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Genug gesehen. Dem Gesicht begegnet in allen Weisen.
Genug gehabt. Lärm der Städte, abends, und in der Sonne, und immer.
Genug erkannt. Die Haltestellen des Lebens.
- O Lärm und Gesichte!
Aufbruch voll Gefühl und Geschrei - neu!
A.Rimbaud: Leuchtende Bilder / Illuminations - Aufbruch / Départ
(übers. von Reinhard Kiefer und Ulrich Prill)
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Peak Oil Blues→ Politik  → Songs

Ich glänzte mir das Geld in meine Taschen,
vertrieb mir meine Schätze aus dem Off,
belohnte lange Demut unter Schmerzen,
erwog tiefharte Einsicht noch und noch.

Ich kreuzte zwischen eingefahrnen Gleisen,
antichambrierte Heizöl, bar, bigott,
entzifferte die eingestürzten Bauten
anhand der Grabinschrift von Herodot.

Ich betrieb Raubbau mit den Kräften,
erkor mich unter Jubel für den Tag,
da alle Siegerkränze flechten,
bezahlte dann, was immer ich vermag.

Im Eisflug angelandet starb ein Marder
einen bitterarmen Wintertod.
Am Horizont war Neonschrift, niemals
gelesen, ungesühnt blieb Morgenrot.

#401 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 01.02.2009 19:24 © by SuMuze
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Gedicht über Alles→ Worte  → Songs

Satrapen, Seleukiden, Diadochen, Hammurabi.
Finsterwald, Inzestbegehren, Dreifuß, Beifuß, Oderbruch.
Totalisator, Mediator, Egalisator, Bingo.
Kongruent, Virulent.
Initialzündung, Reziprok, Melasse, Tiger, Sand.
Feuerschiff, ein Lodenmantel, Tagesform.
Normüberschreitung, Toleranzen, Bringeschuld.
Rondell, Kastell, Bauteil, Demiurg.
Radevormwalde, Tottenham, Girlandenschmuck.
Apostel, Nonne, Kataklysmen, Isis, Bang.
Redundant. Perkussionist, die Bratsche.
Lebemann und Lieselotte, Laktosefrei, Lemur.
Offenstallhaltung, Echolallie.
Kanister, Knister, Knusper, Knäuschen.
Karfunkel, Karakorum, Köln.
Belutschistan. Anturie.
Implantiertes Implantat.
Brodem. Brei. Beiguß. Besamer.
Anthrazit, Öl, Koks, Verlust vor Steuer, Microfish.
Verrohung, Feingoldunze, Fülme.
Phantasmagorisch, diffizil.
Attrappe, Totschlag, Telemeter.
Biathlon, Reichsbund, die Gräberpflege, Staat.
Plazenta, Hasdrubal, die Malediven, Dampf.
Digitalis, Brandneu, Wind.
Das Wetter, Onkel, Tante, Titel.
Der Mann, das Kind, die Menschheit, Schluß

#402 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 01.02.2009 18:56 © by SuMuze
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Abendbrot→ Tageszeiten  → Songs

Vielleicht hört Welt auf, schön zu scheinen,
wenn alle Häßlichkeit fort geht.
Das Summen eines müden Abends
nimmt seinem Tag den frischen Mut.
Vielleicht hört Neues auf zu glänzen,
wenn alles Alte nicht mehr ist.

Die Kette flacher Berge, hinter der
die Sonne unbeirrt verschwindet,
malt unverständlich fremde Zeichen mir
in meinen Blick von fern hinein.

Vielleicht ist Morgen schon das Ende,
weil Nacht ihn höhnisch protegiert.
Das kalte Warten, wenn nur ein Schwarz
unter den Augenlidern wohnt.
Vielleicht ist jeder Klang nur Pause
und alles Schweigen nur Radau.

Die gleiche Hand, die über Lippen strich,
streicht zärtlich jetzt ein stummes Brot.

#403 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 30.01.2009 17:36 © by SuMuze
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Da wo die Hunde wohnen→ Wildes  → Songs

Da wo die Hunde wohnen,
auf Decken, hinter Pappen,
die Kette klirrt am Fell,
die Krallen schärft das Pflaster,
und in den Augen lebt
Geduld.
Da wo die Haut friert, weiß,
und blau, zerrissene Hosen,
wirre Haare und ein Blick,
der mutig sein soll,
es auch ist, nicht lange,
nicht mal der.
Da wo das Bier trieft, kalt,
weil Winter ist, sonst lau,
die krummen Kippen,
wild hinaus gepafft,
den Kopf zurück geworfen,
frei, und doch
so uniform.
Da wo der Wachschutz kommt,
in Jacken für den Wind,
der hier jetzt weht,
die kahlen Schädel unter Mützen
die Schuhe knallen, eng
am Bein die straffe Hose,
der Kontaktverschluß.
Da wo die Kinder staunen,
Mütterhandgezerrt,
die Neugier lernen,
Abscheu, Schaudern,
ungewohnte Worte
wider irgend was,
wer weiß.
Da wo sich keine Dächer bieten,
nur Platz am Rand
im Einkaufstrubel,
Lebendigkeit mit Ziel,
die sie dann doch
- zumindest -
stören.

#404 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 29.01.2009 13:45 © by SuMuze
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Dienstbar→ Ich  → Songs

In meinem Kopf
lebt es sich gut,
man nährt sich
aus dem Magen,
man lächelt fein,
bin ich mit mir allein,
man beugt den Nacken,
gehe ich backen,
man kratzfußt,
wenn ich bade,
man schmeichelt
mich dem Schlummer hin.
In meinem Kopf
zerbrechen Welten,
trudeln Planeten,
in mir bekämpft
die Hölle sich,
in mir ist's wohnen
leidlich angenehm,
und meistens
recht bequem.
Ich kaufe Brötchen
- jeden Tag.

#405 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 28.01.2009 11:59 © by SuMuze
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Unerheblich gestörte Symmetrie→ Lügen  → Songs

Nichts muß bleiben, was es war.
Nichts, was jetzt ist, muß später sein.
Nichts ist gewiß, nichts einfach oder klar.

Finger legt sich auf die Taste.
Es reagiert, es springt.
Das Auge zuckt zur Seite hin,
das Ohr empfängt.

Da ist viel Platz auf weißer Haut,
auch Wärme, Weichheit, Dehnung.
Da wartet Zeit, zögert der Raum.
Kinetik stoppt im Kosmos.

Das huscht auf feuchter Lippen Kuppen,
fließt lange Hänge sanft hinab,
reibt fragend sich an spröden Bögen,
drängt nach dem Öffnen, bringt auf Trab.

Taumelt, unbewehrtes Trudeln,
ein Wirbeln, Kreiseln, Steigen, Schwirr'n,
Trinkt, ist unersättlich Dürsten,
ein Nähren, Geben, Nehmen, Still'n.

Alles ist eins und doch viel mehr,
alles ist stets mit sich verbunden,
alles entfernt und dennoch hier,
alles, was ist, ist auch verschwunden.

Dann Echo, Sehnen, Warten,
lebt noch viel Hitze tief im Schoß,
Zeit flog fort, löste sich Raum
in Schwerkraft auf, wie ein Impuls.

Der Blick hinaus
sieht sich am Lichterwechsel satt.
Der Finger suchte, fand,
die Hand ruht aus, hält, was sie hat.

Nichts zeigt sich, wie es war und wie es ist.
Nichts will, was es zu wollen scheint.
Nichts ist, was du mir bist.

#406 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 28.01.2009 11:45 © by SuMuze
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Wasser beharrlich→ Wasser  → Songs

Schon immer hat das Wasser an den Steinen hier geleckt,
hat mit seinen weichen Zungen
schnalzend zwischen her geklungen,
hat sie benetzt, wenn von der Sonne
weiß sie waren, Staub verdreckt,
bedeckt mit Sehnsucht nach dem Naß, das dann voll Wonne
über ihren Rücken schwamm,
- Wie das mir in den Ohren klang!
Wie es noch klingt, und schmerzt! -
noch immer sehe ich rückwärts,
als gäbe es nicht einen Sommer mehr, den mir zu leben
den Blick sich wenden lohnte,
als ob das Licht dort wohnte,
wo klamm der stumme Schimmel kauert unter Kieseln,
den Ekel weiß ich noch wie jetzt,
die Hand war klein, verletzt,
ich küßte sie, ich hab das weiche Moos geschmeckt,
ich gab nicht zu, wie sehr mich
seine Weichheit biß, ich lachte,
daß mein einzig einer Kuß die eine Heilung brachte,
die, spürte ich sie heute wieder,
mir alles wäre, was ich will.
Für immer wird das Wasser hierher kommen, schäumen,
wird donnern oder flüstern,
rollen, reißen, wieder gehen,
wird heute, morgen, gestern,
wird stets nach meinen Augen sehen,
ob ich nicht doch mitginge, nur ein Stein wie tausend auch,
ich schenkte ihm die Tränen,
die ich hasse, hab gebrannt,
ob mich das Wasser löschte,
es löschte nicht, nur Träume,
und schwache Wellen, Tag für Tag gemurmelt gegen Land.

#407 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 25.01.2009 20:41 © by SuMuze
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Alltag auf dem Lande #6→ Alltag auf dem Lande  → Talks

Die breite Bundesstraße zieht sich nur leicht kurvig an der mit frisch gefallenem Schnee weiß eingehüllten Hügelkette entlang. Hinter einer langen Steigung geht es dann nach rechts ab. Auf einen schmalen Weg und an einer kaum rechtzeitig zu erkennenden Stelle. Ein verlassenes Wirtshaus hockt neben der Abzweigung und trauert mit zugenagelten Fensterhöhlen und dunklen Wasserflecken im ehemals weißen Putz den alten Zeiten hinterher. Fast, als bewachte es übellaunig den kleinen Pfad, den ich nehmen muß. Schräg vom Eingang herab hängt ein Schild mit dreckigem, zerbrochenem Glas, das früher sicher beleuchtet war und einen Namen zeigte. Irgend etwas mit Wald. Aber der Name ist nicht mehr vollständig zu entziffern. Das Metallgerippe des Schildes reckt sich wie eine drohende...
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#408 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 25.01.2009 15:41 © by SuMuze
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Vergeblichkeit→ Trennungen  → Songs

Wenn ich dir Worte würfe
hin vor deinen Sinn,
den Stolz,
das Biegen und das Beugen,
das Strecken, das Dahin.
Wenn ich dir Gesten gönnte,
kapitulierte
unter Zorn,
ein Weichen, Wimmern,
Winden und das Stumm.
Wenn ich dich hielte,
flickte, nähte, hüllte
- ich weiß, wie dumm -,
wenn ich der Leim
für deine Lüste wäre,
die Labsal deiner Wut,
wäre nichts heil,
nichts wäre dann gelindert und -
nichts gut.

#409 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 21.01.2009 22:03 © by SuMuze
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Abendmahl→ Heimspiele  → Songs

Nicht, daß ich an mir zweifele,
verzweifelt mich.
Nicht, daß ich Müdigkeit verspüre,
nimmt mir die Spur.
Nicht, daß ich weine, schmerzt.

Bin nicht allein,
nur ausgeschlossen.
Bin stolz,
doch krieche bloß.
Bin im Besitz
von tausend Dingen,
und barme jetzt
almosenlos.

Werde nicht schwach,
bin mir getreu.
Werde nicht weich,
bin wie aus Stahl.
Ich werde,
wir warten ab,
ich werde,
sicher -
ja!

Kannst du dich,
tausendfach gekrümmt,
je wieder strecken,
makellos
wie weißes Licht,
wurde es bunt gebeugt?

Vor meinen Fenstern
spielen Dramen,
ich schaue zu,
voll Lust und Freud,
die Hand am Rahmen,
das Glas ist glatt,
die Wunden frisch.
Ich stehle, leihe,
selbst mein Leben,
das Abendmahl
ruft mich zu Tisch.

#410 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 21.01.2009 19:58 © by SuMuze
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Gleitzeitabend→ Arbeiten  → Songs

Hast du noch Zeit,
hier abzuwarten,
wie mir die Nacht
aus Abend wird?
Bleibst du bei mir,
behutsam schweigend,
wenn das Gespräch
nicht weiter führt?
Zieht dich nichts fort
aus meiner Nähe,
wenn dir dein Morgen
näher rückt?
Bist du mir Welt,
wie ich dir Himmel,
ein Ozean,
der dich umspült?
Verbirgst du nicht
ein leises Gähnen,
wenn dein Interesse
nichts mehr weckt?
Du siehst nicht mehr,
ob ich noch schaute,
fährst ruhig davon,
fast reut es mich,
daß ich mich nicht
zu fragen traute,
ob du verweilst,
als bräucht' ich dich.

#411 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 21.01.2009 16:43 © by SuMuze
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Gleitzeitnachmittag→ Arbeiten  → Songs

Kein Halt im Kampf der Kaffeeautomaten
kann aus dem Array ihrer Callback-Subroutinen
Fußabdrücke des Adressraums schreiben.

Kein Stoß beim Testlauf auf Achilles Ferse
kann den korrupten Zeiger intialisieren.

Kein Riß unter der Sollbruchstelle boomt, die
Regenfront ersetzt die Morgeneuphorie.

Der Zweck beengter Anprobierkabinen ist der
Panikkauf zum Hohn der fetten Nachbarin.

Ein Fingerspiel, das selbst das Geld verdreckt,
Spießrutenlauf vor dem Azubikassenbürger,
der on-demand Markup-Akne Hunger stillt.

Preisschilder lügen nicht, nur stumme Küsse,
Klingeltöne pflastern gummileise meinen Weg.

#412 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 20.01.2009 21:42 © by SuMuze
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Gleitzeitmorgen→ Morgen  → Songs

Wie gerne gäbe ich dir ab von meiner Müdigkeit,
ließe sie wie eine Schar Heimkehrer,
späte Sonne malte sie auf Sand,
in deine Tore einmarschieren, sänge
leis', vielleicht, doch summte ganz bestimmt.

Wie gerne teilte ich mit deiner alle Weichheit
meiner bleichen Hand, reglos,
matt ohne Kraft, die Stränge
ihrer Sehnen glänzen nutzlos, sind
mir fremd.

Wie gerne kühlte ich mit meiner Kälte
deine Lippen, zeichnete auf deine Stirn.
In mir ist Winter, deine Sonne
bleibt mir fern, dein Frösteln
tröstet nicht, wenn ich es nie
verhindern kann.

Auf weißen Steinen liegt
der Staub der Sterne
dieser kurzen Nacht,
im Spiel der Haut
verliebt dorthin gebracht,
verweht er flüchtig,
Spur nur
auf dem schmalen Weg
davon.

Wie gerne rief mein Blick
mir alles aus dem Nichts zurück,
ein Blinzeln schaltet sich
als Unterbrecher ein,
verändert flink, verschiebt,
setzt wieder auf.

Im spröden Licht des Morgens
klaglos
bleibe ich.

#413 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 20.01.2009 09:54 © by SuMuze
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Warten→ Süden  → Songs

Sandkörner rollen weil die Luft
dem Druckausgleich gehorcht,
im Ultraviolett Geborgenheit
vorfindet. Winzig ist der
Wurm, vergräbt sich und
sein rundes Maul greift sanft
sich Wunden in den Sand, die
Hitze hetzt den Skorpion voran,
sein Stachel, wunderschön,
und wippt und sticht,
glänzender Schleim,
Horn, das ist schwarz, ist spitz,
ist wie poliert,
die Macht der Reibung,
schweißgetränkter
Wasserlauf,
verdeckt, entblößt
am Dünenkamm,
wo Lichterteufel Trugbild malten,
kleine Wellen abwärts
weißer Schenkel
Blicke schenkten,
träge ist das Land,
ist leer.

#414 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 19.01.2009 23:13 © by SuMuze
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Flüchtig→ Verführung  → Songs

Wenn Sie mich lachen sehen
- vermeiden Sie Tränen!
Wenn ich weine
- lachen Sie nicht!
Ich bin nicht so
- greifen Sie zu!
Ich bin
- beeilen Sie sich!

#415 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 19.01.2009 01:04 © by SuMuze
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Unten in der Küche→ Lago  → Talks

Ich stand vor dem offenen Backofen und überlegte leicht verzweifelt, ob es nicht besser wäre, auf der Stelle in Tränen auszubrechen. Mein Rücken tat schon weh vom ewigen Bücken und Hineinschauen, und als ich die Bratröhre eben aufgerissen hatte, verrutschte mir der dicke Handschuh und die Kante der Klappe hatte mein Handgelenk gestreift und dabei fast verbrannt. Außerdem war mir der heiße Bratendampf in die Augen gedrungen, eine alles andere als wohltuende Erfahrung. Unter dem festen Tuch, das ich nach Fernandas Anweisungen mir um den Kopf gebunden hatte, schwitzte ich, obwohl es in der Küche wie immer wunderbar kühl war. Und außen am linken Oberschenkel hatte ich einen sich nun immer explosiver entwickelnden blauen Fleck. Der stammte von der Tischkante des riesigen...
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#416 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 18.01.2009 23:05 © by SuMuze
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Mein Land→ Heimspiele  → Songs

Mein Land, murmelt der Abendwind,
wenn er die Sonnenkugel
den Horizont hinunter treibt.

Mein Atem, seufzt das weite Feld,
wenn es mit Böe und Strudel
in seiner Furche Fangen spielt.

Mein Bett, flüstert das Wasser, wenn
es seine Ufer fühlt
mit nasser Hand und Fuß.

Mein Blut, summt sanft die Erde, wenn
sie ihren Durst gestillt
an feuchtem Bach und Fluß.

Mein, denkt stumm ein Vogel froh
an einem kalten Tag,
und wippt auf seinem Ast.

#417 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 16.01.2009 20:17 © by SuMuze
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Oben zwischen den Bergen→ Lago  → Talks

A. fuhr den Kombi mit weitaus mehr Mut als Geschick. Daß M. sie das vollbesetzte Gefährt steuern ließ, hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber nun war es zu spät, noch auszusteigen. Ich saß zwischen den beiden Jungs aus Innsbruck eingeklemmt wie eine Verbrecherin auf dem Weg zur Urteilsverkündung, und dieses Urteil würde unter Garantie auf Tod durch Sturz in die Tiefe lauten, dessen war ich mir gewiß. Und wenn nicht das, dann durch langsames Ersticken unter zwei zu schnell gewachsenen alpendeutschen Leibern. Als wir die letzten erbärmlichen Häuser des letzten halb verlassenen Dorfes hinter uns gelassen hatten, war M. plötzlich in die Bremse gestiegen. Es gab jetzt keinen Asphalt mehr, nur lockeren Schotter und die kaum hilfreiche Hoffnung auf eine absolut...
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#418 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 14.01.2009 22:20 © by SuMuze
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Virtueller Ablasszettel→ Zorn  → Songs

Wenn im Fluß des Gesangs eine Wunde laut blutet,
wenn Trauer darin ist und Wut, eine Prise von Trotz,
wenn Hoffnung noch vorkommt, ein Licht, das
fern jeder Ferne als Schatten erscheint.

Wenn jedes Gefühl wie gerüttelter Sand
sich in sich selber verdichtet, hinein zieht,
was niemals darin schien, verschlingender
Strudel, noch warm von der Hand, Vanille,
das Glas mit dem Wasser macht süffig, die
Zeitung, Kaffee, zum Klirren der Tassen,
Bonechina, Duft weht um die Nase aus
Maragogype.

Im Sand seiner Wüsten versinkt Altertum, kluger Stein,
eine Vorschrift, dem Rückwärtsgewandten das Soll,
das ihn knebelt, den Gag aufgedunsen,
in Fesseln kriecht Lust in den Rachenraum
ein, jede Büchse entladen, der Pilger schwört
Eide dem Linsengericht, und dann endlich ruht er.

Wenn im Wort eine Wunde hell blutet,
verschmutzt sie mit Eiter die Seelen infaust.

#419 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 14.01.2009 21:14 © by SuMuze
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Hoffnung→ Innereien  → Songs

Das sich in die Länge zieht
sich weithin streckt
ausdehnt
sich legt auf alles wie ein Film
von allen Seiten fest umgibt
enthält birgt faßt
in sich einschließt
das mit sich nimmt
aufhebt
das trägt
das tragen wird
das alles ist
ein jedes überall
- das noch nicht ist
das sein wird -
soll

#420 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 13.01.2009 13:16 © by SuMuze
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Oben am Hang→ Lago  → Talks

Es sei jetzt nicht mehr weit, sagte er nicht zum ersten Male. Seine schmalen, braunen Schultern glänzten und zeigten stolz zwei rote Striche, wo er einer Brombeerranke zuvorgekommen war bei ihrem Versuch, uns aufzuhalten. Ich hatte einen ähnlichen Strich auf meinem rechten Schenkel, der aber an Bräune es nicht mit seinen Gliedern aufnehmen konnte. Die Hitze unter den Büschen war beinahe schlimmer als im Freien. Denn dort stand die Luft, es kam mir vor, als hätte sie sich Tag für Tag darunter ansammeln und die übelsten Temperaturen aufhäufen können, so daß sie uns nun, wenn wir uns immer wieder unter die Zweige duckten, wie ein Ofen empfangen konnte. Und dazu ging es mittlerweile ziemlich steil bergan. Manchmal traten unsere Füße das Erdreich los und ein kleiner...
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#421 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 10.01.2009 16:30 © by SuMuze
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Winkelspiel→ Kurze Gefühle  → Songs

Im gleichen Winkel wie die
Sonne auf das Dach fällt eines
Wagens weil die Wolkendecke
jetzt vom Wind davon getragen
ihr erlaubt hell her zu scheinen
fiel vor Jahren schon ihr Licht
auf Falten weicher Wolle
weil ein Vorhang weggezogen
von der Hand nach der ich schaute
meinen Blick nach draußen lenkte.
Seltsam wie die Sonne diesen
kleinen Dingen gern gehorcht.

#422 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 10.01.2009 16:30 © by SuMuze
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Ein Tag im 21.Jahrhundert→ Moderne Zeiten  → Songs

Ein weißer, praller Plastiksack,
gefüllt mit Mehl aus Weizen.

Ein Streifen Wasser, kondensiert
auf blassblau leerem Himmel.

Ein grüner, großer Multivan,
besetzt mit Farbigen
und einem Weißen.

Rost an der Bordwand des
Containerschiffs,
das tief im Wasser liegt.

Der blaue Stahl am Lauf
des Sturmgewehrs.

Das Klicken der Sortiermaschine, die
die Scheine trennt
zu Bündeln.

Der Sand, der mit dem Wind
zwischen die dürren Stauden
träge rinnt.

Grauer Beton mit Wasserflecken
und auf dem Boden noch
Armierungen,
wo die Maschine stand

Schnee, der sich weich auf
Felder legt und schläft.

Die Hitze zwischen Schaufeln,
wenn die Turbine höher dreht
und singt.


Ein Ton am Horizont,
und leises Rascheln
und ein Lächeln.

Das Schweigen, wenn
die Männer und die Frauen
gegangen sind,
Verlegenheit blieb in der Hand
zurück.

Nebel über nassem Wald,
und dunkelgraue Schwingen
in der Luft.

Putz an der Decke, hoch
im elften Stock, die Leitungen
quer auf der Wand.

Ein Mund, der ißt,
einer, der spricht,
welche,
die schlafen, und
ein Traum

und Tageslicht.

#423 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 05.01.2009 12:45 © by SuMuze
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Beschäftigung #21→ Beschäftigung  → Soaps

Es war wegen der zugezogenen Vorhänge halbdunkel in seinem Zimmer, und jetzt beinahe ruhig. So ruhig, wie es hier nur jemals werden konnte. Aus den anderen Wohnungen kamen wie immer die kleinen Geräusche des Lebens zu ihnen, und von draußen drang ein unaufhörlicher Strom von tausenderlei Tönen herein. Die nun, weil das Fenster weit offen stand, weniger gedämpft waren als üblich. Auf den Sportanlagen unten war kein Betrieb mehr, aber weiter hinauf den Hang, jenseits einer Art lockeren Walles aus flachen Büschen und kleineren Bäumen, lag der große Spielplatz, auf dem das Lachen und Schreien der Kinder und das Rufen der Eltern unmißverständlich nach Samstag Abend klangen. Dahinter, unsichtbar, erstreckte sich der Betriebshof der Stadtwerke, auf dem manchmal schrill...
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#424 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 04.01.2009 13:09 © by SuMuze
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Lyrische Abwägung im Winter→ Stadt  → Songs

Der Winkel des Stuhles auf dem ich
sitzend dies denke und schreibe
ist ungünstig was mir im Kreuz
Druckschmerzen erzeugt während
neben mir drei junge Mädchen
laut lachen und schwatzen und auf
die Displays ihrer Handies und nach
einem von beiden der Kellner der andere
ist etwas fett begeistert hin schauen
und unter dem Dach auf der anderen
Seite der Straße hängt Eis spitz herab
es droht gleich zu fallen ich weiß nicht
ob Schärfe so an der Kante am Rand
und voll Mordlust im glasigen Auge
beschrieben nicht lyrischer wäre als
Mädchen und Kellner und selbst als
mein Sitz dessen Winkel wohl Schuld
ist daß ich grantig bin oder liegt es
daran daß der Kellner viel schneller den
Mädchen bringt was sie bestellten
als mir und das Unheil am Haus dort
ganz einfach nicht sieht so wie ich?

#425 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 04.01.2009 12:59 © by SuMuze
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Jahresanfang 2009→ Lachen  → Songs

Ich stand in der Stadt in der Schlange
der Mann an der Kasse da lasse
die Kunden seit Stunden schon warten
raunt mir ins Ohr eine Frau neben mir
mag sein er nimmt Rache für Weihnacht
vermute ich mutig zurück
sie lacht und ihr Lachen klang neu.

#426 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 02.01.2009 15:02 © by SuMuze
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Jahresende 2008→ Heimspiele  → Talks

Es ist kalt, wunderbar kalt. Überall liegt Kälte auf dem Boden, hängt an den Zweigen, sogar der Himmel sieht frostig auf uns herunter. Und das Winterlicht umgibt alles wie mit Glas. Ich friere nicht. Ich laufe den Weg entlang und puste meinen Atem vor mich hin und möchte hüpfen vor Freude. Vielleicht hüpfe ich sogar. Der Hund schaut mich so an, als täte ich es. Zumindest als ginge ich, wie ich selten gehe. Ob es ihm gefällt, ist schwer zu sagen, er beäugt uns Menschen immer sehr mißtrauisch. Mir gefällt es. Die beiden Jungen, die so eifrig mit ihrem Modellflugzeug beschäftigt waren, kicherten, als ich ihnen dumme Fragen darüber stellte. Aber in Gang gekriegt haben sie den Motor auch nicht. Es sind überraschend viele Autos unterwegs. Der Tag ist noch jung, nur das Jahr...
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#427 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 31.12.2008 15:29 © by SuMuze
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The Layer→ Me  → Songs

I'd say the word you cease to sing
Will tell all tales you can't
I'd end the work you won't complete
Grow trees you'll never plant
I'd be the season and the salt
The layer and your fee
Good reason and far better goal
Because I love to be

#428 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 31.12.2008 13:50 © by SuMuze
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3-Kammer Flat→ Mannsbilder  → Songs

Ich werde Gegenwart mir nehmen,
sagtest du.
Mein Wort wird sein,
ich nehme mir Vergangenheit.
Wir werden beides nie gehabt zu haben wissen,
die wir einander stets vermissen.

#429 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 30.12.2008 19:57 © by SuMuze
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December 30th→ Von Rändern  → Songs

Fast fertig angekleidet,
den Schal noch umgetan,
bald außer Dienst,
verbraucht und da,
wo schon die anderen sind,
der Blick nur dem,
was wird, was war,
den Tag
holt sich die Nacht,
die Nacht das Jahr.

#430 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 30.12.2008 17:54 © by SuMuze
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Capodanno ancora→ Lago  → Talks

Vom Turm herab gesehen sieht der See aus wie erkaltetes Blei. Geschmolzene Zivilisation, nachdem ein kosmischer Hitzestrahl hinein gefahren ist, alles durcheinander brachte - Tod, Leid und das alles - und dann eine Weile nichts mehr passierte. Langsam kühlte sich die ganze Scheiße ab und geronn. Ich denke nach, ob es nicht doch gerann heißen muß. Vermutlich, wie immer mache ich am Ende etwas falsch. Deswegen stehe ich auch einsam hier oben und tue so, als fröre ich nicht. Ich friere aber. Und bin unglücklich, oder eher zornig. Was sich im Endeffekt kaum voneinander unterscheidet. Läuft nicht alles auf so etwas wie den Wärmetod hinaus? Oder Kältetod. Aber Kälte und Wärme sind ja nicht wirklich verschieden. Wirklich ist nur der See da unten, der sich bequem zwischen...
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#431 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 30.12.2008 01:45 © by SuMuze
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Beschäftigung #20→ Beschäftigung  → Soaps

Sie hatte ihre vollgestopfte Leinentasche achtlos auf einen Stuhl geworfen und sich vor das Bett gestellt, auf dem er in betont lässiger Pose lag. Als wäre es irgendwie wichtig, ihr zu zeigen, wie wenig ihn anginge, daß sie zu ihm gekommen war. Das tat er oft, und nie war sie dahinter gekommen, ob er sich davon ernsthaft etwas versprach. Ihr vom Radfahren in der Hitze verschwitztes Hemd hatte sie mit einem schnellen Griff über den Kopf hinweg ausgezogen und einfach hinter sich fallen lassen. Und nestelte nun mit fliegenden Fingern an ihrer Hose herum. Dabei schaute sie wortlos zu ihm hinunter. Hoffte, daß das alles auffordernd und lockend aussah, und mußte dann doch grinsen, als sie den Reißverschluss nicht auf Anhieb klar bekam. Er beobachtete sie und lächelte...
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#432 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 28.12.2008 17:47 © by SuMuze
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Dezemberlicht→ Tries  → Songs

Die Stadt hat heute
Besuch von einer Sonne
die Leute klingen
wieder langsam
Stimmen weich
Gesichter klar
gleich sind die Straßen
breiter wie der Himmel
das Gewimmel
weißer Streifen drin
wie Gassen über uns
sie schaffen Platz
im Sinn und vor den
Türen leiser
ist die Welt
geworden durch
das Licht im Stein
Die Stadt hat heute
Besuch einer Sonne
die Leute klingen
wieder so langsam
die Stimmen weich
die Gesichter sind klar
gleich sind die Straßen
breit wie der Himmel
das Gewimmel
weißer Streifen darin
wie Gassen über uns
schafft Platz
im Sinn und vor
den Türen fast leiser
ist Welt
geworden durch
Licht auf dem Stein
Die Stadt hat heute
Besuch einer Sonne
die Leute klingen
langsam
die Stimmen weich
die Gesichter klar
gleich sind die Straßen
breit wie der Himmel
das Gewimmel
aus Streifen darin
wie Gassen im Oben
schafft Platz
hierin vor den
Toren leiser
die Welt geworden
durch Licht
hell liegt es auf Stein
Die Stadt hat heute
Besuch einer Sonne
die Leute klingen
langsam
die Stimmen sind weich
die Gesichter klar
gleich sind die Straßen
breit wie der Himmel
Gewimmel
aus Streifen
wie Gassen im Oben
schafft Platz
in den Toren
leiser die Welt
geworden
durch Licht
hell liegt es auf Stein

#433 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 27.12.2008 13:41 © by SuMuze
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Spaziergang an einem Weihnachtstag→ Heimspiele  → Songs

Gehe ich neben dir
höre ich deine Schritte
meinen Atem
das Reiben meines Mantels an meiner Hose
den Wind in den Ästen
den Motor des Wagens, der uns von der Straße zu treten zwingt
das Rauschen des Wassers unter der Brücke
das Brausen eines Flugzeuges oben am Himmel
deine Worte
meine Widerworte
den Hund, der jault, weil er in das Eis einer Pfütze einbrach
meine Schritte auf dem gefrorenen Gras neben den Wegen
das Hecheln des Hundes, der mit heraus hängender Zunge um uns kreist
das Tapsen der Sohlen meiner Stiefel auf dem Asphalt
deine Widerworte
meine Worte
das Knarren des Leders deiner Schuhe, als du in die Hocke gehst
das Pendeln der Kordel meiner Kapuze auf dem Mantel
dein Atmen, wenn ich meinen Kopf bei dir anlehne
meine Stimme
wenn ich neben dir gehe.

#434 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 26.12.2008 17:47 © by SuMuze
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Entlassen→ Trennungen  → Songs

Ich ließ es nicht sein.
Die Hand wurde Hinweis
bleich stahl sie die Nacht
sich neigte ein Alles mir zu
und ich fiel.

Ich stand es nicht durch.
Her wieder kehrte der Tag
schwarz seine Spur
im Besten erstarkt.

Ich fehlte am Morgen.
Man gab falsche Flaggen
verdoppelt
unfein.

Ich schrie.
In das Fell eines Hundes
gefiederter Schwanz.

Ich nahm.
Unverloren
im Blau das sich spannt.

Im Gras nun.
Entlassen
bin frei.

#435 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 26.12.2008 00:43 © by SuMuze
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Luft holen→ Zwischenräume  → Songs

Ich spreche in die Pausen zwischen Lauten
in die Räume zwischen Silben zwischen Worten
spreche nicht.
Ich schweige auf den Tönen langer Sätze
auf den Schwingen der Gedanken
bin nicht still.

Puste meine Härchen meinen Arm den Kopf davon.

Ich lebe in den Schalen eingeschlossen
unter Häuten hinter Stoffen in den Wänden
bin ich starr.
Ich wandle auf den Flächen in den Weiten
über Wipfeln über Zahlen über Grenzen
regungslos.

Streichle meine Lippen meine Brauen federleicht.

Ich throne in der Enge in der Lücke in der Kluft
tief eingetaucht in meine Höhlung dunkel
hocke ich.
Ich renne vor den Stürmen vor dem Regen
Blitz und Eis und Hagelschauer weißer Schnee
holt mich nicht ein.

Bette meine Tränen meine Augen meinen Atem mein Gedicht.

#436 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 24.12.2008 18:04 © by SuMuze
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Heiligabend vormittags→ Stadt  → Talks

Kress hatte es kommen sehen. Schon als der Tieflader so forsch in die enge Straße ein bog. Ein wirklich großer Brocken, der den Häusern beinahe bis unter die Dachkante reichte. Der Fahrer hockte wie ein Zwerg in seinem Führerhaus, noch guter Dinge. Aber das wußte Kress besser. Mit zitternden Fingern knöpfte er seine Jacke zu, von seiner Frau darin mehr behindert als unterstützt. Wütend knurrte er, als seine Hände die ihren auf der Jagd nach dem nächsten Knopf überholten. Sie reagierte kaum, war es gewohnt, daß sie ihm nichts Recht machen konnte. "Deine Schuhe!" schrie sie dann aber, als er fast in seinen Puschen aus der Wohnung gerannt wäre. Einen Moment war er unschlüssig. Seine zunehmende Vergesslichkeit traf ihn immer wieder ins Mark. Vor allem, wenn er wie jetzt...
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#437 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 24.12.2008 15:01 © by SuMuze
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Notwendigkeit→ Spitzfindiges  → Songs

Weil, wenn was sei,
was, wenn nicht wäre,
wie es sei,
es anders wäre,
doch wobei
es wie es ist,
nur so sein kann,
weil daß es so,
nicht anders sei,
sei so seit wann
es niemals anders war
und anders wäre,
selbst in dem Fall,
es wär nicht so,
wäre es dann doch
am Ende irgendwie
genau g'rad so.

#438 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 22.12.2008 22:55 © by SuMuze
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Knick infinite→ Spitzfindiges  → Songs

Du sagst, da sei ein Knick,
ein Bruch, wie eine Wunde,
die nicht heilt.
Wieso ein Knick, frage ich dich,
und du erzählst, malst aus,
wie beiderseits es vorwärts geht,
und arglos so ins Leere zielt,
genau just da, wo jener sei,
der Knick, das Übel, dreifach
sei er vermaledeit.
Warum, so frage ich,
denn Altes mir das Neue gibt,
wie sonst wäre hier Ziel
erlaubt, du lachst,
und denkst kurz nach.
Weil ohne Regel nicht
ein Vorwärts sei,
sagt dur,
nur irgendein Voran.
Dann wär' die Regel,
grinse ich,
der Knick, und nicht
die wirre Bahn.
Jetzt riechst du Lunte,
weil du siehst,
ganz ohne Regel
ist das Chaos kaum.
Wir schauen uns
gemeinsam an,
und haben sie
im Zaum,
die Bahn,
von links, von rechts,
von überall,
nun mutet uns
ein simpler Knick
wie wunderschöne
Glätte an.

#439 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 22.12.2008 22:36 © by SuMuze
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Living Target→ Landschaft  → Songs

Leicht ist die Hand nicht
die dich schlägt
schwer nicht ist die,
die dich umgarnt.
Heiß ist das Herz nicht,
das fort sieht,
kalt nicht ist das,
das mit dir fühlt.
Nah ist der Mund nicht,
der dir spottet,
fern ist nicht der,
der zärtlich küßt.
Du solltest reglos sein,
ein gutes Ziel,
Unschärfe ist bedrohlich.
Die Dämmerung
umhüllt dich gut,
präzise ist kein Licht.

#440 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 21.12.2008 21:46 © by SuMuze
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