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Genug gesehen. Dem Gesicht begegnet in allen Weisen.
Genug gehabt. Lärm der Städte, abends, und in der Sonne, und immer.
Genug erkannt. Die Haltestellen des Lebens.
- O Lärm und Gesichte!
Aufbruch voll Gefühl und Geschrei - neu!
A.Rimbaud: Leuchtende Bilder / Illuminations - Aufbruch / Départ
(übers. von Reinhard Kiefer und Ulrich Prill)
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Genug→ Abend  → Songs

Das Lückenbüßerhemd paßt nicht
aus-, vor- und hinterhergetragen
Fadenscheinigkeiten kullern
kalt ist mir geworden
als der Klang
mir aus den Augen
fällt
vorbei am Tag
genug
ist es einmal
nicht alles ist
erzählt
komm – muß auch nicht

#81 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 31.03.2010 22:23 © by SuMuze
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Eine Nacht im Hospital→ Lago  → Talks

Diese braunen Arkaden wollen einfach kein Ende nehmen, denke ich noch, da haben sie schon ein Ende genommen. Das macht mir Angst. Fast habe ich bereits gehofft, alles wäre nur ein Traum, in dem aus den kleinsten Dingen endlose Sachen werden. Wie aus einer einfachen Auffahrt ein sich auftürmender Anstieg, oder aus einem sich vorwölbenden Anbau diese ewig lange Arkade. Aber sie enttäuscht mich, womit sie nicht die einzige ist, die das tut. Seine Eltern haben das auch getan. Und ich konnte ihnen nicht einmal böse sein, denn ich wußte ihre Namen nicht. Auch seiner war mir entfallen. Oder ich hatte ihn noch nie gewußt. Mein Zimmer kam gleich rechts nach der Treppe und der Haustür, wenn du im schmalen Flur standest und nach hinten auf den Hof gucktest. Nicht besonders...
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#82 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 30.03.2010 23:29 © by SuMuze
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Gewitter am See→ Lago  → Talks

Das Gewitter überraschte uns auf halber Höhe des Hanges. Kam vom Norden um die Landspitze herum, leise wie Diebe in der Nacht. Claudio sah es als Erster. Ich kroch noch auf den Knien unter der eingefallenen Mauer entlang. Dort, wo es so herrlich wild roch, wie aus einem uralten Verlies heraus. Meine Finger wiesen haufenweise Kratzer auf und waren über und über mit Erdklumpen verklebt. Ich hatte zwischen den Büschen den Boden aufgewühlt, ohne recht zu wissen, wonach ich da eigentlich suchte. Er schaute zu und amüsierte sich über mich. Wie immer, wenn ich etwas tat, das er nicht verstand. Heute hatte ich einmal dreckig sein wollen. Nicht weiß, bleich, makellos, sondern schmutzig wie die Erde unter den dicken Steinen. Eine Unmenge von Pflanzen wuchs hier, ich kannte sie...
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#83 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 27.03.2010 23:55 © by SuMuze
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Fromm reloaded→ Gier  → Songs

Mein Gott
wie die Dichter heut zirpen
und Mond mir gut schmeckt
wie die Grillen
die ledernen Joppen
die Schals der Geliebten
gestrickt um den Hals
so trefflich dinieren
wie der Ölpreis mich juckt
und ein Papst sich so windet
wie ein Schatzmeister selbst
mein Gott
Dir für immer ergeben
Deine Dienerin gern
schick' nur immer postlagernd
der Russe im Ersten
stiehlt gerne die Post
Mein Gott
habe Mitleid
wie die Welt doch
sich dreht
Meine Hände
mein Leib
meine Lust
Gott
Dir immer gewidmet
Überlebe ich
es?

#84 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 27.03.2010 21:51 © by SuMuze
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Deppenliebe→ Dunkelheit  → Songs

Er würde mich aus Liebe foltern
Flüsterte sein Mund mir in das aufgespannte Ohr
Ich sollte seinen Hieben bürgen
Zeichnete mir seine Stirn und Auge an
Wofür ihm meiner Triebe Wollen stünde

Er band mir Hand und Fuß sehr fest
Von meinem Flehen eisern unbeeindruckt
Zuletzt entband er mir noch einen Gruß
Mein Zittern konnt' sein Tun nicht hindern
Entblößt an seiner Kammer kalter Wand

Das wäre keine Liebe weint' ich
Die Schaden meinem Leib zufügt
Der lügt der nur die Waden will
Statt ihren sanften Stand zu seh'n

Sein Harnisch ließ ihn nicht erhören
Wie laut auch meine Stimme klang
Was mein Gehorsam ihm an Schwüren
Ins Wimmern meiner Schmerzen spann

Er würde meine Schätze bergen
Versprach mir seine Stimme voller Stolz
Entgegen jeder schweren Hürde
Wie seine Hand mit meinen Haaren spielt'
Die geile Schergen ihm auftürmten

Er las in mir als wäre ich ein Buch
Ich wand mich unter seiner Neugier oft
Kein Fluch gebäre übler Ungemach
Nichts hielt ich fest gegen mein Wissen
Als Trug mit Wahrheit zu beschweren

Das ließe mir nicht Luft sagt ich
Was mir das Innerste umstülpte
Ich bräuchte helles Licht bei Tag
Das meine Felder mir besamte

In seinen Armen kam die Nacht
Die mit dem Schlaf Vergessen bringt
Wie wollte ich daß seine Stimme
Mir leise von Erlösung singt

Wir waren Trottel dumme Kröten
In deren Quaken Blödsinn ist
Nichts konnte all die Risse löten
Die keine Gier jemals vergißt

Ich lernte schon wie er die Peitsche schwang
Endlosigkeit schien Ziel der Liebe
Ein Kreis nur vorgetäuschter Stetigkeit
Die nachgezogen kluge Spur der Triebe

Ich habe uns allein gelassen
Sprang in das Wasser ohne Mut
Am Ende blieb ein dumpfes Hassen
Erst Einsamkeit macht wieder gut

#85 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 25.03.2010 18:08 © by SuMuze
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On Smoking→ Avantgarde  → Algebra
#86 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 23.03.2010 18:42 © by SuMuze
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Weltuntergang→ Moderne Zeiten  → Songs

Die ich nicht Dir Bin die Bin ich Mir nicht Bin ich und Werde sie Niemals.
Du hast den Mp3-Player auf meinem Nachttisch liegen lassen.
Ich starb an beißend heißem Rauch als Hexe. Viel Hundert Jahre ist das her.
Es gibt bald Pillen gegen Armut. Genie ist eine Infusion weit nur entfernt.
Sie legen Geld auf tote Glieder. Das Blut in deinem Schoß begießt die Welt.
Der du nicht Mir Bist Bist du nicht Dir Bist du Dir Nimmer keinen Tag Jemals.

#87 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 22.03.2010 22:42 © by SuMuze
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Auf der Arche→ Family Days  → Talks

Noah, der Bruder meiner Freundin Melanie, war ein richtiger älterer Bruder. Nicht so wie meiner, der, wenn überhaupt, diesen nur spielte. Nein, Noah war 24 Stunden am Tag, was er sein sollte. Er war überhaupt immer alles, was er sein sollte. Sein Vater saß über lange Jahre hinweg wie ein göttliches Orakel im obersten Stockwerk eines hypermodernen, zweistöckigen Hauses in einem gewaltigen Büro, von dem aus er das ganze Tal von Nord nach Süd überblicken konnte. Dort zeigte er seinen andächtig lauschenden Patienten anhand grau-schwarzer Bilder, die an das Leichentuch Christi erinnerten, warum sie sterben oder leben oder keins von beiden würden. Und warum sie, ganz gleich wie seine Prognose auch ausfiele, für seine dürren Worte spätestens zum Quartalsende so gar nicht...
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#88 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 21.03.2010 19:44 © by SuMuze
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Um die bleiche Zeit
Revision # 2
→ Dunkelheit  → Songs

Auf meiner Alabastertrage
gehäkelt hänge ich da ab.

Fluß aus den Moden
modernster jeder Tage
im Reziproken
wenn Nebelzeit beginnt
betrete ich verlegen Land.

Auf meiner Aplhornrutsche
bin ich wie neu gedengelt.

Sense für das Gras
gefräßige Gespielin
im Matrimonen
Bluthochzeit im heißen Sinn
sinke ich stolz dahin.

Kann keine Spalten zählen.
Betrüge mich,
der Lüge Kind.

Kolossos war mein Schwager,
der Schauinsland das Lager
der einen Liebe, der,
der wir auf ewig
angekettet sind.

Auf meiner Nachholstatt
Geschmack im Auge.

Blank in der Not
belogen aber
nicht vernichtet.
Ein Gott, der mit der Aufzucht
kalter Evangelien droht.

Mein Priesteramt,
die Saturnalien.

Der Gelbrock
der das Silber stahl.
Zum Zikurrat gestiegen
erblickt Verräterstirn
das ferne Mal.

Auf meinem Ordenslaken
dem Gottmensch
keusche Frau.

Der Judaslohn
hat uns den Spaß verdorben.
Beim Hahnenschrei
ist es vorbei.

Komm, kleine Taube
such dir ein Kleid.
Nicht gut ist nackt sein
endet die bleiche Zeit.

#89 of 1729      [Backlink]      Posted at Friday 19.03.2010 10:53 © by SuMuze
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Ein treuer Freund→ Tod  → Songs



Ich kann ihn gut leiden, er ist sanft, was ein Wunder, er ist ganz am Schluß. Sein Atem ist weich, seine Hände sind Wände, gemauert wie Zeit, jede Ritze ein Schloß. Er dringt in mich ein und er füllt meinen Schoß. Meine Glieder sind Bahnen, auf denen er fährt. Meine Stimme beschreibt ihn, meine Finger Gerüst seinem ewigen Wünschen. Er träumt, wie ich bin.

Ich habe ihn kommen gesehen. Ich spürte das Zittern als Zeichen der Lust. Jeder Schritt war mir Warnung, jede Geste Genuß. Seine Augen erwärmten, seine Haut stählte mich. Großer Halt in der Tide, kalte Dusche, Verdruß.

Ich bin seine Ohnmacht, ich trachte nach ihm. Halte Ausschau nach Klarheit in den Nebeln der Zeit. Ich krampfe für ihn, jeder Muskel bereit.

Steil ist sein Stürmen. Stark seine Gier. Zerschunden mein Zaudern, zerteilt ist mein Hier.

Kommst du wieder, fragt einsam mein eigenes Ich. Seine Antwort ist vage. Mein Verlangen ist dicht.

Staub bin ich ihm, die Stelle des Selbst. Seine Statt sind die Gräber, sein Bett ist das Licht.

Ich kann ihn gut leiden, er ist hart und er trifft.

In die Schatten des Tages flößt er seinen Trost. Stumm und verschlossen. Ihm verschließe ich nichts.

Auf den Wellen des Meeres krönt er sich Triumph.

Er endet. Ich folge. Sein Reich dauert an.

#90 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 16.03.2010 21:39 © by SuMuze
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Die Liebsten→ Love & Affection  → Songs

Sie kratzen nicht dein Inneres mit ihren Messern aus.
Sie schaben nur am Rand herum wie Vögel, wenn sie Zweige prüfen.
Sie poltern mitten durch die Leere in dir drin.
Sie ritzen an den Wänden um dich her.

Sie sitzen wie die Raben, und sie warten seelenruhig.
Sie holen sich aus dir, was geht, wie Fischer mit den Netzen.
Sie laben sich am Fang und tanzen um ihn her.
Sie pranzen mit den Schätzen deiner Welt.

Sie sind dir Feinde.
Kalte Weggenossen.
Sich einig,
du bist dir entzweit.

Sie hocken still im Rund.
Sie picken in dein Fleisch.
Sie pochen an der Stirn.
Sie trommeln noch am Grab.

Sie kommen, wenn du weinst.
Sie horchen, wenn du greinst.
Sie stecken ihre Schnäbel ins Geäst.
Sie zocken um dein Glück.

Sie sind das Unheil,
stolze Götter.
Sie herrschen,
du gehorchst.

Sie tanzen durch die Nacht, die du erleuchtest.
Sie jubeln in den Tag, den du erschaffst.
Sie siegen, wenn du scheiterst.
Sie sind, wenn du nur bist wie schwarze Nacht.

Sie geben nicht,
sie haben.
Verlust ist,
was du gibst.

Kein Laut ist in der Stille,
kein Wort, kein Satz.
Nur Wille,
kein Begehren.

In deiner Mitte
ist ihr immer guter Platz.

#91 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 16.03.2010 20:52 © by SuMuze
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Si era chiamata Vera→ Falten  → Talks

Die Villa, erzählte Kyffhäuser und schwenkte sein Glas Cognac wie ein Bischof seinen brennenden Opferstock durch die Luft, sei von einem Veroneser Kaufmann errichtet worden. Ganz im Stil eines Versuches, römische Wuchtigkeit mit griechischer Eleganz und den Materialien seiner Zeit zu vermählen. Man habe den Kies aus dem See zu schmalen, steil ansteigenden Terrassen gegossen, kostbare Erde vom Hang darauf angeschüttet, wieder starke Fundamente aus Kies errichtet und endlich aus Marmor und Ziegeln und großen Findlingen die tragenden Mauern hochgezogen. Das ganze sei so elegant wie ein Puff in Castrop-Rauxel, kicherte er, und ein paar Tropfen seines kostbaren Getränks schwappten über den Rand des sicherlich mundgeblasenen Schwenkers hinweg und benetzen seine graue Weste...
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#92 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 16.03.2010 00:03 © by SuMuze
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Zwischen Fall in der S-Bahn→ Alltag  → Songs

Regen rieselt scheiben runter
aller feier abend liche
rentner rallye wagen
treiben braven bürgern
rüdeste rabauken laune aus.

Ganz kleine kinder gucken staunend
feine frauen finger falten
tages zeitungs seiten
ohren stöpsel schnattern
schneidig modisch ohn macht lebens lang.

Ober leitungs blitze blenden
eisen räder kreischen endlos
auf metallisch engen kurven
schaukeln stehen de fahr gäste
gruß los grob gegen ein ander.

Gleit zeit müdig keit gelähmt
gelingt kein schlaf
halb grau geht tag zu ende.

#93 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 15.03.2010 16:56 © by SuMuze
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Ausfahrt im Winter→ Draußen  → Songs

Hat dir mein Pelz die Kälte fern gehalten?
Mein heißer Wind die Leere deiner Plätze leicht gemacht?
Hat dir mein Summen in der Nacht,
wie meine weißen Linien, Freude in dein Nichts gebracht?

Du trudelst wie ein ruheloser Drachen durch die Luft.
Ein Pfand des Himmels gegen Welt.
Ich atme deine Wangen, ich halte deine Kraft,
die meine Glieder beieinander hält.

Ich weiß um deinen Traum.
Träume ihn, wie meinen, mir just verliehen,
Gemme meiner Macht.

Jetzt bin ich übersät mit deinen Flecken.
Kein Scheuern reinigt mich.
Jetzt bin ich stolz als deine Werkstatt.
Das Brennen meiner Haut mein Preis.

Im Hof ist angespannt.
Aus weichen Nüstern bläst es brav.
Das Pflaster läßt die Stiefel dröhnen.
Das Holz der Ställe riecht nach uns.

Ich höre meine Hufe scharren,
auf meiner Kruppe straffen sich die Zügel,
zwischen die Lippen zerrt sich das Gebiß,
vom Haus her leuchtet es wie Trost.

Hat dir mein Zug die Last erleichtert?
Die fest gezügelt angeschirrte Lust?
Ich kann das Zittern deiner Knie spüren,
wenn auf dem Bock du nach den Riemen faßt.

Um mich sind Stimmen, leise Worte.
Es wird gelacht, und Leder knirscht.
Das Tor steht offen, Felder warten,
der blaue Schnee des Todes kratzt.

Hat dich mein Betteln gut gehärtet,
als ich in deinen Betten lag?
Vom Glockenturm schlägt es gleich Zwölf.
Wir fahren aus, ein neuer Tag.

#94 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 13.03.2010 16:39 © by SuMuze
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Winterende→ Winter  → Songs

Zwei tote Spatzen liegen mitten auf dem Schnee.
Ich glaube, daß es Spatzen sind.
Sie stecken mit den Schnäbeln tief im Weiß.
Wind zupft an ihren Federn.
Dreck liegt direkt daneben.
Aus vier Kaminen auf dem Dach einer Fabrik
steigt Dampf hinauf in einen endlos blauen Himmel.
Ein fetter Mann kratzt Eis.
Wohin die Sonne länger scheint,
sind Pflastersteine grau und leer.
Silberne Streifen fliegen über mir
endlose Strecken durch die Welt.
Die Menschen sind vermummt.
Wir alle warten.

#95 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 11.03.2010 23:36 © by SuMuze
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Vatermörder→ Zorn  → Songs

Nimmer reite ich diesen Schimmel
Wie er wiehert dieser Wicht
Heiß immer treibe ich die Leiber
Rappen, die prallen gegen Rippen
Füchse fallen unter mich.

Goldmarie hat Milch gegeben
Blass bemäntelt Bargeld Welt.

Toll wie Traumeleins Trompeten
Strophen unter meinen Melodien sind
Spielst du spitz meine Spaltenoper
Hohl wie nur Sonate klingt?

Im Becher bricht sich Brandung
Das Eismeer leistet jeden Eid
Der Gläubiger glaubt Größe
Der Däumeling ist dumm und dräut.

Ich kann die Kleinheit nicht ertragen
Die ihre Finger filigran verflicht.

Warum kann mir kein Wort es sagen
Ob ich wohl lebe oder nicht?

Ich tanze mit dem, der mich tadelt
Ich liege dem, der lügt, gespreizt
Ich adele, wer alt mir scheinen kann
Ich weine, eiskalt ausgereizt.

Und alle Hoffnung hat sich eingeschworen
Auf jede Pracht rund um den Mummenschanz
Ich rechnete mit den Piloten
Wie grausam gar ihr Aufprall war.

Nun schlaf, mein Kind, es schläft sich bestens
Zwischen den Schenkeln lauert Tod
Da sind die Kissen, Gold des Westens
Und auch ein Vater in der Not.

#96 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 08.03.2010 22:28 © by SuMuze
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Die Früchte der Lüste→ Gier  → Songs

Da hat er mir den Mann gemacht : das fand ich : wunder schön
Zog kurz an mir, ich gab ihm nach : ich wollte ganz : nur sein
Riß an der Tür, die Tür ging sacht : er stand auf : mich zu sehn
Dann haben wir uns angelacht : komm laß uns gehn : gleich heim

Dort hab ich ihm Kaffee gemacht : früh um sechs : er im Bad
Hab am Gerät herumgemacht : habe geträumt : wie's war
Ich hab ihn noch in mir gehabt : tief und leis : zart und hart
Der Dampf hat meine Hand gefaßt : ich seinen Mund : er's Haar

Dann haben wir Frühstück gemacht : er hielt mich : ich's Croissant
Hab über ihn still nachgedacht : er war es mir : und doch
Gab gar nicht auf die Stimme Acht : die machte : falschen Ton
Fand Gründe für und aus der Nacht : ob ich ihn gern : gemocht

Da habe ich mich umgebracht : wollte nicht : weiter sein
Hab in das Tageslicht gelacht : das machte mich : so schwer
Kreiste hinab in einen Sog : sind Tränen : immer klein
Niemand der mir das sagte und : ich fragte nicht : nach mehr

Da habe ich es gut gewußt : ich bin : in mir
Das hat mir Trost gebracht : ich war es : und nicht er

#97 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 08.03.2010 22:03 © by SuMuze
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Tage im Vormärz→ Alltag  → Songs

Ich habe jetzt der Welt entsagt.
An einem Dienstag,
ich glaube, es geschah so gegen Neun.
Den Morgen
hat mich der Zahnarzt malträtiert,
ein wahrer Sadomeister,
wie er die Spritzen setzt,
den Bohrer führt,
sein Knie fest gegen meinen Schenkel,
o großer Herr, ich dein,
mein Zahnfleisch beugt sich
willig deinem Daumen,
wisch mir die Tränen vom Gesicht,
ich wehre mich
und weiche nicht,
ich zahle gleich am Ausgang.
Am Nachmittag bin ich sehr süß.
Die Winterhaare
wehen hell im Wind,
die roten Wangen rosig,
die Augen immer noch getrübt,
ein Zittern rund um meinen Mund,
Schmerz und Ergebung,
Kind.
Im Fleischerfachgeschäft
bin ich als Erste dran,
das Mannsvolk
in der Schlange murrt nicht sehr,
die Frau mit ihren dicken Oberarmen,
die tote Tiere an die Kundschaft gibt,
schenkt mir ihr schönstes Lächeln,
ein warmes, schweres,
voll Verzicht.
Niemand schenkt ihr ein Schöneres,
unter dem langen Kittel
spannt sich ein arbeitsloser Bauch.
Der Abend hat der Lust gehört,
zwei Hundert Zeilen
weiter in dem Buch,
das mir
buchstäblich
auf dem Magen liegt,
mein Rücken lag derweilen
rücklings das Laken platt,
und meine Lippen küssten kalten Saft.
Nachts floh dann meine Macht von dannen,
ist mir im Schlaf
zum Fensterspalt hinaus entwichen,
ich habe mich um Mitternacht,
so schlecht war mir,
des Saftes wegen
und wegen meines Schlechtgewissens,
wie eine arme Sünderin
die Treppe hoch geschlichen,
und klopfte bei den Nachbarn an.
Die Tür zu meinen Nächsten
blieb verschlossen.
Nun bin ich ganz allein.
Ich schreibe auf,
wer in der Einbahnstraße,
die unten vorm Café,
in dem ich unauffällig
wütend Kuchen esse,
der mir nach Kunstaroma schmeckt,
oh weh, was wird mein Magen rebellieren,
die falsche Brille trägt.
Ein Islamist mit Frau und Kind,
am Handgelenk ein braunes Täschchen,
zeigt sich da keck im Tageslicht.
Zwei Hunde liegen neben einem Jungen,
und dessen niedliches Gesicht
ist arg mit Dreck verschmiert,
zwei Mädchen schauen hin
und wieder weg.
Ein Rechnungsprüfer
mißt Abstände von Tür zu Tür.
Ich möchte gern in Bari sein,
das ist das Meer in Ewigkeit.
Da säße ich und läse Zeitung,
ich kann gut rückwärts lesen,
auch schwimmen kann ich gut.
Ich habe feine Härchen auf den Armen.
Der Kellnerin steht, wie sie geht,
doch was sie anzieht, nicht.
Die Erde bebt jetzt überall,
und Währungen geraten in ein Wanken,
daß unsereins ganz bange wird.
Mein Geld läg sicher bei der Bank,
hat mir die Frau gesagt,
in deren dunkelblauem Wollkostüm
ich keine Worte fände,
weil Mobbing droht,
Kollegenschelte
oder ein Boss,
der drunter greift.
Ich muß mein Auto
in die Werkstatt bringen,
und diesmal
gehe ich zur Wahl,
ich will's jetzt endlich wissen.
Zwei Tische weiter sitzt ein Mann,
der hätte gerne Sex mit mir,
oder der Kellnerin.
Er schaut uns beide
aus sanften Augen unentschlossen an.
Die aber steht auf einen,
der hat gleich zwei verschönte Damen
an seinem vollgepackten Tisch,
und kaut auf seinen Lippen.
Die Eine trägt sich rot,
die Andere in Grau, er aber blau.
Ich traue keinem Kettenkarussel,
ich reise gern auf Flugzeugträgern.
Mein Stern geht auf,
ich bin im Safe die Katze,
nur weiß ich's nicht.
Niemand hat mir gesagt,
woher der Strahl mich trifft.
Ich rufe nach Bedienung.
Die Rechnung kommt zu spät.

#98 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 06.03.2010 18:25 © by SuMuze
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Die Regentänzerin→ Großstadt  → Songs
Rinnt Wasser durch die Regenrinne
vom Dach herab durch dünnes Blech,
fängt sich als wächsern harte Finne
in einem reglos staunenden Gesicht.
Ein Fischkopf, runde Löcher gucken,
die nassen Haaren sind wie Schuppen,
die Fingernägel spitz wie Stein,
so schwemmt es sich zu mir herein.
Der Mantel wird zur steifen Rüstung,
die Ledertasche blanker Schild,
die Knie reiben Strümpfe wund,
aus deren Schlauch ihr Schenkel quillt.
Ich kannte sie, da war sie Tanz,
Musik, Entzücken, wild und schön,
jetzt kränkelt leicht ihr Sonnenkranz,
im Blick ist Müdigkeit zu sehen.
Die bist die Kleine mit dem Beutel,
den krummen Beinen und dem Zeh,
der niemals ganz verheilen wollte.
Sie lacht. Mir tut der Fuß fast weh.
Jetzt bin ich groß, mein Zeh gesund,
und niemand redet meine Waden
aus Neid auf meine Ecken rund.
Sie lacht und schaut sich um im Wagen.
Und jetzt steht dir die Welt weit offen?
Der Mund zeigt spöttisch Zähne,
doch deren Ton ist schlecht getroffen,
zu kraftlos klingt die Häme.
Jetzt lebe ich in meinem Kreis,
und rümpfe meine Nase nur,
wenn ich nichts Besseres mir weiß.
Sie lächelt, ja, du bist gern stur,
Regentin ohne Land und Lehen.
Sie freut sich, wenn sie beißen kann,
an ihren Knöcheln kann ich's sehen.
Und gibt es jetzt da einen Mann,
der in sein Schatzkästlein hinein
die Gemme senkt, die stets blass scheint?
Sie ist noch immer gern gemein,
ich bin es nicht, um die sie weint.
Auch sie war jung, auch sie ein Kind,
mit Blitz und Donner unter Kissen.
Seltsam, daß wir aus einer Lehre sind,
die gleiche Gier, und kein Gewissen.
Der gleiche Silberschmuck als Haut,
aus einem Guß, geschmeidig,
sie war für den Moment gebaut,
nur wenn sie strahlte, bei sich.
Dann schlug sie aus dem Stand Gewinn,
gab jedem Schritt Geschwindigkeit,
lieh jeder halben Drehung Glanz,
war ein Komet für kurze Zeit.
Mich packt im Hals die Stolperangst,
bin hier im Stehen eingenickt,
die Gossen längs der Straße sind
mit kalten Träumen eingedickt.
#99 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 03.03.2010 00:06 © by SuMuze
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Kritischer Rationalismus→ Lügen  → Songs

Ich glaube nicht, daß Wind das ist, was wild gepeitschte Bäume mir quer über leere Felder ins Gesicht her fächeln.
Ich glaube, daß du lügst, als wäre ich ein Kind, das sich ein Himmelsreich erbaut auf jedes dumme Glücksversprechen.

Ich glaube nicht, daß Wahrheit liegt in dem, was bunte Punkte mir aus Spannungspotentialen farbig schimmernd zeigen.
Ich glaube, deine Hand streift mit Bedacht mein Haar, weil meine Kräfte, werde ich liebkost, zum sanfter Werden neigen.

Ich glaube nicht, daß Schmerz mich heilt, den mir Erinnerung als Trost vom Scheitel zu den Zehen durch die Adern schickt.
Ich glaube, daß dein Bild sich eingebrannt hat, tief in die zarte Haut rund um mein Herz, damit es sieht, warum es weiter tickt.

Ich glaube nicht, daß Morgenlicht die Wunden aus der Nacht so schnell vergessen läßt.
Ich glaube an die hellen Tagesstunden. Dann sehe ich, wohin dein Schatten fällt.
Und wo du bist.

Ich glaube nicht, das drei mal vier nur zwölf ergibt.
Ich glaube an das Bäcker's Dutzend.Wie immer gibt es einen zu.
Und einen, der den Hunger schiebt.

Ich glaube nicht an ganze Sätze.
Ich höre nur auf's Wort.

#100 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 01.03.2010 10:43 © by SuMuze
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Mütterlich→ Family Days  → Songs

Als ich einst minderjährig war,
oh ja, da habe ich mich oft verführt,
und, Gott, ein jeder Zoll auf meiner Haut
war makellos und bleich.
Ich tanzte spät den Bruderkuß,
wenn kühl der Wind vom Tal hoch kam,
dem Schwesterfreund war ich,
was seine blassen Lippen murmelten,
und mehr.
Ich glaubte mich, ich war.
Ich habe auf dem Rasen vor dem Haus
dem Hund ins Ohr geschrieen,
was mir kein Mensch
gestattet hätte, es zu schreien.
Die Treppe hoch zu mir war schön.
Der Mond bemalte sie mit Glück.
Und manchmal, spät,
da saßen wir zusammen.
An das denke ich gern zurück.
In mir lebt niemand heut.
Ich lebe ganz allein.
Ich pflanze jetzt den Rasen,
auf dem ein Hund einmal
ein Mädchen weinen machen kann,
ich komme nicht dagegen an.
Ich plane jetzt die Treppe, die
von nackten Füßen sanft,
die neuen Schuhe in der Hand,
liebkost die Liebenden beschützt.
Ich stelle Gläser ins Regal.
Die Sonne scheint herein,
am Morgen und am Nachmittag,
und in der Nacht ist niemand nicht allein.
Ich habe Steine mir gesammelt,
die häufe ich als Wohnstatt auf.
Ich schaue südwärts,
blaue Wolken,
Dunst, Rauch zu Hauf.
Ich liebe Perfektion.
Ich kann die Kanten meiner
Unterschenkel gegen das Holz
der Beine unter diesem Tisch
fest reiben. Ja, es tut mir weh.
Ich lege meine Hand
rund um das Porzellan.
Bin immer minderjährig.
Und dennoch geht’s voran.

#101 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 27.02.2010 16:54 © by SuMuze
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Golgatha→ Dunkelheit  → Songs

Es geht die Straße hoch am Hang,
sanft schwingt das Band sich auf,
in weiße Streifen eingezäunt,
von trocknen Steinen untermauert,
Staub unter dürren Büschen, Schmutz,
das Sonnenlicht wirft Pfützen
auf die schimmernd helle Windschutzscheibe,
die müden Augen meiden ihre Flächen wie die schwarze Pest.

Dahinter Kraft, die scheußlich riecht,
von Hitze aufgeweicht schmatzt
Asphalt naß an Reifendecken,
im Schädel zittert jedes Bild,
das haltlos an den Fenstern hängt,
der dünne Stoff des Kleides wirft
scharfe Falten in den Schweiß der Schenkel,
die stechen wie ein Dorngestrüpp im heißen Ledersitz.

Die Sünder werden nicht gekreuzigt.
Kein Publikum, das applaudiert.
Ein alter Mann, das Kainsmal auf der Stirn,
steht atemlos beiseite, schaut,
ein Trupp von Sportlern stürmt vorbei,
nach oben, dort, wo es nicht weiter geht.
Der Blick wird weit da und ergreift das Herz.
Man scheut nicht starke Worte für den wunderschönen Berg.

Das Weglose lockt die mit Mut,
Erfrischung den, der bleibt,
hier sind die Bäume ausgezählt,
Natur wird karg, die Menschen frei,
der Fels zeigt sich, der Herr der Welt,
auf dessen Schultern alles ruht,
fürstlich, wie jede Scharte seiner Klamm sich
wie der Schatten einer armen Seele aus der Tiefe aufwärts stemmt.

Ein wenig Ferne auf dem Gipfel,
die Luft kommt von weit her,
ein Meer aus lauten Ausschauhaltern,
aus grellem Blech, ein buntes Allerlei.
Man hat ein Kreuz aus Eisen
mit einem schmalen Dach errichtet,
auf einem runden Haufen aus Geröll,
damit der Stahlheiland nicht immer in den Himmel schaut.

Wir fahren auf nach Golgatha.
Kein Falsch liegt in den Tälern.

#102 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 27.02.2010 16:52 © by SuMuze
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Verlorene Verliebte→ Love & Affection  → Songs

Zu Liegen, weich und dicht an dir,
ist mir Geometrie, ist Lieben,
wenn die Wirbel deines Haars,
im Spaß, im wilden Kinderjubel,
buntem Trubel meiner Lippen doch
sich noch an mich erinnern, kraus
war immer schon dein Haar, die Stirn,
wie gern sah ich den Schimmer,
fein am Abend, den vom Tag die Haut
noch barg, vertraut und hell, auf ewig schön.

Zu Weinen, nur aus Glück, ich gab
dir jedes Stück aus Meinem, nahm
von deinem Atem, rannte dir davon,
als Lohn für jede deiner Missetaten,
griff nach dir, schier unermüdlich,
stündlich segelt irgendwo ein Schiff,
verläßt ein Zug die graue Plattform,
voll von Hoffnung für den Rest
der Strecke auf den blanken Schienen,
denen jede Reisende ihr Schicksal anvertraut.

Zu Wimmern, weil nichts da wäre,
das die Leere nähme aus dem Zimmer,
mit den Fingern tasten nach den Kissen,
wissen, nichts wird dich mir wieder bringen,
Straßen nicht, nicht offener Himmel,
kein Gewimmel schneller Jets im blassen
Blau vereister Hoffnungslosigkeit,
der Schnitt der Zeit, das laute Klopfen
in der Burst, es sprengt sie fast,
voll Hast vergeß ich alles, was ich je gewußt.

Zu Suchen, gegen besser wissen,
das Vermissen ist ein Fluch,
der Schlaf ein weiser Segen,
der mich gegen alles schützen darf,
sein dünnes Leinentuch auf mir,
bin ich im hier nur kümmerlich,
doch oben, über allen Gärten
härten sich die Wurzelproben
meines Daseins unten, purpurn
fest dem Ansturm tief verhasster Einsamkeit.

Zu Bitten, sanft den Kopf zu beugen,
zu bezeugen, vor dem Dritten,
dessen Skepsis beißt wie Tod,
sein kaltes Wort beweisen, seine Thesis,
bis ans Ende aller Not, dem Regen,
der mich tränkt, den Händen, weich,
an denen doch mein Leben hängt,
der Wärme meiner Scham, dem Sehnen,
wenn er kam, ein sanfter Mörder,
seine Lippen hob mein Kuß aus dieser Welt.

Zu Liegen, wie ein Ja-Wort sich
dem Fordern anzuschmiegen,
Staub auf leeren Tischen,
zwischen Dreck und nassem Laub
kann ich sie hören, flinke Füße,
die so süße Träume beibeschwören,
von dem Wind, der Zweige schüttelt,
der mich rüttelt, wiegt, und blind
sind in dem Licht aus fremden Fenstern
die Gespenster meiner Ängste, beinah lächerlich.

Hier zu Liegen, endlos, immer, ohne Ziel,
ich fiel, verlor, du nicht, du Liebster,
liebst das Siegen, vor den Preis,
den deine Siege dir zutragen,
legte vieles, so wie ich, sich dir
vergeblich in den Weg. Ich singe,
leise, sorge, daß du nicht
zu früh in einen trüben Morgen
grausam
aus dem Schlaf erwachst.

#103 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 24.02.2010 00:22 © by SuMuze
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Die Straße der Copykrieger→ Moderne Zeiten  → Songs

Das Alter findet Jugend satt in Tanzlokalen,
die Jugend findet sich gefunden geil.
Die Armut sucht die Ehre sich in Goldmedaillen,
die Ehre sucht in Sucht das wahre Heil.

Das Wort spricht Münze für das nächste Erntedankfest,
die Münze spricht sich glatt im Zahlungsfluß.
Der Klang schafft sich die Nähe zu dem Ungesagten,
im Nächsten schafft sich Innerstes Verdruß.

Das Lob wird Peitsche für den ewig Ungelobten,
die Peitsche beißt sich liebend in den Schwanz.
Der Tod gibt letzte Zuflucht dem niemals Gelebten,
die Flucht der Strafen flicht den Dornenkranz.

Man munkelt Buchstaben statt Stäbe stramm vereint.
Der Tanz der Krüppel krönt die glänzendste Neuzeit.

#104 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 21.02.2010 20:40 © by SuMuze
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Liebe 2.0→ Avantgarde  → Songs

Liebe in Zeiten reglementierten Zugangs zum Kontextmenu.
Ah, Item 1, Datei editieren, ein Schatten liegt über dem Tal.
Die Rückstellungstaste wurde klug umbenannt.
Ah Ja! Break. Reset.
Jeder Packung Kondome liegen Handschellen bei.
Ein Querdenkregal bedeckt vor mir die Wand.
Nicht ein Buch wie das andere, nicht ein Satz, der um fällt.
Missionarischer Eifer im Doggie-Style. Hart.
Die Kehle der Lerche im Busch klingt nach Arnikaschmalz.
In der Küche die Frau mit Drittmittelanstellung.
Leises Surren, Motoren, eine neue CD.
Feststelltaste, der Penis so groß wie die Revolution.
Cranberrysaft, natives Olivenöl, kalt ausgepreßt, Akonit.
Auf Haut und auf Seide glänzt Abendlicht hold.
Im Wagen sprach er mir von Eucharistie.
Meine Lippen empfand er als göttlich.
Meine Ohrmuschel faßte sein Wort.
Verloren, Nußschale in brodelnder See.
Er sagte nicht Titten, nicht Ficken, er meinte es nur.
Aus Gold sind die Kabel zwischen Quelle und Laut.
Meine Einsamkeit quillt in sein Bett.
Autofeed. Impulsives und Raster. Und Zwischeneiszeit.
Der Taumel des Neuen war das Zittern zuvor.
Als sein Ich sich verlor auf der Suche nach Kissen.
Kalte Luft aus dem Outback, das Risiko pur.
Capablanca spielt Schach nur im türkischen Bad.
Ich zähle die Zeit, die das Glück ihm erläßt.
Die Zukunft ein Vater mit gütigen Händen.
Er aber greint in die Leere hinaus.
Item 2. Guided Undo. Das Backup bereit.
Die Angst vor dem Bit-Überlauf. Left Shift zwei!
Adressen Register für immer gelöscht.
Was tust du, wenn Adam beim Dammriß versagt?
Vor dem Herd ist Gutwilligkeit gerne gesehen.
Blaues Leinen, graue Wolle.
Der Wein aus mit Händen geformter Natur.
Das Geld macht dezent.
Das Flaggschiff der Jugend imponiert ganz enorm.
Gott schuf die Welt, der Profit zahlt ihn aus.
Die Liebe in Zeiten der Schnelligkeit rennt.

#105 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 17.02.2010 12:56 © by SuMuze
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Das kalte Herz→ Zorn  → Songs

Der wilde Lakenschweiß blüht auch im Winter,
sein Fruchtstand glänzt in Eis auch gut.
Die schroffen Kanten schmerzen auch im Schnee,
ihr Schnitt beißt auch ins Leben, ist es kalt.
Das reißt an dir wie Tau und Stricke,
darüber schwimmt im Grau dein Blut.
Krümm' dich nur hart, und streck' dich,
die nassen Zapfen stechen doch.

Und Summen tust du, wie ein Ofen, die Glut
in seinem Bauch erkennst du voller Lust.
Das Feuer, das dich in den Abend leitet,
prasselt in dir wie endlos angestaute Wut.
Ein wirres, quälendes Mäander deiner Taten,
Freske aus Gips hoch unter deiner Decke,
Kompendium aus Gier, ganz deine Brut.

Wenn endlich Sanftheit um die Glieder schwillt,
rollt sich in deinem Innersten bald zitternd aus,
was immer gleich in klirrend kaltem Frost
wie unter sengend heißer Sonne gilt.
Bist angeschirrt, bist aufgezäumt,
dem Geiferstand wohlfeil verraten.
Hast dich vergebens aufgebäumt,
im Nirgendwo ist dir geringster Trost.

Nichts kühlt die Hitze innerwärts.
Nichts, das es hält, das kalte Herz.

#106 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 15.02.2010 21:30 © by SuMuze
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Abendkind→ Avantgarde  → Songs

Ich kaufe mir Glück in den dampfenden Hallen,
wo lachendes Volk seine Waren ausbreitet,
jedes Teil voller Sorgfalt geformt.
Ich feilsche voll Lust mit den blitzenden Augen,
deren Blick wie die Seide der Kleider
die Mäntel der Börsen durchbricht.
Ich bin Konsumentin, mein Gefühl ist unendlich,
aus den Feldern der Welt steigt mir Trost.

Ich genieße den Reichtum der strahlenden Sonne,
die fließende Wärme der taumelnden Wolken
begleitet mein Leben mit Licht.
Ich atme die Blüten des Morgens, den Honig,
das flüsternde Wasser der Berge benetzt mir
die Zunge, kühl rinnt es zu Tal.
Ich bin Kind der Freude, mein Wort schmeichelt allen,
die Klarheit des Schattens spendet mir Lob.

Ich zähle die Stellen weit vorn vor dem Komma,
mein Kontostand führt für die Halme, die Blätter,
die Zweige, die Stämme genauestens Buch.
Ich gieße das Erz in die glühenden Meiler, ich häufe
Metalle, das lauernde Gold aus den Adern der Welt,
ihren Boden betrete ich ehrfürchtig sanft.
Ich bin in die Falten der Zukunft geboren, die Reinheit
in mir trägt mein ewiges Herz ihrem Ablauf treu ein.

Ich gehe von Kreuzung zu Kreuzung spazieren,
Laternen und Pflaster und steinerne Grenzen
behindern mein Fortkommen nicht.
Ich tanze auf Wiesen und auf schroffer Asche,
mein Fuß weiß den Weg, mein Auge, mein Ohr,
jeder Sinn ist stets bei mir und wach.
Ich bin auf den Gipfeln, meine Bahn ist der Kammweg,
mein Etmal ein Kreis aus Tangenten im All.

Zwischen Dornen liegt Brachland, verfaulendes Holz.
Mein Lächeln schwebt lindernd umher.

#107 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 14.02.2010 11:33 © by SuMuze
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Vom Zweifel→ Zweifel  → Songs

Wo sie nur bleibt – denkt er,
sie denkt nicht an ihn.
Was sie nur tut – fragt er,
sie fragt nicht nach ihm.

Er hält ihre Hand,
seine Finger sind fest.
Von den Lippen klingt
jedes Wort weich.

Wohin sie nur schaut – will er
wissen, sie zeigt es ihm nicht.
Warum sie nur schweigt – mahnt er
leise, sie sagt es ihm nicht.

Er dreht seine Stirn
nach dem Tageslicht hin.
Auf den Dächern liegt
immer noch Nacht.

Weshalb sie nur zweifelt,
er weiß es, er tut es, sie nicht.

Er wartet. Der Morgen tanzt
auf seinem Scheitel.
Der Staub in den Dielen
riecht kalt.

#108 of 1729      [Backlink]      Posted at Sunday 14.02.2010 11:31 © by SuMuze
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Gäste im Haus→ Politik  → Songs

Die Teller hat der Koch nicht eigenhändig seinen Bratenschnitten unterlegen müssen.
Mariechens weiße Strümpfe starrten voller Flecke von der Rettichsahne am Buffet.
Im Keller kramte nicht der Hausherr nach der letzten Flasche Rotwein Languedoc.
Das neue Licht vorn an der Treppe half, daß nicht ein Gast sich seine Füße brach.
Zwischen die leisen Töne aus der Klarinette fiel nicht das Becken laut und schrill.
Zu Tisch aß man sich konzentriert durch jeden Gang, doch trank nicht allzu viel dabei.
Der unverhoffte Wind trieb dennoch nicht die letzten Enthusiasten in den Saal zurück.
Das Blaulicht in den Seitenstraßen ließ Tränen auf den Wangen nicht erkennen.
In seiner Rede ging der Ehrengast des Abends nicht auf die Ängste seiner Hörer ein.
Das Paar mit Fliege auf perlweißer Seide hat die Tür des Kinderzimmers nicht verschlossen.
Zum Abend lagen bleiche Sonnenstrahlen auf dem nicht ganz vollbelegten Tanzparkett.
In seinem Arbeitszimmer fand sich der Staatsanwalt nicht richtig von den Medien zitiert.
Die Mädchen mit den schlanken Gläsern und den schlanken Fesseln lachten nicht von selbst.
Vorm Hintereingang parkte ein Lieferwagen, dessen Fahrer nicht den Aschenbecher nahm.
Neben dem Flügel las ein nervöser Mann im Cut heut nicht zum ersten Mal in seinem Text.
Die Augen unten an der Straße sahen nicht beim Tanz den Schweiß auf bloßen Schultern.
Unter der Zimmerdecke kroch die Dunkelheit noch ein paar letzte Zentimeter weiter vor.

#109 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 11.02.2010 18:22 © by SuMuze
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Der Bär ist in der Stadt→ Wildes  → Songs

Ein Bär ist durch die Stadt gegangen.
In seinem Fell hat frisches Blut geklebt.
Das Blut in bleichen Häuten hat gebebt.
An seinen Pranken haben Blicke sich
und vieles mehr wild angehangen.
Hinter den Fenstern hat man überlebt.
Ein Mann hat ihn zu Fuß verfolgt,
allein, sein Gang schien krumm.
Der brachte dann den Bären um.
Im ausgedünnten Abendlicht
verschwand der Mann mit seiner Schuld.
Die Menschen standen auf der Straße
und sprachen leise von dem Tage,
von Muskelkraft, von List und Jagd.
Und daß der Bär die Menschen hasse.
Und wie das Blut gerochen habe,
ganz ohne weiße Haut um sich.

#110 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 09.02.2010 13:59 © by SuMuze
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Hinter der Schlangenhaut
Revision # 2
→ Von Rändern  → Songs

Ich dämpfe meine Ohren, ganz vergeblich!
Vom Nebenraum her trifft mich jedes Wort.
Zu müde hinzusehen, fang ich den kleinsten Laut,
kann noch das kleinste Flüstern gut verstehen.
Und wie erst das Gebrüll, das mich kaum meint.
Ein Opfer in der Falle falschen Stolz'.

Ich stähle meine Muskeln, auch ein Flopp!
Was nützt mir alles Rennen, Treten der Pedale,
selbst wenn ich flink ins Wasser spränge,
ins Unterholz eintauchte, einem Wiesel gleich,
blieb ich verortet, angesiedelt, mein Weg verfolgt,
wie eine angeleimte Fliege auf Papier.

Ich schärfe meine Zweifel, welch ein Trug!
Kaum ist der eine ausgebildet, lähmt schon der nächste,
dem bald ein dritter höhnisch lachend folgt.
So hoch kann kein Gedanke klettern, so tief
dringt keine Einsicht vor, am Ende sich
zum Anfang nicht zurück zu sehnen.

Ich färbe meine Lippen, eitle List!
Schon hat sich meine Zunge frei gezeigt,
ich summe matte Farben in das Grau,
Schattierung, Dämmerung und fremdes Licht,
der Glanz auf meinen Fingernägeln
stammt nicht von mir, er ist geborgt.

Ich wärme meinen Leib, unstetes Feuer!
Er dient nur dem, der eigene Hitze hat,
und stiehlt sie mehr, als daß er gäbe,
zischelnde Esse, die das Eisen kühlt,
das gierig sich in ihre Flammen warf,
weil sie so hell und fröhlich lodern.

Ich neige meinen Kopf, die Geste trügt!
Ich strecke mich, ich wende meinen Hals,
ich kreise mit den gut geölten Hüften.
Ich atme flach und schweige auch,
zähle genauestens rundum die Blicke,
nicht ungeliebt zu sein, nicht ungewollt.

Ich träume für den Anderen, das Kind!
Verschiebe seine Murmeln heimlich,
glätte still die Schründe seiner Statt,
reinige das Laken seiner Nacht,
die Spuren seines Tages, Rast,
damit er ahnt, was ich ihm bin.

Ich falte Welten ineinander, Zeit!
Die eilt in schnellen Wagen vor mir her,
füllt Dunkelheit mit Überholtem, Beleuchtung
spendet bleichen Schein, verdoppelt und verdächtig.
Ein Wort, vor dem die lauten Worte innehalten,
ein Ruf, der seine Kraft dem Flüstern stahl.

Ich stricke mir ein Kleid, ein leichter Panzer!
Hinter dem Schild setz ich den Pfeil ins Ziel,
mit blanken Füßen Dreck zu spüren, Staub,
den auch ein Regen nicht mehr tränkt.
Das sind nur Fäden, die voller Mut beginnen,
lenkt meine Hand sie um den festen Stab.

Ich tänzele auf rohen Dielen, weißes Mädchen!
Unter den Zehen krümmt sich rot mein erstes Glück.
Das Rascheln unbekannter Schritte, Hast,
die in sich eingekehrte Sucht nach Mehr.
Lang fliegen meine Arme von mir fort, still
schaben meine Sohlen auf dem weichen Holz!

Ich wecke Kraft, die ich nicht selbst besitze!
Entrolle, was sich warm geborgen weiß.
Das sprudelt los, welch eine Freude,
im Lachen jubelt jeder Blitz
aus müden Augen wie ein Morgen,
der jede Nacht vergessen macht.

Ich welle mich, ein See aus Klarheit!
Unter den Lippen rührt sich Mut,
zwischen den Zähnen teilen sich
die ungegessen bitteren Früchte,
das Korn, das seine Stärke büßt,
wenn in der Hitze sich die Schale teilt.

Ich gieße Langsamkeiten aus, zum Urteil!
Zähle die Steine auf dem Weg,
und liege selbst auf Daunenkissen
gut zugedeckt, mein Schmunzeln singt
von tief versteckten Hindernissen,
vor denen meinen Beinen graut.

Ich liebte einen Mann, der seine Schätze zählte,
als streichelte er im Schlaf sanft seine Braut.
Weil sich mein Trachten seiner Lust vermählte,
hat er mir seine Silberlinge behutsam anvertraut.
Die legte ich auf reine Leinendecken, und zeigte
seinen Zwecken folgsam meine Schlangenhaut.

Im Ozean verschwinden Flüsse, der Himmel weint!
Zwischen den Gräbern alt gewordener Genüsse
verlieren endlos stumme Sätze ihren Lauf.
Nur Widerhall von Wasserstoff und Druck
in eisig kalten Gasplaneten. Und alle Laute
um mich her sind friedlich auf den Punkt vereint.

#111 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 08.02.2010 16:18 © by SuMuze
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Schneeschmelze in der Stadt→ Winter  → Songs

Jetzt in der Straße der Plejaden
Singen die Reifen von der Nacht
Die Kehrmaschinen schleifen
Grellbunte Lieferwagen
Frührentnerblues, Verliebtenstreit
Reste von Winter, schmutzig grau
Naßkalter Atem, kurzer Halt
Ein Ausverkauf im Himmelbett
Der kleine Mann glaubt gar zu gerne
Scheut wider Wissen, was er weiß
Viel mehr als sieben Plagen
Kennt jedes Land seit Alters her
Stahlbleche gaukeln Zukunft vor
Pilotenscheine schwingen mächtig
Expertenwissen läutert gut
Die Bäckersfrau aus Kasachstan
Hat ihren Laden ausgerollt
Einträglich haßt ein jeder Nachbar jede Regung
Und flüstert Beitragsformeln unterm Kreuz
Der Priester hat die Hand erhoben
Blassrosa Striemen für die Zeit
Wenn Lots Weib wild zum Tanz auftritt
Die Lockung ihrer Satanshüften
Legt sich als Wohltat auf die Welt
Der Knall des Leders auf der Haut
Designergürtel, exklusiv
Türsteher für das Paradies
Der Wall aus Geld vorm Fernen Osten
birgt banges Staunen unterm Kleid
Die gute Seele kocht den Eintopf
Pleione zwinkert, Asterope schwänzt
Zur Seide tritt der Latexorden
Der Schwesternkranz im Stummgebet
Du, der Kalfaktor! schreit das Lied
Und alle machen glücklich mit
Alkione steht leuchtend auf den langen Fahnen
Auf Wiederkehr! lautet der Ruf
Getreu durch alle Zeit bewahrt
Jetzt in der Straße der Plejaden
Sind Sonnenbrillen sehr begehrt.

#112 of 1729      [Backlink]      Posted at Monday 08.02.2010 16:14 © by SuMuze
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Lippenwandler→ Love & Affection  → Songs

Du gabst dich Lippen,
zitternde Last auf deiner Scham,
am Rand der Schlucht
tatest du wippen,
es kam, es kam, es nahm,
du gabst so folgsam,
immer wieder,
endlos und wild.
Das Viele wurde Eins,
Zerteiltes Heil,
ein jeder Riß gekittet,
Getrenntes zueinander,
die Pause prahlt im Strom.
Das nennt sich Zweifel,
das wie, als würde es dich wissen,
in deinen Kissen herrscht.
Ein weißer Sturm
durch graue Welt.
Du gabst, als gäbe Geben etwas.
Die Gabe deiner Gier gewann.
Der Augenblick ist die Geburt,
das Eigentliche fremd.
Bleib, Lippenwandler, stumm!
In deinen Lügen liegt die Zeit.

#113 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 30.01.2010 19:49 © by SuMuze
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Winterkind→ Winter  → Songs

An Lob sei Mangel!
Not bei denen,
die im Finstern stehen.
Trost kommt unpünktlich.
Trank, Speise, Labung,
der Würger brächte Ablaß,
dann Nachtmahl auch,
Umschluß, dann Ruhe sei.
Der Leichenschmaus ist Bittgebet.
Es wird dem Vater hinterbracht.
Die Sünde aber bleibt bestehen.

Hast du gebeichtet, abendwärts?
Dem Innersten stark abgeschworen?

In Eingeweiden widmet sich
Verlust dem Reichtum,
Stolz der Pracht.
Ein Gummi reicht, ein Flitzebogen.
Tief in der Nacht
erglüht dein Stern.

Die werfen Steine in das Wasser,
die fest auf ihrem Boden sind.
Du glimmst, die Kleingestalt,
in deinem Glück verschwindet Hast,
Zeit ist dir ein Pivot der Macht.
Verbleibe, blende aus, und glätte!

Nichts steht geschrieben, alles fällt.
In sich bloß edel, reine Gier.
Nach tausend Tagen träumt der Geist,
und Feuer reinigt nicht.

Die Lupe des Verstandes zählt für dich,
zersetzt das Mannigfaltige geschickt.
Entleibt rinnt Gegenwart ins Neue ein,
kein Schrecken, der dich unterwirft.

Zweifel stand auf, ein guter Gast.
In seinen Zähnen blitzt der Morgen,
um seine Backen bläht sich Lust.
Aus seinen Resten kannst du borgen,
weil du stets seine Tochter bist.

Ein Resultat der Ewigkeit!
Aus deinem Lachen speist sich alles,
du Winterkind, in deiner heißen Haut.

#114 of 1729      [Backlink]      Posted at Saturday 30.01.2010 19:17 © by SuMuze
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Nachtschicht→ wet  → Talks

Du mußt keine Angst haben, sagte er. Ich habe keine Angst, antwortete sie. Um so besser. Er griff nach der Flasche und schenkte sich ein. Sein Kinn schien konzentriert, als bräuchte er das. Sie verlagerte sanft ihr Gewicht. Wie läßt du dich nennen, fragte er. Wie willst du mich nennen, fragte sie ihn zurück. Er nickte, lächelte, trank und setzte das Glas sanft auf den Tisch. Ich weiß nicht, gab er zu. Sie atmete aus, entspannte sich. Drusilla? bot sie an. Nein, entschied er, du weißt was das heißt? Sie schaute zu Boden. Tanja, murmelte sie. Ach komm, entfuhr es ihm, was soll das? Sie zuckte mit den Schultern. Werde nicht albern, tadelte er. Sie schwieg.

Die Tür auf die Terrasse hinaus stand weit auf, ein beständiger Strom kühler Luft strich...
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#115 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 27.01.2010 23:25 © by SuMuze
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Montagskind→ Sie  → Songs

Sie ist das Montagskind,
Konfetti um die Zehen!
Ein Alabasterlaken,
tausend glatt,
und fromme Wünsche
von weit her!

Sie tänzelt, wenn sie weiß.
Verkürzt die Lebensspanne.
Ein mykron feiner Docht.
Im Nachtwind grell.
Glut, Teufel, Unglück,
Macht. Sie ist.
Sie weiß.

Sie kam nicht früh genug,
verpaßte Möglichkeiten,
sie stand fest wie ein Ast,
den keiner krümmt.
In ihr sind Tundren,
Alm und Feld,
und schneebelegte Weiten.

Sie ist das Niemandskind,
das jeder will. Wer fragt,
was ihre Augen wollen?
In ihrem Wimpernschlag
zerrinnt der Blick
aus allzu engen Scharten.
Gelacht. Und dann?

Sie ist der Übelstand,
des Schmalhans bange Tochter.
Ein Augapfel, das Dottergelb,
der Wimpel jeder Gier,
in ihren Lippen liegt die Welt,
auf ihren Häuten Glück.
Ein tumber Schuh,
ein Flickwerk, Rost,
das Blatterngold der schwarzen Pest,
ersehnt, doch nie gewollt!

Sie dauert nicht die Woche,
nicht dem, der sah.
Sie hat die Tage abgezählt.
Es fehlte einer. Unverstand,
die Trauer war ihm nah.
Sie kürzte aller Teiler Rest,
unstetig bis zuletzt.

Sie ist das Montagskind,
die Armut. Not.
Sie hat Gewissen,
wenn sie ißt.

Sie träumt den Willen,
der ihr fehlt, Verzicht,
am Ende reglos,
tariert Gewichte
mittendrein,
sie blinzelt, scheitert,
trostlos, und schöpft.
Sie streift die Hülle ab,
das Muster.

Sie ist das Findelkind,
sie reitet Trab.
Auf ihren Wimpern
Heil. Und Stille.
Sie überwintert, ruht.
Schlafende Kraft,
ein Tod, die Schnelle.

Sie ist das Montagskind,
dem Zyklus eingeboren.
In ihren Schläfen sind
die Sterne jung, fast schön.
Und Winter ist,
wo sie sich legt.
Dem Jahr zerzaust
entkommen.

#116 of 1729      [Backlink]      Posted at Wednesday 27.01.2010 22:35 © by SuMuze
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Sehnsucht #5→ Sehnsucht  → Songs

Erst greift da nur ein Wort nach mir,
dann schon ein ganzer Satz.
Gedanken folgen, sehr komplex,
zitternde Finger, Böen gleich,
aus einer Brise wird ein Wind,
aus sanftem Wehen Sturm.
Um meine zarten Häute sind
die Wirbel, Soge, zerren wild,
ich folge g'rad darum.

Am Anfang ist nur Sehnsucht,
der Wunsch, die Leere, Nichts,
es kriecht in mir,
es kitzelt.
Am Ende bin ich aufgezehrt.
In allem schwach.

Erst nur ein Schein, ein kurzer Blitz.
Dann Helligkeit und Klang.

Für immer suche ich den Ort.
Und immer bin ich bang.

#117 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 26.01.2010 19:44 © by SuMuze
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Wintervormittag→ Winter  → Songs

Jetzt, als du sagst, du sagst nicht mehr, was ich gern höre,
da höre ich in deinem Sagen wieder Schweigen.
Noch, als du frugst, war mir dein Fragen kaum ein Sagen,
ich frage nicht mehr. Stumm, seit du verschweigst.
Gleich nebenan streiten zwei Kinder um ein Spielzeug,
der kleine Junge weint ganz jämmerlich nach mehr,
die Schwester hat es ihm streng weggenommen.
Ein schwerer Wagen rutscht im Schnee, Passanten schauen zu,
aus einem schiefen Schornstein steigt makellos gerade
weißblauer Rauch auf in die klare Luft.
Nun weiß ich, was ich wissen wollte, und wollte doch,
ich wüßte nicht.
Zuvor war nicht zu wissen übel, danach zu wissen schlimm.
Und doch.
Drei Schulkinder zerstapfen eine schmale Fläche Schnee.
Ein Mädchen steht am Rande und paßt auf.
Das Licht darüber lächelt. Die Kälte streichelt Welt.
Den langen Stahlleib einer Bahn. Die Spur der Reifen,
die mit dem Eis in ihren Rillen glänzen. Das Mauerwerk,
das in sich lautlos Wärme hält.
Es geht sich anders, liegt der Winter auf den Wegen.
Es lebt sich so, als wäre Leben eng.

#118 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 26.01.2010 10:08 © by SuMuze
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Verführt→ Love & Affection  → Songs

Handrücken verführte.
Das seidige Spiel winzigster Härchen.
Darin sich zu verlieren schien gut.
Mit der Ahnung der Knochen darunter.
Ein geschwungener Bogen ins Nichts.

Das Licht verführte.
Die Weichheit des Abends.
Hinein zu gleiten, wie in den Schlaf.
Eine Spur zarter Angst tief im Hals.
Hinab ging die Fahrt nach dem Dunkel.

Der Pfad aus den Worten verführte.
Der tänzelnde Griff nach dem Sinn.
In den Tälern die Ferne zu spüren.
Wenn der Wind weiter oben schon weht.
Laut lachend ergoß sich die Quelle.

Der Rand verführte.
Der panische Blick in das Nichts.
Wenn die Augen geblendet sind.
Hitze. Und überall Weite und Klang.
Ins Endlose beugten sich Körper.

Verführt.
In Traurigkeit löst sich die Welt.
Auch die Sonne gab nach.
Dunst vor dem kommenden Morgen.

Ein Flügelschlag wispert mit Stimmen nach mir.

#119 of 1729      [Backlink]      Posted at Thursday 21.01.2010 17:31 © by SuMuze
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Der Derwisch→ Mannsbilder  → Songs

Der Wisch, der Derwisch, der,
der Wischerblätter tauscht.
Der täuscht. Enttäuschend,
wie er wischt, weg wischt,
Blatt wischt er fort für Blatt,
kein Mensch mag ihm zusehen.
Das Wischen ist, an sich,
nicht gänzlich unerträglich.
Doch Täuschen ist es meist.
Das Tänzeln um die Wahrheit.
Das Heulen, wenn du weißt:
der wischt nur wie ein Wirbelwind daher.
Ein Gernegroß. Ein Glänzer,
der Glut nur glimmen läßt, nicht heizt.
Der brennt nicht, der bruzzelt, bürstet,
lügt, der gibt nur an, der geizt,
der wedelt wilden Unsinn,
der wünschelt, wispert, wuselt,
scharwänzelt, würgt und wringt.
Der nimmt dir Luft zu atmen,
der raubt dir Sinn zu sein.
Der Derwisch heult sein Leid hinaus,
du wimmerst ganz allein.
Nimm dir kein Blatt vor deinen Mund.
Wisch deine Tränen nicht rasch weg.
Der dir die Blätter legte,
der legt dir auch das Wort.
Dein Wünschen laß ihn nicht
zu leicht dich bar entblättern,
weil es in deinen Blättern stand.
Der wischt nur deine Gärten.
Darin aber bist du.

#120 of 1729      [Backlink]      Posted at Tuesday 19.01.2010 23:25 © by SuMuze
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Susanne Sarfatti, Postfach 21 90 35, 33697 Bielefeld Site Release 2.40 © 2007-2010 S.Sarfatti

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