| Gartenlust | → Heimspiele → Songs | Die Eine pflanzt sich Rosenhecken und zählt die Stacheln mit Verdruß, der Andere liebt Rhododendren und wirft mit Torf nach ihrem Fuß. Es gibt auch welche, die zieh'n Fuchsien, die schneiden Flieder, bis er paßt, tragen die Staudenknollen raus und rein, und machen Bäumchen winterfest. Es gibt dieWasserkannenschlepper, im Schaukelgang ertrinken sie, damit es blüht bei jedem Wetter, dem Rasenlängenfetischist ist nur Gemähtes wohlgeraten, der schlaue Treibhaustäter schützt mit Glas das Wachstum der Tomaten, Es wird gehexelt, kompostiert, gehackt, gebuddelt, streng verzogen, geschreddert und kupiert, verziert, veredelt, aufgepropft, verbogen, in tiefe Löcher senkt man stumm, was dann ums Jahr sie zart verläßt, jung himmelwärts den Sprößling reckt, um morsche Pfähle eng geschlungen, damit das schlanke Aufwärts stimmt. Es gibt die kleinen Steingewächse, von bunten Hügeln blüht das süß, es gibt das Unkraut, zäh und tüchtig, das nie vergeht und höhnisch sprießt. Es gibt die Reihen mit Kartoffeln, das Hochbeet, das die Schnecken freut, die Büsche voll mit süßen Beeren, die, Schweiß und Arbeit nicht gescheut, den Weg zur Marmelade finden. Es gibt das Obst, das hängt am Baum und wartet auf den Flug der Bienen, es gibt die Bank, den Gartenzaun, an dem sich Büsche eng hinziehen, den freien Platz für einen Grill, die Lauben für die Sonnentage, für Reden oder nur für still, und es gibt kiesbestreute Pfade, die sich das Gras stets wieder nimmt, die Pausen und den frühen Abend, wenn das Genießen erst beginnt. Es gibt die Kälte und die Hitze den Frost, den Regen und den Frust, den Splitter tief im Fleisch, und itzo gibt's noch die schiere Gartenlust. | #361 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 06.03.2009 15:07 © by SuMuze
| | Sehnsucht im März | → Sehnsucht → Songs | Ich möchte wieder warme Sonnenstrahlen Haut unter Kleidung glühen spüren wie der Frost aus meiner Brust weicht keine Träne weine ich ihm Schoß summt sich dem Sommer hinterher | #362 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 05.03.2009 13:01 © by SuMuze
| | So wie es alte Männer machen | → Mannsbilder → Songs | So wie es alte Männer machen, mit ihrer Ruhe und Gelassenheit, (ein junger zeigt dir schnell die Zähne) die trösten, wenn du weinst, grundlos, und lügen lieber, als am falschen Ort zu lachen, (ein junger stellt dich achtlos bloß) die schauen langsam in den Abend, (ein junger kämmt sich rasch durchs Haar) die warten und die schau'n dich an, (ein junger hat dein Buch verblättert) die richten wortlos deinen Kragen, (ein junger fummelt mit den Fingern) die suchen nach dem Licht, das matt auf deinen glatten Schenkeln zittert, (ein junger guckt zum Nebentisch) die zahlen und die reden und die schweigen, die stehen auf, wenn du aufstehst, (ein junger sticht mit seiner Gabel in die Luft) die fahren große, dunkle, leise Wagen, die sie dann in die Nacht fort tragen, (ein junger läßt dich morgens erst allein) so wie es alte Männer können, die stumm den Tag in Angriff nehmen, (nicht wie ein junger, wenn er geht, noch deinen süßen Namen auf den Lippen) so wie der Rest im Glas, gleich neben deinem Bett, wo es am Boden zwischen Hemd und Schuhen steht, der Rand verklebt, du sahst es dann im Licht, als deine Fingerkuppen sich an seinen Spuren rieben (ein junger, der tut anders weh). So wie es alte Männer machen, die mischen Tod in alles, was sie lieben. | #363 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 03.03.2009 12:42 © by SuMuze
| | Waldwerden | → Heimspiele → Songs | Raubwald, im Schwarz erkaltetes Dickicht, der Blick, verästelt, läßt sich in die Irre leiten, zweigt wirr nebensächlich ab. Taubwald, Lähmung, die als Decke weichen Schnees wie Winterzeit auf jeder Form liegt, neigt reglos hin sich dem Milliardengrab. Tadelwald, mit Schuldzuschreibung, frech verfolgt der Dieb sein Opfer, lästert lauthals, wer noch verschont sich glaubt, hat schamhaft Furcht. Radelwald, greift zur Selbsthilfe, malt sich Speisen in den Boden, atmet reine Luft zurück, nimmt Erde Wärme, gibt Notdurft. Schutzwald, will bleiben, fällt, verbrennt, weicht, unter seinem Dach versiegt das Treiben, hungert Höhlenmensch, den jeder ahnt, nicht kennt. Trutzwald, starrer Stamm am Ende, Krachen, Bersten, Dröhnen, Dämme brechen, Faser stöhnt, Schlamm kriecht in nasse Fundamente. Lichtwald, wenn die Bäume liegen, wenn das Freie Platz sich schuf, Wind kann wehen, Sonne sengen, Staub wirbelt als Käferflug. Nichtwald, Brache, Stoppelanger, weites Land, Blick quer Feld ein, ist Einsamkeit in leeren Wüsten, sinnlos Horizont gedehnt, ist Unmaß endlich, und - genug. | #364 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 02.03.2009 14:31 © by SuMuze
| | Der Buchstabe | → Worte → Songs | Der Buchstabe als er ins Buch kam erstarrte Weil er Furcht habe sagte der Buchstabe es würde zu eng in den Zeilen und zwischen den Seiten Keine Angst sagten leise die Deckel er passe sehr gut noch hinein und legten sich sanft um ihn her Jemand legte das Buch in eine Schublade Der Buchstabe er war nicht allein schlief sorgenfrei ein und das Buch zur Hand oft genommen fühlte im Dunkeln sich auch nicht beklommen. | #365 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 01.03.2009 11:45 © by SuMuze
| | Der Liebhabende | → Liebhaber et al. → Songs | - Der, der dich lieb hat, -
- die Lippen sind sein Panzer,
die Brust Geschütz, sein Bug zeigt sich - - der stellt zur Rede, -
- nervöses Trippeln schmaler Finger,
Brüstung engt den Zeugenstand, Bänke bersten vor Neugier - - der plant die Welt, -
- im Spiegel liegt die Pforte,
blutrote Nägel hinter Glas, Tapetenmuster's Mimikry - - der dir verzeiht,
der seine Stirn dir opfert, - - im Zorn gespreizte Hand,
wie Butzenscheiben groß, wehrloser Rücken - - der weiß dein Lob,
der dich entwirft, - - Rascheln, Zug ist bei jedem Schritt,
die Dehnung vorn am Schienenbein, der niemals weiche Knick - - der weiß den Leib, -
- aus jedem Auge lächelnd,
um jedes Haar gewunden, zweifach überall - - der, der dich liebt.
Der hat.
| #366 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 28.02.2009 10:23 © by SuMuze
| | Büro #4 | → Arbeiten → Songs | Mein Umstand, ihre Wohlheit, zur Untat spricht beizeiten der Amtsbezirk Lebwohl. Ermittlung gab sich Hände, rechnet bescheidlos an. Das sagt: Zurschaustellungsurkunde. Steh besser still bei Tisch! Brotlos das Postwertzeichen, das Kandidaten ißt. Der Mohrenkopf: geschlachtet, - der Taliban verliert. | #367 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 26.02.2009 23:45 © by SuMuze
| | Büro #3 | → Arbeiten → Songs | Wir haben jetzt ein silbern schimmerndes Gerät hier in der kleinen Pausenküche, das macht Kaffee, das wärmt den Tee, das schäumt die Milch, das läßt die Wangen weiblich-junger Angestellter glühen, und auch wie nebenbei das Reden in den Räumen blühen. Der Tassomat ist sehr patent, er leuchtet hell mit Reihen roter Lampen, es sei denn, hinten ist der Stecker nicht hinein gesteckt, dann leuchtet nichts, der Kaffee schmeckt nicht mehr, der Tee bleibt eisig kalt, die Milch schäumt nicht, die männlichen Bediensteten sind sehr bemüht, die Seele der Maschine wieder zu beleben. Der Lehrling steckt den Stecker rein. Die Lampen blinken lustig. Man schultert den Verdienst gemeinsam und mit Stolz. Der Lehrling schweigt. Der Apparat brummt friedlich vor sich hin. | #368 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 26.02.2009 17:07 © by SuMuze
| | Schlafflucht | → Heimspiele → Songs | Die Mauersteine dicht am Fenster scheinen heute dünner, fadenscheinig, eigenartig schwach. Das Glas der Scheiben biegt sich, wenn die Luft als Wind dagegen drückt, als gäbe es bald nach. Die Deckenbalken oben hängen deutlich durch, wenn ich, auf dem Rücken liegend, an der Wand hoch sehe. Den Boden zieren Furchen, wie auch den Teppich, ich spüre es, wenn ich barfuß hinüber gehe.
Das Licht ist matt, mein Schritt klingt dumpf, das Atmen fällt mir schwer, das Denken auch. Ich lauf im Kreis herum, ich setz mich hin, steh auf und liege wieder reglos auf dem Bauch. Inmitten stummer Bücher tickt meine Uhr voll Hast, ihr Ziffernblatt aus Porzellan, die Zeiger golden. Vier schmale Füße spreizen sich, um sie zu tragen, ich schaue hin und kann darin die Zeit verfolgen.
Auf dem Weg zum Fluß hinunter spielt noch Winter mit Erde und den Stoppeln und dem Gras. Im Hof steht jeder Wagen achtlos hingestellt, das Dach der Scheune schimmert silbrig naß, fern bleibt mir draußen dieser Abend und das Land, die Haut auf meinen Armen leuchtet blaß.
Ich streife mit den Fingern über meine Augenlider, herab zum Kinn und über Lippen hin, zur Stirn dann wieder, als schliefe ich erst ein, wenn ich sie oft genug berührte. Mir ist, als wenn der erste Kuß der Nacht mich dann fort führte. | #369 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 24.02.2009 00:04 © by SuMuze
| | Mittagspause ontologisch | → Alltag → Talks | Im Sinn, sagte er und stieß mir beim Herüberlangen nach dem Zuckerstreuer fast das Glas Orangensaft in den Schoß, im Sinn habe er die kontextfreie Bedeutung. Ich kaute gerade, was mein Säumen beim intelligenten Antworten entschuldigte, und beließ es beim Spielen mit den Augen. Die allerdings immer noch mißtrauisch auf seine Hände schielten. Jetzt schüttete er gerade Massen von Zucker in seinen Cappuccino, als wollte er den Boden der Tasse damit betonieren. Am Nebentisch telefonierte eine junge Dame mit ihrem vermutlich nach dem Telefonat Ex-Lover und ließ nur wenige pikante Details ihrer Gründe für die jähe Trennungsabsicht aus. Was es mir, eingestandenermaßen, sehr schwer machte, mich auf bedeutungsfreie Kontexte oder was er auch immer mit mir bereden wollte,... [weiterlesen] | #370 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 23.02.2009 17:43 © by SuMuze
| | Regionalzug | → Arbeiten → Songs | Nimmt mich, birgt mich, und entführt mich. Brummend schaukelt er, schläft, wacht dann wieder auf. Rollt Welt an mir vorbei. Sein Halt trägt meine Schenkel, Anstrengung streichelt mich, den Rücken und mein Haar. Hat Wärme für den Leib, und Vibration genug wenn ich die Stirn an seine kalte Grenze lege. Kennt meinen Traum, spürt Sehnsucht in mir, dieselt wissend laut zu meiner still erweckten Gier. Ist reine Kraft, Maschine, Mechanismus und Gestell. Kriecht träge zwischen Häusern, rennt schnell auf freiem Feld, lärmt dunkel unter Brücken, dröhnt in den Tag hinein, fährt mich geduldig fort, fragt mich, wie alle, nie, ob mir sein Arm gefällt. Ich kann inmitten müder Gäste sein starkes Lachen fühlen, und leise vor mich hin auch eines sein. | #371 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 23.02.2009 12:38 © by SuMuze
| | A Stone Only Breaks Once | → Firebird Landing → Canzoni | a stone only breaks once
but a heart is born
to crack like ice in springtime under the slow unflinching sun
heaving its crystal skin into islands and continents
splitting apart in dark veins of glass
melting, melting until the night's steel fingers glide over the torn edges
smoothing the scars away solid again unbroken
until morning | Ein Stein bricht nur einmal
ein Herz kommt zur Welt
und zerbricht wie Eis das im Frühling wenn Sonne nicht weicht
kristallene Segel aus Haut setzt wie Inseln wie ein Kontinent
das zerfällt zu dunklen Adern aus Glas
schmilzt, schmilzt bis die stählernen Finger der Nacht die Fetzen bestreichen am Rand
und die Narben erweichen fest wieder dann ganz
bis zum Tag. |
| #372 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 22.02.2009 23:25 © by SuMuze
| | Muschelspiel | → Mäander → Songs | Und wieder muß ich warten, spiele mit den Fingern Abzählreim, Halb Eins, und Stehn, Halb Zwei, und Setzen, Stehn, Halb Drei und Schlag, ein Riß, erstarrt, die Kälte faßt nach Blöße, an der Wand ist Grau, ein Echo küßt mein Ohr todsanft, statt Wärme matter Laut, die Spitze einer strengen Nadel mißt mir knappe Haut penibel, gegen Druck aus Ewigkeiten wird Moment zum Trost. Und wieder treibt Beschleunigung den Spieß der Richtung vorwärts, alle Fehlerspuren aufgefüllt, das aufgebäumte Seelchen, Muskelspiel, ein Zittern faßt nach Leib, ist grober Sand auf einer Rüttelplatte, jedes aufgeregte Korn springt los, tanzt Zorn zu Folgsamkeit, zur Widmung ausgestreckter weißer Pracht. Und wieder schabt das tolle, pralle Tier die Wolken gegen Horizont, als Sturm inmitten nackter Äste fegt es kratzend Töne endlos wunden Schlund hinab, sein Hunger stöhnt, ein nasses Klammern, Griff, der Niedergang und trockenes Verzeihn. Und endlich löst sich Licht in Klang, die Schwärze kommt als schwerer Mantel, atemlos, wo Stolpern Schweben wird, ein Silberstern aus straff gespannter Klöppelware, löcherig und bleich und zart, mein Singen, müde Muschel, meint jetzt mich, ich liege wieder seitlich, einwärts, Pfade aus Mäandern nach daheim. | #373 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 22.02.2009 22:38 © by SuMuze
| | Vermittlerin | → Liebhaber et al. → Songs | Laß mich weich sein weich ist hart manchmal.
Laß mich flink sein flink ist lahm oftmals.
Laß mich stark sein stark ist schwach vielleicht.
Laß mich ich sein ich ist nichts zumeist.
Ich krieche unter deine Last. Ich atme deine Ungeduld.
Zerteilt kitte ich uns. Zertrennt klebe ich heil.
Dringend, Notbehelf, wie rettend rennt mein Wohltun gegen deines an. | #374 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 21.02.2009 23:22 © by SuMuze
| | Mordslürik | → Worte → Songs | Mörder uns unter Mangel uns Stand Breitband voll Gummi Bargold die Brust Neine mich niedlich Nachen zu Lust Christlich geboren Chronisch gelobt Spreizend vergnüglich Spielend verkannt Löblich ergötzlich Liebend ernannt Einsam gewählt Endlich gemalt Oben und Unten Oftmals vermählt Allmacht aus Ahnung Alternd gedacht Großes Gebündelt Gutes Dazwischen Dichtend gelegt. | #375 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 21.02.2009 22:53 © by SuMuze
| | Büroalltag radlerisch | → Arbeiten → Songs | An jedem Freitag kommt ein blonder junger Mann mit einer bunten Tasche zu uns seine Radlerschuhe klappern wie die Hufe eines Pferdes auf den frisch gewischten Stufen draußen laut im Treppenhaus was macht daß seine dürre Brust sich hastig hebt-senkt seine Beine wie ein Käfer schwarz und klamm verhüllt die nassen Haare stecken matschig unter seinem Helm er stürzt herein und schwingt uns seine bunte Tasche seine Finger fahrig schon am Reißverschluß entgegen kommt mit stets dem gleichen Gruß nicht klopfend in den Raum den wir zu zweit mit Tischen über Eck als Zimmer teilen eine junge Flinke und ein wenig lahmer ich die Flinke macht sich gerade beide lächeln wir ihm fröhlich zu das hat er gerne meistens lächelt er zurück nur wenn es Regen hat und Schnee oder er Zoff mit seiner Freundin deren Bild er uns weil er wohl damals Liebeskummer hatte mit sich kämpfte schüchtern zeigte nicht sehr hübsch das täusche meinte er als er sofort beleidigt spürte daß wir beide seiner Freundin nicht entgegen lächeln würden käme sie an jedem Freitag wie ihr Freund auf ihrem Weg quer durch die Stadt zu uns schon sein Kollege etwas jünger der sein dummes Witzeln wie das Gestänge eines Protzangebergroßgeländewagens vor sich her trägt stößt bei mir und der Kollegin nicht auf große Gegenliebe durch und durch echter Kretin kaum daß er uns das kleinste Kompliment je machte oder einmal winkte wie dieser Junge mit der gar nicht hübschen Freundin der aus seiner bunten Tasche unter launigem Gerede eine Menge Briefe und auch Päckchen zaubert und dazu mit leiser Stimme äußert daß ihm auffällt meine Bluse Klotten Anton Ausverkauf für neunzehn Euro neundunsiebzig passe wirklich wunderbar genau zu meiner Hose etwas teurer und dem Haar ich fasse schnell hinein und daß das Lächeln der Kollegin als er gehen will er schaut von unter unserer Tür noch kurz zurück und winkt recht leise in die Ferne gehe warum fragt er fast schon im Flur weil er will es gar nicht wissen aber schön ist daß er fragt. | #376 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 20.02.2009 16:44 © by SuMuze
| | Verweigerung | → Lago → Songs | Primo [Vorzeigeversion]
Hand, deine Finger sind zu nah. Krümel, Mohn, abgstandener Wein, Baguette. Ich sauge deinen Schweiß aus meinen Träumen. Weg mit dem Lachen, her mit Stille. Psst! Vor dem Grab des Echnaton, Amante, klopften Meißel Steine, Lilien halb im Fluß versunken. Und der Dogon zweiter Sirius. Geh Bleibe Bleibe Geh Geh nicht Bleib Komm! Ich sah zwei graue Augen hinter Glas. Von ihrem Balkon steif herunter grinste Juliet, begrub den Stolz der Scaglieris. Gesten. Brosamen. Gesten nur. Dein Blick schnitt. Beide Hände um die Knie geschlungen, doch du willst mehr, willst mehr, und mehr. Trompeten, Tulpen, Alpenhorn. Fingernägel tief im Schlamm. Der alte Pförtner kannte mich, las nicht weiter, fleckig, braun wie Kot, gebunden war das Buch, das gute Buch, er, ein Gott am Tor, betätigte den Schalter, der den Riegel, der den Weg entblößte, löste, knurrte, Himmelspforte, Höllenhund, er nickte und er sah mir nach, er sah mir nach, sieh mir nach, daß ich her kam, ich höre Schritte nebenan, Mohn und Baguette, und Wein, stinkender Wein, stank zum Himmel, der nicht half, kein Flehen, siehst du meine Hände, meine Knie, kein Flehen barmt den Himmel. Kalter Wolkenfriedhof. Über mir digitaler Sendersuchlauf, Handschuhfach, Telepilot, die Einspritzpumpe hatte Zoff mit Rudolf Diesel, starb. Verplompte Reiselust. Und Tropenwärme im Bistro- wagen, einsam saß ein Laptopdiener und Tabellenkalkulator, um seinen Hals ein weißes Dienerhemd mit Schmutzrand, widerlich, dennoch weiß, weiß reichte nicht. Nein! Nicht schwarz, nicht aufgeschoben, hochgeschoben, weggeschoben, reichte nicht, nicht dir, bahninterne Gründe, und ein kleiner Junge, Knopf im Ohr, Silos fett im Abendlicht der Untergang der Doria, der Stolz, das Mobile, Andrea saß im Luftschiff, Giannozzo hieß er nicht, nicht sagst du, nicht, Nicht. Nie. Dich versteh' ich nicht.
Secondo [sieh es von der guten Seite]
Ankunft, Abholen, Lächeln, Umarmung (verlegen), Koffer abgenommen bekommen, Fahrt, Reden (neutral), Schweigen, Hand berührt, Hoffen, Flur, Lächeln, Reden (vorwurfsvoll), Sex (leidlich), Trinken, Essen, Zimmer gezeigt bekommen, Restaurant, Reden (ausschweigend), Trinken (ausschweifend), Taxi, Umarmung (wild), Wohnzimmer, Schweigen, Schlafzimer, Sex (heftig, unklare Erinnerung), zu wenig Schlaf bekommen, Cafè, Espresso (mies), Reden (vorwurfsvoll), Tränen (nutzlos), Stadbummel (unklare Erinnerung), Fahrt, Schweigen, Warten, Reden (neutral), Umarmung (neutral), Kuss (oh), Zug noch bekommen, Ankunft, Taxi, Depression (leicht), Küche (leer), Zimmer (leer), Bett (leer), Aufwachen, Küche (voll), Kaffee, Bier (igitt, dann gut), Blick aus Fenster, Mut bekommen.
Terzo [coming home]
Es ist gutes Wetter. Sonne scheint manchmal. Ruhe herrscht draußen. Die Gedanken sind frei. Bin entlassen worden. Habe nicht genügt. Habe nicht gewonnen. Habe verloren. Habe genug. Genug. Setze den Öffner am Rand der Dose an und schneide langsam kreisend ihren Deckel auf. Der Hund hechelt. Die Katzen streichen um die Beine. Es ist ordentliches Wetter. Sonne scheint nicht mehr. Kein Regen. Ruhe ist geblieben. Rolle mich in eine weiche Decke, schließe die Augen, liege wach. Denke nicht. Höre nicht. Spreche nicht. Atme kaum. Das graue Licht des Nachmittags zeichnet ein Muster unter meine Zimmerdecke. Es sagt mir nichts.
Appendice [sostenuto]
Im Anderen verstehen wir nichts als uns selbst. Das Stumme macht das Reden stumm. Bewegungslosigkeit gewinnt auf lange Sicht. | #377 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 18.02.2009 22:04 © by SuMuze
| | Konsumption | → Alltag → Songs | Verkäuferaugen mustern Käuferseele. Anbieterfinger bieten eifrig an. Ich kaufe. Ich bin dumm. Er lacht sich eins ins Fäustchen. Bonuspunkte, spricht er lockend. Leistungsprämie. In seiner schicken Brille, die ihm nicht steht. Er weiß es nicht. Kundenfüsse trippeln auf der Strasse. Menschenmassen laufen. Leben. Kontostände kollabieren. Ich packe aus. Ich lache, weil ich gerne mir was kaufe. Freude. Regenwald steht an der Tür. | #378 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 18.02.2009 12:57 © by SuMuze
| | Mittagspausenblues | → Alltag → Talks | Du bist bescheuert, sagt sie, und ihr Tonfall läßt keinerlei Widerspruch zu. Sie liebt es, sich drastisch auszudrücken, vor allem, wenn du mit ihr in einem Bistro sitzt und alle Welt zuhören kann. Zurückhaltend, so glaube ich, hat ihre Stimme noch niemand zu nennen gewagt. Warum rennst du, fragt sie mit eindringlichem Augenaufschlag und gegen mich hin ausgestrecktem Zeigefinger, ihm immer noch hinterher. Fast noch mehr als deutliche Worte liebt sie das anklagende, rhetorische Fragen. Und den Zustand des permanenten Unglücklichseins. Bei anderen, natürlich. Zum Beispiel bei mir. Du läßt dich nur ausnutzen, behauptet sie. Mich als schwaches Opfer zu sehen - das liebt sie von allem am meisten. Ihre Art der Fürsorge, den diversen Unterschieden von Alter und... [weiterlesen] | #379 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 18.02.2009 12:55 © by SuMuze
| | Vom Briefeschreiben | → Worte → Songs | Die Wände eines Zimmers sind Papier aus alter Haut in Sehnsucht neu gebleicht mit abertausend Krakeln eng beschrieben zwischen denen Zwietracht herrscht bis hin zum Zeilenende und dem langen Halt danach. Die Schritte auf den Dielen sind die Flucht vor zu viel Worten die aus hellen Lippen abwärts rieseln wie der Schnee am Morgen nach einer leise durchgewachten Nacht. Der Blick hinauf zur Decke fordert zur erneuten Einkehr in Gedanken um ein Ahnen aber Wissen sieht er nicht. Das Lauschen auf die Stimmen ist ein Fluch im weichen Fließen in den Tag. Tief im Herzen summt es noch. Abend ist, und bleibt. | #380 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 17.02.2009 21:29 © by SuMuze
| | Miststück | → Sie → Songs | | Im Januar des Jahres Neunzehnhundert Irgendwas bei Neun | | Winterliche Kaltfront über den Azoren. Sie noch immer nicht geboren, nicht geboren. | | lag ein Schimmer in zwei blassen, blauen Augen, fast wie ein Freun, | | Das Barometer sprach Pascal und Millibar. Von Mickey-Mouse geklaute Spangen fest im Haar. | | sie übte Laufen in den roten Schuhen ihrer Schwester, | | Im kurzen Kleid der Mutter sah sie nur das Kind. Der Flügel vor der Tür zum Garten klang verstimmt. | | schwor in sich Rache für die Schmach der Ohnmacht an Sylvester, | | Frühjahrsfluten schwemmten abwärts fette Schlämme. Starke Sehnsucht, daß der Sommer zu ihr käme. | | weiße, dürre Glieder, wie die Scheite für das Feuer quer gekreuzt, | | Abends in der Diele vor der Tür zum Arbeitszimmer. Brav im Takt der Ruhe stummes Greinen statt Gewimmer. | | Regenschirme halfen nicht, die Luft war kühl, sie hatte sich geschneuzt. | | Der dunkle Fleck wie Wasser, kalter Rücken und auch Zorn. Aus immer nassen Fenstern fiel ihr Blick halbtags nach vorn. |
| #381 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 17.02.2009 10:46 © by SuMuze
| | Evolution | → Alltag → Songs | Zwei Füße treten schwer auf weich nachgebenden Holzuntergrund. Wind kommt herein durch das nur angelehnte Fenster und den Vorhang. Auf einem Bord tickt eine Uhr sekundenweise aufgeregt schnell vor sich hin. Von dunklen Bohlen an der Decke sinkt ihre Schwere langsam nieder. Die Wände trinken roh verputzt den kalten Rauch von Kerzendochten. Der Staub der alten Bücher in den Böden der Regale riecht nach Grab. Die Finger einer Hand reiben mit Vorsicht an der Kante harten Rupfens. Die matte Lampe in der Ecke neben der Kommode summt Metall. Das Silber einer langen, dünnen Kette scheuert weich auf Wolle. Fester Flanell schabt wie ein träger Sommeregen über Strumpf und Haut. In kurzen Haaren fängt sich die kühle Luft des späten Abends. Zwei Gläser stehen beieinander, ihre leeren Bäuche klingen hell. Frisch zerknüllt am Boden breitet Papier sich raschelnd wieder aus. Stimmen sind im Haus, und Schritte vor den Fenstern und ein Ruf. Die Federkerne der Matratze stöhnen stark gedämpft unter Gewicht. Ein Hund hechelt im Schlaf und seine Tatzen scharren hart auf Stein. Ein Kinn bohrt sich gemächlich in ein aufgebauschtes Kissen. Der Sauerstoff im Tafelwasser kämpft sich frei. | #382 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 15.02.2009 23:21 © by SuMuze
| | Lupinenfeld | → Heimspiele → Songs | Ein lichtes Blau Lupinenfeld stechende Stengel Wind aus Nordost bleischwerer Leib Geruch nach Erde Staub und Schimmel Trockenheit in Mund und Rachen Brausen im Ohr ein Schimmer Licht in Iris Schließreflex ein Nachmittag dunkel mit Wolken Worte Worte und die Hand Viertakterlärm und Diesel aufgespannte Welt und Gram ein Sommerhauch Verlorenheit und Lob bin trunken immer noch und gern | #383 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 14.02.2009 19:46 © by SuMuze
| | Pale Pacer | → Sie → Songs | Weißkind, bleiche Wilde, zärtlich ist dein Zorn. Scharrst mit den Hacken. Vorwärts auf der Stirn. Blick aus der Box des Seidenglatten, das du haßt.
Ein Spiegel dem Parkett. Die Glieder blasse Scheite auf dem Haufen deiner Angst. Blut kommt als Tod, die Sichel hoch erhoben, dumpf, mit weichen Backen, um die Augen Rot. Von überall. Kalt ist die Gier in dir, der Schmutz. Die Schelle wartet, droht.
Im Sand schon Spuren, parallaxenfrei zu sehen. Füße folgsam, Finger, die nach Zweigen greifen. Einbalsamierte Niedlichkeit.
Lahmst. Zögerst. Spurst. Ein Zittern zwischen Haut geschmiert. Verborgen ungestillter Durst. Im grauen Himmel webt sich Faden dicht an dicht. Für immer unvertrauter Käfig deiner Brust.
Und Striemen an den Seiten, auf dem Rücken. Gräben zwischen Dickicht und Beschleunigung. Ins Vakuum gegossen, roh herabgerissen, einsam wartend auf den Takt. Fremd, fern und unermeßlich weit die Leere auf der Bahn. Lackiertes Holz, Fassaden. Keuchen hell am Nachmittag.
Im Turm kam seine Macht zu dir, am Ende aller Treppen, Kohlenfäden in Papier. Im straffen Gummi zog sein Kordon beherzte Lücken. Nur langsam schmerzt nicht mehr der Winkel, Schenkel hochgereckt in Luft.
Renn, Läuferin, nun renn! Laß deinen Atem fliegen! Hast strafft den Nacken, Strom aus Muskeln, Sehnen, Horn. Sei Meute, Rudel, Masse! Blas auf zur Jagd, verbeuge dich. Auf Zehn, auf Eins, auf Knien. Winzling, nun werde groß!
Im schwarzen Kleid Preis für den Champion. Schweiß einer matten Stute zum Druck der Sattelgurte, gewöhnt an Trense und Gebiß. Verschonung ist der Lohn für jedes Quentchen Zeit. Die Miniatur hier unten, Abbild der Proportion, und Leid.
Start, Kind, Start, Lauf und Ziel! Kein Stolpern, Stöhnen, fließend, geschmeidig und grazil, und in der Sonne sterben, Beifall für die Lust. Das Klatschen nasser Hände. Aufschrei von der Tribüne. Ein masseloser Stern, der wimmernd auf die Erde fiel - bereit.
Streich deine Fingerkuppen seinen Lippen hin. Das Daunenlager träumt sich Punkte für die Flucht. Halt in der Taillengruft dem kühlen Horizont die Stirn. | #384 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 13.02.2009 11:38 © by SuMuze
| | Dir und Mir | → Me & You → Songs | Mittag. Sah dich unter Leuten ein paar bei dir ein paar bei mir nur so. Ich war dir einmal nah es war bei dir es war bei mir egal. Ich dacht' an alles was mich hin zu dir dich her zu mir zog mal. Ich wollt' daß etwas noch von mir in dir von dir in mir blieb, als ich ging, bliebst du noch da. | #385 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 09.02.2009 20:40 © by SuMuze
| | In einem Dorf in den Bergen | → Lago → Talks | Die Häuser trugen immer noch dieses Stirnrunzeln auf ihren grauen Gesichtern. Das von dem kleinen Zwischengeschoß herrührte, das sich über dem obersten Stockwerk unter das Dach hinein quetschte und dessen nur angedeutete Fenster bloße Luftschlitze waren, die trotz ihrer Kleinheit eben diese heftige Wirkung auf ihre äußere Erscheinung hatten. Auf den Dächern lagen große Steinplatten, was sie stabil, aber auch ein wenig beängstigend aussehen ließ. Zum Glück zeigte der kleine Alimentari viele Farben im einzigen Fenster und vor der Tür, und es gab sogar ein paar neumodische Wagen hier. Nicht viele, bei weitem nicht genug, daß ihr eigener Wagen nicht aufgefallen wäre, als sie gestern Abend eingetroffen war. Was sie mehr als unangenehm berührt hatte. Bruno war aus der Tür... [weiterlesen] | #386 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 08.02.2009 20:15 © by SuMuze
| | Dear Heart | → Firebird Landing → Canzoni | dear heart, were you waiting
for a perfect angle of sunrise to melt the snow
was there a bluebird expected
perhaps a lava flow
or, to be more gentle a thinning of the earth's skin just so
were you hoping for warmth are you willing to settle
let's talk | Mein Herz, hast du gewartet
auf den perfekten Winkel des Sonnenlichts den Schnee zu schmelzen
hast du ein Rotkehlchen erwartet
oder einen Lavastrom
oder, großzügiger noch, ein sich Dünnen der Erde Haut nur so
hofftest du auf Wärme bist du gewillt zur Tat
laß uns reden. |
| #387 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 08.02.2009 12:30 © by SuMuze
| | Unter der Kuppel | → Wildes → Songs | Das ist wie Eis, das überkocht, treibt dich voran, heiß, hoch hinauf, die Schenkel straff, den Hals gereckt, der Leib flieht, doch er kann es nicht.
Das ist wie Staub, der dich erstickt, reißt jede Pore deiner Haut kristallen scharf wie Scherben auf, dein Schrei, dein Wimmern lindert nicht.
Das ist wie Kraft, die dich erdrückt, eisern um deine Glieder liegt, als dürres Stroh auf Holz dich drischt, du spreizt dich weit, es nützt dir nicht.
Das ist wie Stahl, der dich entzweit, durch Muskeln, Sehnen, Bänder greift, Rippen zerteilt und Lippen spleißt, du leckst ihn, doch er küßt dich nicht.
Das ist wie Flut, die dich ertränkt, die naß aus ihrer Quelle springt, als Wellenkamm schäumt sie beengt, und sprengt doch deine Ufer nicht.
Das ist wie Gier, die sich nicht löst, ein Nichts, das keine Sehnsucht füllt, Trug nur und Schein, Grund, der nichts hält, du willst, willst nicht, sollst doch und wirst.
Das ist wie Leere nach der Welt, ein ewig bodenloser Blick, hoch am Trapez, gedehnter Strick, von dem du strahlend aus der Wärme fällst. | #388 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 07.02.2009 19:33 © by SuMuze
| | B-Poem | → Tries → Songs | Barke die trägt Borke die birgt Birke die sprießt Brache die liegt Bleiche die scheint Bilge die fault Bersten das dröhnt Barmen das lechzt Bergen das schützt | | Boot das schwimmt Brot das bricht Brust die nährt Blei das fließt Blatt das welkt Blut das trinkt Bund der gibt Band das eint Brand der verheert | |
| bedrohlich begeht sich die Zeit.
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| #389 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 07.02.2009 19:16 © by SuMuze
| | Fusslob | → Initial → Songs | Fest ist der Fuß verankert, flach mit seinen Zehen in der Welt. Findet den Weg, im Laufschritt, steht, trägt, hält, ist Fundament. Flink rennt er weit, wie nur so weit er kann. | #390 of 1729 [Backlink] Posted at Saturday 07.02.2009 09:51 © by SuMuze
| | Die junge Lyrikerin | → Leute → Talks | Zu Hugo Raimchen, einem gewitzten alten Lyriker, kam eines Tages ein junges Mädchen. "Herr Raimchen," fragte sie aufgeregt noch unter der Tür, "wie werde ich Lyrikerin?" Hugo bat sie mit einer knappen Geste herein, setzte Teewasser auf und hieß sie schon einmal das Schachbrett bestücken. Er spiele Weiß, belehrte er sie. Sein Königsbauer preschte bereits im Doppelschritt los, bevor er sich richtig niedergelassen hatte. Ihre Hand zögerte noch. "Sie wollen mir damit andeuten, eine Lyrikern müsse Schachspielen können?" fragte sie ihn mit der tastenden Neugier einer Amsel, die einen feinen Zweig aus den Ritzen zwischen alten Mauersteinen heraus fischen möchte. Ihre Lippen glänzten, wie ihre Wangen auch. Die Haare waren etwas strohig und hätten sicherlich schöner... [weiterlesen] | #391 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 06.02.2009 18:17 © by SuMuze
| | Traum von der Hand | → Traum → Songs | Ich wäre klein, kaum größer als die Fläche einer Hand. Läge darin, trüg um den Hals ein Fingerband, der Ballen wärmt' den Schoß. Schwebte, gehalten falls mir schwindelte, und sähe tief hinunter. Ich wäre eins, kein Zweifel mehr, könnt' träge sein, bewegungslos. Ihr Kitzeln macht' mich munter. | #392 of 1729 [Backlink] Posted at Friday 06.02.2009 16:07 © by SuMuze
| | Remis | → Worte → Songs | Siehst du es Worten an, wer sie ausspricht? Hörst du's am Klang der Stimme schon, ob's der, der redet, meint oder auch nicht? Entzifferst du Bedeutung wie ein Ding? Baust dir aus Zeichen auf Papier, das, was dich ganz umschließt, den Weltenring? Treibst du die Bahn der Laute immer fort? Bildest dir Wagen für sie ein, die dich wegfahren, weit von jedem Ort? Da oben stöbert keiner, da wohnst und werkelst du. Wirfst Staub auf, doch der legt sich bald wieder hin zur Ruh. | #393 of 1729 [Backlink] Posted at Thursday 05.02.2009 18:45 © by SuMuze
| | Beschäftigung #23 | → Beschäftigung → Soaps | Die kleine Stadt gefiel ihr. Es gab eine Kirche mit einem hohen und eine mit einem weniger hohen Turm. Um die mit dem hohem Turm herum lag ein Platz, den früher sicher große, alte Bäume gesäumt hatten. Diese waren vor kurzem gefällt und durch neue ersetzt worden, die sich hier offenbar erst noch eingewöhnen mußten. Zwischen ihnen parkten jetzt Autos. In einer langen Reihe krummer, niedriger Fachwerkhäuser gab es ein paar kleine Geschäfte, und den Marktplatz ein Stück vor der Kirche umstanden schöne, viel reichhaltiger verzierte Häuser mit gleich zwei Etagen mehr bis hin zu den steilen Dächern. Ein paar hatten noch die alten Fassaden, nur in den Erdgeschossen waren die ehemaligen Wände rücksichtslos heraus gebrochen worden, um modernen Schaufenstern Platz zu schaffen.... [weiterlesen] | #394 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 04.02.2009 20:51 © by SuMuze
| | Ballade für Knöchel, Pumps und Parkhaustreppe | → Arbeiten → Songs | Schmerz, ach, der wär' nicht schlimm, wenn er so schlimm nicht wäre! S'wär nur 'ne leichte Störung, irgend eine Unpäßlichkeit, ein Reißen unterhalb der Knie. Und's geht vorbei, kaum angefangen, ist alles wieder gut, ja Pustekuchen, nichts von dem! S'tut so weh! S'tut aasig weh! Du wimmerst, bist gar nicht Mensch, bist ganz vergessen, ja, und ganz allein. Und alle gucken dämlich! Und keiner kommt herbei! Oh Schmerz, du Schwein! | #395 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 04.02.2009 19:58 © by SuMuze
| | Extinction Sanguine | → Spitzfindiges → Songs | Das ist Musik für Mehrbeinkäfer, die Poesie der Pseudopodien. Das klickt, das raschelt und das kratzt. Das ist das Geld der Schleimhautfüßler, Liquidität auf Körperringen. Das schlurft, das windet sich und kriecht. Das ist die Gnosis der Gehörnten, Spitzfindigkeit als Form. Das spießt, das trifft und das durchbohrt. Das ist Kultur in Krakenhänden, Vielfalt wird ihr zur Norm. Das faßt, das streichelt und das wringt. Das ist der Gott der Schwarmmyriaden, Logik entspringt ihm im Detail. Das wuselt, webt und wandert weiter. Das ist was bleibt, sind Weichfleischwesen erst extinct. | #396 of 1729 [Backlink] Posted at Wednesday 04.02.2009 14:08 © by SuMuze
| | Dunst #3 | → Wolken → Songs | Dunst. Dunst ist immer gut. Liegt weich auf kargen Bergen und hobelt rund die Stadt. Die vielen Kanten nimmt er, Linien wie vom Lineal. Dunst macht sie weich, das paßt mir jetzt. Dunst um Gedanken, das ist besser als zu trennen, abzugrenzen und zu scheiden, das lindert, webt, verzeiht, rollt sich dazwischen, schmiert, und koppelt alles an sich an. Dunst, das ist immer gut. Die Schärfe kostet Kraft. | #397 of 1729 [Backlink] Posted at Tuesday 03.02.2009 17:06 © by SuMuze
| | Phosphor | → Family Days → Songs | Wir liefen durch die Trümmer, aus dem Himmel kam das Licht, Staub gab es viel, und Steine, Eisenstangen staken aus Beton, ein Wind wehte uns Dreck direkt in unsere Augen, fror, man gab uns Mützen für die Haare, jemand schrie laut am Telefon, auf allen Scheiben saß der Sand, der Wagen kam nicht vorwärts, Durst und Schlaf, am Straßenrand die ausgebrannten Wracks der Vans, das GPS log, wie die Kinder, wie die Karte, wie der Mann dort im Büro, sein Weinen klang noch mir im Ohr, ich wollte fort, wir fuhren dann zum Meer, es rollte wie vor hundert Jahren an den Strand, darüber Blau, und frischer Wind war in den Haaren, ich spürte Hitze unter mir, als wollte mich das Land nicht mehr, es rollten Karren auf den Wegen, junge Männer und nie Regen, im Flugzeug war der Schweiß auf meiner Haut geblieben und die Angst, weiß nicht wovor, neben mir glänzten die Flügel, weiß und silbern wie Phosphor. | #398 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 02.02.2009 21:36 © by SuMuze
| | Beschäftigung #22 | → Beschäftigung → Soaps | Die Wasserfläche sah fast aus wie ein richtiger See. Eine Menge Kiefern standen am Rand herum, manche lehnten sich aufs Wasser hinaus, und darunter gab es weite, blanke Flächen weißen Sandes mit Flecken braungrüner Pflanzen an den Seiten. Von der etwas erhöhten Veranda herab sah das wunderbar aus, nach Einsamkeit und Ruhe und dem wohltuenden Gefühl, nicht mehr zurück zu müssen dahin, wo sie hergekommen war. Sie hielt das runde Geländer mit beiden Händen fest umklammert, als würde ihr das ein ewiges Verweilen hier garantieren können. Unter ihren nackten Fußsohlen ertastete sie jede Unregelmäßigkeit im Holz. Lange, kitzelnde Rillen, die harten Knubbel von Ästen und scharfe Kanten, an denen sie sich vielleicht die Haut aufritzen würde, wenn sie zu hastig darüber hinweg... [weiterlesen] | #399 of 1729 [Backlink] Posted at Monday 02.02.2009 01:17 © by SuMuze
| | Hasenherzen | → Wildes → Songs | Als Kinder im Granatenwald hatten wir Gold verloren, vom Waldrand kam zu uns alsbald der Kampftrupp der Juroren.
Sein Kriegsgeschrei so lauthals blind damit wir Flucht ergriffen, wie Hasenherzen immer sind, mit Klopfen schnell verpfiffen.
Unter den Eicheln Munition, unter dem Himmel Schatten, wir sprangen eilig auf davon, wovor wir Schrecken hatten.
Weil keine Schuld in uns gelebt, nahmen wir sie, zur Welt bestrebt. | #400 of 1729 [Backlink] Posted at Sunday 01.02.2009 23:45 © by SuMuze
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