourning popped up volume and dead silence gathered tone. I saw the warriors rushing by Euphrates and Tigris on thousand shining chariots leaving sheer debris on their tracks.
That day the path got lost between the mountains and the plains to not get walked either by heroes or by villains.
Can't stop thinking of the day when pittance turned into vast treasury, charity was urged to pay the rent, crookedness became the master of the distance, the stumbling ones ruled all the pace. I saw the brightness hiding dull when pride took for the beggar's cap all former medals neatly attached to its now tightened sweatband.
That day the hearth went out and Cain parted at table unsatisfied before the second course.
Can't stop thinking of the day when heaven became earth and hell grew ground. I saw the fires of enlightenment glaring loud into the dark. When Babel fell I lost my sound. |
| #206 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 12.09.2009 10:27 © by SuMuze
| | Kinderreim | → Kind → Songs | Alles Recht der Welt lag schwer auf seiner Seite, als er gestand, wie scharf auf Porn er wäre, schon seit er einst mit dreizehn nachts entdeckte, worauf er alles scharf sein könne für umsonst. Ich war verlegen, jedoch nicht gänzlich abgeneigt. Die Pizza kam. Lauwarme Cola. Einer hatte Gras. Ich roch an einer Jacke, die neben seinem Bett am Boden lag, auf einem Paar recht alter Schuhe. Wenn unten auf der Straße Autos den Berg herunter kamen zeichnete das Licht aus ihren Lampen lange Bahnen unter die kalkig weiße Decke reichlich weit oben über mir. Ich fragte mich, ob ich Angst haben müßte. Doch kam ich nicht zu einem Schluß, die Pizza wurde kalt. Mir hat gefallen, wie er grinste, als der Mann, der an der Bar uns musterte, umfiel, vom Bier gefällt. Auf dessen Stirn paßte das Pflaster kaum, daß ich aus meiner Tasche holte, er lachte, sagte, ich sei was. Ich wartete, doch kam nicht, was ich sei, nur meine Neugier blieb und daß sein Blick für einen Augenblick ganz anders war. Das hat mich überzeugt. Ich denke viel an diese vollgekotzte Jacke, an das Licht, die weißen Finger aus dem Draußen, die Stimme, die nicht wußte, was sie sprach. Ein matter Fleck auf meinem makellosen Kleid. Auch Jupiter, heißt es, hat einen großen, roten Fleck aus Sturm auf seiner windgepeitschten Haut. Zeus bin ich nicht. Ich sammele Kastanien. Ich glätte meine Haut straff über Knochen. Am Ende zählt das nicht. | #207 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 10.09.2009 01:25 © by SuMuze
| | Fette Liebe | → Liebe usw. → Songs | Leg deine Knie neben meine Ruh deinen Kopf an meinem aus Bring mir dein Denken, daß ich's stille Laß deine Zweifel hier bei mir Schließ' deine Augen, schau, ich sehe Löse den Griff, ich halte dich Schenk Atem Zeit, sich zu erholen Dem Zittern deiner Finger Rast Rolle dich ein in meine weichen Decken Laufe mir träumend kindlich nach Stell deine Füße, wo ich stehe Richte den Blick nach meinem aus Murmele, Schatz, ich hör' dich dennoch Im Stottern finde ich noch Sinn Ich bin der Leib, der alles lindert Mach' aus Verlust dir noch Gewinn Ich kann mit meinen Lippen heilen Mein Schoß vernichtet Einsamkeit Ich zünde Sterne an bescheiden Rotiere Galaxien schnell Ich bin die Mitte in uns beiden Kann dich ins Reich der Liebe zieh'n Lad' auf mir ab, was dich behindert Find' hier den Abend nach dem Tag Ich bin die Helligkeit des Lebens Für dich verglühe ich am Schluß. | #208 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 08.09.2009 23:37 © by SuMuze
| | Aus Wolken | → Von Rändern → Songs | Da ist Diagonale quer in mir drin. Verbindet zwei Punkte, die Rand von mir sind. Sticht in mich, ein wildes Verlangen, geöffnet, vergeben, geweidet zu sein. Da ist eine Linie, die trennt etwas hart. Läßt auf einer Seite, was zur and'ren will. Treibt meine Seele zum Endspurt an, die Zunge vertrocknet, die Lippen im Biß. Da ist eine Strecke, die zeigt aus mir fort. Die macht mich Hinkriechen, im Schmutz, lichterlos. Weist mir Welten, Rückseiten von Mond, im Staub fast vergessen, gescheiterter Raub. Da ist eine Öffnung, durch sie atme ich. Ein gnädiger Lufthauch, die Brise verzeiht. Bläst die Kleider, wie Segel vorm Wind, sie flattern um Glieder, die hielten das Kind. Da ist eine Weite, wenn Puls nur noch ist. Stoff dünner Wolken, aus dem wir bloß sind. | #209 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 07.09.2009 20:17 © by SuMuze
| | Tanz der Fingerspitzen | → Von Rändern → Songs | Tanz mir nicht sagte ich auf meiner Lippe nicht herum. Spannte sie straff eng der Mund.
Rühr mich nicht bat ich dich laß meine Stirn mir meinen Sinn mir. Schließe ihn fest hart im Kinn.
Wir dringen nie tief ineinander niemals nein.
Auf meiner Lippe taste ich. Die Fingerspitzen blieben mein. | #210 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 06.09.2009 22:28 © by SuMuze
| | Der gute Fick | → wet → Songs | Der gute Fick ist, wenn du meine Beine unendlich weit grob auseinander spreizt. Unendlich macht sich immer gut. Dann streift dein straffer Phallus wie Gottes Botschaft durch mich hin, so wie damals, als der Moses mit seinen Tafeln vom Sinai herunter kam. Ich stöhne dann. Du dringst nun weiter ein. Ich spüre deine Zweifel, wie gerne linderte ich noch den Geringsten ihrer Reihe. Mein Leib teilt sich sodann. Du stößt, ich kann es ahnen, wie sehr du stoßen willst. Und warte deiner, harre, vermeide jede Starre, die deinem wilden Stoßen das Stößerische nähme, ich schreie, ja ich zappele, für dich, mein Mann, dann kommt dein Donnern, die Superkraft, der Overdrive, ich lache, küße, bin, und du bist da, und danach bist du mein. Der gute Fick ist, wenn du lachst, danach, und ich, ich mag dich dann, vorerst, und wir sind Eins. | #211 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 05.09.2009 20:58 © by SuMuze
| | Rosenretter | → Mannsbilder → Songs | Nur ein paar Häuser weiter, da wohnt ein junger Mann, der rettet Rosen vor dem Regen, bis um sie her das Wetter bald wieder heiter ist. Er geht oft auf den Wegen zwischen den Gärten vor der Stadt, starrt mit gesenktem Kopf zum Rand hin, so als wäre für ihn dort das zu finden, was vor ihm keiner fand. Und manchmal schaut ein Anderer ihm nach, ob nicht ein Wanderer, der stumm zur Erde schaut, etwas für ihn gerettet hat. Die Rosen duften naß und frisch. Auf ihren Dornen steckt die Lust, sie zu bewahren, gegen Welt. Im Tau des jungen Morgens riecht es so gut nach Helligkeit, die ihr Versprechen hält. Die Menschen geh'n vorbei. Das Leben ist. Und bleibt. | #212 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 05.09.2009 20:03 © by SuMuze
| | Liebe #9 | → Liebe usw. → Songs | Das ist die Taumelliebe. Herzenszischen, das Lippenglühn. Beredtes stumm Sein, nirgend Wort, das Schweigende. Das hängt sich mit den Fäden an dein Laufen an. Ich kann den Tod darinnen ahnen. Den Mittelpunkt. Ich lebe gern. Will immer Licht. Wer gibt es mir? Bist nur ein Wispern unter Bänken, ein Rascheln, weil das Kleid nicht paßt, der Schuh nicht sitzt. Das ist das Kreiselsehen. Lustgetanze. Körpersein. Verwildert Wuchern, Pranzen, aus der Haut. Kannst niemals ganz herinnen sein, mußt immer aus. Ich quetsche dich, ich stauche, presse, berge. Ich kann das Kalte dabei fühlen, den Kuß, der deine Glieder lähmt, die Aussicht weit hinaus, der bleiche Morgen, stahlblaufest, das Wundern, so als wäre nichts wie immer und doch immer alles gleich. Vergib mir, oder schau nur weg. Ich achte nicht, was deine Augen in mir sehen. Ich weiß um dich. Das trifft dein Mark. Ich kann Unendlichkeiten spüren, du zählst im Hinterzimmer nach. Kein Punkt, an dem wir uns noch treffen, ich bin dein Stern und du mein Mond, und einsam sind wir beide, weil keiner mietfrei je im Andern wohnt. Da ist ein Kreuz, wo sich die falschen Wege schneiden, es zeigt ins Nichts, Erlösung winkt uns beiden. Das ist der Wilderfick, das Beben, ein Gliedertauschen, wenn sich der Schweiß wie Blut vermischt. Dahinter lauern unsere Seelen, die nimmersatt einander sind. Ich trinke dich, ich schlinge deine Fremde, in mir erst wird dein Nie zum Jetzt. Ich habe deine Haut gegürtet, mir ist sie Rüstung, Schild, dir nur noch Last. Ich könnte flehen, leise bitten. Nichts hülfe uns, nichts wär'. Ich mag es, wenn wir alles lachen. Mein Lachen stärkt, und deines hält. Damit, mein immer Liebster, endete Uns, als wäre es nie angefangen, und jeder Puls ist uns ein Glück und jeder Atemzug die Welt. | #213 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 02.09.2009 23:41 © by SuMuze
| | Ein Blickwinkel | → Trennungen → Songs | Ich trug dein Versprechen wie Furcht mit mir her. Ich schaute genauestens hin. Dein Zögern war tödlich wie Blei und das Meer. Ich hatte noch Sommer im Sinn. Ich drehte die Worte, sie klangen mir sehr. Eine Botschaft sprach zu mir darin. Ich kniete im Leeren, ich betete, wer mir im Leiden abließe, nur ihn nicht beträfe, seinen zärtlichen Leib, würde Schätze erwerben, das Glück und das Weib. Ich täuschte mich, unter den Palmen war Knete, auf Spiegeln kam Endlos, das weiße Vielmehr. Ich handelte Schoß für das hier Sein, das Gute, ein Schrei für die Brandung, ein Grinsen, Skelett. Drisch das Stroh deines Abends, verwinde den Trost. Meine Liebe ist endlich, meine Brust wehrlos bloß. Ich verfolge mit Müdigkeit die Flamme aus Wachs. Zerdehnte Zeitscheiben, Stiefelknall, eisern stracks. In den Höfen regiert, was die Ebenen füllt. Nur der Glanz bleibt auf ewig, die Träne verliert. Ich trug deinen Namen, ich war stolz für dich mit. Staub und Schotter gewinnen, Kreatur im Beritt. Taumel nicht, liebster Küster, dein Bart riecht nach Fett, gegen Winde und Stürme bleibt für immer mein Bett. | #214 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 01.09.2009 20:14 © by SuMuze
| | In der Mitte | → Ich → Songs | Ich bin nicht der Baum, der am Gartenzaun lehnt. Weil er einsam ist, trägt ihn sein Holz nur noch knapp. Ich bin nicht das Gras, das sich überall duckt. Weil es vielerorts sprießt, wird es grausam gemäht. Ich bin nicht der Trog, der das Wasser auffängt. Weil er leckt, wachsen Moose im Stein.
Ich bin nicht der Blick durch die Büsche hindurch. Sie streicheln das Land, das dahinter sein muß. Ich bin nicht das Kratzen im Hals, das mich stört. Es kommt und es geht und ich schlucke es weich. Ich bin nicht der Schweiß unterm Hemd und am Hals. Er kühlt mich ein wenig, ich wische ihn ab.
Ich bin nicht das Fenster, aus dem ich an seh', wie die Wolken den Himmel sich teilen. Ich bin nicht das Dach, das den Regen ab hält, es ächzt, wenn der Wind es heftig erfaßt. Ich bin nicht die Treppe, die ich aufwärts geh', um für mich in Ruhe zu sein.
Ich bin nicht das Summen der Wespe am Glas, die weigert sich, in die Freiheit zu fliehen. Ich bin nicht der Staub auf den Büchern im Bord, der legt sich dahin, wo sich selten was regt. Ich bin nicht die Dunkelheit nachts an der Tür, die kriecht lautlos in mein Zimmer hinein.
Ich bin nicht der Atem, der ständig hier weht. Ich lausche nur, ob er noch bleibt. Ich bin nicht der Ton aus der Luft über mir. Ich höre auf ihn, ob er schweigt. Ich bin nicht die Zeit, die der Morgen sich nimmt. Ich beobachte, wie er das tut.
Ich bin nicht der Raum. Ich spüre ihn leer um mich her. Ich bin nicht erstreckt. Ich kürze mich ein. Ich bin nicht der Punkt. Ich bin innen.
Ich bin wie der Kreis, der alles umfaßt. In mir fühle ich, wie in der Mitte. | #215 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 31.08.2009 18:54 © by SuMuze
| | Liebe abends ist nicht günstig | → Spitzfindiges → Songs | Dieses Gedicht gilt dir und ist folglich bis an die Zähne bewaffnet mit denen es kalt seine Worte bekaut Widerhaken anspitzt die es Zeile für Zeile in dein Fleisch mit der Wucht eines Pfeils schleudern wird. Und mein Nacken ist dennoch nur weich. Dieses Gedicht gilt deiner Gestalt daher zeichnet es in den Abendhimmel hinauf glühende Linien die sich sammeln zu tausenderlei Formen wild entschlossene Striche auf einem Blatt geschöpft aus dem Nichts. Und meine Hand liegt dennoch zärtlich darauf. Dieses Gedicht, es gilt nicht. Also taumelt es nur durch jeden Satz bis zum Punkt. Und meine Zunge stand niemals so still. Dieses Gedicht, es spricht nicht. Deswegen mit jedem weiteren zwitschernden Wort schweige ich. Und mein Auge, das schaut nicht, das bricht. | #216 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 28.08.2009 23:41 © by SuMuze
| | Sommersonnenmorgenlied | → Sommer → Songs | Um mein Weinen, damit es dich schneidet, ist Schönheit geschlagen, die trennt deine Haut, daß mein Salz in sie dringt. In mein Lachen, damit es dich fordert, hat sich Scharfsicht gebeugt, die prüft deinen Blick, ob mein Leuchten drin singt.
An mein Hoffen, damit es dich streichelt, ist Weichheit gebunden, die trägt deinen Mut, daß mein Stolz ihn verführt. Auf mein Flüstern, damit es dich aufweckt, hat sich Kälte gelegt, die kitzelt dein Ohr, ob mein Wünschen es rührt.
Nur mein Fühlen bleibt rein. Seine Fröhlichkeit fliegt wie ein Spatz aus dem Laub auf ins Blaue hinein. | #217 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 27.08.2009 17:41 © by SuMuze
| | Alltagsgedicht #8 | → Alltag → Songs | Ich bin, wenn die Worte mich einfach nicht wollen, wie Wolken, wenn Luft sie nicht trägt über mir. Dann ist Stille, kein Ton kann dem Schweigen mehr folgen. Das jagt in mir fort wie ein Schatten bei Nacht. Ich spitze die Ohren, ich drehe den Kopf. Leise Schritte im Rücken, ein Lufthauch, ein Ahnen, dann wildes Verweilen von Furcht vor dem Tag. Ich bin, wenn die Augen den Boden absuchen, wie Regen, der fällt, aber weiß nicht wohin. Ich lege die Arme wie Licht in den Morgen, ein Blinzeln, der Atem, der Puls und der Klang. Ich bin, wenn die Schritte den Takt wieder fanden, wie Wasser, das über die Steine sich drängt. Sanft reibt meine Haut an der Kühle der Wände. Ich tanze den Satz, weil er heim zu mir kam. | #218 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 25.08.2009 11:06 © by SuMuze
| | Sanftheit | → Ich → Songs | Ich sollte flüstern in der Nacht, das Dunkel duldet laute Worte nicht. Ich sollte sanft sein in den Morgenstunden, dann ist der Schorf noch schwach auf frischen Wunden. Ich sollte weich Vergebung schenken, wenn es endlich tagt. Dem du verzeihst, ist selbst im Schlaf noch sehr verzagt. Ich sollte warme Lippen haben unterm Licht, in heller Sonne wirkt ein Mund zu hart. Ich sollte mit den Augen lindern, am Vormittag und auch danach. Ich sollte leuchten im Gesicht, vielleicht, daß es dir hilft. Man sagt es, und ich hoffe es, für mich. | #219 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 24.08.2009 00:04 © by SuMuze
| | Mobiluck | → Moderne Zeiten → Songs | samstag morgen zeichen schwarz auf hellem grau ich lache so wie tausend glatte wangen lippen auch mein glück dort im display ein leiser laut und eine taste die mir zeigt was ich wieder wieder immer wieder sehen will die zeichen auf dem grau am hellen morgen klingelton und herzenswärme in der hand | #220 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 23.08.2009 10:45 © by SuMuze
| | Beunrechenbar | → Von Rändern → Songs | Wie ungern bin ich eins von zwein, oder von mehr. Wie eng wird mir, wenn Vielzahl mit mir zählt. Ich mag es nicht, im Resultat Faktor zu sein. Ich bin kein Limes, Element nicht und nicht Regel. Das Integral über mich her bleibt unbestimmt. Bin keines Bildes Urbild, strebe gegen nichts. Ich ende nicht mit meinem größten Rand. Mich faßt nicht meine winzigste Umgebung. In jeder Folge meiner selbst fehlt Endlichkeit. Wie teilerfremd bin ich am End, und bin es gern. | #221 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 21.08.2009 18:50 © by SuMuze
| | Eine Reise | → Morgen → Songs | Ging hin zum Schau ins Land Vom Blut getrieben Vor dessen spröder Bank Pfand meiner Lieben Stand ich. Der Wind Blies steif aus Süden Kalt schien die Welt Schwarz unter Wolken Naß schimmernd weißes Fell Umschmeichelte die Helden Asphalt schwamm kobaltblau im Silberregen Suchte den Quell Zwischen den Mauern Trank. Und ging fort Fror sehr. Bedauernd Kehrte ich heil zurück Im Schlaf geboren Der Gast in meinem Blick Hat nie gelogen Unterm Zenith Rundum gefangen Umschrieb der Horizont Den Umkreis des Verlangens Daheim im schöner Land Dem Auge ausgeliefert Fast sicher vor der Hand Zuckt wieder neu der Morgen. | #222 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 19.08.2009 19:55 © by SuMuze
| | Verwandlungen | → Kirchen → Talks | Ein großer Haufen Kies liegt vor den Fenstern wie Tränensäcke unter einem Paar in die Jahre gekommener Augen, und ein schmales, graues Brett führt oben hinauf. Vielleicht, damit auch bei Regenwetter eine Schubkarre sicher dort hoch balanciert werden kann. So sicher, wie du als Seiltänzer im Sturm nur sein kannst. Der Putz an der Wand neben der Tür hat tausend Risse, und weiter unten ersetzt Schimmel das, was ihn oben kaum noch an den Steinen hält. Die Tür selbst ist mit einer Kette verschlossen. Rost blüht an ihr, und die übereinander liegenden Farbschichten auf dem Holz blättern davon ab wie die Rinde eines uralten Baumes. Die jüngste Schicht war braun, ein häßliches, nach jeder Kindheitsangst aussehendes Braun. Du magst Baustellen, hast du gesagt. Das emsige... [weiterlesen] | #223 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 08.08.2009 00:19 © by SuMuze
| | Seufzer | → Mannsbilder → Songs | Im Augenlid hat er gesungen, dem Wimpernschlag entkam der Ton aus weit geblähten Lungen, Lippe ließ ihn, Rachen, Hals, die Melodie des Innen werden, Nimmersatt, ein Niemals hat ihn zärtlich sorgend eng umarmt. Schwamm schon davon, bevor er klang. Ein Edelstein, das Licht im Rücken, flieht nun und will im Schatten sein. | #224 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 05.08.2009 19:47 © by SuMuze
| | Starways | → Sternenstaub → Songs | Das ist mein Stern, der strahlt, daß alle zwinkern, drängt sich auf, er herrscht, regiert in jeder Wendung, das ist das Lachen, das dir immer schlau mißtraut. Ich dampfe deinem Schweigen, träume deine Not.
Das ist der Grund, mich in das Leben einzuweben, das Loch, das Magische, das zwischen Menschen droht, das ist das Halten, dieses nie Vergessen, immer Bleiben. Ich kotze nachts, mein Nebelbanner reißt.
Ich taste leise nach der Antwort, frage, horche, warte. Doch du stirbst weg. Ist das gerecht? Ich bin die Insel, einsam weht mein Kamm im Winde. Gehorchte dir, doch du, mein Stern, bleibst stumm.
Erwarte, Ungewisser! Auch ich kann warten, ungenannt. In deinen Armen wieder kehren, Eingekehrter. Ein lahmes Tröpfeln, zaghaft, doch zitternd mitten in der Welt | #225 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 31.07.2009 21:13 © by SuMuze
| | Stationär | → Falten → Songs | Sie konnte nicht aufstehen. Jetzt noch nicht. Mußte sich noch ein wenig ausruhen, warten, nur ein paar Tage noch, dann aber ganz sicher. Sie würde Kraft haben, die Bettdecke fort stoßen, und mit Schwung die Beine auf den Boden setzen. Dann würde sie aus dem Zimmer hinaus gehen. Das Bett stand so, daß sie durch das Fenster nach Westen schauen konnte, und am Abend schien sogar manchmal Sonne ihr ins Gesicht und sie blinzelte und fühlte die sanfte Wärme des Tages hinter der Gleichmäßigkeit der Luft hier im Zimmer, die sie so müde machte, die nach Sattheit schmeckte, kein Appetit, kein Durst, nur mit Mühe trank sie aus, was auf das Schränkchen am Bett mit nie nachlassendem Eifer hingestellt wurde, jeden Tag wieder neu und doch immer gleich. Auf dem Gang leise Schritte, und ein Muster aus Schatten an der Wand über ihr in der Nacht. | #226 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 30.07.2009 18:55 © by SuMuze
| | Schritte auf Kies | → Kind → Songs | Schritte auf Kies, in der Dunkelheit laut, im Licht sind sie scharf, grell in der Sonne, wild strafft die Hitze ihr zu enges Gefäß, der Duft aus dem Boden, aus Gras, aus den Büschen, die Schritte auf Kies, das Knirschen der Kindheit, Lachen und Lichter und das ewige Spiel, hide and seek, Schatten um Augen, um die Münder, die Lippen, es raschelt, es knistert, es trippelt, es bebt, da sind Schritte auf Kies, darüber herrscht Dunkel, noch dunkler als Blau, aber warm, wie ein tosendes Atmen in die Sterne hinein, in das Leben, die Schritte auf Kies, wenn Haut sich anspannt, und der Blick geht umher, etwas zirpt irgendwo, etwas riecht, da ist Wind, da sind Formen, sind Körper, hauchzarte Verluste, ein Halten, ein Hoffen, in die Stunden hinein, keine Tränen, nur Schweiß, dann die Kälte der Nacht, zuletzt noch im Schlaf sind da Schritte auf Kies, tausend Stunden, die Laken ein Ozean, jedes Drehen ein Schiff und, gelächelt, ein langsames Wundern dazu. | #227 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 29.07.2009 20:13 © by SuMuze
| | Quellbewölkung | → Wolken → Songs | Am frühen Abend Quellbewölkung. Watteweicher Gries aus Rest vom Tag. Und müde Lippen, Hängeschultern, die Schuldfrage bleibt ungelöst.
Störfeuer auf Funkkanal, zerhackte Nachricht nicht entzifferbar, zu hell liegt noch, was war, auf dem Display.
Ein Treibhausspiel. Protuberanzen tanzen Tinteltangeltango über Nacht, derweilen kocht sich Sonne Suppen. Die Spur der Sternenschnuppe riecht.
Ein Bollwerk braven Bürgertums, vorfeierabendlich wirft Mörders Kind dem Bad zum Fraße vor das Salz
der Erde, malt mit seinen Fingern tief in Schaum und Krume, faltenreicher Weg zwischen den Graten weicher Macht. Der Schwangerschaftenkrieg entbrennt.
Am Wegesrand ein Wolkenzeichner, in seinen Händen Stift und Blatt, verkauft die Mühsal seiner Hände
für einen Blick ins Tintenfaß. | #228 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 27.07.2009 22:57 © by SuMuze
| | Stadtverzagt | → Stadt → Songs | Deine Häuser sind zu hoch. Zu grell preßt sich das Licht dicht an die Wände, spart scharf die Fensterhöhlen aus, schaut nicht hinein, will weiter, schneller sein.
Dein Himmel ist zu blau. In Chrom getauchte Schönheit, aufgespannt von Glas und Aluminium. Wolkenfelder parzelliert, die Wipfel ihrer weichen Formen finden hier nicht statt.
Dein Tag ist endlos lang, die Nacht ein rasches Atemholen, Zwischenstopp vorm nächsten Gang. Raum gilt dir nicht, du saugst ihn auf, schwach abgetönter Fleck auf flachem Land, nur aus der Luft zur Gänze anzusehn.
Du bist nicht schön. Nur noch ein Rest, gestrandet, bald schwemmen Licht und Wind davon, was zwischen deinen Zähnen haftet. Man sieht es schon: aus deinen Augen fliegt der Blick vorbei und in den immer nächsten Tag. Kein Stürzen schlägt dir Wunden. Kein Traum, der an dir nagt. Du bist nur du. Ich meide dich. | #229 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 26.07.2009 20:38 © by SuMuze
| | Intermediary | → Worte → Songs | sag nicht sag licht könntest du sehen licht sieht nur wer nachsieht nacht sieht keiner leere ist niemals das volle das gewollte licht ist nicht das helle das ersehnte nur das schweigen wäre ton doch schweigen ist genug sag nicht du sagst nicht einer sagt was keiner hörte keiner sagt was einer hörte wären seine ohren nicht zu taub sag nur du schweigst es liegt ein summen in dem schweigen weiches klingen fast ein ton sag nicht du hörst was ich stets höre sag nicht du sagst was ich so dringlich hören möchte ist kein sagen mir darin das soll mir sagen was ich leise niemals sage niemals spreche was die lippen nicht verließe sage stumm was immer du auch sagen willst sag niemals denn gesagt wäre getan wäre geoffenbart verletzlich non paseran nichts dringt je durch das sagen öffnet deine flanken sage nichts sag nie was nur das schweigen schreit konstant die leere ist das immer volle das was jene ist das hier der blitz die plötzlichkeit sag nichts sag nie etwas mein schweigen kostet doch mein reden fällt zu schwer sag nichts ich schweige meine lippen sind versiegelt meine trauer kennt kein ende meine töne sind dahin | #230 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 20.07.2009 18:32 © by SuMuze
| | Sommerda | → Sommer → Songs | O des Nachmittags liegen, Sonne leckt zu den Fenstern hinein, heiß, sieh nur, Schweiß ist Perlen, jung sind sie, immer da, und ich schenke dir mich, lache nicht, ich, ja ich schenke mich her, weißt du nicht, was das heißt?
O deinen Raum jetzt zu spüren, Ausdehnung und die Kraft, und hart ist die Decke, warum spannst du sie aus? sag nichts, ich will es raten, ich rate zu gern, mein Lachen gilt dir.
O nur Sein, wie ein Käfer, wie mit Flügeln aus Nichts, keine Last, keine Wagnis, kein Damals, nie ein Bald! träumen wir, sind wir hier? auf den Lippen liegt Zeit!
O im Sommer zu leben, kalt ist Stein, kalt das Naß, blaues Licht, blaue Augen, meine Schönheit verstreut, jede Hand greift ins Leben, jeder Blick leitet weich.
O nicht Mein, sondern Deine, nicht ein Tal, sondern Hang, kein Darum, nur ein Weiter, Fröhlichkeit und kaum Laut.
O mein Jetzt, in mir kreisen, deine Glieder dabei, überall, immer höher, und mein ich, und mein Wir.
O der Tag, o die Wärme, jetzt das Schimmern in mir, O mein Du, mein Einander, meine Lust, mein Niemals.
O mein Ja, mein es Wollen, Sommertag, Sommerda! | #231 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 17.07.2009 18:08 © by SuMuze
| | Industrie der Worte | → Moderne Zeiten → Songs | Die, die die Lücken nutzen den Zwischenraum aus Nichts, die sich ins Leere gießen, entbrennen hell und licht.
Die, die die Sprünge machen, Verwunderung als Blick, die mit den Scherben lachen, ihr Kleber pappt stets dick.
Die, die die Lehren ziehen, die immer schon gewußt, die halten, fragen, zögern, und bleiben allem fern.
Die, die die Striche malen, zum Tanz von Feld zu Feld, die mit dem Senkblei klettern, hinauf in ihre Welt.
Die, die die Stunden zählen, nur die vollbrachte gilt, die sitzen auf den Hügeln, und Schatten ist im Tal.
Die, die die Worte haben und geben sie nicht her, die muß du gut bezahlen, die schweigen sonst, kein Tropfen formt sich von selbst im Meer. | #232 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 16.07.2009 18:56 © by SuMuze
| | Rückkehr | → Me & You → Talks | Ich will ihn haben. Ich will seine Augen feucht werden sehen. Seine Hände zittern, seine Haare verschwitzt, seine Stimme brüchig. Ich will ihn lachen lassen und hinhören machen. Ich will ihn haben. Er soll nicht sein, was er ist, was er wieder und wieder nur ist. Ich sitze hinter seinem Haus und sehe die Sonne wandern. Ich trinke seinen Wein, esse seinen Fisch, lasse seinen Wind meine Haut trocknen und seine Luft meinen Leib kühlen. Er schaut mir zu. Ich bin anzusehen, ich bin zu spüren, zu hören, zu greifen, zu wollen. Ich bin da und ich werde nicht fortgehen. Ich bleibe. Über mit hängt Wein von der Wand. Neben mir plätschert Wasser. Um mich seine Pracht. Ich achte sie nicht. Nichts kann mich beirren. Meine Hände sind weiß, meine Arme sind... [weiterlesen] | #233 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 15.07.2009 19:19 © by SuMuze
| | Liebe stählern | → Love & Affection → Songs | Ich will um deine Liebe sein, und keiner soll sie sehen. Grundlos will ich dir Leben schenken, und nichts nimmt es dir fort. Da ist ein Platz in mir, darauf sollst du mir schreiten. Die Gassen sollst du steigen, bis an den Rand und mehr.
Ich will um deine Glieder sein, und niemals sollst du straucheln. Klaglos will ich dir Stütze werden, und nichts stößt dich je um. Da ist ein Licht in mir, deswegen sollst du schauen. Den Strahlen sollst du folgen, bis in den Schatten hin.
Ich will um deine Worte sein, und Schweigen soll sie halten. Wortlos will ich dir Ohren leihen, und nicht ein Laut dringt ein. Da ist ein Ton in mir, den sollst du leise singen. Die Zwischenräume füllst du, bis deine Stimme klingt
Ich will um deinen Atem sein, ihn stehlen früh am Morgen. Leblos bin ich dein Lager, dein blasser, kalter Tag. | #234 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 15.07.2009 17:54 © by SuMuze
| | Stirnfalten | → Zweifel → Songs | Das Papier läßt sich nicht falten, weil es, gar nicht wie die Stirn, ganz flach auf seiner Unterlage aufliegt, sich dort duckt, der Finger gleitet an ihm ab, an seiner makellosen Glätte, dem Weiß, der Schweiß des Fingers schändet schon im noch Versagen Unberührtes, das sich weigert, anders als die Stirn, zeigt es den Hohn des Fehlerfreien, in der Stirn lag Zweifel, das Papier kennt diesen nicht, dicht an den Kanten ihrer Falten hat die Stirn Verrat geübt. | #235 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 13.07.2009 23:25 © by SuMuze
| | Rütteln | → Flirts → Songs | Wie ich das Rütteln liebe, auf den Weichen, in den Kurven, und auf freier Strecke. Erst nur ein Stoß, dann wieder einer, dann gleich ganz viele aufeinander, dann ebbt es langsam ab. Die anderen Gestalten wackeln mit. Die stehen, kommen aus dem Tritt, und lächeln, wenn sie jemand stoßen, beneiden um den Halt, wer sitzt. Die lächeln deshalb auch, wenn alles wieder richtig ist. | #236 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 13.07.2009 18:26 © by SuMuze
| | Stille nachts | → Innereien → Songs | Es ist so still, ich kann das Atmen hören, durch den Stein, das Holz der Wand. Wind schleift gemächlich feuchte Tücher über stumme Dächer durch die Nacht. Ich kann den Regen hören unten auf dem Blech der Wagen hinterm Haus, das Spiel der Tropfen, von den Wänden üben sie den Sturz ins Pfützengrab. Es ist so still, ich kann mich selbst nicht hören, bin verschollen, eingerollt in rauhe Wolle, schwarze Fäden bilden Muster auf der Haut. Es ist so still, ich will nichts wissen, das, was nicht ist, scheint mir vertraut. Es ist so still, ich bin verschwunden. Vor dem Fenster liegt die Welt. | #237 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 12.07.2009 09:53 © by SuMuze
| | Ein Halt an einer Kreuzung nachts | → Wolken → Songs | Der in die Ferne zeigende Wegweiser verdrehter Pfahl schräg aus Beton ragt wie ein ausgestreckter Finger der sich krümmt unter den Schmerzen nach Vergeblichkeit geschielt mit laufendem Motor am Rande Blättern könnte wichtig sein der Mond scheint nicht nur Regenwolken sind der Asphalt fasert in die Felder Buchstaben, denen man den Platz genommen nie ein Ankommen in dieser Nacht ist grau, ist immer weiter fahren Scheinwerfer, die nicht locken kalt klappt die Tür, Verschluß am Tachometer zählt der Stand. | #238 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 10.07.2009 23:41 © by SuMuze
| | Regenpol | → Wetter → Songs | Mein Regenpol. Um dich dreht Erde sich genausogut wie um den anderen da oben, der sich alleine wähnt. Als ob nur seine Achse zählt, die bloß Gedachte. Ich machte dich für mich zum Drehungspol um den mein Leben eifrig kreist. Ich weiß, auch das kann flink dahin sein, bringt nicht nur Ruh, mein Unruhpol, dennoch, mit dir inmitten mir ist mir sehr wohl, so mehrfach viel Umkreisende, von Pol zu Pol gespannte Reisende. | #239 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 09.07.2009 18:46 © by SuMuze
| | Kühler Morgen | → Von Rändern → Songs | Jetzt ist die Luft viel kühler und schweben in der Sonne müde Vögel früh am Tag. Jetzt sind die Wege leerer und laufen später keine Frühaufsteher nebenher. Jetzt ist der Himmel aufgespannt. Spricht mit den Schatten auf den Feldern. Hatten beide in der Nacht nicht Zeit genug. Jetzt ist der Rand der Welt weit weg. Sie fällt mir, wo die Straße endet, fort, doch immer findet sich bald mehr. Jetzt bin ich wach. Ich atme. Alles lebt in mir. Und gut. | #240 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 07.07.2009 09:33 © by SuMuze
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