| Kleinlust | → Spots → Songs | Bin Rolle unter Abendlust entzweit ich giere eng umwirkt den Biberbauch bewärmt. | #321 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 13.04.2009 00:24 © by SuMuze
| | Horizont | → Liebhaber et al. → Songs | Wenn ich unten auf die Straße ginge, das heiße Pflaster, wildes Atmen noch des Tags und kaum der Nacht, an meinen Beinen aufwärts leckte, laut stünden meine Sohlen fest, ja dann! Wenn ich der Sonne trotzte, ihrem sich um niemand scherend, immer gleichen Scheinen, ihrem Glanz, der Einsamkeit des Lichts. Wenn ich im Leben wäre, wildes Wollen, Wünschbarkeit. Dein wären Tränen, dieses Mal. Ich linderte, ich milderte, ich strafte ab. Wenn nur mein Lachen jeden träfe, auch in den Schatten, rückwärts auch. Ich drehte meinen Scheitel, der Pivot jeder Existenz. Ich räumte. Griffe, badete, und hielt. Ich gäbe nach und gäbe gern. Wenn ich an Frischluft käme, zwischen den Mauern, freier Platz. Ich liesse dich wie je ein Schiff an mir zerschellen, und sammelte dich sorgsam auf, nur klein, weil du nur Kleinheit kennst. Schulterte dich. Ich trüge deine Lasten durch alle Nacht. Ein Körper deinen Ängsten. Kanal für deine Lust. Wär wortgetreu. Behutsam. Blauäugig Balsam deiner Angst. Mein Kind, mein Lehnsmann, mein Gebieter. Ich ahnte, was die Hand, mit der du schmerzt, erduldet, böte mich an, und fasste dich. Am Horizont ist Einsamkeit nichts, was noch stört. Dort sind die Strecken gut versöhnt. | #322 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 12.04.2009 19:12 © by SuMuze
| | Mehr! | → Innereien → Songs | Das dringt ein. Rein, rein, nur herein. Fein, fein, oh wie mein. Mein wird es sein. Nur mein. Das ist. Ist wirklich. Endlich wirklich. Es rüttelt mich. Es macht mich. Ist, was ich bin. Ist. Kommt. Kommt zu mir. Hierher. In mich. Hilft. Half denn bisher nichts? Nein! Das pinnt mich auf den Erdenboden. Ich bin. Bin jetzt. Und hier. Das faßt mich. Harte Klauen, Kiefer - Jaws! Das kreist mich ein. Aufwärts stößt es, Nur Fahne ich, ein Wimpel. Ich bin hier, ich lache, in die Sonne, Luft, wedle herum. das ist in mir, ist Achse, Mittelpunkt, ist Scheitel. Das krallt, das kribbelt, kratzt und schabt. Ich steige. Drachen an der Leine, Fesselballon, der Jenseits schmeckt. Das schreit, das schmerzt, das schindet. Taumelflagge, abwärts hängt sie. Schweiß und Zeit. Ich atme. Weiter, weiter, immer nur! | #323 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 12.04.2009 18:42 © by SuMuze
| | Die Pendlerin | → Ich → Songs | Ich bin eine Pendlerin. Ich kann mich nicht entscheiden. Warm, wie die Sonne durch die Scheiben meinen Weg begleitet, hin, wieder fort, kennt sie noch kein Erbarmen.
Ich fliege über Felder hin. Tauche in Büsche ein und Bäume. Ich lasse Höfe hinter mit, wohin sich graue Formen flüchten, die Marketenderwaren, Müll, die Reste, trügerisch.
Ich traue festem Stahl. Er schaukelt mich, er leitet mich. Die Sehnsucht, unterwegs zu sein, die Angst, ich käme an. Für mich, fast stumm, bewegungslos, geht es voran. Zwischen Extremen finde ich mich sicher wähnend an.
Ich bin eine Pendlerin. Ich schwinge aufgehängt, mit jedem Stoß flieg' ich davon, kehr' immer schneller um. Lehn' mich mit Lust gegen den Halt, der zittert und nicht weicht. Laß meine blassen Fingerkuppen als Mondlicht auf die Lichtung scheinen, die meine Träume schlugen, im Dieseltakt tief in mir drin.
Ich bin eine Pendlerin. Mein Wesen will entgleiten. Kein Mauerwerk, das mich einzwängt, Bewegung drängt nach allen Seiten. Fremde Polster streicheln mich, die Gier, mich zu entfremden, daß niemand sieht, nur Möglichkeit, nur Tasten statt Begreifen.
Ich bin eine Pendlerin. Mein Auge wandert weiter. | #324 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 12.04.2009 18:42 © by SuMuze
| | Als Kind | → Kind → Songs | Wie innen in der Welt, Geruch und Töne und das Licht, hart unter uns gespannt als graues Klumpenlaken der warme Leib, der uns verzeiht, darüber glitzert Tod, halbwegs gebannt, wenn Finger sich um Finger klammern, und Augenpaare suchen sich, ein ich und du und wir, ein er, ein sie, ein es, zerreiben Blätter zwischen kleinen Kuppen, im Dreierlei benannt, wechselt das Wort, bleibt gleich der Duft, dann ducken wir uns unter Blättern, und seine Hand duckt mich, preßt meine Lippen in den Boden, und plötzlich bin ich glücklich, schlucke das Gras, den Dreck, das Jetzt, jetzt mitten zwischen ihnen.
Wie wenn der Gott den Atem hält, der blau regiert, der Wasser schickt, der immer wieder quer am Himmel seine Bahnen, Sterne, Wolken wirkt, wir wissen ihn, wir schweigen ihn, wir haben nicht ein Wort, das ihn uns nennt, und ahnen, schweigsam ineinander, daß wir für uns genügend sind.
Wie stillgestanden, aufgehört, das leise Kitzeln eines Käfers, der seinen Weg die Brust hinab, den Arm entlang, das Bein, fast störrisch findet, das Streifen jener Hitze, die das Sonnenlachen bringt, den Blätterschwarm durchdringt es, um uns der Staub, das Astwerk trinkt es, und meine Haut sehnt sich danach.
Wie einsam in der Zeit, kein Ticken und kein Rufen, Planung nicht, fast nur ein Rollen wie runde Kiesel einen flachen Berg hinab, wie müde Wellen an den Strand am Morgen, wie ein Gewitter, dessen Wut es selbst fortweht, nachdem sein Grollen endlos schien.
Wie richtig, wenn das Falsche winkt, wenn Herz wie Spucke abwärts sinkt, das Zittern unterm Kinn beinahe Zähneklappern bringt, du fürchtest dich, doch du schaust hin, nichts ändert sich, gehst du hinaus, du hörst Geräusche aus dem Haus, und bleibst hier drin.
Wie Liebe, weil das Wort es gibt, und brav hast du es buchstabiert, streichst es als Creme bei Sonnenbrand, als Taschentuch bei Schnupfen, als Duft, der deinen Duft ertränkt, als Elixier, als Garantie.
Wie Leben, weil sonst nichts so klingt wie Leben, das dich mit sich nimmt. | #325 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 10.04.2009 22:58 © by SuMuze
| | Saldo | → Stadt → Songs | Der Drogenhändler drückt die Augen zu. Er war ein guter Mann. In seinen Lippen sang oft Liebe, sein warmer Blick wird fehlen, wenn sein Atem nichts mehr heizt. Zwei waren es, mit kurzgeschoren blonden Haaren, und einer hinten noch im Fond, ein Mann, am Abend im Büro, hoch oben, wo die Stadt zu übersehen ist, schloß er den dünnen Hefter und das Mädchen denkt sich weit, weit fort von hier. Der Junge vor der Tür hört gar nicht hin, wie jede Nacht, der Kassensaldo stimmt nicht, rote Ränder und ein brauner Schuh. Ein Turbolader brennt, auf Gummipneus mit Rennprofil, der Bludruck sinkt, Turmfalkenbilder, schmaler Rand, ein Pissaro, ein Dimmertaster, auf der Treppe Edelholz. Im Nummernspeicher war sein Netz. Methodisch, wie sich Finger seiner Jacke, seinen Hosen, seinen Socken widmen. Am falschen Ort, im falschen Kleid, der Wink im halben Schatten, sie sieht die Hand, ein Vogel, dessen helle Federn tragen, die Faust, die spurt, ein Stern fällt über sie, erlischt mit ihr, auch noch als Fleisch nur schön und still.
Sie hat Metall geliebt, das kalte Klimpern harten Stahls auf bloßer Haut, das Klirren und das Funkeln. Wenn ihre Zunge Silber nahm, und Gold sich an die Schleimhaut schmiegte.
Sein Arm verliert sich, seine Gesten bleiben aus, im Nebenzimmer Stimmen ohne Sinn. Und ein Portrait, Mantilla über Wespentaille, Gemmen, gleißendes Gehänge, ein weicher Flor, der die Konturen zieht, das Bild.
Der Dealer gibt jetzt ab. Die Männer gehen. Unter der Decke beiges Licht. Dumpf drückt sich draußen das schwere Blatt der Tür in seine Füllung. Ein Schloß klickt leise. Zeit vergeht. In glatter Seide zucken Zehen. Schweiß ist im Haar. Als Flügelschlag noch ein Moment Erinnerung. Schmerz in der Nasenscheidewand, und kaum ein Krampf als Abschied in der Brust.
Saldiert, am Schluß. | #326 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 09.04.2009 17:23 © by SuMuze
| | Sturz des Kalkulators | → Avantgarde → Songs | die Weißen Knochen einer Birke Kreiden an im Grünen Kleid Kalt ist der Morgen Schroff der Tag Fest Angekettet Hand und Leib an Alte Starre Raummaß Zeit im Unterholz Gehorcht Gelebt die Neuen Lüfte Fressen Lichter das Ein Mal Eins Rechnet Sich Nicht | #327 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 08.04.2009 13:46 © by SuMuze
| | Langsamkeit | → Kurze Gefühle → Songs | Ein schnelles Abend Werden, Pfeil in die Nacht, ein müdes auf den Erden Ruh'n ohne Schlaf, an Nichts gedacht, und wartet morgen weiter. Tag trennt dann scharf vom Heute das, was bleibt der Langsamkeit. | #328 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 07.04.2009 23:23 © by SuMuze
| | Abgebildet | → Algebra → Songs | In Worten liegt etwas. In Lauten und im Takt von Subjekt, Prädikat, Objekt. Das summt und raschelt und das tönt. Es rattert, knallt, es fließt und schwebt. Das kleine Kind schraubt seine Puppe auf. Der Blitz gleicht Ladung aus. Der Strom trennt in Elektrolysen. Dann mischt sich wieder, kunterbunt. Dann wird erneut geschieden. Harte Gammastrahlung spaltet auf. Ich bin, ich sei, ich werde, und ich war. Im Okular erkennbar als Gestalt. Belichtet, abgebildet, projeziert. Die Welt Laterna magica. Schein, trägheitslos auf dünner Pappe. Leuchten nur, und Klang. | #329 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 06.04.2009 21:08 © by SuMuze
| | Später Nachmittag im Frühjahr | → Frühling → Songs | Ich tanke Wärme, aus der Erde, aus der Luft. Ich trinke Licht, vom Himmel und dem Tag. Ich wühle zwischen Gräsern, unter Laub. Ich streife meine Wünsche ab an Ästen über mir. Die Farben flüstern in mein Ohr. Die Formen streicheln meinen Blick. Mit Fingern tief im Matsch fasse ich das Leben. Meine Knie sind gebeugt, mein Rücken zerrt. In meinen Haaren klemmen Halme wie ein unverdientes Diadem. Auf meinen Lippen spielt der Abendwind sein Abendlied. Das schwebt jetzt in den Schatten, fliegt, als gäbe es kein Halten, durch die Welt. Ich rieche, wie sich alles frei macht, glänzt, nur um mich schauen reicht mir schon. Das summt und kichert, ruft und schwelgt. Ich setze meine Füße auf den Boden, spüre wie er schwingt und mich sanft trägt. Ein Lächeln und ein Sinnen und ein Trost. Alles wird langsam, weit und leicht. Ich atme mich durch Stunden vorwärts, höre mich und lege mich, ein Fötus, dessen feuchte Haut ein Blütenblatt umfängt. Alles so voll, so prall, so kräftig, neu. In meine Stimme mischt sich Stolz, Geschmeidigkeit und Wuchs, um meine Stirn tanzt mattes Leuchten ringsumher. Jede Berührung trifft mein Sein. Das Handeln nimmt mich mit, es will - und ich will auch. | #330 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 06.04.2009 20:25 © by SuMuze
| | Werktag Herzleid Verdauung | → Arbeiten → Songs | Jeden Morgen in den Wagen mit Enge und Gedränge müde sein in mir rüde sein, verquer Licht haben wollen nichts fragen wollen der Ausstieg auf den Bahnsteig Füße voreinander setzen Grüßen, miteinander schwätzen Tränen stumm hinunter schlucken Strähnen hinter Ohren stecken Arbeitszeit im Alltagskleid stets höflich bleiben behilflich zeigen beiseite gehen zur Seite stehen Fröhlichkeit trotz Fristenstreit Knie beieinander halten lieber zum Kollegen schalten wütend auf den Kasten hauen düster auf die Tasten schauen Vormittag ist Trauertag Behördenheftung Terminverletzung Gemüt erhitzen Filter benutzen Frühkaffee ist aufgebrüht schon seit Tagen schmerzt der Magen | #331 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 02.04.2009 17:12 © by SuMuze
| | Krieg | → Politik → Songs | Wenn nichts mehr nützt. Wenn Waschen sinnlos scheint. Wenn Licht aufblitzt. Wenn nichts uns mehr vereint. Wenn die Gedanken auseinander fliegen. Dann schreit es in mir stumm nach Kriegen.
Die Körper kreiseln stimmlos die Parabelbahn. Staub wirbelt auf. Der Glanz von Kraft legt sich auf Kind und Mann.
Wenn alles fehlt. Wenn nichts mehr bleibt. Wenn niemand steht. Wenn alles nur noch treibt. Wenn ich dem Schwächsten unterlieg. Dann will ich nur noch eines – Krieg.
Das Bersten allem, das mich drückt und zwängt. Wut rauscht dahin. Wie eine Flut, die rücksichtslos sich vorwärts drängt.
Wenn Einsamkeit wie Heimkehr schmeckt. Wenn Stille redet. Starrheit alle Schritte streckt. Sich Leere füllt und alles stirbt. Wenn Ruhe ist. Wenn nachher nichts, nichts vorher ist.
Dann ist der Krieg vorbei. | #332 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 31.03.2009 20:31 © by SuMuze
| | Frühlingsabend 2009 | → Frühling → Songs | Wir haben jetzt den zweiten Tag die Sonne eingefangen. Prognosen lauten gut auf weiter so. Die Luft erwärmt sich. Die Steine auch. Die Menschen reden lauter miteinander. Kinder schreien. Aus den kahlen Zweigen vieler Bäume sprießt es grün. Senioren schieben Rollatoren in den Park, wo die Jungs in Käppis und Turnschuhen goldgelbe Flaschen kreisen lassen, ihr Lachen flach und zögerlich, als übten sie noch für den Sommer. Motorräder tauchen auf und flitzen munter durch die Straßen. Auf den Häuserwänden grelles Licht. Am Himmel fliegen weiße Käfer lange Linien in das Blau. Die Kleider werden heller, die Augen auch, die Reifen rollen schneller auf Asphalt. Alles geht flotter von der Hand, das Gehen und das Sehen und das Blinzeln, wenn Gesichter sich nach oben drehen. Im Supermarkt sind keine Schlangen. Der Parkplatz wirkt sehr leer. Und immer wieder in dem Brausen rund herum auch Pausen in den Frühlingsabend eingestanzt. | #333 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 31.03.2009 19:52 © by SuMuze
| | Am Fenster, nachts | → Me & You → Talks | Warum ich schon wieder aus dem Fenster schaue, hat sie mich vorhin gefragt. Ich schaute nicht, ich stand nur am Fenster und kehrte ihr meinen Rücken zu, was sie als Schauen mißverstand. Wie so vieles, was ich tue. Ich sitze in einer Ecke und sie sieht mich tadelnd an und fragt, warum ich mich fürchte. Ich aber fürchte mich nicht, ich lehne nur gut rechts und links an und kann nicht kippen. Warum begreift sie das nicht? Ich habe nicht ihre Stärke, ich weiß nicht, auf was ich ruhe, stehe, gehe, lebe. Ich muß es spüren. Ihre Haare sind hart und kurz, sie schmerzen, wenn meine Fingerkuppen in ihnen wandern gehen. Ihr Blick ist schroff, so oft, ich meide ihn dann. Doch sie fragt. Als verlöre sie mich, fragte sie nicht. Ich liebe ihren Mund, er ist so viel mehr Mund denn... [weiterlesen] | #334 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 30.03.2009 23:06 © by SuMuze
| | Lied dem Fluß | → Fluß → Songs | Ich kann dein Blut sehn, Fluß, wie Blei springt es in deinem Bett herum, und schäumt und schwillt und wellt sich, schiefergrauer Teig, der matt in seiner Molle schmatzt. Ich kann dein Herz sehn, Fluß, es pocht da unten, wütend tobt es, buckelt, tanzt und grollt und brummt, wem schlägt es und wer kümmert es? Ich ahne deine Tränenaugen, tausendfach nach oben ausgesandtes Sehnen, und sehen doch nur enge Ränder jeden Tag. Ich fühle deine vielen Finger, die um sich selbst sich winden, wässerig und wild, und geben nie und nichts mehr her. Ich kann den Trost sehn, Fluß, nach dem du trauernd suchst, das Glätten, Fließen, Streichen, Weiten, und das sanfte Dulden dann zuletzt. Ich kann das Meer sehn, Fluß, von dem du lang schon träumst. Sieh her! Ich zeig es dir, vielleicht. | #335 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 30.03.2009 22:17 © by SuMuze
| | Lied von der Tatsache | → Worte → Songs | Ich las dich, Wort, wohl schon zum tausendeinundzehnten Male!
Meist lese ich dich schnell, weil du so flüchtig hinzuweisen scheinst, auf jenes, was du sagen willst, und es mir meistens auch rasch sagst. Doch heute eben nicht!
Ich stutze! Was für ein Wort!
Auf einmal schwer, langsam und unverständlich, so kommt es mir daher.
Ich drehe dich rasch um! Das schmerzt, piekst mich im Gaumen und verkratzt mir meine Zunge, wie Fisch mit Gräten, wenn schon Verdacht dir Ängste macht.
Du bist ja eigentlich gleich Zwei. Und beides, nur für sich, klingt ziemlich klar. Ganz einfach und fein hell. Doch wenn das Beides, das du bist, sich trifft, wird alles quer und düster. Zusammen bist du mehr, als ich gedacht, und, ich geb's zu, als ich jetzt grad versteh.
Noch einmal überlegt!
Ich lege meine Finger auf die Dinger die ich anders haben will. Ah ja! Bin kurz mal still!
Das wird es sein - ich greif ins außer mir hinein! Ich tue was, ich wirke, und was ich wirke bleibt, selbst wenn ich ginge, gelangweilt mich abwandte, es blieben jene Dinge, die niemand vor mir kannte, bis ich dann endlich kam - und tat.
Tat Sache ist, und Sache Tat!
Na bitte, alles wieder im rechten Lot, zu etwas sind mir Lieder doch immer wieder gut! | #336 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 28.03.2009 22:00 © by SuMuze
| | Hoffnung #2 | → Sternenstaub → Songs | Der bleiche Engel breitet seine Schwingen über Land. Am Wegesrand die Reste der Armee, man friert. Es regnet Tränen statt der Brote, Milch und Honig fließen nicht, aus Schuld wird Geld, unter den Fenstern Glas, zu Diamantensaat zersplittert. Eine bleiche Hand, verwittert. Knochen gerben toten Venen ihren Mangel in die Haut. Kein warmer Leib im Zelt, die Tageszeit gebiert kein Leben, wund und starr verkrampfte Fingerspiele, hilflos, Flucht. Längst ist schon Nacht, die Vögel sind davon. Nur Wind ist, Sternenlicht und Staub. | #337 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 27.03.2009 22:32 © by SuMuze
| | Nowhere #2 | → Local Hero → Soaps | Mein Zimmer ist nicht allzu groß, aber mir genügt es vollkommen. Ich hatte schon größere, und auch deutlich kleinere. Ich habe zu lange in einer riesigen Wohnung gewohnt, in der ich nie wirklich heimisch werden konnte. Dafür wiederum viel zu kurz in einem halb zerfallenen Haus, in dem ich vom ersten Tag meines Lebens an heimisch war. So kommt es mir zumindest jedes mal vor, wenn ich daran denke. Aus jenem Haus werden meine Gedanken nie ganz ausziehen. Jetzt aber gefällt mir dieses Zimmer hier sehr. Aus dem Fenster hat es einen ungehinderten Blick über ein paar langweilige Felder, auf denen im Sommer der Wind seine Figuren in das Getreide hinein malen kann. Und auf eine schmale, grau asphaltierte Straße, in der sich die Autos und Traktoren und Motorräder mit den... [weiterlesen] | #338 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 27.03.2009 22:30 © by SuMuze
| | Frühling werktags | → Frühling → Songs | Bleichweiße Sonne grell auf Kalkputz, naße Straße, früher Tagverkehr. Von Westen eine Wetterfront, die alles schluckt, ein Wassermeer. Mein Blutkreislauf , mein Puls, die Atmung - bin automatisch, außer mir. | #339 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 26.03.2009 09:30 © by SuMuze
| | Freude | → Innereien → Songs | Mit breiten Händen trennt er, Gewaltenteiler, an seiner Stirn das Stethoskop. Ich maniküre seine Daumen, die Finger spreizt er zum Verbot. Leg deinen Kopf auf meine Felder! Wie hell der Zopf der Kindheit fällt! Auf diesem ungewissen Schoß verschmelzen Tränen zu Medaillen, wird triste Demut Stolz, der täuschend sich zu tarnen weiß. Mit großen Schritten geht er, Weltzeitrichter, an seinen Fersen Rittersporn, den winden wir in Julikränze, wunde Finger glänzen in Erwartung wilder Tänze: Bin ich das edelste Kleinod? Heimliche Hoffnung in der Nacht, ein letzter Trost? Mit knappen Worten kalkuliert er, Tropfenzähler, an seinen Lippen leuchtet Licht von Klarheit. In ihr fliege, Vögelchen, ich, fein geputzt, mein Buntes ist mein Allerbestes, jubeln und sich zeigen, zieht ihn mit mir in den Bann. | Mit Schweigen stranguliert er, Wortschatzkammermeister, auf seinen Türschildern steht Tod, ich buchstabiere heiser, ich stanze, stammle und stabreime, Lohn der eitlen Lieder ist das Lob, Bescheidenheit verstummt kokett, die feine Hand zu Diensten, Empfindsamkeit sei stets adrett. Mit seiner prallen Katze flieht er, Kopfgeldsteuersammler, Marschallstäbe im Gepäck, ich säe in die tiefen Spuren, Ernte geb ich nie verloren, Bücken geht mir flink zur Hand. Die im Dreck zu wühlen liebte, stellt die Füße zueinander, Mut richtet den Blick, und Zorn. Von seiner Kanzel sieht er, Spökenkieker, erdnah ohne Lehm, alle heimlich abgelegten Eide, Hinterlist im reinen Herz. Auf der Kante beider Zeiten, tief im Dunst von Wehmut schwingt sich Freude aus den Fängen frei. Nur ein zartes Augenzucken bleibt sie dir, zieht dann vorbei. |
| #340 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 25.03.2009 19:29 © by SuMuze
| | Gutes Gerät | → Mannsbilder → Songs | Dein Fleckenwasser wirkt patent, selbst noch in schwacher Lösung zaubert es Dreck aus jedem Hemd und schont dabei die Kleidung.
Dein Frostschutzmittel hilft superb, wie klirrend auch die Kälte, geschmeidig geht das Öl zu Werk, und glättet manche Falte.
Dein Hosenspanner strafft enorm, auch festes Stoffgewebe hält er mit seinem Druck in Form als unsichtbare Strebe.
Gut ausgerüstet klappe alles wie am Schnürchen, sagst du und nennst mich deine Süße, ich sage „Gute Nacht!“ und schließe, wenn ich gehe, sacht dein Isolierglastürchen. | #341 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 25.03.2009 19:29 © by SuMuze
| | Findelkind | → Avantgarde → Songs | Die Mittelstreifenmaler haben hier versagt. Nichts weist dich in die Ferne ein. Nur grauer Asphalt ist, die scharfen Kanten aus hundert Flicken, tausend Rissen. Dazwischen Schlaglöcher. Ich habe Bauchschmerz. Ich komme hier nicht wieder weg. Taumele mein Leben nebensächlich und vergeblich auf den Weg. Die feinen Äderchen im Porzellan, das zu oft abgewaschen wurde, flinke Hände nehmen es sich vor, scheuern den Dreck aus seinen Poren, weiße Schwäche unter weißer Seide, nachdem alle Kraft entwich. Auch da oben ist ein Blau. Und weiße Spuren queren das. Mir im Gesicht bleibt leeres Blass. Verheerend, wie mein Puls mir schlägt. Kann nicht mal kriechen mehr. Metallischer Gestank von heiß verschmorter Isolierung kämpft in meiner Nase um den Sieg. Die Wangen sind verschrammt. | Nur wenn ich meine Brust dicht an die hochgezerrten Schenkel presste, meine Arme fest um beide Schienenbeine, und wenn mein Kopf hart auf die Knochen meiner flachen Kniescheiben sich bettete, wenn niemand schaute, keiner lachte, nicht einer sich da lustig machte. Ich glaub es nicht. Ihr Aasgelichter, sitzt am Straßenrand, die Gläser in den faulen Fingern und die Lippen straff, auf bloße Haut bedacht. Ich schleife meine über Steine hin, für das Vergnügen, für das Lügen, für das Betrügen später in der Nacht. Im Osten steigt ein Stern, sein heller Strahl ist euer Todeslaser, Morgenrot, sein Wagen Fiberglas, gehärtetes Titan. Nur meine Stirne küßte eure Straße, nichts erinnert noch an mich. Hellebardenstoß und imperialer Schlachtersamen haben nicht vergeblich uns geschieden zwischen Dasein als die Königin und Wicht. Ich schließe mich, ganz Findelkind, der Mehrheit an. |
| #342 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 21.03.2009 20:51 © by SuMuze
| | Frühlingskitsch | → Frühling → Songs | An einem Frühlingsnachmittag, lag meine Hand in deiner, den Kopf fest an der Schulter, so wie ich das zu gerne mag, spazierten wir hinunter den Weg zur Stadt hinein, ich fühlte mich viel kleiner, wollte noch kleiner sein, als ob ich nur ein Pflänzchen wär in einem bunten Blumenmeer, und du kämst grad' des Wegs daher zu mir, die sich versteckt, und hofft, sie wird entdeckt von einem, der sie pflückt - was sicher an der Sonne lag. | #343 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 20.03.2009 20:09 © by SuMuze
| | Flight Fright | → Zwischenräume → Songs | Ich sitze am Fenster, das ist gut, falls jemand im Gang mit dem Getränkewagen stolpert, aber schlecht, falls die Gummidichtungen rund um das Glas den sehr extremen Anforderungen in großen Höhen nicht gewachsen sein sollten, was ich nicht glaube, aber ich muß daran denken, wie an den Blick, den der dunkelhaarige Mann zwei Reihen vor mir mir schenkte, als ich an ihm vorbei ging, an seine harten Augen, nervös war ich, wütend wegen der dummen Stewardess, die mich behandelte wie ein dummes Blondchen, vielleich ein Hijacker, dachte ich, vielleicht bringt er sie um, nur eine Angestellte, wir sind es, die zählen, die Passagiere, so wird doch gezählt, in den Trümmern starben siebenundzwanzig der Passagiere und acht Besatzungsmitglieder, und es konnte ein Großteil der Passagiere evakuiert werden, der Präsident der Gesellschaft ist darüber beruhigt, aber ein Hijacker achtet nicht auf einen Präsidenten einer Flugzeuggesellschaft, wohl eines Landes, er achtet nicht auf Besatzungsmitglieder, er achtet nicht auf sein Gepäck, ich nestele unruhig an meiner Tasche herum, der Mann mit den harten Augen schaut nicht nach seiner Tasche, er weiß, was darinnen ist, er hat die Waffen gut versteckt, und durch die Kontrollen gebracht, warum reist er nicht Touristenklasse, sind die Hijacker so reich, wie alle sagen, so entschlossen, so wild, was machen sie mit einer dummen Stewardess, die mit dem Getränkewagen gegen die Lehnen stößt, gut, daß ich am Fenster sitze, die Sicht ist nicht klar, das Fenster nicht groß, aber ich kann hinaus schauen und sie ignorieren, und denken, wie es wohl wäre, wenn wir gemeinsam Opfer wären und der Mann mit den Waffen, alle starrten ihn an, zeigte fordernd auf mich. | #344 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 20.03.2009 17:17 © by SuMuze
| | Apokalypse an einem Freitag Morgen | → Arbeiten → Songs | Zwischen mir unerklärlichen Abstürzen ein Lob dafür, wie gut ich Gläser, Tassen, Kekse, Wasser, Tee und den Kaffee fast unbemerkt freundlichst servierte (ich kann nur lachen, doch was soll's?). Dann wieder seltsame Gespräche, am Telefon scheint niemand bei Verstand (intern rauscht nur Gebrabbel durch mein Hirn). Verwirrnis, dein zweiter Name ist: Arbeitsanweisung, mündlich (vor Gericht kaum einklagbar). Dein dritter, noch viel schlimmer: Urlaubsvertretung, wechselnd gar! Der Kampf der zwei Kulturen tobt auch ums Klopapier, um das Verschwinden kleiner Stifte, das schwarze Loch, das an sich reißt, was nur herein kommt an Kuverts, an Bleistiften und Ratzefummeln (ich machte Punkte gut bei jener, die das Wort einführte, demnächst zeigt sie mir wohl das Stricken!) Mein Blick nach draußen ist verstellt, wuchtig thront ein grauer Aktenschrank, wo noch zuvor ein Kleiderständer winkte. Die Mürrische sieht kaum viel mehr, als ich jetzt sehe (das freut sie sehr). Und weiter rast der alte Zwist um Jenes, was die Welt in tausend Teile reißt: Ablage, systematisch und korrekt. Dann wieder fehlt ein Titel, oder gleich ein ganzer Text, und tief im Innern der Computer mahlt ein Mahlstrom Datenbus und Mikrochips, Ram, Bytes und Bits (die Bildschirmschoner kosten Nerven), und das Gestammel auf dem Band macht meine Ohren krank. Der Kaffee schmeckt nach Altöllager, der Kuchen aus dem Backshop (was für wunderschöne Augen dort das Mädchen hatte, das kassierte) schmeckt nach Nichts, was eher günstig ist, der Kuchen aus der Einkaufszeile (niemand schaut dort nach den Augen) schmeckt nach Gift und Nagellack. Auf meiner Tastatur klemmt Leerraum, wenn ich gar zu heftig nach ihm greife, und fehlt der Leeraum, fehlt der Sinn, was nur beweist, was Sinn hier macht. Obwohl, auch wenn der Vorgesetzte lacht, sagst du wohl besser solches nicht zu oft (weil dann das Arbeitsklima leiden könnte und das große Ganze damit untergeht!) Ich liebe aufgestellte Fenster meine Kollegin liebt sie nicht! Ich mag das Licht des frühen Tages, meine Kollegen hassen es! Ich morse mit dem Bleistift gerne (wenn ich denke, was ich nicht soll), | den Anderen denk' ich damit ein kleines Stückchen wohl zu laut! Dann wieder kommt ein Tadel, gut verpackt, das wirkt viel besser, (danach viel Zorn im Damenklo), wild patzig komme ich dem Ersten, ungerecht, ich weiß, doch hilft's. Ein Mann am Hörer nennt mich Schätzchen (sehr überzeugend!), ich könnte Kerben schnitzen (wenn ich Holz zum schnitzen hätte) für jedes Schätzchen, das ich war. Und eine junge Frau wird grantig, ich sei vollkommen inkompetent (das, was man eine Zicke nennt), ich solle meinen Geist anstrengen, sie auf der Stelle rasch verbinden und aus der Leitung schnell verschwinden. Ich lege auf, sie ruft zurück, ich lege auf, sie ruft nochmals, der Chef ist frei, er grunzt nur und ich stelle durch. Er legt schnell auf, ich habe Glück. Ich finde Zettel aus der letzten Woche unter dem satten Grün der Matte (welche nur einen Daseinszweck zu kennen scheint, just diese Zettel ewig und drei Tage vor der Suchenden zu bergen), auf diesen Zetteln, schwer zu lesen, was dort stehen soll (auf einem 'Wichtig!'), steht allerhand, mir fällt nicht ein, was wichtig sei, ich werfe alle Zettel in den Reißwolf (meinem Lieblingstier), der wieder lustig brummt dabei, und nehme mir erneut vor (ernsthaft), nie wieder Zettel zu benutzen. Mein Schreibtisch ist lebendig, an seinen Ecken sitzen Drachen, die mit ihren scharfen Krallen nach meinen Beinen schnappen, gehe ich zu nah daran vorbei. Die Luft wird mir zu stickig, ich reiße rasch das Fenster auf, die Kollegin kriegt Keuchhusten, mich trifft ein Blick fast aus dem Grab, ein paar Papiere üben Loopings (mein Schädel prüft den Beistelltisch), in meinen Ohren gellt ein Anruf (da sie ja hustet, kann sie nicht), ich schließe mit der einen Hand das Fenster, mit der anderen taste ich mich vor zum Telefon, und dank des blitzschnell ausgestreckten Fußes erwische ich den Brief, den ich heut morgen mühsam schrieb, und mit den Augen, hell und fröhlich, hab ich die Herzensallerbeste (sicherlich!) dort auf der dunklen Seite des Büros, wie alle Menschen auf der Welt, aus allertiefstem Herzen herzlichst lieb. Pausenend, weiter geht's! |
| #345 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 20.03.2009 09:20 © by SuMuze
| | Die große Liebe | → Süden → Songs | Die große Liebe liegt dort in dem Garten unter dem Wein. Wer will mir raten, klüger zu sein, wenn im Gras, ganz allein, sie hell auf mich wartet?
Die große Liebe durchstreift meine Haare wie Wind. Was sind Jahre dem Kind, das zum Himmel schaut, sinnt, sich alles zu wahren?
Die große Liebe trägt Kleider und Schuh, einen Ring, gibt nicht Ruh. Ich sing immerzu vom Kleinsten, das klingt, so wie du.
Die große Liebe liegt noch, wie sie lag. Liegt dort, weil sie dort liegen mag. Geht nicht fort, was immer ich gab ihr an Liebe hinzu.
Die große Liebe und ich, und das schwindende Licht - sehr viel mehr ist es nicht. | #346 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 19.03.2009 17:59 © by SuMuze
| | Im Bad | → Tod → Songs | Ich bin im Bad. Ich bin tot. Ich wollte nicht tot sein, aber niemand hat mich gefragt. Ich bin nackt. Ich war strikt dagegen, doch man riß mir die Kleider vom Leib. Ich bin still. Ich habe geschrien, doch keiner hat meine Stimme gehört. Ich bin leer. Ich versuchte zu atmen, aber keine Luft drang zu meinen Lungen. Ich bin offen. Ich wollte mich schließen doch etwas spreizte mich unendlich roh. Ich bin starr. Ich krallte die Hände, doch meine Kraft war am Ende zu schwach. Ich bin naß. Das Wasser ist in mir. Es steigt durch den Mund. Es durchschwemmt meine Augen. Es durchsetzt mir das Haar. Kein Leben mehr in mir. Wie wächsern die Haut. Weiß leuchten die Sohlen der Füße. Die Knie knien kalt auf dem Stein. Eine Stimme im anderen Raum. Meine Zunge leckt Fliesen nach Salz. Ich bin hier. Ich bin nur im Bad. | #347 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 18.03.2009 19:08 © by SuMuze
| | Frühlingsmittwoch | → Frühling → Songs | Jetzt scheint die Sonne wieder! Jetzt lache ich und streichel mich, als ob ich darf. Jetzt gucken Kinder, so wie Frauen gucken, die wie Männer überwintert haben. Jetzt badet alles rein! Jetzt rennt das Spiegelbild davon. Jetzt horch ich auf, als wäre in mir was, das abzuhören wäre. Jetzt ist der Boden lang! Jetzt sind die Steine nackt. Jetzt hüpfen Oberstubenlehrer die Karriereleitern wild hinab. Jetzt hab ich Fuß! Jetzt laß ich Leine. Jetzt will ich, will ich wieder, und nochmal. Jetzt probe ich! Jetzt kippt die Welt. Jetzt ist der Donnerstag ganz still. Jetzt ist es schön. | #348 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 18.03.2009 16:17 © by SuMuze
| | Bürgerbräu | → Stadt → Songs | In das Grau der Bauten auf den Seiten eines weiten Platzes tragen zwei Reklametafeln an den Wänden einer weißen Klinkermauer weiche Töne mildernd ein. Menschen geh'n an ihr vorbei. Bleiben steh'n und seh'n sie an. Ungewohnt im Straßenbild sind ihre wilden Leitmotive, Trübsal und ein Unterton, mannigfaches Hingeschiebe, Aufruhr, und dann doch halb Acht. | #349 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 16.03.2009 22:38 © by SuMuze
| | Es | → Zorn → Songs | Ich weiß nicht, wie du ausgesehen hättest. Ich seh dich manchmal, fremd bist du. Das feiste Grinsen tief im Wagen, der Stolz, die Angst, das Kümmern und die langen Blicke, kleiner Wicht. Ich hatte nicht mal einen Namen. Kein Laut für mich, keiner für dich. Ich kreise langsam um dich her. Sie prüfen mich, sie checken Daten, notieren Werte, messen, testen, als ob ich die Rakete wär, mit der der Mars zum Broadway würde. In meiner Haut zittert die Welt, in meinen Adern Oxygen. Ich rolle mich, schnell auf Kommando, strecke mich, und schließe zu. Ich beuge mich, bin weich, geschmeidig, fließe, warte, hoffe, du! Ich kaufe Tränen für dich ein, und nie verschmutzte Windeln. Ich lege meine Hände um das Nest. Ich tanze deine Spuren, forsche, und abends, wenn du bei mir bist, dann lausche ich, ob du mich kennst. Ich spucke auf die Totengräber, das Packgesindel, das nur glänzt. Ich will dein leises Wimmern hören, und lachen können, wenn du rennst. Ich weiß nicht, wie dein Auge blickte, nicht, wie dein Stimmchen klänge, wie du beißt. Ich kann den Schmerz in meiner Brust nur ahnen, den da im Kopf, den hab ich hier. Als Horizont, als Perihel. Nimm mich nur mit, ich folge, tanze, wenn du doch sängest, Halt und Schritt! In deinen Zügen stirbt sich einsam, in deinem Nichtsein bist du mir. | #350 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 16.03.2009 21:28 © by SuMuze
| | Reimchen #2 | → Worte → Songs | Kann nicht weg. Will nicht. Liege. Spreize. Bin nur weich, bin Matsch, bin Korn. Ein Mutterkorn. Komm, sei Baby, nimm! Gefährlich! Wir lachen, ja, wir sind. Was ein Gelichter! Hab die Schublehre gelegt an Deines, Maß und Grenze, Eichstrich, Norm. Tänzer, tanz mich, träume auf! Hab Leere, habe Achtung, habe Schwärze, kalte Sonne, Wasserstoff, und Primula und Nebula, den Canis und den Major, und die Lens. Gott, mein kleiner Krieger, oh Melasse, du Mantisse, du Altschaffer, Impressario am Kap Horn. Bin ein Eigen, bin mir eigen, bin in mir, bin was, bin, ja! Taumel! Ah, wenn immer meine Lippe bricht. Wenn das Flackern einer Kerze wie ein Dolch vom blanken Arm des Ungeliebten meine Ewigkeit verkürzt - sterbe, aber wütend bin ich nicht. Hast du Rosmarin gebracht? Hast du deine Fahrigkeit gewollt? Bete, Sünder, keine Allmacht gibt sich hin. Ostern, Marsch, Geschreibsel, guter Bettelmönch, das Schwein. Toxisch ist der Outburst, infaust, klinisch dekontaminiert das Amalgam. Bring mir Brötchen. Kleine Brote. Sei ein Schatz! Tollpatsch. Dummer. Wie ich deine zarte Zunge in den Lippen meines Stolzes immer mag. Schau hinauf, Balkon ist Thron, oben ist die Position. Nie hast du mir Tränen nah geholt. Ich kotze. Bleibe treu, dem Moos, auf Gras und Rettich, im Gemüse, Hahnenfuß, du Greller. Tadel und Armee und immer graue Nacht! Erbsen, Ärmster, reimt sich, Tripel, Treiber, leider nicht. | #351 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 16.03.2009 11:23 © by SuMuze
| | Leichte Depression | → Tod → Songs | Wenn es regnet, bin ich tot. Ich liege auf der Straße und der Dreck der Reifen von den Wagen die neben mir fahren macht mich schmutzig. Wenn die Sonne brennt, bin ich tot. Ich liege im Sand und die Hitze kriecht durch meine Adern, die Zellen und jeden Gedanken wie Glas. Wenn ich in meinem Bett liege, bin ich tot. Es ist weich, ich hege weiche Gedanken, weich ist Tapete, das Kissen, meine Glieder gebettet, mein Atmen ist einsam und flach. Wenn du meine Hände fesselst, bin ich tot. Ich rühre mich nicht, ich schreibe nicht, meine Lippen versiegelt, meine Haut ausgeliefert, das Weiße des Ich-Seins ist dein. Wenn ich beim Bäcker Brot kaufe, bin ich tot. Neben mir Menschen, ich will sie ausstechen, die Erste sein, siegen, das Brot wie ein Kind in den Armen wiegen, ich laure, ich renne wie blöde dahin. Wenn ich weine, bin ich tot. Ich gehöre niemals nicht her. Wenn ich warte auf Gesten und Augen, bin ich tot. Ich zähle die Lücken, die Delta-Umgebung, das Lemma, die Topoi, die Einsamkeit, Breitwand und paramount stereo, Dolby, ich stampfe in Technicolor, kreiße, mein Kindchen ein Meteor. Wenn ich schlafe, bin ich tot. Mein Atem geht langsam. Mein Auge gebrochen, mein Leib eine Wüste, mein Furzen ist heimlich, Sekrete idiosynkratisch, ein Einsiedler kaufendes Oligopol. Wenn ich bin, bin ich tot. Und schweige. | #352 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 15.03.2009 18:56 © by SuMuze
| | Alltag in der Stadt #24 | → Alltag → Talks | Wenn ich sie ansehe, frißt mich ein kleiner und dummer Neid fast auf. Sie schläft, und eine Sanftheit umgibt ihren Körper, durch die nichts Hartes eindringen zu können scheint. Unschuld liegt wie weißes Licht, aber ohne Leuchtkraft auf ihrer Haut. Hängt als Glanz in ihren Haaren, der an ihr alle Verlogenheit abgestreift hat und direkt einem Werbespot über die neueste Pflegespülung mit Wunderwirkung entnommen sein könnte. Und ruht als Bewegungslosigkeit um die Finger ihrer Hand, die flach neben mir das Kissen gegen die Matratze preßt. Das sieht kraftvoll aus, und Kraft umgibt auch das Bein, das unter der Bettdecke hervor ragt und ihren Körper stabilisiert. Unverletzlichkeit thront über ihrer gesamten Gestalt. Ich dagegen hocke wie eine fluchtbereite Dohle am Bettrand,... [weiterlesen] | #353 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 15.03.2009 17:42 © by SuMuze
| | Zwischenfall neben der Straße | → Stadt → Songs | Vom Dach gefallen alles steht herum auf Pflaster hin geknallt ein Ikarus aus grauem Silikon taleinwärts geht schon alles weiter sucht nach Anschluß für das Mobilephone Gesicht weit vor gestreckt Erwartung bassbetonte Stimmen breite Leiber Blick nervös und Ruf nach Staat der silbergrünmetallic quer am Bordstein parkt absperrt Funkstrecken zieht Jungmädchen schrill betroffen klammern sich und weinen ineinander eng wer sind sie? hier auf glattem Stein Absturz wie Heil sanft war der Flug zuletzt jedoch fehlt es an Lob. | #354 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 15.03.2009 10:44 © by SuMuze
| | Alltag in der Stadt #23 | → Alltag → Talks | Das Taschentuch zwischen ihren krummen Fingern tut mir Leid. Mehr als sie, obwohl die paar winzigen Tränen sicherlich echt waren, mit denen sie es getränkt hat, bevor sie ihm nun mit der etwas handfesteren Gewalt ihrer Finger zu Leibe rückt. Eine Strähne dünnen Haares hat sich um die harte Ecke ihrer Stirn herum gestohlen und weht nun vor ihren Augen dahin. Die so tapfer glänzen, als könnten sie es glatt schaffen, alles zurück zu holen, was sie mit ihren Worten mir nur andeutet, was aber in ihrem Kopf so lebendig sein müßte, wie ich hier gerade vor ihr sitze. Obwohl ich mich nicht einmal sehr lebendig fühle. Erinnerungen alter Frauen sind oft gefährlich. Sie zeigen dir, indem sie deren Jugend herauf beschwören, wie dünnhäutig die deine ist. Und sie haben Kraft. Sie... [weiterlesen] | #355 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 11.03.2009 15:49 © by SuMuze
| | Spaziergang #2 | → Stadt → Songs | Im Kalk der Wand, der Schein der frühen Sonne trifft den kalten Wind, ein klammes Schweigen in der Welt der Atem, den ich weiß, konzentriert auf meinen Lippen, Gehen auf Asphalt, es rüttelt Kuß der Stiefel mir das Kinn, im Warten wieder – Leben! | #356 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 10.03.2009 03:31 © by SuMuze
| | Spaziergang | → Family Days → Songs | Ich hätte Väter um mich her die krallten meine Lippen Erbarmen wollt' ich wie waren ihre Augen leer ins Morgengrau hinausgeritten ich löste ihren Sattelgurt heissa kreisten da die Väter wild um mich im Unterholz zur Ruh' bis hin zur Rast ich hätte ausgeteilt das Brot wir waren Vierzehn mit dem Pferd im Mondlicht Lächeln weißer Rahm und Last Ertrinken fast wir würden warten auf das Morgenrot im Kreis der Greise Schoß ich hätte Anmut lernte sie den Vielen hingegeben schwach bleich hart und bloß ich hätte Nachsicht mir verdient das Ross tanzt im Lindell wird niemals lahm ist Eures Ihres Andernleuts ich hätte Väter wie die Welt in Müttern mündet Morgengeld in mir und Meinem niemals mehr. | #357 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 10.03.2009 02:21 © by SuMuze
| | Spaziergang #3 | → Heimspiele → Songs | Der dumme Hund hat sich schon wieder mit den Vorderpfoten in der Leine festgerannt. Mit Absicht, wie ich weiß. Das macht er immer, wenn ich nicht genug drauf achte, daß er schnüffeln oder pinkeln oder kacken kann, so viel er will. Die Sohle meines Schuhs hat einen Knick, genau unter dem Ballen, wo es weh tut, und durch den linken Ärmel meines Mantels zieht es frisch herein und ich bin einsam, mein Blick reicht heute nicht sehr weit, und mir ist kalt, ich will nach Haus. | #358 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 09.03.2009 22:51 © by SuMuze
| | Rezept #1 | → Nur so → Songs | Nur in der Ferne bist du nah, als Möglichkeit real, dein Schatten hellt mir meinen Tag, ich lausche, wenn du schweigst.
Nur ohne Zwang bist du hier frei, als Wandernder im Haus, dein Weigern gibt mir festen Halt, ich folge, wenn du weichst.
Nur in der Ohnmacht bist du stark, als Brechender, der heilt, dein Trennen bringt mich dir zurück, ich sinke, wenn du steigst.
Gleitender, beweis Geduld, ein braches Feld durchzieht kein Pfad, auf jedem Blatt glänzt Tau, nur stetig malt der Wiese Mahd Erinnerung zu Zeit. Schau! Gründe nur, niemals ist Schuld. | #359 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 09.03.2009 16:49 © by SuMuze
| | Trennung im Regen | → Mäander → Talks | Mit einem Mal war aus dem sanften Nieselregen ein richtiger, klatschnasser Niederschlag geworden, und sie rannten mit fliegenden Beinen quer über den leeren Parkplatz, um sich neben einem Automaten unter ein kleines Dach zu flüchten, das diesen gegen eben solches Wetter schützen sollte. Ob es viel half, schien zweifelhaft, ihnen jedenfalls bot es ein wenig Trockenheit. Sie schmiegte sich fest an ihn, und er legte sofort bereitwillig seinen Arm um sie. Fast kroch sie unter die kurze Jacke und roch den Duft seines Körpers. Schweiß und nasse Wolle und Reste des Deos, das sie nicht wirklich leiden mochte. Und sie spürte seine Wärme. Der Oberkörper pumpte von der Anstrengung des Laufens heftig auf und ab. Vorsichtig schob sie eine flache Hand unter seinen Pullover und... [weiterlesen] | #360 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 07.03.2009 18:37 © by SuMuze
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